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Läuterung
#51
Die Nacht war wie erwartbar verlaufen. Kurz, unbequem, bevölkert von Gestalten aus der Vergangenheit, die ihm durch die dünnen Schlafphasen folgten. Gesichter ohne Namen und schlimmer noch die mit Namen. Das übliche Programm. Trotzdem war er beim ersten Piepen des Weckers hellwach, was nach all den Jahren zur Routine geworden war. Der Körper funktionierte, auch wenn der Geist manchmal hinterherhinkte.
Er hatte auf dem Sessel geschlafen – oder besser gesagt, darauf gedöst. Die Fußstütze hatte sich irgendwann in der Nacht eingeklappt und sein Nacken fühlte sich an, als hätte jemand versucht, ihn mit einer Drahtschlinge zu erwürgen. Kurt richtete sich auf, rieb sich das Gesicht. Eine kurze Morgenroutine mit Zähneputzen und Katzenwäsche folgte. Zurück im Hauptquartier würde er sich einer ausführlichen Hygiene widmen. Die anderen beiden kümmern sich ebenfalls um ihrem Kram. Sie waren Soldaten genug gewesen, sich nicht übertrieben aus dem Weg und sich gleichzeitig nicht auf den Nerv zu gehen. Gewohnt auf engem Raum miteinander auskommen zu müssen. Das vermittelte Kurt eine gewisse Vertrautheit, die ihm seit seiner Zeit bei der Armee gefehlt hatte. Die Pilger waren zu vertraulich gewesen, der Mechanicus zu unnahbar. Wer hätte es gedacht? 
Dann lasst mal losgehen. Mal schauen wie dieser Echo und sein Transporter aussehen, sagte Arius.
Kurt nickte nur und klemmte sich eine Zigarette in den Mundwinkel.
Die Morgenluft war diesig und roch nach Abgasen, verbranntem Gummi und brackigem Meerwasser. Besser als die muffige Atmosphäre im Zimmer war es allemal.
Der Transporter, den Echo fuhr, war bereits da, als sie den Parkplatz erreichten. Kurt erkannte ihn sofort – nicht weil das Fahrzeug besonders auffällig gewesen wäre, sondern weil daneben der Mann stand, denn Kurt sich nach Elviras Beschreibung im Geiste ausgemalt hatte.
Ich geh mal guten Morgen wünschen. Ich steck mir eine an, wenn alles okay ist.
Kurt ging direkt auf ihn zu, die Kippe zwischen den Lippen, lässig, als würde er nur um Feuer bitten wollen. Die anderen beiden blieben beim Motel zurück, warteten ab.
Gut durch den Schwitzbogen gekommen?, fragte Kurt, als er nahe genug war.
Der Mann musterte ihn einen Moment lang. Dann kam die Antwort, ruhig und ohne Zögern: Ja, aber trotzdem ziemlich nass geworden.
Kurt nickte knapp, entzündete die Zigarette und stieß den Qualm in einer Wolke aus. Arius und Doc setzten sich in Bewegung, schlenderten herüber wie Wanderarbeiter, die gerade eine Mitfahrgelegenheit aufgetan hatten. Nichts Auffälliges, nichts Verdächtiges. Nur drei Typen, die von A nach B wollten.
Echo war... interessant. Auf den ersten Blick sah der Kerl aus wie ein Schläger in einem schlecht sitzenden Anzug. Der Stoff spannte über den Schultern, die Ärmel waren eine Nummer zu kurz. Jemand, der gewohnt war, Probleme mit den Fäusten zu lösen und der nur deshalb keine Lederjacke trug, weil ihn irgendein Unterweltboss zum Chefknochenbrecher auserkoren hatte. Aber Kurt hatte genug Bullen in seinem Leben gesehen, um die feinen Unterschiede zu erkennen. Die Art, wie der Mann stand. Die Art, wie seine Augen den Parkplatz scannten, nie länger als eine Sekunde auf einem Punkt verweilend. Die unterschwellige Beherrschtheit, die kein Straßenschläger jemals entwickelte, weil die ihre Impulse nicht kontrollierten.
Gut hergekommen?, fragte Kurt und zog an seiner Zigarette.
Echo schüttelte den Kopf. 
Ruhige Fahrt. Keine Zwischenfälle.
Gut.
Kurt warf einen Blick zum Transporter. Gepanzert, unscheinbar lackiert, keine Logos. Das Ding sah aus wie ein ziviles Nutzfahrzeug, aber Kurt wusste, dass unter der Haut mehr steckte. 
Sie war da drinnen. Eine dürre sechgliedrige Spinne, die… Solche theatralischen Gedanken waren nicht seine Art und jetzt war nicht der Zeitpunkt damit anzufangen, also schob er sie beiseite.
Doc, sagte Kurt und nickte dem Sanitäter zu. Deine Show.
Er selbst schlendern am Weg entlang, weg von dem Transporter. Arius würde für die unmittelbare Nahsicherung reichen und eine zu auffällig unauffällige Gruppe würde nur ungewollte Blicke auf sie ziehen. Also war er der Typ, der noch ein paar Meter ging und seinen Glimmstängel genoss, bevor ihm eine stundenlange Fahrt ohne in einem rollendenen Blechkasten bevorstand. Ein paar Laster rollten vorbei. Ein einzelner Fußgänger, der sich nicht für sie interessierte. Niemand, der zu lange hinsah.
Name: Kurt Messer
Rufzeichen: 
Rasse & Zugehörigkeit: Mensch, Imperium
Alter: um die 40 Standardjahre
Aussehen: 1,85m groß, kurzes, blondes Haar, blaue Augen, drahtige Erscheinung, Narben auf der linken Gesichtshälfte und Stirn, markanter Goldzahn, selbstbewusstes Auftreten.
Kleidung: Kleidung Inquisitionsgarde  
Ausrüstung: Messer, Die Friedensstifter (2x vom Mechanikus gefertigte, großkalibrige Revolver (nur bei Bedarf am Mann)), Sechsschüsser Revolver als Seitenwaffe



