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Die Nacht war wie erwartbar verlaufen. Kurz, unbequem, bevölkert von Gestalten aus der Vergangenheit, die ihm durch die dünnen Schlafphasen folgten. Gesichter ohne Namen und schlimmer noch die mit Namen. Das übliche Programm. Trotzdem war er beim ersten Piepen des Weckers hellwach, was nach all den Jahren zur Routine geworden war. Der Körper funktionierte, auch wenn der Geist manchmal hinterherhinkte.
Er hatte auf dem Sessel geschlafen – oder besser gesagt, darauf gedöst. Die Fußstütze hatte sich irgendwann in der Nacht eingeklappt und sein Nacken fühlte sich an, als hätte jemand versucht, ihn mit einer Drahtschlinge zu erwürgen. Kurt richtete sich auf, rieb sich das Gesicht. Eine kurze Morgenroutine mit Zähneputzen und Katzenwäsche folgte. Zurück im Hauptquartier würde er sich einer ausführlichen Hygiene widmen. Die anderen beiden kümmern sich ebenfalls um ihrem Kram. Sie waren Soldaten genug gewesen, sich nicht übertrieben aus dem Weg und sich gleichzeitig nicht auf den Nerv zu gehen. Gewohnt auf engem Raum miteinander auskommen zu müssen. Das vermittelte Kurt eine gewisse Vertrautheit, die ihm seit seiner Zeit bei der Armee gefehlt hatte. Die Pilger waren zu vertraulich gewesen, der Mechanicus zu unnahbar. Wer hätte es gedacht?
Dann lasst mal losgehen. Mal schauen wie dieser Echo und sein Transporter aussehen, sagte Arius.
Kurt nickte nur und klemmte sich eine Zigarette in den Mundwinkel.
Die Morgenluft war diesig und roch nach Abgasen, verbranntem Gummi und brackigem Meerwasser. Besser als die muffige Atmosphäre im Zimmer war es allemal.
Der Transporter, den Echo fuhr, war bereits da, als sie den Parkplatz erreichten. Kurt erkannte ihn sofort – nicht weil das Fahrzeug besonders auffällig gewesen wäre, sondern weil daneben der Mann stand, denn Kurt sich nach Elviras Beschreibung im Geiste ausgemalt hatte.
Ich geh mal guten Morgen wünschen. Ich steck mir eine an, wenn alles okay ist.
Kurt ging direkt auf ihn zu, die Kippe zwischen den Lippen, lässig, als würde er nur um Feuer bitten wollen. Die anderen beiden blieben beim Motel zurück, warteten ab.
Gut durch den Schwitzbogen gekommen?, fragte Kurt, als er nahe genug war.
Der Mann musterte ihn einen Moment lang. Dann kam die Antwort, ruhig und ohne Zögern: Ja, aber trotzdem ziemlich nass geworden.
Kurt nickte knapp, entzündete die Zigarette und stieß den Qualm in einer Wolke aus. Arius und Doc setzten sich in Bewegung, schlenderten herüber wie Wanderarbeiter, die gerade eine Mitfahrgelegenheit aufgetan hatten. Nichts Auffälliges, nichts Verdächtiges. Nur drei Typen, die von A nach B wollten.
Echo war... interessant. Auf den ersten Blick sah der Kerl aus wie ein Schläger in einem schlecht sitzenden Anzug. Der Stoff spannte über den Schultern, die Ärmel waren eine Nummer zu kurz. Jemand, der gewohnt war, Probleme mit den Fäusten zu lösen und der nur deshalb keine Lederjacke trug, weil ihn irgendein Unterweltboss zum Chefknochenbrecher auserkoren hatte. Aber Kurt hatte genug Bullen in seinem Leben gesehen, um die feinen Unterschiede zu erkennen. Die Art, wie der Mann stand. Die Art, wie seine Augen den Parkplatz scannten, nie länger als eine Sekunde auf einem Punkt verweilend. Die unterschwellige Beherrschtheit, die kein Straßenschläger jemals entwickelte, weil die ihre Impulse nicht kontrollierten.
Gut hergekommen?, fragte Kurt und zog an seiner Zigarette.
Echo schüttelte den Kopf.
Ruhige Fahrt. Keine Zwischenfälle.
Gut.
Kurt warf einen Blick zum Transporter. Gepanzert, unscheinbar lackiert, keine Logos. Das Ding sah aus wie ein ziviles Nutzfahrzeug, aber Kurt wusste, dass unter der Haut mehr steckte.
Sie war da drinnen. Eine dürre sechgliedrige Spinne, die… Solche theatralischen Gedanken waren nicht seine Art und jetzt war nicht der Zeitpunkt damit anzufangen, also schob er sie beiseite.
Doc, sagte Kurt und nickte dem Sanitäter zu. Deine Show.
