02-14-2009, 05:53 PM
Währen Dev Harkon beim Erstellen der Skizze sicherte, weiteten sich seine Augen vor Erschrecken. Unzählige degenerierte Gestalten befanden sich auf dem Platz vor ihrem Ziel, schwer bewaffnet und Augenscheinlich – zumindest dem Wrack des Fahrzeuges vor ihnen nach zu urteilen – bereit diese Waffen auch einzusetzen. Mit sinkendem Mut ließ sich Dev aus seiner Stellung auslösen und begann seine Skizze zu erweitern. Nachdem er alles eingetragen hatte, suchte er eine Möglichkeit, wie er den Trupp Soldaten zum Missionsziel bringen konnte, ohne dass sie alle dabei wie eine Herde dummer Groxe abgeschlachtet würden. Es blieb ihnen wohl nichts anderes übrig, als einen Weg durch die Häuserruinen zu erkunden, die sich dunkel und abweisend beiderseits des Platzes erstreckten.
Sie würden dabei auf der rechten, also der Südseite des Platzes vorgehen, da die Fassaden im Norden nicht nur durch die Feuer der Lagernden angestrahlt wurden, sondern weil sich innerhalb der Ruine Lichtpunkte bewegten – was auf die Anwesenheit von noch mehr Abschaum hindeutete. Dev sah sich die Südseite genau an. Die Dächer der Gebäude schienen weitgehend intakt zu sein – was man von ihrem Mauerwerk nicht sagen konnte. Großkalibrige Geschosse und Granaten hatten ihre Zerstörungskraft eindrucksvoll bewiesen und Löcher wie klaffende, schwarze Wunden hinterlassen. Dieser Umstand würde ihnen exzellente Beobachtungsmöglichkeiten während ihres Vorgehens geben. Zu ihrem Glück lagen die Feuer der Mutanten weit genug von den Fassaden entfernt, um sie nicht in hellen Schein zu tauchen. Statt dessen lagen die Ruinen in einem dämmerigen, von Schatten durchzogenem, Zwielicht. Die Zerstörungswut der Mutanten und Gangs hatte genug Deckungsmöglichkeiten in Form von Schutthaufen und Trümmern erzeugt, um ungesehen bis kurz vor den Komplex zu gelangen, in dem ihr Primärziel sich befand. Ab da würden sie die Lage neu beurteilen müssen. Dev klopfte Harkon leicht auf die Schulter und gestikulierte, um ihn in seinen Plan einzuweisen. Ein verständiges Nicken belohnte ihn und wenige Sekunden später rückte „Excursor“ heimlich und verstohlen weiter vor.
Geduckt durch die Ruinen huschend, gewannen die beiden Späher einen Eindruck von der Schlagkraft der versammelten Mutantenhorde. Zwar hatten sie keine schweren Automatikwaffen wie Bolter oder Maschinenkanonen, zumindest konnte Dev keine sehen, aber mindestens zwei gut getarnte Mörserstellungen lagen an jenseitigen Seite des Platzes. Hinzu kamen noch eine Hand voll Raketenwerfer. Und Mutanten. „Verdammt, dass sind über hundert von ihnen! Wo kommen die her? Und wo, beim Thron, haben die die Waffen her?“ schoß es Dev durch den Kopf – aber er verschob die Beantwortung der Frage auf einen günstigeren Moment. Es war ohnehin nicht seine Aufgabe, das herauszufinden. Wenig später erreichte das Team das Ende der Ruinen. 10 Meter freie Fläche trennten sie vom verbarrikadierten Eingang des Komplexes. 10 Meter und ein Lagerfeuer mit darum sitzenden Abnormitäten, Fleisch gewordenen Alpträumen, die nur aus Hornklingen, Eiterbeulen und offen liegenden Muskelsträngen zu bestehen schienen. Eine der Kreatur gab eine Serie von Fiep – und Krächzlauten von sich und bekam ein unmenschliches gutturales Glucksen seiner Kameraden zur Antwort. Es hatte wohl eine witzige Bemerkung gemacht. „Sie wiegen sich also in Sicherheit und rechnen nicht mit uns. Gut so!