[Bild: 9c7661eaa4dd771f339e86601b2e3ac6.jpg]
„Er zog nicht schnell – die Zeit wich nur höflich zur Seite, wenn er es tat.“
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#52
Hier auf diesem imperatorverlassenen Stück Land würde sich also zeigen, wie gut ihre Gefangene wirklich verstaut war und ob es Doc gelingen würde sie weiter ruhig zu halten. Ihr neuer Kamerad Echo war ein laufender Schrank, gar nicht soviel größer wie sie, aber deutlich muskulöser, was ihn massiver erscheinen schien. Die Frage war, wo Elvira ihn aufgetrieben hatte. Ein Soldat schien er nicht zu sein. Seine Haltung war anders. Vielleicht irgendeine Art von Leibwächter? Viel Zeit zum Grübeln blieb ihm nicht, denn Doc musste sich jetzt um ihre Gefangene kümmern und er selbst würde ihn absichern. Die beiden Männer standen aber erstmal etwas unentschlossen vor der verriegelten Heckklappe.
„Wenn du nachher fertig bist, brauchen wir eine Parole.“ Arius dachte kurz nach.
„Zweimal zwinkern. Und danach sagst du, lass uns in drei Tagen Gravball in Phoros‘ Kranz schauen.“
Doc grübelte auch noch kurz, stimmte dann aber zu und übergab alle seine Waffen an Arius. Erst dann öffnete er die Tür und begab sich ins Wageninnere.
„Ich werde für dich beten.“ Versprach Arius ihm noch, ehe Doc die gepanzerte Wagentür hinter sich zuzog. Die Verriegelung schnappte hörbar und dann war Stille. Sie hier draußen und Doc mit der Hexe allein. Arius flüsterte ein kurzes Schutzgebet für seinen Kameraden an den Imperator und wartete.
Cassian werkelte irgendwo weiter vorne in der Fahrerkabine herum, Kurt war auch verschwunden und vertrat sich anscheinend die Beine und von den Geräuschen der nahen Schnellstraße abgesehen, war es verdammt still.
Arius Blick war auf den Wagen fixiert und er versuchte den Moment herbeizuahnen in dem Doc sich wieder meldete. Sein Mund war wie ausgetrocknet, die Muskeln angespannt und den Moment erwartend. Seine Pistole hing schwer an seiner Hüfte, wartete darauf aus dem Holster befreit zu werden. Aber noch war es nicht so weit und seine bionischen Finger surrten leise, während er seine Hände zu Fäusten ballte und wieder entspannte.
Dreimal klopfte es gegen die Wagentür. Das vereinbarte Signal. Arius pfiff einmal laut seinen anderen beiden Kameraden zu. Jetzt wurde es spannend.
Er zog seine Laserpistole, entsicherte sie und richtete sie auf die Wagentür. Arius war kein Feigling oder Kameradenschwein, aber bei der Psionikerin ging Sicherheit vor.
„Du kannst rauskommen.“
Die Verriegelung schnappte und die Tür öffnete sich langsam, als Doc ins Tageslicht hinaustrat.
„Und?“
Sein Kamerad zwinkerte ihm zweimal zu.
„Lass uns in drei Tagen Gravball in Phoros‘ Kranz schauen.“
Für einen weiteren langen Moment blieb die Pistole bewegungslos weiter auf Doc gerichtet. Dann senkte Arius und verstaute sie wieder. Scheinbar hatte alles geklappt wie geplant.
Er signalisierte Cassian und Kurt mit erhobenem Daumen das alles in Ordnung war.
„Das Paket ist transportfähig.“
Cassian trat zusammen mit Kurt an die beiden Männer heran und beäugte Doc misstrauisch. Er hatte den Test von Kruger anscheinend bestanden, aber ganz schien er der Sache noch nicht zu trauen. Psionikerkräfte waren etwas, was auch er nicht auf die leichte Schulter zu nehmen schien.
„Ganz sind wir hier noch nicht fertig.“ Merkte der kräftige Mann ruhig an. „Eine Sache sollten wir noch erledigen.“ Er bedeutete Arius und seine Kameraden ihm zur Beifahrertür des Wagens zu folgen. Dort verteilte er kleine Testsets an seine Begleiter und erklärte ihnen wie diese zu verwenden sein.
„Und wofür brauchen wir die genau?“ fragte Arius leicht verwirrt.
Ohne zu antworten, öffnete Cassian die Beifahrertür und gab den Blick frei, auf das was im Fußraum des Transporters saß und sie unentwegt aus roten Bionikaugen anstarrte. Entfernt war noch die Verwandtschaft zu etwas hundeähnlichem erkennbar, auch wenn es massiv durch chirurgische Eingriffe verändert worden war. Ein Körper aus Panzerstahl, Kabeln und wenigen Fleischresten prägten ihn nach seinen starken Veränderungen. Sein Maul war mit rasiermesserscharfen Klingen bestückt.
„Cybermastiff“ merkte Cassian kurz angebunden an. So als ob das für seine Kameraden ein gängiger Begriff war. Das Unverständnis schien er zu bemerken. „Man könnte sagen ein Servitor. Eine sehr spezielle Form. Er ist eine Festsetzungs- und Jagdeinheit. Und damit ihr nicht in sein Schema fallt, brauche ich eure Geruchsproben.“ Die Blicke der drei Veteranen schienen ihm noch nicht überzeugt genug und so fügte er noch eine Erklärung bei. „Alles, was nicht darunterfällt, wird nach seiner Aktivierung zur Ausschaltung freigegeben. Ihr wollt nicht darunterfallen, das kann ich euch versprechen.“
Ganz traute Arius der Sache nicht, aber Elvira hatte gemeint, dass dieser Echo zu ihrer Gruppe gehörte und sie sich auf ihn verlassen mussten. Wie angeordnet nahm er die Probe vor und reichte sie wie die beiden anderen an Cassian weiter, der ihnen dann den breiten Rücken zuwandte und sich an seinem maschinellen, tierischen, schwer zu sagen was eigentlich genau, Begleiter zu schaffen machte.
„Eure Geruchsmuster sind jetzt eingespeichert. Renold wird euch in Zukunft also definitiv nicht angreifen können. Wir sollten dann endlich mal los. Kennst du den Weg?“ Fragte Cassian an Kurt gewandt.
[Bild: 01-U1-Titel-201912-Sagen.jpg]
Name: Arius Kruger
Alter: 30 Standardjahre
Zugehörigkeiten: PVS
Rang: Feldwebel
Loyalitäten: imperialer Fanatiker, Militarist
Aussehen: 190cm groß, sehnig, ausgezehrt, maskenhaftes, verkniffenes Gesicht, attraktives Lächeln, blonder Seitenscheitel, bleiche leere Augen, beide Arme durch bionische Implantate ersetzt
Kleidung: abgetragene Zivilkleidung, steingrauer Regenponcho silberner Aquila
Charakter: Militarist, imperialer Fanatiker, tief gläubig, Frontveteran, begeisteter Hobbyfotograf, mangelhafte Empathie und auf sozialer Ebene ein Wrack
Fähigkeiten: erfahrener Grabenkrieger, guter Läufer,
Ausrüstung/Besitz: Reaper, Esseos Schema Laserpistole, Thermitgranate, Brecheisen, Fotoapparat
Konto: 1180 Schekel
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#53
Kurt murmelte eine knappe Zustimmung, ohne den Blick von dem Cybermastiff zu lösen. 
Das Ding gefiel ihm ganz und gar nicht. Mehr Toaster als Tier. Ein Toaster mit Metallzähnen. 
Er hatte im Dienst der Kabelköpfe schon schlimmere Spottgestalten gesehen, aber deswegen war ihm das Vieh nicht sympathischer.
Sein inneres Auge begann unwillkürlich, Szenarien abzuspulen. Was, wenn die Geruchserkennung versagte? Wenn Blut, Staub oder Chemikalien ihre Spuren verfälschten? Wenn Pfiffi sie plötzlich nicht mehr erkannte?
„Hunde kennen sich selbst nicht mehr, wenn es Schlubenheimer gibt“, fiel ihm eine gleichermaßen einprägsame wie nervende Hundefutterreklame aus dem Vid ein. Darin vollführten Hunde allerlei Schabernack, um an das angeblich begehrte Fresschen zu kommen. 
Warum nur kam er sich gerade wie eine Dose Schlubenheimer mit zwölf Prozent Squam Squam in Gourmetsoße vor?
Er schluckte den Gedanken hinunter… herunterschlucken – na prima – und stieg ein. 
Mit leise surrenden Servos machte der Cybermastiff Platz. 
Es wäre ihm lieber gewesen, wenn der Blechbello nach hinten gegangen wäre. Dann hätte er nicht nur die anderen entnerven und im Notfall die Hexe verspeisen können, sondern Kurt hätte auch mehr Beinfreiheit gehabt. 
So machte es sich das riesige Pseudotier im Fußraum gemütlich, sodass Kurt seine Füße gerade so neben ihm abstellen konnte.
Na, du Drahtdackel? Mach schön Platz.
Die roten Augen starrten unbewegt zu ihm hoch. Kein Zucken. Kein Laut. Nur kalte, programmierte Bereitschaft. 
Ganz wie das Herrchen, wie es schien.