Er selbst schlendern am Weg entlang, weg von dem Transporter. Arius würde für die unmittelbare Nahsicherung reichen und eine zu auffällig unauffällige Gruppe würde nur ungewollte Blicke auf sie ziehen. Also war er der Typ, der noch ein paar Meter ging und seinen Glimmstängel genoss, bevor ihm eine stundenlange Fahrt ohne in einem rollendenen Blechkasten bevorstand. Ein paar Laster rollten vorbei. Ein einzelner Fußgänger, der sich nicht für sie interessierte. Niemand, der zu lange hinsah.
Name: Kurt Messer
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Rasse & Zugehörigkeit: Mensch, Imperium
Alter: um die 40 Standardjahre
Aussehen: 1,85m groß, kurzes, blondes Haar, blaue Augen, drahtige Erscheinung, Narben auf der linken Gesichtshälfte und Stirn, markanter Goldzahn, selbstbewusstes Auftreten.
Kleidung: Kleidung Inquisitionsgarde
Ausrüstung: Messer, Die Friedensstifter (2x vom Mechanikus gefertigte, großkalibrige Revolver (nur bei Bedarf am Mann)), Sechsschüsser Revolver als Seitenwaffe
„Er zog nicht schnell – die Zeit wich nur höflich zur Seite, wenn er es tat.“
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Hier auf diesem imperatorverlassenen Stück Land würde sich also zeigen, wie gut ihre Gefangene wirklich verstaut war und ob es Doc gelingen würde sie weiter ruhig zu halten. Ihr neuer Kamerad Echo war ein laufender Schrank, gar nicht soviel größer wie sie, aber deutlich muskulöser, was ihn massiver erscheinen schien. Die Frage war, wo Elvira ihn aufgetrieben hatte. Ein Soldat schien er nicht zu sein. Seine Haltung war anders. Vielleicht irgendeine Art von Leibwächter? Viel Zeit zum Grübeln blieb ihm nicht, denn Doc musste sich jetzt um ihre Gefangene kümmern und er selbst würde ihn absichern. Die beiden Männer standen aber erstmal etwas unentschlossen vor der verriegelten Heckklappe.
„Wenn du nachher fertig bist, brauchen wir eine Parole.“ Arius dachte kurz nach.
„Zweimal zwinkern. Und danach sagst du, lass uns in drei Tagen Gravball in Phoros‘ Kranz schauen.“
Doc grübelte auch noch kurz, stimmte dann aber zu und übergab alle seine Waffen an Arius. Erst dann öffnete er die Tür und begab sich ins Wageninnere.
„Ich werde für dich beten.“ Versprach Arius ihm noch, ehe Doc die gepanzerte Wagentür hinter sich zuzog. Die Verriegelung schnappte hörbar und dann war Stille. Sie hier draußen und Doc mit der Hexe allein. Arius flüsterte ein kurzes Schutzgebet für seinen Kameraden an den Imperator und wartete.
Cassian werkelte irgendwo weiter vorne in der Fahrerkabine herum, Kurt war auch verschwunden und vertrat sich anscheinend die Beine und von den Geräuschen der nahen Schnellstraße abgesehen, war es verdammt still.
Arius Blick war auf den Wagen fixiert und er versuchte den Moment herbeizuahnen in dem Doc sich wieder meldete. Sein Mund war wie ausgetrocknet, die Muskeln angespannt und den Moment erwartend. Seine Pistole hing schwer an seiner Hüfte, wartete darauf aus dem Holster befreit zu werden. Aber noch war es nicht so weit und seine bionischen Finger surrten leise, während er seine Hände zu Fäusten ballte und wieder entspannte.
Dreimal klopfte es gegen die Wagentür. Das vereinbarte Signal. Arius pfiff einmal laut seinen anderen beiden Kameraden zu. Jetzt wurde es spannend.
Er zog seine Laserpistole, entsicherte sie und richtete sie auf die Wagentür. Arius war kein Feigling oder Kameradenschwein, aber bei der Psionikerin ging Sicherheit vor.
„Du kannst rauskommen.“
Die Verriegelung schnappte und die Tür öffnete sich langsam, als Doc ins Tageslicht hinaustrat.
„Und?“
Sein Kamerad zwinkerte ihm zweimal zu.
„Lass uns in drei Tagen Gravball in Phoros‘ Kranz schauen.“
Für einen weiteren langen Moment blieb die Pistole bewegungslos weiter auf Doc gerichtet. Dann senkte Arius und verstaute sie wieder. Scheinbar hatte alles geklappt wie geplant.
Er signalisierte Cassian und Kurt mit erhobenem Daumen das alles in Ordnung war.
„Das Paket ist transportfähig.“
Cassian trat zusammen mit Kurt an die beiden Männer heran und beäugte Doc misstrauisch. Er hatte den Test von Kruger anscheinend bestanden, aber ganz schien er der Sache noch nicht zu trauen. Psionikerkräfte waren etwas, was auch er nicht auf die leichte Schulter zu nehmen schien.
„Ganz sind wir hier noch nicht fertig.“ Merkte der kräftige Mann ruhig an. „Eine Sache sollten wir noch erledigen.“ Er bedeutete Arius und seine Kameraden ihm zur Beifahrertür des Wagens zu folgen. Dort verteilte er kleine Testsets an seine Begleiter und erklärte ihnen wie diese zu verwenden sein.
