Gestern, 02:17 PM
Kommen wir zum Anschlag selbst. Einige von euch hatten unmittelbar damit zutun, lassen wir die Trauerreden und die Heldengeschichten also beiseite – was zählt, sind die nackten Fakten, und die sind aufschlussreich genug.
Er hob die Hand, die Finger leicht gespreizt, als zähle er ab.
Erstens: das Ausmaß der Vorbereitung. Mindestens zwei schwere Transportmaschinen aus Huncal, dazu eine größere Anzahl weiterer Flugzeuge – gestohlen, entführt, in einigen Fällen schlicht erworben, über verschiedene, voneinander unabhängige Kanäle. Wie bei allem, was wir bisher betrachtet haben, keine Improvisation, sonder die Effizienz eines Ameisenstaates. Einmal mehr eine Beschaffungskette, die sich über Monate, vermutlich Jahre erstreckt haben muss, ohne dass eine einzige dieser Bewegungen Verdacht erregt hat, beziehungsweise zu wenig Verdacht oder an der falschen Stelle.
Zweitens: die Präzision des Ziels. Man traf die Ratsversammlung in dem Moment, in dem ein Großteil der höchsten politischen, militärischen und ökonomischen Führung Gohmors an einem einzigen Ort versammelt war – inklusive auswärtiger Delegationen. Häuser wie Icus und Deforn wurden in ihrer Führungsspitze faktisch ausgelöscht. Das mag im ersten Moment nicht wie eine besondere Leistungs aussehen, wenn man berücksichtigt, dass der Massenanschlag mehr oder weniger jeden der Versammelten getroffen hat. Nicht eben ein chirurgischer Schnitt, sondern ein Hieb mit dem Streitkolben. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass die Schläge genau getimte sein mussten, um dann zu treffen wenn alle Ziele anwesend waren und obendrein in so schneller Folge, dass keine Zeit zur Flucht blieb. Auch hier wieder umfangreiches Insiderwissen.
Drittens: die Gleichzeitigkeit der Operationen. Während des Anschlags auf die Ratshalle fielen im selben Zeitraum auch die Brücke der Hunderttausend, mehrere Verteidigungsanlagen der Stadtmauer und diverse Versorgungseinrichtungen. Also mehrere koordinierte Zellen, die unabhängig voneinander, aber zeitlich abgestimmt agierten – ein Muster, das wir bereits aus Huncal kennen.
Er ließ die Hand sinken.
Viertens: die körperlichen Merkmale der getöteten Angreifer. Fehlende Behaarung, schwarze Pupillen, spitz zulaufende Zähne, verhornte Fingernägel – bei den stärker betroffenen Exemplaren ein dritter Arm, Hornwülste, knöcherne Wucherungen. An diesem Punkt geschah das, was Jahrzehnte früher hätte geschehen müssen. Man hat die Inquisition alarmiert.
Fünftens: die Verbindung zur Kirche der Transformation. Eine Sekte, die gezielt unter den Verzweifelten, den Mutierten und den Ausgestoßenen der Unterstadt rekrutiert – ein Reservoir an Körpern und Loyalitäten, das sich nach einem Anschlag dieser Größenordnung mühelos für Aufstände mobilisieren ließ und nach wie vor lässt. Eine solche Organisation dient zwei Zwecken zugleich: Sie liefert Kanonenfutter für die Straßenschlachten, die seither die Sicherheitskräfte binden – und sie liefert eine Erklärung, mit der sich die Behörden zufriedengeben können, ohne nach den eigentlichen Drahtziehern zu fragen.
Und schließlich Sechstens: Es gab, nach eigenen Angaben der Ermittlungsbehörden, Verstrickungen mit Teilen der PVS. Man hat das Ausmaß heruntergespielt – aus naheliegenden Gründen. Aber es bestätigt, was wir bereits aus Casiov und aus Huncal wissen: Der Feind sitzt nicht nur in den Slums und den Sekten. Er sitzt in den Strukturen, die ihn bekämpfen sollen.
Er sah in die Runde, einen nach dem anderen.
Fassen wir zusammen. Wir haben es nicht mit einem einzelnen Anschlag zu tun, sondern mit dem bislang sichtbarsten Ausschlag eines Prozesses, der seit Jahrzehnten, eher noch Jahrhunderten – innerhalb dieser Stadt und dem ganzen Planeten abläuft. Eine Infiltration, die sich Zeit gelassen hat, die sich in Logistik, Verwaltung, Armee und Klerus eingenistet hat, und die in der Lage war, in einem einzigen koordinierten Schlag die Führungsspitze Korons, wenn nicht zu enthaupten, so doch einen tiefen Schnitt beizubringen. Das ist nicht das Ende eines Plans.
Das ist, fürchte ich, lediglich dessen erste, ungeduldige Eskalationsstufe.
Die Frage, die sich mir stellt, ist nicht, was der Feind getan hat. Das haben wir nun hinreichend seziert und es ist doch recht typisch für diesen Gegner der Menschheit. Die Frage ist. warum jetzt?