Dann fahren wir, brummte er schließlich.
Der Motor des Transporters erwachte erneut zum Leben, ein tiefes Grollen, das durch das Fahrgestell vibrierte. Draußen zog das Hafenviertel träge vorbei, während sie sich wieder in Bewegung setzten.
Folge den Schildern Richtung Stadt und dann zum Bogen. Wir nehmen die Hauptstraßen und großen Transitwege. Wenn uns einer ans Leder will, dann bestimmt eher auf Nebenstrecken. Also halten wir uns an die viel befahrenen Wege. Erst mal grob nach Ebene 3.
Echo fuhr, und Kurt rauchte.
Sag mal …, versuchte er nach etwa einer halben Stunde ein Gespräch zu beginnen, mir ist schon klar, dass du der schweigsame Typ bist. Labertaschen sind die dahinten auch nicht gerade.
Er deutete mit dem Daumen gegen die Wand, die sie von der Kabine mit der Psionikerin trennte.
Aber da wir ja jetzt Kollegen sind, gibt es eine Chance, dass du mir erzählst, wer du bist und wie es dich in die Dienste der Spinnenlady verschlagen hat?
Name: Kurt Messer
Rufzeichen: 
Rasse & Zugehörigkeit: Mensch, Imperium
Alter: um die 40 Standardjahre
Aussehen: 1,85m groß, kurzes, blondes Haar, blaue Augen, drahtige Erscheinung, Narben auf der linken Gesichtshälfte und Stirn, markanter Goldzahn, selbstbewusstes Auftreten.
Kleidung: Kleidung Inquisitionsgarde  
Ausrüstung: Messer, Die Friedensstifter (2x vom Mechanikus gefertigte, großkalibrige Revolver (nur bei Bedarf am Mann)), Sechsschüsser Revolver als Seitenwaffe



[Bild: 9c7661eaa4dd771f339e86601b2e3ac6.jpg]
„Er zog nicht schnell – die Zeit wich nur höflich zur Seite, wenn er es tat.“
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#54
Die Fahrt verlief bisher sehr ruhig. In jeder Hinsicht. Draußen zog die Stadt an ihnen vorbei, während drinnen abgesehen von den knappen Anweisungen Kurts für die Fahrroute Stillschweigen herrschte. Cassian achtete auf die Straße und Kurt rauchte seine Zigaretten. Und zwischen ihnen saß in stummer Bereitschaft Renold auf ein Signal seines Herrchens wartend. Kurt war es dann schließlich der das Schweigen brach, nachdem ihn die Stille anscheinend zu dröhnend wurde.
„Wer ich bin und warum Elvira mich angeheuert hat?“ wiederholte Cassian Kurts Frage und ließ seine Antwort eine gefühlte Ewigkeit schweigend im Raum stehen. Gerade als die Stille zu unangenehm zu werden schien fuhr er fort.
„Wegen meiner Erfahrung und meines Wissens. Aufstandsbekämpfung, Ermittlungsarbeit, Antisabotage und solche Dinge. Achja und ich heiße Cassian.“ Präziser musste es nicht sein. Außenstehende sollten nicht zu viel über den Arbites lernen. „Und ich hatte schon vor Elviras Eintreffen mit denen zu tun gehabt, die wir bekämpfen. Mehr darf ich dir aber nicht erzählen. Sie hat mir dafür einen Maulkorb verpasst." Die Ansage ließ er einen Moment unkommentiert im Raum stehen ehe er fortfuhr. 
"Und verschlagen beschreibt es nicht richtig. Es wurde von meinen Vorgesetzten angeordnet. Elvira hat wohl die Art von Bitte gestellt, die man nicht ablehnt, wenn die Zusammenarbeit zwischen ihrer Organisation und dem Adeptus Arbites weiter harmonisch weiterlaufen soll.“
Aus dem Augenwinkel beobachtete er wie ein Raubtier lauernd Kurts Reaktion auf die Erwähnung des Arbites. Der normale Bürger fürchtete seine Organisation und wurde nervös, wenn er die Gesetzeshüter in seiner Nähe patrouillieren sah. Zurecht, wie Cassian fand. Der normale Bürger war schließlich rebellisch, ungehorsam und nachlässig und musste durch die strenge Hand des Arbites im Zaum gehalten werden, da sonst die Fundamente des Imperiums schnell ins Rutschen gerieten.
Mit seinen neuen Kameraden war es aber besser mehr auf einer Augenhöhe zu sprechen. Sie saßen jetzt im selben Boot und waren alle Diener der Inquisition. Auch wenn die erste Lektion in ihrem Dienst darin bestanden hatte zu lernen, dass sie sich im Notfall sofort gegenseitig töten mussten, um die Ziele ihres Herren zu erfüllen. Eine merkwürdige Art von Kameradschaft. Fast schon dem Geist der Strafbataillone ähnlicher als allem anderen. In das, was beim Arbites als jovialer Tonfall gelten mochte, fuhr er fort.
„Aber wie ist es bei euch? Mir wurde schon gesagt, dass ihr Exmilitärs seid und einiges an Erfahrung besitzt. Auch wenn das hier jetzt für euch Neuland ist. Viel mehr hat sie mir nicht zu euch erzählt. Gut, den Kerl mit den toten Augen habe ich gleich wiedererkannt.“ Wissend nickte er Kurt zu. „Arius Kruger. Held der Ratshalle. Stolz der Gohmorer PVS. Eigentlich erstaunlich, dass sie so ein bekanntes Gesicht einziehen. Der fällt ja bei jedem verdeckten Einsatz auf, wie ein bunter Hund.“ Er tätschelte kurz den gepanzerten Schädel von Renold. „So oft wie man sein Gesicht in die Zeitungen gepackt hat. Aber er muss wohl so gut sein, dass man ihn trotzdem eingesammelt hat. Hat der PVS bestimmt nicht geschmeckt“ sinnierte er laut.
Der Transporter wechselte die Spur, um am Schnellstraßenkreuz die passende Abbiegespur zu erreichen. 
„Und du? Welcher Truppe wurdest du entwendet? PVS? Söldnerkompanie? Oder so bekannt in der Unterwelt, dass Elvira genau wusste in welchem Winkel der Makropole sie dich aufstöbern konnte?“
[Bild: Koron-RPG-Cassian.png]
Name: Cassian Khline
Rasse: Mensch
Alter: 34 Standardjahre
Größe: 198cm
Zugehörigkeiten: Adeptus Arbites, Sektion 17
Aussehen: groß, breit, muskulös, schwarz-graue Haare, grüne Augen
Kleidung: Zivil: Schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, schwarze Lederjacke