„Und wofür brauchen wir die genau?“ fragte Arius leicht verwirrt.
Ohne zu antworten, öffnete Cassian die Beifahrertür und gab den Blick frei, auf das was im Fußraum des Transporters saß und sie unentwegt aus roten Bionikaugen anstarrte. Entfernt war noch die Verwandtschaft zu etwas hundeähnlichem erkennbar, auch wenn es massiv durch chirurgische Eingriffe verändert worden war. Ein Körper aus Panzerstahl, Kabeln und wenigen Fleischresten prägten ihn nach seinen starken Veränderungen. Sein Maul war mit rasiermesserscharfen Klingen bestückt.
„Cybermastiff“ merkte Cassian kurz angebunden an. So als ob das für seine Kameraden ein gängiger Begriff war. Das Unverständnis schien er zu bemerken. „Man könnte sagen ein Servitor. Eine sehr spezielle Form. Er ist eine Festsetzungs- und Jagdeinheit. Und damit ihr nicht in sein Schema fallt, brauche ich eure Geruchsproben.“ Die Blicke der drei Veteranen schienen ihm noch nicht überzeugt genug und so fügte er noch eine Erklärung bei. „Alles, was nicht darunterfällt, wird nach seiner Aktivierung zur Ausschaltung freigegeben. Ihr wollt nicht darunterfallen, das kann ich euch versprechen.“
Ganz traute Arius der Sache nicht, aber Elvira hatte gemeint, dass dieser Echo zu ihrer Gruppe gehörte und sie sich auf ihn verlassen mussten. Wie angeordnet nahm er die Probe vor und reichte sie wie die beiden anderen an Cassian weiter, der ihnen dann den breiten Rücken zuwandte und sich an seinem maschinellen, tierischen, schwer zu sagen was eigentlich genau, Begleiter zu schaffen machte.
„Eure Geruchsmuster sind jetzt eingespeichert. Renold wird euch in Zukunft also definitiv nicht angreifen können. Wir sollten dann endlich mal los. Kennst du den Weg?“ Fragte Cassian an Kurt gewandt.
Name: Arius Kruger
Alter: 30 Standardjahre
Zugehörigkeiten: PVS
Rang: Feldwebel
Loyalitäten: imperialer Fanatiker, Militarist
Aussehen: 190cm groß, sehnig, ausgezehrt, maskenhaftes, verkniffenes Gesicht, attraktives Lächeln, blonder Seitenscheitel, bleiche leere Augen, beide Arme durch bionische Implantate ersetzt
Kleidung: abgetragene Zivilkleidung, steingrauer Regenponcho silberner Aquila
Charakter: Militarist, imperialer Fanatiker, tief gläubig, Frontveteran, begeisteter Hobbyfotograf, mangelhafte Empathie und auf sozialer Ebene ein Wrack
Fähigkeiten: erfahrener Grabenkrieger, guter Läufer,
Ausrüstung/Besitz: Reaper, Esseos Schema Laserpistole, Thermitgranate, Brecheisen, Fotoapparat
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Kurt murmelte eine knappe Zustimmung, ohne den Blick von dem Cybermastiff zu lösen.
Das Ding gefiel ihm ganz und gar nicht. Mehr Toaster als Tier. Ein Toaster mit Metallzähnen.
Er hatte im Dienst der Kabelköpfe schon schlimmere Spottgestalten gesehen, aber deswegen war ihm das Vieh nicht sympathischer.
Sein inneres Auge begann unwillkürlich, Szenarien abzuspulen. Was, wenn die Geruchserkennung versagte? Wenn Blut, Staub oder Chemikalien ihre Spuren verfälschten? Wenn Pfiffi sie plötzlich nicht mehr erkannte?
„Hunde kennen sich selbst nicht mehr, wenn es Schlubenheimer gibt“, fiel ihm eine gleichermaßen einprägsame wie nervende Hundefutterreklame aus dem Vid ein. Darin vollführten Hunde allerlei Schabernack, um an das angeblich begehrte Fresschen zu kommen.
Warum nur kam er sich gerade wie eine Dose Schlubenheimer mit zwölf Prozent Squam Squam in Gourmetsoße vor?
Er schluckte den Gedanken hinunter… herunterschlucken – na prima – und stieg ein.
Mit leise surrenden Servos machte der Cybermastiff Platz.
Es wäre ihm lieber gewesen, wenn der Blechbello nach hinten gegangen wäre. Dann hätte er nicht nur die anderen entnerven und im Notfall die Hexe verspeisen können, sondern Kurt hätte auch mehr Beinfreiheit gehabt.
So machte es sich das riesige Pseudotier im Fußraum gemütlich, sodass Kurt seine Füße gerade so neben ihm abstellen konnte.
Na, du Drahtdackel? Mach schön Platz.
Die roten Augen starrten unbewegt zu ihm hoch. Kein Zucken. Kein Laut. Nur kalte, programmierte Bereitschaft.
Ganz wie das Herrchen, wie es schien.