“ stellte Dev erleichtert fest, verzog aber sein Gesicht beim Anblick der Kreaturen zu einer Maske aus reinem Haß. Er spürte wie Adrenalin in seinen Metabolismus gepumpt wurde und er konnte sein Blut in den Ohren rauschen hören. Der Wunsch loszustürmen wurde immer Stärker. Die Feinde des Imperators mußten vernichtet werden. Sie hatten kein Recht zu leben! Dann spürte er hinter sich die vertraute Aura seines Freundes. „Reiß dich zusammen. Tot bringst du dem Imperator nichts!“ rief er sich in Gedanken zur Ordnung und drängte seine Wut in den Hintergrund und konzentrierte sich auf ihre Aufgabe. Seine Gedanken überschlugen sich. Selbst wenn sie die fünf Mutanten töten würden (ein sehr groß geschriebenes „Wenn“) – der entstehende Kampflärm würde Dutzende von ihnen alarmieren. Jeder Versuch hier an den Kreaturen vorbei zu kommen, wäre glatter Selbstmord gewesen. Es mußte einfach einen anderen Weg geben. Es mußte. Plötzlich fing Harkon an zu gestikulieren und Dev glitt zu ihm herüber. Der im Halbdunkel der Ruine kauernde Scharfschütze deutete auf ein paar Bretter vor ihm. Dev grinste seinen Freund an und hob den nach oben gestreckten Daumen. Sein Partner hatte den Zugang zur Kanalisation entdeckt. Geräuschlos räumten sie die Bretter an die Seite und Dev stieg in die absolute Finsternis der Kloake hinab.
Der Geruch, der ihn empfing war ekelerregend. Selbst durch den Filter der Atemmaske drang der Geruch nach Verwesung und Pestilenz. Devs Füße berührten eine weiche Masse und er hörte einen gedämpften Laut, wie wenn ein Stiefel im Moor versinkt. Dunkelheit umhüllte den Soldaten wie eine zweite Haut. Die Luft war unangenehm warm und mit Feuchtigkeit geschwängert. Er fühlte sich in seine Zeit in den Tropischen Wäldern zurückversetzt. Angestrengt horchte der regungslose Soldat auf etwas, dass ihm die Anwesenheit von Feinden verraten würde. Nichts. Nur ein beständiges Glucksen, wie von im Wasser aufsteigenden Luftblasen. Dev nahm seine kleine Rotlicht – Taschenlampe aus dem Koppel und drückte auf die Aktivierungsrune. Dann sah er was für den Geruch verantwortlich war. Er würgte und schluckte mit Mühe das plötzlich in seinem Rachen auftauchende Erbrochene mühevoll wieder herunter, während er ein Stöhnen unterdrückte. Der Gang war voller verwesender Leichenteile. Einige trugen erkennbar die Arbeitskleidung des Arbites, andere hatten Reste von Zivilkleidung und Lumpenfetzen von sich herabhängen. Auch PVS – Kleidungsstück befanden sich unter den Toten. Manchen war die Kleidung abgenommen worden.
Was Dev so verstörte, war die Art mit der die Leichen geschändet worden waren. Er hatte schon viele Leichen in seiner Dienstzeit und dem Leben davor gesehen – aber nichts, was diesem Anblick gleich gekommen wäre. Das hier war pervers. Diese Menschen waren nicht einfach nur getötet worden. Man hatte sie geschlachtet. In einem Steckte sogar noch ein Fleischerhaken im Hinterkopf. Fast alle wiesen fehlende Gliedmaßen auf, oder hatten Wunden, an denen man erkennen konnte, das vorsätzlich große Stücke Fleisch herausgeschnitten worden waren. Gedärme bedeckten den Boden oder quollen aus Bauchverletzungen. Eine schleimige, dickflüssige Brühe hatte sich mit dem normalen Inhalt der Kloake vermischt und sonderte einen unterschwelligen, süßlich riechenden Geruch ab. Dev hatte auf einmal einen metallischen Geschmack im Mund. Dann sah er die ersten Bissspuren an den Gliedmaßen und wandte den Blick ab, die Augen geschlossen. Nach einem kurzen Stoßgebet an den Imperator ließ er die Taschenlampe zweimal aufblitzen – das Zeichen für Harkon, ihm zu folgen.