Ausrüstung: Inkor-Körperpanzer, Handschuhe mit Protektoren, Block, Stift, Kabelbinder, Rucksack mit allerhand Kleinkram/Ausrüstung
Bewaffnung:  “Richter” Schrotflinte Schema III,  Boltpistole,  Schockschlagstock, Arbitesplattenrüstung, Cybermastiff (Renold)
Konto: 459 Schekel
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#55
Kurt, entgegnete Kurt knapp.
Er verzichtete darauf, seine Hand zu einem Gruß auszustrecken. Auf Koron machte man das in manchen Gegenden so. Eine seltsam intime Geste, um einen Fremden zu begrüßen. Die Hand, mit der man sich vorhin noch den Arsch abgewischt hat, gegen die Hand des anderen zu legen, der sich damit vielleicht gerade den Lurch gewürgt hatte. 
Komische Art des Hallosagens.
Ermittlung und Aufstandsbekämpfung. Spannend.
Das mochte alles und nichts heißen.
"Und ich hatte schon vor Elviras Eintreffen mit denen zu tun gehabt, die wir bekämpfen. Mehr darf ich dir aber nicht erzählen. Sie hat mir dafür einen Maulkorb verpasst.“
Ich bin da vielleicht nicht so im Bilde wie du, aber ein bisschen was habe ich mir auch zusammenreimen können. 
Die Typen sind keine normalen Mutanten. 
Mutanten sind immer verschieden. Klar, es gibt ein paar, die sich ähneln, aber eben doch nie gleich. Die Jungs und Mädels hier haben alle die gleichen Freakmerkmale. Keine Haare am Sack und alle schwarze Augen. Ich hatte einen, der einen Arm mehr hat, als man allgemein so haben sollte. 
Aber wo Mutanten aussehen, als hätte einer einmal in die Krabbelkiste gefasst und alles zusammengesetzt, was da ist, wirkt es bei den Typen eher so, als ob sich da einer Gedanken vorm Zusammenschrauben gemacht hat. 
Mal ganz davon abgesehen, dass zwei Mutis sich treffen und sich drei Splittergruppen bilden, die sich auf den Tod hassen. Die Glatzen sind um einiges geschickter darin, sich in die Gesellschaft reinzufuchsen. Das, was sie mit der Ratshalle angestellt haben, dazu muss man schon wissen, wie rum man den Busfahrplan hält.
„Und verschlagen beschreibt es nicht richtig. Es wurde von meinen Vorgesetzten angeordnet. Elvira hat wohl die Art von Bitte gestellt, die man nicht ablehnt, wenn die Zusammenarbeit zwischen ihrer Organisation und dem Adeptus Arbites weiterhin harmonisch weiterlaufen soll.“
Kurt pfiff durch die Zähne und klopfte sich einen weiteren Glimmstängel aus der rapide abnehmenden Packung.
Scheiße, ausgerechnet Arbites.
Die in Granit gemeißelte Miene Cassians verzog sich keinen Millimeter. Kurt fragte sich, ob die Einsatzhelme des Arbites deswegen unten offen waren, weil die Kinnpartie der Burschen das unnachgiebigste Objekt an der ganzen Ausrüstung darstellte.
’Tschuldigung. Ich habe das gar nicht so böse gesagt, wie es gemeint war. 
Dein Waldi, der mich die ganze Zeit anguckt, als würde er überlegen, wo er mir zuerst reinbeißen will, hat es irgendwie angedeutet. Aber jetzt, wo es offiziell ausgesprochen ist, lass mich der Erste sein, der dir dazu gratuliert, diesen Berufsweg eingeschlagen zu haben. Immer gut, einen Mann des Gesetzes auf der eigenen Seite zu haben. Besonders einen, der einen verchromten Kampfterrier sein Eigen nennt und den Eindruck macht, so in sich zu ruhen, dass ein dummes Zeug erzählender Kamerad ihn nicht zu Kurzschlusshandlungen verleitet.
Das war nur halb im Scherz gesprochen, und Kurt musste sich bewusst dazu zwingen, nicht zusammenzuzucken, als Cassian die Hand in seine Richtung ausstreckte – wenn auch nur, um den Hund zu streicheln. 
Hatte er das mit Absicht gemacht? War das Arbites-Humor? Hatten die doch eine größere Witzepalette als nur Reizgas in Waisenhäuser zu schießen, wenn eines der lieben Kleinen ein Kaugummi geklaut hatte? 
Die Gesetzeshüter hatten einen Ruf kultiviert, der Kurt mehr zu schaffen machte als ein wildgewordener Ork-Nob. Zum Glück lenkte sein neuer bester Freund das Gespräch auf Kurts eigene Herkunft.
Ja, der Posterboy ist nicht gerade ein Garant für Heimlichkeit. Der Held der Ratshalle.
Er lachte humorlos auf.
Ersatzteillager für Helden. Ist ja fast schon so viel Wellblech dran wie an dem Waldi. Aber vielleicht ist das genau der Grund. Heimlichkeit ist gut und schön. 
Aber manchmal kann es auch nicht schaden, wenn ein bekanntes Gesicht ein Anliegen vorbringt. Elvira oder besser gesagt ihr Boss kocht nicht nur auf einer Herdplatte, denk ich mal.

Nee, Chef, entgegnete er auf die Frage nach seiner eigenen Herkunft. Mit Unterwelt hat Frau Messers Sohn nichts am Hut.
Er legte zwei Finger aufs Herz, als wolle er schwören, bekam Rauch in den falschen Hals und wurde von einem Hustenanfall geschüttelt.
Als er sich wieder eingekriegt hatte, sprach er weiter:
Ich bin selbst so was wie ein Held. Wenn auch nicht so ein Schönling wie unser Strahlemann da hinten. 
701. Infanterielegion, Schlacht um die Usalin-Höhen gegen den alten Waaaghboss Garfing. 
Schon mal was davon gehört? 
Nein? 
Hat in dieser Gegend des Imperiums sowieso keiner. Aber da steht eine Bronzestatue zur Erinnerung an den Heldenmut des 701., und mein hübsches Gesicht ziert eine davon. 
Na ja, jedenfalls sieht es mir ein bisschen ähnlich. Da nur eine Handvoll von uns übrig geblieben ist, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht schlecht, dass ich einer davon sein soll. 
Bin nach 15 Jahren Krieg dann nach Koron gekommen, in der Hoffnung, hier ein bisschen ruhig treten zu können. PVS ist an sich eine entspannte Geschichte. 
Aber Scheiße war’s und kein Kompott. 
Hab mich dann dem Pilgerheer nach Horning angeschlossen. Generalamnestie für reuige Sünder. Das war gar nicht so übel. Man gewöhnt sich daran, dass Leute einen umbringen wollen. Wichtig ist irgendwann die Abstufung. Will dich ein 400-Kilo-Ork auseinandernehmen oder ein 80 Kilo schwerer, halb verhungerter Fanatiker? Beides nicht schön, aber doch klar zu unterscheiden. 
Nach dem Kreuzzug ging’s zurück nach Gohmor. 
Da habe ich eine Weile für den Mechanicus gearbeitet. Eigentlich ganz umgänglich, wenn man nicht daran interessiert ist, mehr als vier Sätze die Woche zu wechseln. 
Wir sind in die Wüste gefahren, um irgendwas zu suchen. Haben es aber scheinbar nicht gefunden. Nicht, dass mir einer was dazu gesagt hätte. 
Tja, und jetzt bin ich hier…
Er sah aus dem Fenster und schien kurz mit den Gedanken abzudriften.
Bin immer noch hier. Alle anderen sind gekommen und wieder gegangen. Von manchen hörst du nie wieder was. Und ich kämpfe immer noch gegen Ungeheuer, die ich eigentlich gar nicht verstehe.
Name: Kurt Messer
Rufzeichen: 
Rasse & Zugehörigkeit: Mensch, Imperium
Alter: um die 40 Standardjahre
Aussehen: 1,85m groß, kurzes, blondes Haar, blaue Augen, drahtige Erscheinung, Narben auf der linken Gesichtshälfte und Stirn, markanter Goldzahn, selbstbewusstes Auftreten.
Kleidung: Kleidung Inquisitionsgarde  
Ausrüstung: Messer, Die Friedensstifter (2x vom Mechanikus gefertigte, großkalibrige Revolver (nur bei Bedarf am Mann)), Sechsschüsser Revolver als Seitenwaffe