Dann fahren wir, brummte er schließlich.
Der Motor des Transporters erwachte erneut zum Leben, ein tiefes Grollen, das durch das Fahrgestell vibrierte. Draußen zog das Hafenviertel träge vorbei, während sie sich wieder in Bewegung setzten.
Folge den Schildern Richtung Stadt und dann zum Bogen. Wir nehmen die Hauptstraßen und großen Transitwege. Wenn uns einer ans Leder will, dann bestimmt eher auf Nebenstrecken. Also halten wir uns an die viel befahrenen Wege. Erst mal grob nach Ebene 3.
Echo fuhr, und Kurt rauchte.
Sag mal …, versuchte er nach etwa einer halben Stunde ein Gespräch zu beginnen, mir ist schon klar, dass du der schweigsame Typ bist. Labertaschen sind die dahinten auch nicht gerade.
Er deutete mit dem Daumen gegen die Wand, die sie von der Kabine mit der Psionikerin trennte.
Aber da wir ja jetzt Kollegen sind, gibt es eine Chance, dass du mir erzählst, wer du bist und wie es dich in die Dienste der Spinnenlady verschlagen hat?
Name: Kurt Messer
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Alter: um die 40 Standardjahre
Aussehen: 1,85m groß, kurzes, blondes Haar, blaue Augen, drahtige Erscheinung, Narben auf der linken Gesichtshälfte und Stirn, markanter Goldzahn, selbstbewusstes Auftreten.
Kleidung: Kleidung Inquisitionsgarde
Ausrüstung: Messer, Die Friedensstifter (2x vom Mechanikus gefertigte, großkalibrige Revolver (nur bei Bedarf am Mann)), Sechsschüsser Revolver als Seitenwaffe
„Er zog nicht schnell – die Zeit wich nur höflich zur Seite, wenn er es tat.“
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Die Fahrt verlief bisher sehr ruhig. In jeder Hinsicht. Draußen zog die Stadt an ihnen vorbei, während drinnen abgesehen von den knappen Anweisungen Kurts für die Fahrroute Stillschweigen herrschte. Cassian achtete auf die Straße und Kurt rauchte seine Zigaretten. Und zwischen ihnen saß in stummer Bereitschaft Renold auf ein Signal seines Herrchens wartend. Kurt war es dann schließlich der das Schweigen brach, nachdem ihn die Stille anscheinend zu dröhnend wurde.
„Wer ich bin und warum Elvira mich angeheuert hat?“ wiederholte Cassian Kurts Frage und ließ seine Antwort eine gefühlte Ewigkeit schweigend im Raum stehen. Gerade als die Stille zu unangenehm zu werden schien fuhr er fort.
„Wegen meiner Erfahrung und meines Wissens. Aufstandsbekämpfung, Ermittlungsarbeit, Antisabotage und solche Dinge. Achja und ich heiße Cassian.“ Präziser musste es nicht sein. Außenstehende sollten nicht zu viel über den Arbites lernen. „Und ich hatte schon vor Elviras Eintreffen mit denen zu tun gehabt, die wir bekämpfen. Mehr darf ich dir aber nicht erzählen. Sie hat mir dafür einen Maulkorb verpasst." Die Ansage ließ er einen Moment unkommentiert im Raum stehen ehe er fortfuhr.
"Und verschlagen beschreibt es nicht richtig. Es wurde von meinen Vorgesetzten angeordnet. Elvira hat wohl die Art von Bitte gestellt, die man nicht ablehnt, wenn die Zusammenarbeit zwischen ihrer Organisation und dem Adeptus Arbites weiter harmonisch weiterlaufen soll.“
Aus dem Augenwinkel beobachtete er wie ein Raubtier lauernd Kurts Reaktion auf die Erwähnung des Arbites. Der normale Bürger fürchtete seine Organisation und wurde nervös, wenn er die Gesetzeshüter in seiner Nähe patrouillieren sah. Zurecht, wie Cassian fand. Der normale Bürger war schließlich rebellisch, ungehorsam und nachlässig und musste durch die strenge Hand des Arbites im Zaum gehalten werden, da sonst die Fundamente des Imperiums schnell ins Rutschen gerieten.
Mit seinen neuen Kameraden war es aber besser mehr auf einer Augenhöhe zu sprechen. Sie saßen jetzt im selben Boot und waren alle Diener der Inquisition. Auch wenn die erste Lektion in ihrem Dienst darin bestanden hatte zu lernen, dass sie sich im Notfall sofort gegenseitig töten mussten, um die Ziele ihres Herren zu erfüllen. Eine merkwürdige Art von Kameradschaft. Fast schon dem Geist der Strafbataillone ähnlicher als allem anderen. In das, was beim Arbites als jovialer Tonfall gelten mochte, fuhr er fort.
