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Läuterung
#51
Die Nacht war wie erwartbar verlaufen. Kurz, unbequem, bevölkert von Gestalten aus der Vergangenheit, die ihm durch die dünnen Schlafphasen folgten. Gesichter ohne Namen und schlimmer noch die mit Namen. Das übliche Programm. Trotzdem war er beim ersten Piepen des Weckers hellwach, was nach all den Jahren zur Routine geworden war. Der Körper funktionierte, auch wenn der Geist manchmal hinterherhinkte.
Er hatte auf dem Sessel geschlafen – oder besser gesagt, darauf gedöst. Die Fußstütze hatte sich irgendwann in der Nacht eingeklappt und sein Nacken fühlte sich an, als hätte jemand versucht, ihn mit einer Drahtschlinge zu erwürgen. Kurt richtete sich auf, rieb sich das Gesicht. Eine kurze Morgenroutine mit Zähneputzen und Katzenwäsche folgte. Zurück im Hauptquartier würde er sich einer ausführlichen Hygiene widmen. Die anderen beiden kümmern sich ebenfalls um ihrem Kram. Sie waren Soldaten genug gewesen, sich nicht übertrieben aus dem Weg und sich gleichzeitig nicht auf den Nerv zu gehen. Gewohnt auf engem Raum miteinander auskommen zu müssen. Das vermittelte Kurt eine gewisse Vertrautheit, die ihm seit seiner Zeit bei der Armee gefehlt hatte. Die Pilger waren zu vertraulich gewesen, der Mechanicus zu unnahbar. Wer hätte es gedacht? 
Dann lasst mal losgehen. Mal schauen wie dieser Echo und sein Transporter aussehen, sagte Arius.
Kurt nickte nur und klemmte sich eine Zigarette in den Mundwinkel.
Die Morgenluft war diesig und roch nach Abgasen, verbranntem Gummi und brackigem Meerwasser. Besser als die muffige Atmosphäre im Zimmer war es allemal.
Der Transporter, den Echo fuhr, war bereits da, als sie den Parkplatz erreichten. Kurt erkannte ihn sofort – nicht weil das Fahrzeug besonders auffällig gewesen wäre, sondern weil daneben der Mann stand, denn Kurt sich nach Elviras Beschreibung im Geiste ausgemalt hatte.
Ich geh mal guten Morgen wünschen. Ich steck mir eine an, wenn alles okay ist.
Kurt ging direkt auf ihn zu, die Kippe zwischen den Lippen, lässig, als würde er nur um Feuer bitten wollen. Die anderen beiden blieben beim Motel zurück, warteten ab.
Gut durch den Schwitzbogen gekommen?, fragte Kurt, als er nahe genug war.
Der Mann musterte ihn einen Moment lang. Dann kam die Antwort, ruhig und ohne Zögern: Ja, aber trotzdem ziemlich nass geworden.
Kurt nickte knapp, entzündete die Zigarette und stieß den Qualm in einer Wolke aus. Arius und Doc setzten sich in Bewegung, schlenderten herüber wie Wanderarbeiter, die gerade eine Mitfahrgelegenheit aufgetan hatten. Nichts Auffälliges, nichts Verdächtiges. Nur drei Typen, die von A nach B wollten.
Echo war... interessant. Auf den ersten Blick sah der Kerl aus wie ein Schläger in einem schlecht sitzenden Anzug. Der Stoff spannte über den Schultern, die Ärmel waren eine Nummer zu kurz. Jemand, der gewohnt war, Probleme mit den Fäusten zu lösen und der nur deshalb keine Lederjacke trug, weil ihn irgendein Unterweltboss zum Chefknochenbrecher auserkoren hatte. Aber Kurt hatte genug Bullen in seinem Leben gesehen, um die feinen Unterschiede zu erkennen. Die Art, wie der Mann stand. Die Art, wie seine Augen den Parkplatz scannten, nie länger als eine Sekunde auf einem Punkt verweilend. Die unterschwellige Beherrschtheit, die kein Straßenschläger jemals entwickelte, weil die ihre Impulse nicht kontrollierten.
Gut hergekommen?, fragte Kurt und zog an seiner Zigarette.
Echo schüttelte den Kopf. 
Ruhige Fahrt. Keine Zwischenfälle.
Gut.