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„Er zog nicht schnell – die Zeit wich nur höflich zur Seite, wenn er es tat.“
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#56
Die Fahrt verlief eigentlich recht unspektakulär. Aber das wurde ihnen erst im Nachhinein bewusst.
Es gab mehrere Momente, die ihre Nerven auf die Zerreißprobe stellten, auch wenn sich dann herausstellte, dass sie wahrscheinlich gar nicht gemeint waren. Einmal hatte Cassian den Eindruck, ein Motorrad verfolge sie. Der ganz in Schwarz gekleidete Fahrer blieb verdächtig lange hinter ihnen, obwohl sein Fahrzeug es hergegeben hätte, dass er sich durch den zäh fließenden Verkehr schlängelte, wo andere nicht vorankamen. Der verspiegelte Helm machte es unmöglich, den Fahrer genauer in Augenschein zu nehmen. Der Bursche war eine ganze Weile hinter ihnen gefahren, immer nur ein paar Autos zwischen ihnen, und dann und wann scherte er aus, als wolle er prüfen, ob sie noch da waren. Das war verdächtig, aber erst einmal kein Beweis für irgendetwas.
Sie mussten vermeiden, überall den Feind zu sehen, denn dann wurde gebotene Vorsicht von Paranoia abgelöst. Tatsächlich verschwand er, nachdem sie den Stau passiert hatten. Cassian hielt dennoch die Augen offen, ob er vielleicht einfach durch einen anderen Verfolger abgelöst worden war. Das wäre das Standardprozedere einer semiprofessionellen Verfolgung gewesen. Allerdings konnte er nichts Derartiges erkennen. Dennoch nahm er ein paar abruptere Fahrmanöver vor, um auf Nummer sicher zu gehen.
Einmal hörten sie Schüsse, konnten aber recht schnell ausmachen, dass sich dort nur die PVSP mit einer der einheimischen Gangs ein Stelldichein gab.
Sie machten Pausen, immer dann, wenn Doc seiner Pflicht nachkommen musste. 
Er und Kruger sahen schlecht aus. Sie waren bleich, und ihre Augen von schwarzen Ringen umgeben. Das mochte an der wenig komfortablen Art des Reisens liegen, an den Strapazen der letzten Stunden oder aber am giftigen Einfluss der Hexe. Gut möglich, dass sie ihre Verderbtheit auch im bewusstlosen Zustand absonderte, wie stinkenden Schweiß. Immerhin erwachte sie nicht, und immerhin richteten die beiden Soldaten in der stählernen Kiste des Transportraums nicht die Waffen gegeneinander.
Die letzten Stunden der Fahrt verbrachten sie in relativer Stille. Kurt gab dann und wann Richtungsangaben. Er hatte inzwischen eine Straßenkarte zur Hilfe genommen, denn kein Mensch, selbst wenn er sein ganzes Leben in der Makropole verbracht hätte, konnte solche Wege über eine grobe Richtung hinaus kennen.

Das Viertel, in das sie schließlich kamen, unterschied sich in Nichts, von den tausenden anderer dieser Art. Cassian kannte es nicht, aber er kannte Viertel wie dieses zur Genüge.
Das Gesicht einer Stadt, die sich keine Mühe mehr gab. Säulen zwischen Boden und Decke, überzogen mit blinden Fenstern, hinter denen das Leben in geregelten, freudlosen Bahnen verlief. Leuchtreklamen prangten an den Fassaden und waren die einzige Unterbrechung – neben Graffiti-Schmierereien – im braun-grauen Einerlei standardisierter Wohnhabitate. Kein Brennpunkt der Kriminalität. Häusliche Gewalt, Drogen und Trunksucht. Aber keine überbordende Prostitution oder ausgeprägte Gangaktivität. 
Ein weise gewählter Standort für ein Inquisitionsversteck. Nicht fein genug, dass sich die Bewohner um irgendetwas scherten, was ihre Nachbarn taten, und nicht armselig genug, dass Gangster oder Ordnungshüter ihre Nase in Dinge steckten, die sie nichts angingen.
Dann schob sich ihr Ziel ins Sichtfeld.
Die Außenmauer füllte langsam den Horizont. Grauer Stahlbeton, massig und schwer, hier und da mit titanischen Zahlen besprüht, deren Bedeutung nur Eingeweihten zugänglich war. Das Korsett, das die Makropole einschnürte. Es hatte etwas Endgültiges. Das befestigte Ende der zivilisieren Welt. Sei nicht so dumm und versuche herauszufinden, was auf der anderen Seite liegt.

Kurt rief Elvira an und kündigte ihr Kommen in etwa einer halben Stunde an. Entsprechend stand man auf dem Parkplatz bereit. Elvira trug einen Regenmantel aus durchsichtigem Plastik – praktikabel bei dem leichten, sauren Regen, der seit einer Weile niederging, und gleichzeitig offensichtlich darauf ausgelegt, so wenig wie möglich zu verbergen. Die sorgfältig ausgewählte Unterwäsche darunter war kein Versehen. Schwarze Spitze, sparsam geschnitten, mit dem Kalkül getragen, dass der Blick genau dort landete, wo sie ihn haben wollte. Lächerlich und wirkungsvoll zugleich.
Sie hatte einen Servitor dabei, der durch einen großen Kapuzenmantel vor allzu neugierigen Blicken geschützt war, aber dennoch unförmig und fehl am Platz wirkte. Der dichte Schleier aus leicht ätzendem Niederschlag war noch am ehesten ein Garant dafür, dass keine Passanten auf sie aufmerksam wurden. Der einsetzende Wechsel von Tages- zu Nachtbeleuchtung tat sein Übriges.
Die Gefangene wurde abgekettet und wenig umständlich in einen Sack gesteckt. Dann warf der Servitor sie sich grunzend und klickend über die Schulter und stapfte in Richtung Aufzugsbühne. Während sich der Wachmann um den Wagen kümmerte, folgten die anderen dem stoisch voranschreitenden Menschautomaten.