Er gab seinem Kameraden (und sich selber) einige Sekunden, um den Ekel und die Wut auf die Mutanten (Wer sonst sollte für all das hier verantwortlich sein?) zur Ruhe kommen zu lassen, bevor sie entschlossen und mit grimmigen Gesichtern unter ihren Masken begannen in das Tunnelsystem der Kanalisation einzudringen. Wenn ihre Mission beendet war, gab es hier eine Menge Arbeit für den Flammenwerfer des bulligen Catachaners. Genau 23 Meter weiter - sie hatten nur einen Seitentunnel passiert, der nach wenigen Metern von einem stabilen Eisengitter blockiert wurde, erreichten sie einen verschweißten Aufgang. Sie mußten sich jetzt genau unter dem Lagerkomplex befinden. „Treffer!“ zwinkerte Dev Harkon zu – die ersten gesprochenen Worte seit sie aufgebrochen waren. „Hier kommen wir ohne schweres Gerät nicht weiter. Wir kehren um!“ sagte der junge Soldat zum Scharfschützen. „Jep. Alternativroute zurück?“ erwiderte Harkon. „Genau. Ich will einen Plan B haben, falls bei unserem Angriff etwas schief geht. Man weiß ja nie.“ Damit wandte sich Excursor A um und ging zurück, willens diesen schrecklichen Ort so schnell wir nur eben möglich zu verlassen.
Sie verließen die Kloake und bewegten sich wieder zum Rand des Platzes, als Dev die Hand hob und auf eine sich ausbreitende Welle von Bewegung in der Mitte des Platzes deutete. Das Spähteam bezog sofort eine Beobachtungsstellung an einem zersplitterten Fenster und sah gespannt nach Norden. Ein schrilles Heulen ging von der in Aufruhr geratenen Menge aus, als sich zwei Abnormitäten mit einer Last in ihrer Mitte dem Lager näherten. Es waren die drei Mutanten vom Hinweg, erkannte Dev sofort in seinem Optikverstärker. Offenbar löste die Ankunft des Trios so etwas wie eine allgemeine Bestürzung aus, denn immer mehr Mutanten fielen in das Heulen ein. „Der schwer Verletzte, den die Beiden tragen, muß so etwas wie ein Anführer sein.“ sinnierte Dev und nickte Harkon zu. Sie mußten die Situation nutzen, um sich aus dem Staub zu machen. Ein Blick auf seinen Chronometer zeigte ihm, dass sie mehr als nur gut im Zeitplan lagen – aber sicher war sicher. Und es konnte nicht schaden, wenn der Leutnant seine Informationen etwas früher bekam. Geduckt huschte das Spähteam davon und verschwand in der Dunkelheit, die heulende Meute sich selbst überlassend.
Dev verfluchte die Mutanten lautlos. Das Heulen der Kreaturen hatte sich zu einem wahren Crescendo gesteigert, dass in den nebligen, verrauchten Gassen des Slums widerhallte. Sie waren bereits zwei mal zurückeilenden Mutantenpatrouillen und der Imperator allein wußte wie viele mehr sich in den Straßen verbargen. Harkon und er waren nicht so schnell vorangekommen, wie er gehofft hatte. Vielleicht wären sie auf der anderen Route schneller gewesen – aber das hieße, dass sie nur eine bekannte Ausweichmöglichkeit gehabt hätten. Zu wenig, für Devs Geschmack.
Sie würden ohne Panzerunterstützung zum Labor vorrücken müssen – so viel war klar. Die Chimäre wäre nicht mehr als eine Bewegliche Zielscheibe auf dem Platz. Die Mutanten konnten ihnen einfach den Rückweg abschneiden, falls sie nur eine Route kannten.