Kurt warf einen Blick zum Transporter. Gepanzert, unscheinbar lackiert, keine Logos. Das Ding sah aus wie ein ziviles Nutzfahrzeug, aber Kurt wusste, dass unter der Haut mehr steckte. 
Sie war da drinnen. Eine dürre sechgliedrige Spinne, die… Solche theatralischen Gedanken waren nicht seine Art und jetzt war nicht der Zeitpunkt damit anzufangen, also schob er sie beiseite.
Doc, sagte Kurt und nickte dem Sanitäter zu. Deine Show.
Er selbst schlendern am Weg entlang, weg von dem Transporter. Arius würde für die unmittelbare Nahsicherung reichen und eine zu auffällig unauffällige Gruppe würde nur ungewollte Blicke auf sie ziehen. Also war er der Typ, der noch ein paar Meter ging und seinen Glimmstängel genoss, bevor ihm eine stundenlange Fahrt ohne in einem rollendenen Blechkasten bevorstand. Ein paar Laster rollten vorbei. Ein einzelner Fußgänger, der sich nicht für sie interessierte. Niemand, der zu lange hinsah.
Name: Kurt Messer
Rufzeichen: 
Rasse & Zugehörigkeit: Mensch, Imperium
Alter: um die 40 Standardjahre
Aussehen: 1,85m groß, kurzes, blondes Haar, blaue Augen, drahtige Erscheinung, Narben auf der linken Gesichtshälfte und Stirn, markanter Goldzahn, selbstbewusstes Auftreten.
Kleidung: Kleidung Inquisitionsgarde  
Ausrüstung: Messer, Die Friedensstifter (2x vom Mechanikus gefertigte, großkalibrige Revolver (nur bei Bedarf am Mann)), Sechsschüsser Revolver als Seitenwaffe



[Bild: 9c7661eaa4dd771f339e86601b2e3ac6.jpg]
„Er zog nicht schnell – die Zeit wich nur höflich zur Seite, wenn er es tat.“
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#52
Hier auf diesem imperatorverlassenen Stück Land würde sich also zeigen, wie gut ihre Gefangene wirklich verstaut war und ob es Doc gelingen würde sie weiter ruhig zu halten. Ihr neuer Kamerad Echo war ein laufender Schrank, gar nicht soviel größer wie sie, aber deutlich muskulöser, was ihn massiver erscheinen schien. Die Frage war, wo Elvira ihn aufgetrieben hatte. Ein Soldat schien er nicht zu sein. Seine Haltung war anders. Vielleicht irgendeine Art von Leibwächter? Viel Zeit zum Grübeln blieb ihm nicht, denn Doc musste sich jetzt um ihre Gefangene kümmern und er selbst würde ihn absichern. Die beiden Männer standen aber erstmal etwas unentschlossen vor der verriegelten Heckklappe.
„Wenn du nachher fertig bist, brauchen wir eine Parole.“ Arius dachte kurz nach.
„Zweimal zwinkern. Und danach sagst du, lass uns in drei Tagen Gravball in Phoros‘ Kranz schauen.“
Doc grübelte auch noch kurz, stimmte dann aber zu und übergab alle seine Waffen an Arius. Erst dann öffnete er die Tür und begab sich ins Wageninnere.
„Ich werde für dich beten.“ Versprach Arius ihm noch, ehe Doc die gepanzerte Wagentür hinter sich zuzog. Die Verriegelung schnappte hörbar und dann war Stille. Sie hier draußen und Doc mit der Hexe allein. Arius flüsterte ein kurzes Schutzgebet für seinen Kameraden an den Imperator und wartete.
Cassian werkelte irgendwo weiter vorne in der Fahrerkabine herum, Kurt war auch verschwunden und vertrat sich anscheinend die Beine und von den Geräuschen der nahen Schnellstraße abgesehen, war es verdammt still.
Arius Blick war auf den Wagen fixiert und er versuchte den Moment herbeizuahnen in dem Doc sich wieder meldete. Sein Mund war wie ausgetrocknet, die Muskeln angespannt und den Moment erwartend. Seine Pistole hing schwer an seiner Hüfte, wartete darauf aus dem Holster befreit zu werden. Aber noch war es nicht so weit und seine bionischen Finger surrten leise, während er seine Hände zu Fäusten ballte und wieder entspannte.
Dreimal klopfte es gegen die Wagentür. Das vereinbarte Signal. Arius pfiff einmal laut seinen anderen beiden Kameraden zu. Jetzt wurde es spannend.