Nach einer vertikalen Fahrt die Mauer empor, öffnete sich die Schleusen mit dem Geräusch zurückgleitender Riegel und Bolzen und dem schweren Seufzen hydraulischer Dichtungen.
Was sie empfing, war für die drei ehemaligen Soldaten anders als bei ihrer Abreise und für den Arbites ohnehin gänzlich neu. Die Luft roch nach mehr Menschen, nach frisch aufgewärmtem Essen, nach dem eigentümlichen Odem von Öl – heiligem wie profanem Ursprungs – und nach ausgiebig genutzter Elektronik. Die Anlage hatte sich gefüllt.
Im Schleusenbereich registrierte Cassian die Geschütztürme unter der Decke, die Linsen, die jedem Schritt folgten, aber jetzt waren auch Augen aus Fleisch und Blut dabei, wie die anderen bemerkten. Zwei Posten flankierten den inneren Eingang, bewaffnet mit Elektrowerfern und Laserpistolen. Ihre Blicke registrierten die Gruppe, blieben an dem abgedeckten Paket über der Schulter des Servitors hängen und wanderten weiter. Professionell. Geschult.
Die beiden Männer trugen die rötlich-braune Körperpanzerung über schwarzen Kombinationen, wie die drei Soldaten sie in der Waffenkammer gesehen hatten. Elvira nickte ihnen knapp zu und passierte den Posten. Über die Schulter blickend erklärte sie:
Wir haben 22 Männer und Frauen, die dem Herrn Inquisitor als Garde dienen. Im Gegensatz zu euch sind sie keine Feldagenten. Ihre einzige Aufgabe ist es, das Leben des Inquisitors und seines Besitzes zu schützen. Das tun sie bis zur absoluten Selbstaufgabe. Kommt ihnen nicht dumm, dann kommen sie euch auch nicht dumm.
Im Kasemattenbereich herrschte gedämpftes Treiben. Stimmen hinter geschlossenen Türen. Das Klappern von Ausrüstung. Jemand, dem man anhand seiner Ausstattung eine medizinische Profession ansah, überquerte ihren Weg mit einem Tablett voller Instrumente, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Es gab einige Servitoren, die verschiedenen Arbeiten nachgingen.
In den Fluren lagen dicke Kabel. Manchmal am Rand verlegt, manchmal mitten im Weg als potenzielle Stolperfalle. Außerdem hatte der Ort einen gewissen sakralen Einfluss erfahren. Nischen waren immer wieder durch Kerzen erhellt und beleuchteten verschiedene Devotionalien, denen dadurch kleine Schreine gleichkamen.
Auch hierzu erklärte Elvira: Der Herr Inquisitor ist natürlich gefestigter in seinem Glauben als wir alle zusammen. Er legt aber keinen großen Wert auf Ikonen und dergleichen. Ihm ist jedoch bewusst, dass viele aus seinem Gefolge greifbare Glaubenssymbole wie einen Tabernakel oder heilige Objekte für ihr Seelenheil als hilfreich erachten – gerade jene, die auf Missionen Dinge sehen, die ihre Frömmigkeit herausfordern. Wir haben einen Kaplan in unseren Reihen. Wenn einer von euch sich das Gewissen erleichtern will, sucht ihn auf.
Der Inquisitor selbst ließ sich nicht blicken. Und dennoch war er zu spüren. In der Art, wie die Gardisten geradeaus schauten und schwiegen. In der zielstrebigen Geschäftigkeit, die sich durch die Gänge zog wie ein leiser Unterton. Jeder schien seine Aufgabe genau zu kennen und ihr mit äußerster Konzentration nachzugehen.
Vor einer gepanzerten Tür, vor der eine weitere Wache stand, trennten sich ihre Wege.
Ich werde mich um unseren Gast kümmern, erklärte Elvira und klopfte auf die Gefangene, als wäre sie ein gut abgehangenes Stück Fleisch. Sie hat einen Termin mit dem Inquisitor und einigen seiner Verhörspezialisten. Ruht euch aus, esst etwas und duscht. 
Vor allem Letzteres wäre wichtig. 
In etwa zehn Stunden werdet ihr den Herrn Inquisitor kennenlernen.
Ich lasse euch rechtzeitig informieren. 
Bis hier her gute Arbeit meine Herren.
Die Tür öffnete sich, und der Servitor zwängte seine Masse samt Gefangener hinein. Elvira folgte geziert. 
Kurz sah man einen gekachelten Raum mit einem Stuhl in der Mitte, der entfernt an den einer Zahnarztpraxis erinnerte. Scheinwerfer. Rollschränke mit chromfunkelnden Instrumenten. Im schattigen Hintergrund schwarze Maschinen, die tief brummten.
Ein Mann in einem grünen Plastikkittel, die Hände in Silikonhandschuhen erhoben, als wären sie Werkzeuge, die vor ihrer Nutzung nicht für Profanes gebraucht werden durften, sah kurz über seine Schutzmaske hinweg zu ihnen.

Dann schloss sich die Tür und sperrte sie aus.
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#57
Das Geschöpf vor ihm war tot.
Gallianos Geyer machte nicht den Fehler, den Xeno als Frau zu beschreiben, nicht einmal in Gedanken. Der Parasit hatte sich in die Gestalt einer Frau gehüllt, ein geschicktes Mimikry. Anfangs gefleht und geschluchzt wie eine Frau und dann, nachdem die Schale wortwörtlich Stück für Stück von ihr geschält worden war, gedroht, gegeifert und gekeift, wie die Kreatur, die sie wirklich war. Diese Wesen waren schmerzunempfindlich, aber nicht völlig frei davon. Was lebte, konnte man leiden lassen – das war eine grausame Realität der Existenz. 
Am Ende, gebrochen an Seele und Leib, hatte es alles gesagt, was es sagen konnte, um nur endlich in die gnädige Umarmung des Todes gleiten zu dürfen. 
Das hatte nicht lange gedauert. Ein paar Stunden nur. Zu sehr hatte sich das Geschöpf auf seine robuste Konstitution, seine geistigen Fähigkeiten und den Schutz seiner eigenen Brut verlassen. Alles Dinge, die ihm leicht zu entreißen waren. 
Gnade hatte es dabei keine gegeben. Nicht aus Grausamkeit. Geyer empfand keine Lust und kein Vergnügen bei dieser Art von Arbeit. In ihm brannte nur das kalte Feuer der unerbittlichen Treue zur Menschheit. Wie konnte ein Geschöpf auf Milde hoffen, wenn sein einziges Bestreben darin bestand, das Menschengeschlecht auszulöschen? 
Hätte auch nur ein Mensch, ob Mann, Frau oder Kind, auf Gnade von diesem und seinesgleichen hoffen können? Nein, dieser Krieg ums Überleben war mit äußerster Härte zu führen. 
Menschlichkeit war des Menschen schlimmster Feind. 
Der Inquisitor zog sich die schwarz verschmierten Latexhandschuhe von den Fingern und legte sie in eine bereitgestellte Schale. Dann streifte er sich die ebenso besudelte Schürze ab. Er hatte den Löwenanteil der Arbeit dem Verhörchirurgen überlassen und nur an einigen Stellen selbst eingegriffen und Fragen formuliert, die vom vorher ausgegebenen Protokoll abwichen. Einige dieser Fragen waren noch immer offen. 
Das, was der Klumpen rohen Fleisches einst gewesen war, hatte nicht alles gewusst. Sie war in der mittleren Hierarchie des Befalls aktiv gewesen, hatte Einblick in einiges, aber nicht in alles.
Entsorgen Sie den Abfall. Exponate sind nicht erforderlich. Alles desintegrieren.
Der Chirurg, der gerade dabei war, eine Knochensäge zu reinigen, nickte nur.
Geyer warf noch einen letzten Blick auf das Schlachtfeld und verschwendete dann keinen Gedanken mehr daran. 
Vor der Tür des Verhörraums wartete neben der Wache Elvira auf ihn. Sie reichte ihm einen Becher mit einer neblig lilanen Flüssigkeit, die der Inquisitor in kleinen Schlucken trank.
Das Einsatzteam?
Hatte ein paar Stunden Ruhe und erwartet jetzt die Einweisung.
Du hattest sie auf eine Initialmission geschickt. Wie haben sie sich dabei geschlagen?
Der Auftrag ist zur vollsten Zufriedenheit erfüllt worden. Etwas laut vielleicht, aber effizient und vollumfänglich. 
Gut… Ich muss meine Garderobe wechseln. Gib ihnen die Grundlagen. Ich werde dann dazustoßen und die Erkenntnisse aus dem Verhör mit ihnen teilen.
Elvira legte die Faust aufs Herz und deutete eine Verbeugung an.



Wofür der rechteckige Raum einst vorgesehen gewesen sein mochte, war nicht mehr zu sagen, selbst wenn es von irgendeiner Relevanz gewesen wäre. Die Wände bestanden aus nacktem, grau gestrichenem Beton, an einigen Stellen von feinen Rissen durchzogen, als hätte das Gewicht der Makropole selbst hier unten seine Spuren hinterlassen.
Die Decke hing niedrig. In regelmäßigen Abständen eingelassene Leuchtstreifen tauchten den Raum in ein kaltes, gleichmäßiges, leise summendes Weiß. In der Mitte stand ein schlichter Metalltisch. Gebrauchsspuren zogen sich über seine Oberfläche. Eigentum der SeB Mauersegment 651 A war in die Seite eingestanzt. Vor dem Tisch, in der Tiefe des Raumes, standen gut zwanzig Stühle mit hochklappbaren Arbeitsflächen. Auf vier davon saßen Kruger, Messer, Duhaney und Khline wie eine recht absonderlich anzusehende Schulklasse. 
An der Stirnseite des Raumes war eine Projektionsfläche eingelassen – kein echtes Display, sondern eine matte Platte, auf die Daten geworfen werden konnten. Darunter ein schmaler Konsolentisch, auf dem ein Datenmodul lag, daneben ein paar versiegelte Datenslates. 
Die Luft roch nach Beton, nach recycelter Kühle sowie einem Hauch des Ölgemisches, dass die Gänge durchwaberte und der selbst hier nicht ganz zu verdrängen war. Aus den Wänden das leise, stetige Brummen von Energie, die durch Leitungen gepresst wurde.
Elvira, inzwischen wieder züchtiger, aber deswegen nicht weniger kostenintensiv gekleidet, stand neben dem Tisch und wartete, bis sich die Anwesenden soweit gefunden hatten, dass sie beginnen konnte. 
Als Männer, die in Lagezentren und Besprechungsräumen sozialisiert waren, musste sie nicht lange warten oder gar zur Ruhe mahnen.