Er ergänzte seine Skizze ein weiteres mal und stellte, nicht ohne ein gewisses Maß an Ironie, fest, dass sie mittlerweile die Dimension einer kleinen Karte angenommen hatte.
Dann passierte das Unvermeidliche: Sie waren noch etwa 700 Meter, zwei Straßenzüge, von dem Bahnhof entfernt, als die Mutantenpatrouille mit ihnen – genauer mit Dev – zusammenstieß. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Abscheulichkeiten mußten auf dem Weg zurück zu ihrem Camp sein. Sie tauchten plötzlich aus einem Gebäude unmittelbar vor Dev auf. Geräuschlos. Unheimlich. Widerlich. Wer verblüffter war, konnte wohl keiner sagen. Beide Parteien – die zwei Mutanten und das Spähteam – erstarrten. Dann überwand Dev seine Erstarrung als erster und schmetterte dem ihm näher stehenden Mutanten seine Faust unter die fleischige Masse, wo ein normaler Mensch seinen Kiefer gehabt hätte. Ein schmatzendes Geräusch, gefolgt von einem unmenschlichen Schmerzensschrei ertönte, als die Faust die Bestie traf und sie einen Schritt nach hinten taumeln ließ. Der Haß hatte jetzt die Kontrolle über Dev. Laut und wie von Sinnen den Namen seiner Frau brüllend zog der Soldat sein Schwert, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Er bemerkte die Rufe und Gesten seines Freundes, der versuchte ihm klar zu machen, dass er im Schussfeld stand, nicht einmal. Alles woran Dev noch denken konnte war der Wunsch, die beiden Kreaturen von ihrem Leid zu erlösen, ihr Leben zu vernichten. Sein Schwert blitzte im dunklen Licht der Gasse auf, als Dev es in einem weitgeführten Bogen auf die ihm am nächsten stehen Kreatur niedersausen ließ. Die zurückweichende Kreatur stieß ein schrilles Pfeifen aus, als die Klinge sie oberhalb des linken Handgelenkes traf und Sehnen, Fleisch und Knochen durchtrennte. Ihr Kralle fiel mit einem dumpfen Geräusch zu Boden, während aus dem zurückbleibenden Stumpf dickflüssiges, dunkles Blut tropfte und den Boden besudelte. Vor Haß blind und durch seinen Erfolg ermutigt stürmte Dev tollwütig vor, um dem Mutanten den Todesstoß zu versetzen.
Eine Reflexbewegung rettete ihm das Leben. Als er eine Bewegung aus dem Augenwinkel sah, verlagerte der Soldat sein Gewicht und riß das Schwert herum. Die Parade wäre wohl zu spät gekommen und der Hieb, der auf seinen Hals gezielt war, hätte seinen Kehlkopf zerfetzt – wenn er nicht in der Blutlache aus stinkendem Mutantenblut ausgeglitten und gefallen wäre. Die Klaue zischte an seiner Wange vorbei, und Tränen schossen in seine Augen, als die Scharfen Klauennägel seine Wange aufrissen und sein Blut hervorquoll. Dev schrie vor Wut und Schmerz laut auf und hieb im Fallen wie besessen nach der Kreatur, bis er kurz über sein Schwert Widerstand spürte. Dann prallte ein Kopf neben ihn auf den Boden, und die geweiteten Augen des eben noch so siegessicheren Mutanten starrten ihn überrascht einen Augenblick an, bevor die Augen brachen.