„Aber wie ist es bei euch? Mir wurde schon gesagt, dass ihr Exmilitärs seid und einiges an Erfahrung besitzt. Auch wenn das hier jetzt für euch Neuland ist. Viel mehr hat sie mir nicht zu euch erzählt. Gut, den Kerl mit den toten Augen habe ich gleich wiedererkannt.“ Wissend nickte er Kurt zu. „Arius Kruger. Held der Ratshalle. Stolz der Gohmorer PVS. Eigentlich erstaunlich, dass sie so ein bekanntes Gesicht einziehen. Der fällt ja bei jedem verdeckten Einsatz auf, wie ein bunter Hund.“ Er tätschelte kurz den gepanzerten Schädel von Renold. „So oft wie man sein Gesicht in die Zeitungen gepackt hat. Aber er muss wohl so gut sein, dass man ihn trotzdem eingesammelt hat. Hat der PVS bestimmt nicht geschmeckt“ sinnierte er laut.
Der Transporter wechselte die Spur, um am Schnellstraßenkreuz die passende Abbiegespur zu erreichen.
„Und du? Welcher Truppe wurdest du entwendet? PVS? Söldnerkompanie? Oder so bekannt in der Unterwelt, dass Elvira genau wusste in welchem Winkel der Makropole sie dich aufstöbern konnte?“
Name: Cassian Khline
Rasse: Mensch
Alter: 34 Standardjahre
Größe: 198cm
Zugehörigkeiten: Adeptus Arbites, Sektion 17
Aussehen: groß, breit, muskulös, schwarz-graue Haare, grüne Augen
Kleidung: Zivil: Schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, schwarze Lederjacke
Ausrüstung: Inkor-Körperpanzer, Handschuhe mit Protektoren, Block, Stift, Kabelbinder, Rucksack mit allerhand Kleinkram/Ausrüstung
Bewaffnung: “Richter” Schrotflinte Schema III, Boltpistole, Schockschlagstock, Arbitesplattenrüstung, Cybermastiff (Renold)
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Kurt, entgegnete Kurt knapp.
Er verzichtete darauf, seine Hand zu einem Gruß auszustrecken. Auf Koron machte man das in manchen Gegenden so. Eine seltsam intime Geste, um einen Fremden zu begrüßen. Die Hand, mit der man sich vorhin noch den Arsch abgewischt hat, gegen die Hand des anderen zu legen, der sich damit vielleicht gerade den Lurch gewürgt hatte.
Komische Art des Hallosagens.
Ermittlung und Aufstandsbekämpfung. Spannend.
Das mochte alles und nichts heißen.
"Und ich hatte schon vor Elviras Eintreffen mit denen zu tun gehabt, die wir bekämpfen. Mehr darf ich dir aber nicht erzählen. Sie hat mir dafür einen Maulkorb verpasst.“
Ich bin da vielleicht nicht so im Bilde wie du, aber ein bisschen was habe ich mir auch zusammenreimen können.
Die Typen sind keine normalen Mutanten.
Mutanten sind immer verschieden. Klar, es gibt ein paar, die sich ähneln, aber eben doch nie gleich. Die Jungs und Mädels hier haben alle die gleichen Freakmerkmale. Keine Haare am Sack und alle schwarze Augen. Ich hatte einen, der einen Arm mehr hat, als man allgemein so haben sollte.
Aber wo Mutanten aussehen, als hätte einer einmal in die Krabbelkiste gefasst und alles zusammengesetzt, was da ist, wirkt es bei den Typen eher so, als ob sich da einer Gedanken vorm Zusammenschrauben gemacht hat.
Mal ganz davon abgesehen, dass zwei Mutis sich treffen und sich drei Splittergruppen bilden, die sich auf den Tod hassen. Die Glatzen sind um einiges geschickter darin, sich in die Gesellschaft reinzufuchsen. Das, was sie mit der Ratshalle angestellt haben, dazu muss man schon wissen, wie rum man den Busfahrplan hält.
„Und verschlagen beschreibt es nicht richtig. Es wurde von meinen Vorgesetzten angeordnet. Elvira hat wohl die Art von Bitte gestellt, die man nicht ablehnt, wenn die Zusammenarbeit zwischen ihrer Organisation und dem Adeptus Arbites weiterhin harmonisch weiterlaufen soll.“
Kurt pfiff durch die Zähne und klopfte sich einen weiteren Glimmstängel aus der rapide abnehmenden Packung.
Scheiße, ausgerechnet Arbites.
Die in Granit gemeißelte Miene Cassians verzog sich keinen Millimeter. Kurt fragte sich, ob die Einsatzhelme des Arbites deswegen unten offen waren, weil die Kinnpartie der Burschen das unnachgiebigste Objekt an der ganzen Ausrüstung darstellte.
’Tschuldigung. Ich habe das gar nicht so böse gesagt, wie es gemeint war.
Dein Waldi, der mich die ganze Zeit anguckt, als würde er überlegen, wo er mir zuerst reinbeißen will, hat es irgendwie angedeutet. Aber jetzt, wo es offiziell ausgesprochen ist, lass mich der Erste sein, der dir dazu gratuliert, diesen Berufsweg eingeschlagen zu haben. Immer gut, einen Mann des Gesetzes auf der eigenen Seite zu haben. Besonders einen, der einen verchromten Kampfterrier sein Eigen nennt und den Eindruck macht, so in sich zu ruhen, dass ein dummes Zeug erzählender Kamerad ihn nicht zu Kurzschlusshandlungen verleitet.