Meine Herren, ich sehe mit einiger Freude, dass ihr alle wohl und munter von euren Missionen zurückgekehrt seid. Selbige sind mit zufriedenstellender Effizienz ausgeführt worden. Das habe ich gegenüber dem Inquisitor lobend erwähnt. 
Er wird auch gleich zu uns stoßen. Ihr werdet ihn mit ‚mein Lord' oder mit ‚Herr' ansprechen. 
Am besten aber, ihr sprecht ihn gar nicht an, sondern wartet darauf, etwas gefragt zu werden. Ich habe andere Inquisitoren der heiligen Instanz kennenlernen… dürfen, und ich kann euch sagen: Inquisitor Geyer ist leichtherzig, fröhlich und voll der Gnade, im Gegensatz zu all den anderen. 
Aber das ändert nichts daran, wer und was er ist, und mit welchem Respekt wir, die wir die Ehre haben, in seinem Schatten wandeln zu dürfen, ihm zu begegnen haben. Er hat ganze Zivilisationen vor Schicksalen bewahrt, die schlimmer sind als der Tod. Er ist ein Held des Imperiums. 
Ein unbesungener Held, der die Last einer Bürde stemmt, die wir uns nicht einmal im Ansatz vorstellen können. Behaltet das im Umgang mit ihm im Gedächtnis. 
Und nun zur Sache.

Sie dimmte das Licht soweit herunter, dass man das Bild des Projektors, den sie jetzt ebenfalls anwarf, gut erkennen konnte. Das stilisierte I der Inquisition erschien kurz, dann ein Vermerk über die unbedingte Geheimhaltung dieser Daten. Eine Karte Koron IIIs erschien.

Wie ihr inzwischen festgestellt haben dürftet, hat Koron sich einen Parasiten eingefangen. Eine Geschlechtskrankheit, wenn man so will, die durch den Austausch mit anderen Welten von Wirt zu Wirt springt. Ihr alle hattet mit den Symptomen dieses Befalls bereits auf die eine oder andere Art Kontakt. Und das ist der Ausgangspunkt.

Erst ein flackerndes Gerüst aus Linien und Punkten, als würde das System selbst zögern, das Dargestellte in klare Formen zu zwingen. Dann stabilisierte sich das Bild. Es stammte von irgendeiner Einsatzkamera. Vielleicht ein Servitor, ein Arbeiter oder ein Soldat. 
Es war scharf, vermutlich nachträglich bearbeitet, um besser erkennbar zu sein.
Eine humanoide Silhouette – auf den ersten Blick.
Der Schnappschuss hatte das Geschöpf in einer Röhre eingefangen, vielleicht eine Kanalisation. Es schenkte dem Betrachter einen Seitenblick, als wäre es ertappt worden. 
Es war in einer permanenten, lauernden Krümmung dargestellt, als wäre Stillstand für seine Anatomie ein Fremdzustand. Die Beine angewinkelt, die Wirbelsäule gebogen, der Schwerpunkt nach vorne verlagert. Ein Körper, der nicht für das Gehen, sondern für Sprung und Angriff geschaffen war. 

Daneben war zu lesen: Infektionspotenzial: extrem Erkennungswahrscheinlichkeit (späte Stadien): minimal Bedrohungsstufe: planetar

Zwei Arme, vertraut. 
Zwei weitere – dahinter angesetzt, länger, sehniger. 
Die oberen endeten in Händen, fast menschlich in ihrer Form, aber zu langgliedrig. Die unteren hingegen hatten nichts Menschliches an sich.
Die Projektion hob sie hervor, ließ ihre Konturen pulsierend aufglühen. Klingenartige Klauen, sichelförmig, messerscharf. 
Die Simulation zeigte Materialproben daneben – Stahl, Keramik, Verbundpanzerung – und ließ sie der Reihe nach „durchtrennt" werden. Widerstandslos.

Ein kurzer Datenimpuls flackerte auf: Durchdringungskapazität: Astartes-Servorüstung – wahrscheinlich.

Der Kopf war überproportional groß, nach hinten gewölbt, fast wie ein krankhaft aufgeblähter Schädel oder eine aufgedunsene Zecke. Keine Augen im menschlichen Sinne, nur glatte, dunkle Flächen, die kein Licht reflektierten, sondern es zu verschlucken schienen.
Darunter der Kiefer.
Die Projektion isolierte ihn, löste ihn als schematische Ansicht heraus und legte ihn auf eine separate Bildfläche. 
Zeigte die Gelenkstruktur. 
Wie er sich öffnete. 
Weiter, als er sollte. 
Noch weiter. 
Die Darstellung stoppte erst, als das Maul in einem Winkel stand, der eher an eine Falle erinnerte als an einen Mund.
Einblendung: Bisskraft: ≈ 3.400 – 4.100 N

Ein halbtransparenter Schnitt durch den Körper folgte. Muskeln, dicht gepackt, faserig, wie unter Spannung stehende Kabelstränge. Kein Gramm verschwendet. Alles auf Kraft, Geschwindigkeit, Gewalt ausgelegt.
Dann weitere Einblendungen. Feine Linien entlang des Rumpfes – Atemöffnungen. Kiemenartige Strukturen zwischen den Rippen, verbunden mit Poren an Gliedmaßen und Schädel. Ein organisches System, das nicht auf eine bestimmte Umgebung angewiesen war.

Betrieb in Vakuum: möglich. Überlebensdauer: Jahrhunderte.

Ein leises Klicken begleitete den nächsten Übergang.
Der Kopf wurde erneut hervorgehoben – diesmal von innen. Ein Netzwerk, dichter als bei jedem bekannten menschlichen Gehirn. Verschlungen, redundant, hochgradig adaptiv. 
Dann ein zweites Netz. 
Nicht physisch. Eine schematische Darstellung, halb transparent, verband mehrere identische Silhouetten miteinander. Linien aus schwachem, pulsierendem Licht – wie Adern aus Gedanken.

Bruttelepathie – Reichweite: lokal begrenzt Funktion: Koordination, Kontrolle, Signalübertragung

Ein einzelner Knoten wurde hervorgehoben. 
Größer. 
Dominanter. 
Ein Patriarch – implizit. 
Von ihm gingen die Linien aus wie von einem Herzen.
Dann wechselte die Darstellung erneut. Der Mund öffnete sich – nicht zum Biss. Eine schmale, röhrenartige Struktur schnellte nach vorne. Zu schnell, um sie als Zunge zu begreifen. 
Die Projektion verlangsamte den Vorgang künstlich.
Kontakt. 
Ein kurzer, unscheinbarer Moment.


Die eingeblendeten Informationen waren einmal durchgelaufen und begannen jetzt von vorn. Elvira hatte alles einmal schweigend wirken lassen und begann nun zu sprechen.