Dev blieb keine Zeit sich über seinen Sieg zu freuen. Der erste Mutant hatte sich von seinem Schreck erholt und drang erneut auf den am Boden Liegenden ein, die Augen weit aufgerissen und vor Wut flackernd. Dev rollte zur Seite und blockte den Angriff des Mutanten, der mit einer zu einer Hornklinge verwachsenen Hand zuschlug. Dem Tritt des Wesens konnte er jedoch nicht mehr ausweichen. Ein Schlag wie von einer Dampframme traf seinen Brustkorb und trieb ihm die Luft aus den Lungen. Japsend fühlte Dev, wie mehrere seiner Rippen brachen und sich in sein Fleisch bohrten. Er sah noch wie der Kopf der über ihm aufragenden Bestie nach hinten ruckte und explodierte. Dann wurde die Welt um ihn herum schwarz und eine gnädige Ohnmacht umschlang ihn.
Sie würden dabei auf der rechten, also der Südseite des Platzes vorgehen, da die Fassaden im Norden nicht nur durch die Feuer der Lagernden angestrahlt wurden, sondern weil sich innerhalb der Ruine Lichtpunkte bewegten – was auf die Anwesenheit von noch mehr Abschaum hindeutete. Dev sah sich die Südseite genau an. Die Dächer der Gebäude schienen weitgehend intakt zu sein – was man von ihrem Mauerwerk nicht sagen konnte. Großkalibrige Geschosse und Granaten hatten ihre Zerstörungskraft eindrucksvoll bewiesen und Löcher wie klaffende, schwarze Wunden hinterlassen. Dieser Umstand würde ihnen exzellente Beobachtungsmöglichkeiten während ihres Vorgehens geben. Zu ihrem Glück lagen die Feuer der Mutanten weit genug von den Fassaden entfernt, um sie nicht in hellen Schein zu tauchen. Statt dessen lagen die Ruinen in einem dämmerigen, von Schatten durchzogenem, Zwielicht. Die Zerstörungswut der Mutanten und Gangs hatte genug Deckungsmöglichkeiten in Form von Schutthaufen und Trümmern erzeugt, um ungesehen bis kurz vor den Komplex zu gelangen, in dem ihr Primärziel sich befand. Ab da würden sie die Lage neu beurteilen müssen. Dev klopfte Harkon leicht auf die Schulter und gestikulierte, um ihn in seinen Plan einzuweisen. Ein verständiges Nicken belohnte ihn und wenige Sekunden später rückte „Excursor“ heimlich und verstohlen weiter vor.
Geduckt durch die Ruinen huschend, gewannen die beiden Späher einen Eindruck von der Schlagkraft der versammelten Mutantenhorde. Zwar hatten sie keine schweren Automatikwaffen wie Bolter oder Maschinenkanonen, zumindest konnte Dev keine sehen, aber mindestens zwei gut getarnte Mörserstellungen lagen an jenseitigen Seite des Platzes. Hinzu kamen noch eine Hand voll Raketenwerfer. Und Mutanten. „Verdammt, dass sind über hundert von ihnen! Wo kommen die her? Und wo, beim Thron, haben die die Waffen her?“ schoß es Dev durch den Kopf – aber er verschob die Beantwortung der Frage auf einen günstigeren Moment. Es war ohnehin nicht seine Aufgabe, das herauszufinden. Wenig später erreichte das Team das Ende der Ruinen. 10 Meter freie Fläche trennten sie vom verbarrikadierten Eingang des Komplexes. 10 Meter und ein Lagerfeuer mit darum sitzenden Abnormitäten, Fleisch gewordenen Alpträumen, die nur aus Hornklingen, Eiterbeulen und offen liegenden Muskelsträngen zu bestehen schienen. Eine der Kreatur gab eine Serie von Fiep – und Krächzlauten von sich und bekam ein unmenschliches gutturales Glucksen seiner Kameraden zur Antwort. Es hatte wohl eine witzige Bemerkung gemacht. „Sie wiegen sich also in Sicherheit und rechnen nicht mit uns. Gut so!