Er zog seine Laserpistole, entsicherte sie und richtete sie auf die Wagentür. Arius war kein Feigling oder Kameradenschwein, aber bei der Psionikerin ging Sicherheit vor.
„Du kannst rauskommen.“
Die Verriegelung schnappte und die Tür öffnete sich langsam, als Doc ins Tageslicht hinaustrat.
„Und?“
Sein Kamerad zwinkerte ihm zweimal zu.
„Lass uns in drei Tagen Gravball in Phoros‘ Kranz schauen.“
Für einen weiteren langen Moment blieb die Pistole bewegungslos weiter auf Doc gerichtet. Dann senkte Arius und verstaute sie wieder. Scheinbar hatte alles geklappt wie geplant.
Er signalisierte Cassian und Kurt mit erhobenem Daumen das alles in Ordnung war.
„Das Paket ist transportfähig.“
Cassian trat zusammen mit Kurt an die beiden Männer heran und beäugte Doc misstrauisch. Er hatte den Test von Kruger anscheinend bestanden, aber ganz schien er der Sache noch nicht zu trauen. Psionikerkräfte waren etwas, was auch er nicht auf die leichte Schulter zu nehmen schien.
„Ganz sind wir hier noch nicht fertig.“ Merkte der kräftige Mann ruhig an. „Eine Sache sollten wir noch erledigen.“ Er bedeutete Arius und seine Kameraden ihm zur Beifahrertür des Wagens zu folgen. Dort verteilte er kleine Testsets an seine Begleiter und erklärte ihnen wie diese zu verwenden sein.
„Und wofür brauchen wir die genau?“ fragte Arius leicht verwirrt.
Ohne zu antworten, öffnete Cassian die Beifahrertür und gab den Blick frei, auf das was im Fußraum des Transporters saß und sie unentwegt aus roten Bionikaugen anstarrte. Entfernt war noch die Verwandtschaft zu etwas hundeähnlichem erkennbar, auch wenn es massiv durch chirurgische Eingriffe verändert worden war. Ein Körper aus Panzerstahl, Kabeln und wenigen Fleischresten prägten ihn nach seinen starken Veränderungen. Sein Maul war mit rasiermesserscharfen Klingen bestückt.
„Cybermastiff“ merkte Cassian kurz angebunden an. So als ob das für seine Kameraden ein gängiger Begriff war. Das Unverständnis schien er zu bemerken. „Man könnte sagen ein Servitor. Eine sehr spezielle Form. Er ist eine Festsetzungs- und Jagdeinheit. Und damit ihr nicht in sein Schema fallt, brauche ich eure Geruchsproben.“ Die Blicke der drei Veteranen schienen ihm noch nicht überzeugt genug und so fügte er noch eine Erklärung bei. „Alles, was nicht darunterfällt, wird nach seiner Aktivierung zur Ausschaltung freigegeben. Ihr wollt nicht darunterfallen, das kann ich euch versprechen.“
Ganz traute Arius der Sache nicht, aber Elvira hatte gemeint, dass dieser Echo zu ihrer Gruppe gehörte und sie sich auf ihn verlassen mussten. Wie angeordnet nahm er die Probe vor und reichte sie wie die beiden anderen an Cassian weiter, der ihnen dann den breiten Rücken zuwandte und sich an seinem maschinellen, tierischen, schwer zu sagen was eigentlich genau, Begleiter zu schaffen machte.
„Eure Geruchsmuster sind jetzt eingespeichert. Renold wird euch in Zukunft also definitiv nicht angreifen können. Wir sollten dann endlich mal los. Kennst du den Weg?“ Fragte Cassian an Kurt gewandt.
[Bild: 01-U1-Titel-201912-Sagen.jpg]
Name: Arius Kruger
Alter: 30 Standardjahre
Zugehörigkeiten: PVS
Rang: Feldwebel
Loyalitäten: imperialer Fanatiker, Militarist
Aussehen: 190cm groß, sehnig, ausgezehrt, maskenhaftes, verkniffenes Gesicht, attraktives Lächeln, blonder Seitenscheitel, bleiche leere Augen, beide Arme durch bionische Implantate ersetzt
Kleidung: abgetragene Zivilkleidung, steingrauer Regenponcho silberner Aquila
Charakter: Militarist, imperialer Fanatiker, tief gläubig, Frontveteran, begeisteter Hobbyfotograf, mangelhafte Empathie und auf sozialer Ebene ein Wrack
Fähigkeiten: erfahrener Grabenkrieger, guter Läufer,
Ausrüstung/Besitz: Reaper, Esseos Schema Laserpistole, Thermitgranate, Brecheisen, Fotoapparat
Konto: 1180 Schekel
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#53
Kurt murmelte eine knappe Zustimmung, ohne den Blick von dem Cybermastiff zu lösen. 