Ordnen wir das Ganze einmal ein. Corporaptor hominis. begann sie. Genräuber. 
Sie sind noch unter tausend anderen Namen bekannt. Stollendämon, Klauenteufel und so weiter und so weiter. 
Mir hat Erbschleicher immer am besten gefallen.
Sie kommen nicht mit Pauken und Trompeten anmarschieren. Sie kommen lautlos. 
Versteckt in den Laderäumen von Handelsschiffen, treibenden Space Hulks. Gerade in denen überdauern sie Jahrzehnte, manchmal Jahrhunderte. Gelangt auch nur ein einziger von ihnen auf eine bewohnte Welt, kann das ihr Ende bedeuten. Ein Genräuber tötet nicht wahllos. Das wäre verschwenderisch. 
Sein eigentliches Werkzeug ist nicht die Klaue, sondern der sogenannte Genetische Kuss.
Ein direkter körperlicher Kontakt, durch den ein biologischer Vektor in den Wirt übertragen wird. 
Das Opfer erinnert sich oft kaum daran, spürt vielleicht nur einen kurzen Schmerz, findet später eine vernarbte Wunde und denkt, es sei in eine Schlägerei geraten oder hätte sich unbemerkt bei der Arbeit verletzt… kann sich nicht genau erinnern. 
Vielleicht betrunken, vielleicht überarbeitet.

Sie nahm die Fernsteuerung vom Tisch und betätigte einen Knopf. Die Projektion lief weiter, wurde jedoch verkleinert und in die obere Ecke geschoben, während ein ergänzender Film ablief.
Dieser zeigte einen völlig gewöhnlichen Menschen in Arbeitskleidung, frontal fotografiert wie für einen Ausweis oder bei einer ärztlichen Untersuchung. Tiefe Augenringe, die Haut blass. Wäre es anders gewesen, wäre es in einer Makropole aufgefallen. 
Irgendwo an der Seite des Halses, kaum sichtbar, ließ sich eine kleine vernarbte Stelle erahnen. Ein Pfeil zeigte auf sie.
Darunter: Primärvektor. Keine äußerlichen Anzeichen. Sozialer Status: unauffällig.

Der übertragene Vektor entfaltet zwei Wirkungen.
Der erste Effekt ist mentaler Natur. 
Langsam, über Wochen oder Monate, wird die Psyche des Wirtes neu geschrieben. Der Betroffene entwickelt eine absolute, bedingungslose Loyalität gegenüber dem Patriarchen, eben jenem ersten Genräuber, der die Welt infizierte. Er empfindet diese Loyalität nicht als Zwang. Er empfindet sie als Liebe. Als Berufung. Als das Heiligste, was er je gefühlt hat.
Der zweite Effekt greift die Physis an. Das Reproduktionssystem des Wirtes wird auf molekularer Ebene umstrukturiert. Das erste Kind, das er oder sie fortan zeugt, wird kein gewöhnlicher Mensch mehr sein. Es wird ein Hybrid sein. 
Halb Mensch, halb Genräuber. 
Mit jeder weiteren Generation rückt die äußere Form näher an die des Raubtieres heran – bis schließlich, in der vierten Generation, wieder reinblütige Genräuber aus dem Schoß menschlicher Mütter kriechen und den Kreislauf von Neuem beginnen können. 
Diese erste Nachwuchsgeneration aus Genräubern wird in Teilen die Armeen der Veränderten als Elitekämpfer verstärken, aber auch immer die befallene Welt verlassen, um die böse Saat weiterzutragen.
Das Bild des Arbeiters ging in eine schematische Darstellung eines menschlichen Körpers über. Ein winziger Punkt auf Höhe des Halses begann zu pulsieren. Kaum sichtbar. Und begann sich auszubreiten. Zellen veränderten sich. Strukturen kippten. Ein zweites, überlagertes Muster schob sich über das erste – fremd, aggressiv, dominant.
Der menschliche Umriss blieb stehen. Aber das, was er darstellte… war etwas Fremdartiges.
Die Projektion ließ den Übergang zu einem Hybrid folgen. Erst deformiert, dann mit jeder weiteren Darstellung glatter, angepasster, normaler. Bis schließlich wieder ein Mensch dort stand.
Der infizierte Wirt selbst bleibt dabei oft vollkommen unauffällig. Er geht zur Arbeit. Er zahlt seine Steuern. Er betet vielleicht sogar als Lautester zum Gott-Kaiser. Er dient in der Armee und wirft sich an vorderster Front in die Schlacht. Alles zur Tarnung.
Ist dieser Zyklus erst etabliert und funktioniert er, beginnt die nächste Phase der Unterwanderung.
Strukturbildung und Hierarchisierung
Sobald eine kritische Masse erreicht ist, organisiert sich der Kult. Das kann verschiedenste Formen annehmen. Eine Partei, eine Arbeiterbewegung, eine religiöse Vereinigung oder eine militärische Organisation. Wenn das Fundament groß genug ist, meist eine Mischform.
An der Spitze steht der sogenannte Patriarch – der ursprüngliche Genräuber, inzwischen massiv gewachsen und psionisch aktiv. Er bildet das Zentrum eines kollektiven Bewusstseins, des sogenannten Brudergeistes.
Unter ihm agieren spezialisierte Hybriden: Der Magus, zuständig für psionische Führung und ideologische Steuerung. 
Wir hatten gehofft, mit der Gefangenen, die ihr hereschafft habt, vielleicht bereits den Magus ausgeschaltet zu haben. 
Aber leider nein. Sie war zwar psionisch aktiv, aber nicht der Magus. Wir haben jedoch einige Informationen über diese Person sammeln können.
Des Weiteren gibt es den Primus, der die taktische und operative Koordination übernimmt.
Die Gesamtstruktur ist zellular aufgebaut: sogenannte Gen-Sekten, unterteilt in operative Einheiten, die flexibel eingesetzt werden.
Sind diese Strukturen etabliert, erfolgt die Infiltration und gesellschaftliche Durchdringung. Der Kult operiert primär verdeckt. Er nutzt bestehende soziale Spannungen: Armut, Unterdrückung, Marginalisierung. Nach außen tritt er häufig als religiöse Bewegung oder politische Befreiungsorganisation auf.
Ziele dieser Phase: Unterwanderung administrativer Strukturen, Zugriff auf Infrastruktur, Rekrutierung nicht-infizierter Unterstützer, Etablierung logistischer Netzwerke.
Wichtig ist für uns hierbei zu beachten, dass auch nicht-infizierte Individuen Teil des Systems werden können – aus ideologischer oder opportunistischer Motivation.
Schließlich gehen diese Konsolidierungsprozesse, die Jahrzehnte und Jahrhunderte andauern können, in die Vorbereitung der planetaren Destabilisierung über. Mit wachsender Stärke verlagert sich der Fokus: Sabotage, gezielte Unruhen, das Platzieren von Agenten in Schlüsselpositionen. Militärische Kräfte werden unterwandert oder auf den Aufstand vorbereitet. Parallel dazu intensiviert der Patriarch seine psionische Aktivität.
Wir befinden uns derzeit im Beginn der finalen Phase.
Offener Aufstand!
Zum festgelegten Zeitpunkt erfolgt die koordinierte Erhebung. Merkmale hierfür sind simultane Angriffe auf strategische Ziele, die Nutzung interner Informationen sowie die Kombination aus Guerillataktik und Massengewalt. Ziel ist nicht zwingend der vollständige Sieg, sondern maximale Destabilisierung.

Bevor wir auf die Spezifika im Fall Koron III zu sprechen kommen – gibt es Fragen bis hierher?"
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