Das war nur halb im Scherz gesprochen, und Kurt musste sich bewusst dazu zwingen, nicht zusammenzuzucken, als Cassian die Hand in seine Richtung ausstreckte – wenn auch nur, um den Hund zu streicheln.
Hatte er das mit Absicht gemacht? War das Arbites-Humor? Hatten die doch eine größere Witzepalette als nur Reizgas in Waisenhäuser zu schießen, wenn eines der lieben Kleinen ein Kaugummi geklaut hatte?
Die Gesetzeshüter hatten einen Ruf kultiviert, der Kurt mehr zu schaffen machte als ein wildgewordener Ork-Nob. Zum Glück lenkte sein neuer bester Freund das Gespräch auf Kurts eigene Herkunft.
Ja, der Posterboy ist nicht gerade ein Garant für Heimlichkeit. Der Held der Ratshalle.
Er lachte humorlos auf.
Ersatzteillager für Helden. Ist ja fast schon so viel Wellblech dran wie an dem Waldi. Aber vielleicht ist das genau der Grund. Heimlichkeit ist gut und schön.
Aber manchmal kann es auch nicht schaden, wenn ein bekanntes Gesicht ein Anliegen vorbringt. Elvira oder besser gesagt ihr Boss kocht nicht nur auf einer Herdplatte, denk ich mal.
Nee, Chef, entgegnete er auf die Frage nach seiner eigenen Herkunft. Mit Unterwelt hat Frau Messers Sohn nichts am Hut.
Er legte zwei Finger aufs Herz, als wolle er schwören, bekam Rauch in den falschen Hals und wurde von einem Hustenanfall geschüttelt.
Als er sich wieder eingekriegt hatte, sprach er weiter:
Ich bin selbst so was wie ein Held. Wenn auch nicht so ein Schönling wie unser Strahlemann da hinten.
701. Infanterielegion, Schlacht um die Usalin-Höhen gegen den alten Waaaghboss Garfing.
Schon mal was davon gehört?
Nein?
Hat in dieser Gegend des Imperiums sowieso keiner. Aber da steht eine Bronzestatue zur Erinnerung an den Heldenmut des 701., und mein hübsches Gesicht ziert eine davon.
Na ja, jedenfalls sieht es mir ein bisschen ähnlich. Da nur eine Handvoll von uns übrig geblieben ist, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht schlecht, dass ich einer davon sein soll.
Bin nach 15 Jahren Krieg dann nach Koron gekommen, in der Hoffnung, hier ein bisschen ruhig treten zu können. PVS ist an sich eine entspannte Geschichte.
Aber Scheiße war’s und kein Kompott.
Hab mich dann dem Pilgerheer nach Horning angeschlossen. Generalamnestie für reuige Sünder. Das war gar nicht so übel. Man gewöhnt sich daran, dass Leute einen umbringen wollen. Wichtig ist irgendwann die Abstufung. Will dich ein 400-Kilo-Ork auseinandernehmen oder ein 80 Kilo schwerer, halb verhungerter Fanatiker? Beides nicht schön, aber doch klar zu unterscheiden.
Nach dem Kreuzzug ging’s zurück nach Gohmor.
Da habe ich eine Weile für den Mechanicus gearbeitet. Eigentlich ganz umgänglich, wenn man nicht daran interessiert ist, mehr als vier Sätze die Woche zu wechseln.
Wir sind in die Wüste gefahren, um irgendwas zu suchen. Haben es aber scheinbar nicht gefunden. Nicht, dass mir einer was dazu gesagt hätte.
Tja, und jetzt bin ich hier…
Er sah aus dem Fenster und schien kurz mit den Gedanken abzudriften.
Bin immer noch hier. Alle anderen sind gekommen und wieder gegangen. Von manchen hörst du nie wieder was. Und ich kämpfe immer noch gegen Ungeheuer, die ich eigentlich gar nicht verstehe.
Name: Kurt Messer
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Kleidung: Kleidung Inquisitionsgarde
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Die Fahrt verlief eigentlich recht unspektakulär. Aber das wurde ihnen erst im Nachhinein bewusst.
Es gab mehrere Momente, die ihre Nerven auf die Zerreißprobe stellten, auch wenn sich dann herausstellte, dass sie wahrscheinlich gar nicht gemeint waren. Einmal hatte Cassian den Eindruck, ein Motorrad verfolge sie. Der ganz in Schwarz gekleidete Fahrer blieb verdächtig lange hinter ihnen, obwohl sein Fahrzeug es hergegeben hätte, dass er sich durch den zäh fließenden Verkehr schlängelte, wo andere nicht vorankamen. Der verspiegelte Helm machte es unmöglich, den Fahrer genauer in Augenschein zu nehmen. Der Bursche war eine ganze Weile hinter ihnen gefahren, immer nur ein paar Autos zwischen ihnen, und dann und wann scherte er aus, als wolle er prüfen, ob sie noch da waren. Das war verdächtig, aber erst einmal kein Beweis für irgendetwas.