“ stellte Dev erleichtert fest, verzog aber sein Gesicht beim Anblick der Kreaturen zu einer Maske aus reinem Haß. Er spürte wie Adrenalin in seinen Metabolismus gepumpt wurde und er konnte sein Blut in den Ohren rauschen hören. Der Wunsch loszustürmen wurde immer Stärker. Die Feinde des Imperators mußten vernichtet werden. Sie hatten kein Recht zu leben! Dann spürte er hinter sich die vertraute Aura seines Freundes. „Reiß dich zusammen. Tot bringst du dem Imperator nichts!“ rief er sich in Gedanken zur Ordnung und drängte seine Wut in den Hintergrund und konzentrierte sich auf ihre Aufgabe. Seine Gedanken überschlugen sich. Selbst wenn sie die fünf Mutanten töten würden (ein sehr groß geschriebenes „Wenn“) – der entstehende Kampflärm würde Dutzende von ihnen alarmieren. Jeder Versuch hier an den Kreaturen vorbei zu kommen, wäre glatter Selbstmord gewesen. Es mußte einfach einen anderen Weg geben. Es mußte. Plötzlich fing Harkon an zu gestikulieren und Dev glitt zu ihm herüber. Der im Halbdunkel der Ruine kauernde Scharfschütze deutete auf ein paar Bretter vor ihm. Dev grinste seinen Freund an und hob den nach oben gestreckten Daumen. Sein Partner hatte den Zugang zur Kanalisation entdeckt. Geräuschlos räumten sie die Bretter an die Seite und Dev stieg in die absolute Finsternis der Kloake hinab.
Der Geruch, der ihn empfing war ekelerregend. Selbst durch den Filter der Atemmaske drang der Geruch nach Verwesung und Pestilenz. Devs Füße berührten eine weiche Masse und er hörte einen gedämpften Laut, wie wenn ein Stiefel im Moor versinkt. Dunkelheit umhüllte den Soldaten wie eine zweite Haut. Die Luft war unangenehm warm und mit Feuchtigkeit geschwängert. Er fühlte sich in seine Zeit in den Tropischen Wäldern zurückversetzt. Angestrengt horchte der regungslose Soldat auf etwas, dass ihm die Anwesenheit von Feinden verraten würde. Nichts. Nur ein beständiges Glucksen, wie von im Wasser aufsteigenden Luftblasen. Dev nahm seine kleine Rotlicht – Taschenlampe aus dem Koppel und drückte auf die Aktivierungsrune. Dann sah er was für den Geruch verantwortlich war. Er würgte und schluckte mit Mühe das plötzlich in seinem Rachen auftauchende Erbrochene mühevoll wieder herunter, während er ein Stöhnen unterdrückte. Der Gang war voller verwesender Leichenteile. Einige trugen erkennbar die Arbeitskleidung des Arbites, andere hatten Reste von Zivilkleidung und Lumpenfetzen von sich herabhängen. Auch PVS – Kleidungsstück befanden sich unter den Toten. Manchen war die Kleidung abgenommen worden.
Was Dev so verstörte, war die Art mit der die Leichen geschändet worden waren. Er hatte schon viele Leichen in seiner Dienstzeit und dem Leben davor gesehen – aber nichts, was diesem Anblick gleich gekommen wäre. Das hier war pervers. Diese Menschen waren nicht einfach nur getötet worden. Man hatte sie geschlachtet. In einem Steckte sogar noch ein Fleischerhaken im Hinterkopf. Fast alle wiesen fehlende Gliedmaßen auf, oder hatten Wunden, an denen man erkennen konnte, das vorsätzlich große Stücke Fleisch herausgeschnitten worden waren. Gedärme bedeckten den Boden oder quollen aus Bauchverletzungen. Eine schleimige, dickflüssige Brühe hatte sich mit dem normalen Inhalt der Kloake vermischt und sonderte einen unterschwelligen, süßlich riechenden Geruch ab. Dev hatte auf einmal einen metallischen Geschmack im Mund. Dann sah er die ersten Bissspuren an den Gliedmaßen und wandte den Blick ab, die Augen geschlossen. Nach einem kurzen Stoßgebet an den Imperator ließ er die Taschenlampe zweimal aufblitzen – das Zeichen für Harkon, ihm zu folgen.