Das Ding gefiel ihm ganz und gar nicht. Mehr Toaster als Tier. Ein Toaster mit Metallzähnen. 
Er hatte im Dienst der Kabelköpfe schon schlimmere Spottgestalten gesehen, aber deswegen war ihm das Vieh nicht sympathischer.
Sein inneres Auge begann unwillkürlich, Szenarien abzuspulen. Was, wenn die Geruchserkennung versagte? Wenn Blut, Staub oder Chemikalien ihre Spuren verfälschten? Wenn Pfiffi sie plötzlich nicht mehr erkannte?
„Hunde kennen sich selbst nicht mehr, wenn es Schlubenheimer gibt“, fiel ihm eine gleichermaßen einprägsame wie nervende Hundefutterreklame aus dem Vid ein. Darin vollführten Hunde allerlei Schabernack, um an das angeblich begehrte Fresschen zu kommen. 
Warum nur kam er sich gerade wie eine Dose Schlubenheimer mit zwölf Prozent Squam Squam in Gourmetsoße vor?
Er schluckte den Gedanken hinunter… herunterschlucken – na prima – und stieg ein. 
Mit leise surrenden Servos machte der Cybermastiff Platz. 
Es wäre ihm lieber gewesen, wenn der Blechbello nach hinten gegangen wäre. Dann hätte er nicht nur die anderen entnerven und im Notfall die Hexe verspeisen können, sondern Kurt hätte auch mehr Beinfreiheit gehabt. 
So machte es sich das riesige Pseudotier im Fußraum gemütlich, sodass Kurt seine Füße gerade so neben ihm abstellen konnte.
Na, du Drahtdackel? Mach schön Platz.
Die roten Augen starrten unbewegt zu ihm hoch. Kein Zucken. Kein Laut. Nur kalte, programmierte Bereitschaft. 
Ganz wie das Herrchen, wie es schien.

Dann fahren wir, brummte er schließlich.
Der Motor des Transporters erwachte erneut zum Leben, ein tiefes Grollen, das durch das Fahrgestell vibrierte. Draußen zog das Hafenviertel träge vorbei, während sie sich wieder in Bewegung setzten.
Folge den Schildern Richtung Stadt und dann zum Bogen. Wir nehmen die Hauptstraßen und großen Transitwege. Wenn uns einer ans Leder will, dann bestimmt eher auf Nebenstrecken. Also halten wir uns an die viel befahrenen Wege. Erst mal grob nach Ebene 3.
Echo fuhr, und Kurt rauchte.
Sag mal …, versuchte er nach etwa einer halben Stunde ein Gespräch zu beginnen, mir ist schon klar, dass du der schweigsame Typ bist. Labertaschen sind die dahinten auch nicht gerade.
Er deutete mit dem Daumen gegen die Wand, die sie von der Kabine mit der Psionikerin trennte.
Aber da wir ja jetzt Kollegen sind, gibt es eine Chance, dass du mir erzählst, wer du bist und wie es dich in die Dienste der Spinnenlady verschlagen hat?
Name: Kurt Messer
Rufzeichen: 
Rasse & Zugehörigkeit: Mensch, Imperium
Alter: um die 40 Standardjahre
Aussehen: 1,85m groß, kurzes, blondes Haar, blaue Augen, drahtige Erscheinung, Narben auf der linken Gesichtshälfte und Stirn, markanter Goldzahn, selbstbewusstes Auftreten.
Kleidung: Kleidung Inquisitionsgarde  
Ausrüstung: Messer, Die Friedensstifter (2x vom Mechanikus gefertigte, großkalibrige Revolver (nur bei Bedarf am Mann)), Sechsschüsser Revolver als Seitenwaffe



[Bild: 9c7661eaa4dd771f339e86601b2e3ac6.jpg]
„Er zog nicht schnell – die Zeit wich nur höflich zur Seite, wenn er es tat.“
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