Sie mussten vermeiden, überall den Feind zu sehen, denn dann wurde gebotene Vorsicht von Paranoia abgelöst. Tatsächlich verschwand er, nachdem sie den Stau passiert hatten. Cassian hielt dennoch die Augen offen, ob er vielleicht einfach durch einen anderen Verfolger abgelöst worden war. Das wäre das Standardprozedere einer semiprofessionellen Verfolgung gewesen. Allerdings konnte er nichts Derartiges erkennen. Dennoch nahm er ein paar abruptere Fahrmanöver vor, um auf Nummer sicher zu gehen.
Einmal hörten sie Schüsse, konnten aber recht schnell ausmachen, dass sich dort nur die PVSP mit einer der einheimischen Gangs ein Stelldichein gab.
Sie machten Pausen, immer dann, wenn Doc seiner Pflicht nachkommen musste.
Er und Kruger sahen schlecht aus. Sie waren bleich, und ihre Augen von schwarzen Ringen umgeben. Das mochte an der wenig komfortablen Art des Reisens liegen, an den Strapazen der letzten Stunden oder aber am giftigen Einfluss der Hexe. Gut möglich, dass sie ihre Verderbtheit auch im bewusstlosen Zustand absonderte, wie stinkenden Schweiß. Immerhin erwachte sie nicht, und immerhin richteten die beiden Soldaten in der stählernen Kiste des Transportraums nicht die Waffen gegeneinander.
Die letzten Stunden der Fahrt verbrachten sie in relativer Stille. Kurt gab dann und wann Richtungsangaben. Er hatte inzwischen eine Straßenkarte zur Hilfe genommen, denn kein Mensch, selbst wenn er sein ganzes Leben in der Makropole verbracht hätte, konnte solche Wege über eine grobe Richtung hinaus kennen.
Das Viertel, in das sie schließlich kamen, unterschied sich in Nichts, von den tausenden anderer dieser Art. Cassian kannte es nicht, aber er kannte Viertel wie dieses zur Genüge.
Das Gesicht einer Stadt, die sich keine Mühe mehr gab. Säulen zwischen Boden und Decke, überzogen mit blinden Fenstern, hinter denen das Leben in geregelten, freudlosen Bahnen verlief. Leuchtreklamen prangten an den Fassaden und waren die einzige Unterbrechung – neben Graffiti-Schmierereien – im braun-grauen Einerlei standardisierter Wohnhabitate. Kein Brennpunkt der Kriminalität. Häusliche Gewalt, Drogen und Trunksucht. Aber keine überbordende Prostitution oder ausgeprägte Gangaktivität.
Ein weise gewählter Standort für ein Inquisitionsversteck. Nicht fein genug, dass sich die Bewohner um irgendetwas scherten, was ihre Nachbarn taten, und nicht armselig genug, dass Gangster oder Ordnungshüter ihre Nase in Dinge steckten, die sie nichts angingen.
Dann schob sich ihr Ziel ins Sichtfeld.
Die Außenmauer füllte langsam den Horizont. Grauer Stahlbeton, massig und schwer, hier und da mit titanischen Zahlen besprüht, deren Bedeutung nur Eingeweihten zugänglich war. Das Korsett, das die Makropole einschnürte. Es hatte etwas Endgültiges. Das befestigte Ende der zivilisieren Welt. Sei nicht so dumm und versuche herauszufinden, was auf der anderen Seite liegt.
Kurt rief Elvira an und kündigte ihr Kommen in etwa einer halben Stunde an. Entsprechend stand man auf dem Parkplatz bereit. Elvira trug einen Regenmantel aus durchsichtigem Plastik – praktikabel bei dem leichten, sauren Regen, der seit einer Weile niederging, und gleichzeitig offensichtlich darauf ausgelegt, so wenig wie möglich zu verbergen. Die sorgfältig ausgewählte Unterwäsche darunter war kein Versehen. Schwarze Spitze, sparsam geschnitten, mit dem Kalkül getragen, dass der Blick genau dort landete, wo sie ihn haben wollte. Lächerlich und wirkungsvoll zugleich.
Sie hatte einen Servitor dabei, der durch einen großen Kapuzenmantel vor allzu neugierigen Blicken geschützt war, aber dennoch unförmig und fehl am Platz wirkte. Der dichte Schleier aus leicht ätzendem Niederschlag war noch am ehesten ein Garant dafür, dass keine Passanten auf sie aufmerksam wurden. Der einsetzende Wechsel von Tages- zu Nachtbeleuchtung tat sein Übriges.
Die Gefangene wurde abgekettet und wenig umständlich in einen Sack gesteckt. Dann warf der Servitor sie sich grunzend und klickend über die Schulter und stapfte in Richtung Aufzugsbühne. Während sich der Wachmann um den Wagen kümmerte, folgten die anderen dem stoisch voranschreitenden Menschautomaten.