Er gab seinem Kameraden (und sich selber) einige Sekunden, um den Ekel und die Wut auf die Mutanten (Wer sonst sollte für all das hier verantwortlich sein?) zur Ruhe kommen zu lassen, bevor sie entschlossen und mit grimmigen Gesichtern unter ihren Masken begannen in das Tunnelsystem der Kanalisation einzudringen. Wenn ihre Mission beendet war, gab es hier eine Menge Arbeit für den Flammenwerfer des bulligen Catachaners. Genau 23 Meter weiter - sie hatten nur einen Seitentunnel passiert, der nach wenigen Metern von einem stabilen Eisengitter blockiert wurde, erreichten sie einen verschweißten Aufgang. Sie mußten sich jetzt genau unter dem Lagerkomplex befinden. „Treffer!“ zwinkerte Dev Harkon zu – die ersten gesprochenen Worte seit sie aufgebrochen waren. „Hier kommen wir ohne schweres Gerät nicht weiter. Wir kehren um!“ sagte der junge Soldat zum Scharfschützen. „Jep. Alternativroute zurück?“ erwiderte Harkon. „Genau. Ich will einen Plan B haben, falls bei unserem Angriff etwas schief geht. Man weiß ja nie.“ Damit wandte sich Excursor A um und ging zurück, willens diesen schrecklichen Ort so schnell wir nur eben möglich zu verlassen.
Sie verließen die Kloake und bewegten sich wieder zum Rand des Platzes, als Dev die Hand hob und auf eine sich ausbreitende Welle von Bewegung in der Mitte des Platzes deutete. Das Spähteam bezog sofort eine Beobachtungsstellung an einem zersplitterten Fenster und sah gespannt nach Norden. Ein schrilles Heulen ging von der in Aufruhr geratenen Menge aus, als sich zwei Abnormitäten mit einer Last in ihrer Mitte dem Lager näherten. Es waren die drei Mutanten vom Hinweg, erkannte Dev sofort in seinem Optikverstärker. Offenbar löste die Ankunft des Trios so etwas wie eine allgemeine Bestürzung aus, denn immer mehr Mutanten fielen in das Heulen ein. „Der schwer Verletzte, den die Beiden tragen, muß so etwas wie ein Anführer sein.“ sinnierte Dev und nickte Harkon zu. Sie mußten die Situation nutzen, um sich aus dem Staub zu machen. Ein Blick auf seinen Chronometer zeigte ihm, dass sie mehr als nur gut im Zeitplan lagen – aber sicher war sicher. Und es konnte nicht schaden, wenn der Leutnant seine Informationen etwas früher bekam. Geduckt huschte das Spähteam davon und verschwand in der Dunkelheit, die heulende Meute sich selbst überlassend.
Dev verfluchte die Mutanten lautlos. Das Heulen der Kreaturen hatte sich zu einem wahren Crescendo gesteigert, dass in den nebligen, verrauchten Gassen des Slums widerhallte. Sie waren bereits zwei mal zurückeilenden Mutantenpatrouillen und der Imperator allein wußte wie viele mehr sich in den Straßen verbargen. Harkon und er waren nicht so schnell vorangekommen, wie er gehofft hatte. Vielleicht wären sie auf der anderen Route schneller gewesen – aber das hieße, dass sie nur eine bekannte Ausweichmöglichkeit gehabt hätten. Zu wenig, für Devs Geschmack.
Sie würden ohne Panzerunterstützung zum Labor vorrücken müssen – so viel war klar. Die Chimäre wäre nicht mehr als eine Bewegliche Zielscheibe auf dem Platz. Die Mutanten konnten ihnen einfach den Rückweg abschneiden, falls sie nur eine Route kannten.
Er ergänzte seine Skizze ein weiteres mal und stellte, nicht ohne ein gewisses Maß an Ironie, fest, dass sie mittlerweile die Dimension einer kleinen Karte angenommen hatte.