Nach einer vertikalen Fahrt die Mauer empor, öffnete sich die Schleusen mit dem Geräusch zurückgleitender Riegel und Bolzen und dem schweren Seufzen hydraulischer Dichtungen.
Was sie empfing, war für die drei ehemaligen Soldaten anders als bei ihrer Abreise und für den Arbites ohnehin gänzlich neu. Die Luft roch nach mehr Menschen, nach frisch aufgewärmtem Essen, nach dem eigentümlichen Odem von Öl – heiligem wie profanem Ursprungs – und nach ausgiebig genutzter Elektronik. Die Anlage hatte sich gefüllt.
Im Schleusenbereich registrierte Cassian die Geschütztürme unter der Decke, die Linsen, die jedem Schritt folgten, aber jetzt waren auch Augen aus Fleisch und Blut dabei, wie die anderen bemerkten. Zwei Posten flankierten den inneren Eingang, bewaffnet mit Elektrowerfern und Laserpistolen. Ihre Blicke registrierten die Gruppe, blieben an dem abgedeckten Paket über der Schulter des Servitors hängen und wanderten weiter. Professionell. Geschult.
Die beiden Männer trugen die rötlich-braune Körperpanzerung über schwarzen Kombinationen, wie die drei Soldaten sie in der Waffenkammer gesehen hatten. Elvira nickte ihnen knapp zu und passierte den Posten. Über die Schulter blickend erklärte sie:
Wir haben 22 Männer und Frauen, die dem Herrn Inquisitor als Garde dienen. Im Gegensatz zu euch sind sie keine Feldagenten. Ihre einzige Aufgabe ist es, das Leben des Inquisitors und seines Besitzes zu schützen. Das tun sie bis zur absoluten Selbstaufgabe. Kommt ihnen nicht dumm, dann kommen sie euch auch nicht dumm.
Im Kasemattenbereich herrschte gedämpftes Treiben. Stimmen hinter geschlossenen Türen. Das Klappern von Ausrüstung. Jemand, dem man anhand seiner Ausstattung eine medizinische Profession ansah, überquerte ihren Weg mit einem Tablett voller Instrumente, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Es gab einige Servitoren, die verschiedenen Arbeiten nachgingen.
In den Fluren lagen dicke Kabel. Manchmal am Rand verlegt, manchmal mitten im Weg als potenzielle Stolperfalle. Außerdem hatte der Ort einen gewissen sakralen Einfluss erfahren. Nischen waren immer wieder durch Kerzen erhellt und beleuchteten verschiedene Devotionalien, denen dadurch kleine Schreine gleichkamen.
Auch hierzu erklärte Elvira: Der Herr Inquisitor ist natürlich gefestigter in seinem Glauben als wir alle zusammen. Er legt aber keinen großen Wert auf Ikonen und dergleichen. Ihm ist jedoch bewusst, dass viele aus seinem Gefolge greifbare Glaubenssymbole wie einen Tabernakel oder heilige Objekte für ihr Seelenheil als hilfreich erachten – gerade jene, die auf Missionen Dinge sehen, die ihre Frömmigkeit herausfordern. Wir haben einen Kaplan in unseren Reihen. Wenn einer von euch sich das Gewissen erleichtern will, sucht ihn auf.
Der Inquisitor selbst ließ sich nicht blicken. Und dennoch war er zu spüren. In der Art, wie die Gardisten geradeaus schauten und schwiegen. In der zielstrebigen Geschäftigkeit, die sich durch die Gänge zog wie ein leiser Unterton. Jeder schien seine Aufgabe genau zu kennen und ihr mit äußerster Konzentration nachzugehen.
Vor einer gepanzerten Tür, vor der eine weitere Wache stand, trennten sich ihre Wege.
Ich werde mich um unseren Gast kümmern, erklärte Elvira und klopfte auf die Gefangene, als wäre sie ein gut abgehangenes Stück Fleisch. Sie hat einen Termin mit dem Inquisitor und einigen seiner Verhörspezialisten. Ruht euch aus, esst etwas und duscht.
Vor allem Letzteres wäre wichtig.
In etwa zehn Stunden werdet ihr den Herrn Inquisitor kennenlernen.
Ich lasse euch rechtzeitig informieren.
Bis hier her gute Arbeit meine Herren.
Die Tür öffnete sich, und der Servitor zwängte seine Masse samt Gefangener hinein. Elvira folgte geziert.
Kurz sah man einen gekachelten Raum mit einem Stuhl in der Mitte, der entfernt an den einer Zahnarztpraxis erinnerte. Scheinwerfer. Rollschränke mit chromfunkelnden Instrumenten. Im schattigen Hintergrund schwarze Maschinen, die tief brummten.
Ein Mann in einem grünen Plastikkittel, die Hände in Silikonhandschuhen erhoben, als wären sie Werkzeuge, die vor ihrer Nutzung nicht für Profanes gebraucht werden durften, sah kurz über seine Schutzmaske hinweg zu ihnen.
Dann schloss sich die Tür und sperrte sie aus.
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