Dann passierte das Unvermeidliche: Sie waren noch etwa 700 Meter, zwei Straßenzüge, von dem Bahnhof entfernt, als die Mutantenpatrouille mit ihnen – genauer mit Dev – zusammenstieß. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Abscheulichkeiten mußten auf dem Weg zurück zu ihrem Camp sein. Sie tauchten plötzlich aus einem Gebäude unmittelbar vor Dev auf. Geräuschlos. Unheimlich. Widerlich. Wer verblüffter war, konnte wohl keiner sagen. Beide Parteien – die zwei Mutanten und das Spähteam – erstarrten. Dann überwand Dev seine Erstarrung als erster und schmetterte dem ihm näher stehenden Mutanten seine Faust unter die fleischige Masse, wo ein normaler Mensch seinen Kiefer gehabt hätte. Ein schmatzendes Geräusch, gefolgt von einem unmenschlichen Schmerzensschrei ertönte, als die Faust die Bestie traf und sie einen Schritt nach hinten taumeln ließ. Der Haß hatte jetzt die Kontrolle über Dev. Laut und wie von Sinnen den Namen seiner Frau brüllend zog der Soldat sein Schwert, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Er bemerkte die Rufe und Gesten seines Freundes, der versuchte ihm klar zu machen, dass er im Schussfeld stand, nicht einmal. Alles woran Dev noch denken konnte war der Wunsch, die beiden Kreaturen von ihrem Leid zu erlösen, ihr Leben zu vernichten. Sein Schwert blitzte im dunklen Licht der Gasse auf, als Dev es in einem weitgeführten Bogen auf die ihm am nächsten stehen Kreatur niedersausen ließ. Die zurückweichende Kreatur stieß ein schrilles Pfeifen aus, als die Klinge sie oberhalb des linken Handgelenkes traf und Sehnen, Fleisch und Knochen durchtrennte. Ihr Kralle fiel mit einem dumpfen Geräusch zu Boden, während aus dem zurückbleibenden Stumpf dickflüssiges, dunkles Blut tropfte und den Boden besudelte. Vor Haß blind und durch seinen Erfolg ermutigt stürmte Dev tollwütig vor, um dem Mutanten den Todesstoß zu versetzen.
Eine Reflexbewegung rettete ihm das Leben. Als er eine Bewegung aus dem Augenwinkel sah, verlagerte der Soldat sein Gewicht und riß das Schwert herum. Die Parade wäre wohl zu spät gekommen und der Hieb, der auf seinen Hals gezielt war, hätte seinen Kehlkopf zerfetzt – wenn er nicht in der Blutlache aus stinkendem Mutantenblut ausgeglitten und gefallen wäre. Die Klaue zischte an seiner Wange vorbei, und Tränen schossen in seine Augen, als die Scharfen Klauennägel seine Wange aufrissen und sein Blut hervorquoll. Dev schrie vor Wut und Schmerz laut auf und hieb im Fallen wie besessen nach der Kreatur, bis er kurz über sein Schwert Widerstand spürte. Dann prallte ein Kopf neben ihn auf den Boden, und die geweiteten Augen des eben noch so siegessicheren Mutanten starrten ihn überrascht einen Augenblick an, bevor die Augen brachen.
Dev blieb keine Zeit sich über seinen Sieg zu freuen. Der erste Mutant hatte sich von seinem Schreck erholt und drang erneut auf den am Boden Liegenden ein, die Augen weit aufgerissen und vor Wut flackernd. Dev rollte zur Seite und blockte den Angriff des Mutanten, der mit einer zu einer Hornklinge verwachsenen Hand zuschlug. Dem Tritt des Wesens konnte er jedoch nicht mehr ausweichen. Ein Schlag wie von einer Dampframme traf seinen Brustkorb und trieb ihm die Luft aus den Lungen. Japsend fühlte Dev, wie mehrere seiner Rippen brachen und sich in sein Fleisch bohrten. Er sah noch wie der Kopf der über ihm aufragenden Bestie nach hinten ruckte und explodierte. Dann wurde die Welt um ihn herum schwarz und eine gnädige Ohnmacht umschlang ihn.