Was bezweckt er damit? Auf den ersten Blick wirkt es, als läge die Initiative vollständig beim Kult. Ein enthaupteter Adel, eine brennende Hauptstadt, ein Heer, das an drei Fronten gleichzeitig gebunden ist. Doch betrachtet man die nackten Zahlen, ergibt sich ein anderes Bild. Der Adel und die Führungseliten funktionieren wie eh und je. Sicher, die zweite Garnitur tritt jetzt ins Rampenlicht und das eine oder andere kleine Haus mag fallen, aber die wahren Führungseliten wanken nicht.
Und die Armee? Einen solchen Koloss wie die PVS Korons ringt man so nicht nieder. Selbst mit der Achten Brigade, den Infiltratoren in der PVS, den Schläferzellen in Gohmor und den Horden des Zechenverbandes zusammengenommen, reicht diese Kraft niemals aus, um einen Planeten wie Koron 3 zu erobern. Eine größere Stadt, vielleicht ein, zwei der schwächeren Nationen, aber nichts Weltgefährdendes. Dafür bräuchte es das Mehrhundertfache. Diese Leute wissen das. Sie sind nicht dumm, und ihr Meister erst recht nicht.
Normalerweise zeigt sich ein solcher Kult nur in drei Fällen.
Wenn er aufgedeckt wird und keine andere Wahl mehr hat, als sich offen zu zeigen – wie bei der Grünen Zitadelle, wo die Untersuchungen ein verfrühtes Losschlagen erzwangen.
Wenn er glaubt, tatsächlich die Mittel zu besitzen, einen Planeten oder zumindest eine Nation vollständig zu übernehmen und einen Dauerzustand des Konflikts zu etablieren. – er zögerte, und in diesem Zögern lag mehr, als seine Worte ausdrückten – „… oder wenn etwas Größeres naht.
Er schüttelte knapp den Kopf.
Keiner dieser drei Gründe trifft hier zweifelsfrei zu. Aufgedeckt wurden sie erst durch den Anschlag selbst – vorher liefen sie unbemerkt. Die Mittel zur Eroberung besitzen sie offensichtlich nicht. Und für die dritte Möglichkeit – wieder dieses kurze, kaum merkliche Zögern habe ich bislang keinen einzigen belastbaren Hinweis.
Geyer trat einen Schritt zurück und sah die Versammelten der Reihe nach an.
Es bleibt mir also nur der Schluss, dass wir etwas übersehen. Eine Variable, die wir noch nicht kennen, oder eine, die wir kennen, aber falsch einordnen.
Dazu kommt ein weiterer Umstand, über den ich bislang geschwiegen habe.
Die Gouverneursgattin, Frau Elisabeth Emilia de Wajari, hat mich – auf einem Weg, der mit der offiziellen Befehlskette nichts zu tun hat – kontaktieren lassen. Das allein ist bemerkenswert. Meine vorläufige Einschätzung ist, dass sie keine Dienerin des Kultes ist. Eher das Gegenteil: Ich habe Grund zur Annahme, dass sie die Macht auf diesem Planeten für sich selbst beansprucht, und dass ihr Gemahl dabei möglicherweise mehr im Wege steht, als ihm gut tut. Eine Frau, die plant, ihren Mann zu beerben – vielleicht sogar nachzuhelfen –, sucht sich gewöhnlich keine Verbündeten unter Genestealer-Kultisten. Auszuschließen ist es freilich nicht. Vielleicht hat sie die Kultiusten heimlich unterstützt und gemerkt, mit wem sie sich da eingelassen hat, als man ihr einen Transportflieger von der größe eines Wohnblocks auf den Kopf werfen wollte.
Alles graue Theorie, bis wir Gewissheit haben.
Geyer sah nun ernst in die Runde, fast auffordernd.
Wir haben mehrere lose Fäden, und nicht genug Hände, um alle gleichzeitig zu ziehen. Ich will eure Einschätzung hören, bevor ich entscheide, wohin wir unsere Kräfte als Nächstes lenken.
Er zählte auf, knapp, sachlich, wie er es mit allem tat.
Wir könnten der Einladung der Gouverneursgattin nachgehen. Herausfinden, was sie weiß, was sie will, und ob sie tatsächlich das ist, wofür ich sie halte – oder etwas Schlimmeres. Sie weiß noch nicht, dass ich mich auf Koron befindete. Ich habe bei meiner Annäherung an den Planeten einen Diplomaten abgefangen und dazu verpflichtet eine Scharade zu spielen. Frau de Wajari denkt ich würde mich noch in einigen Tagen Entfernung zu Koron 3 befinden.
Ein weiterer dieser Fänden ist die Grüne Zitadelle. Das Sperrgebiet besteht offiziell wegen Strahlung, tatsächlich vermutlich, weil dort noch immer etwas schlummert. Verschwundene Touristen, nie aufgeklärte Morde. Es wäre an der Zeit, mit geeigneten Mitteln nachzusehen, ob der ursprüngliche Nuklius des Befalls noch aktiv ist – oder ob von dort aus weiterhin Marionetten gelenkt werden.
Dann ser Östliche Zechenverband und die Rote Wache. Wenn dieser Vorposten tatsächlich vollständig durchsetzt ist, könnte er uns Aufschluss über Versorgungswege, Kommunikation und möglicherweise über die Identität der eigentlichen Führung geben – vorausgesetzt, man gelangt dort hinein, ohne sofort als Fressen für die Symbionten zu enden.
Dann Luht. Kruger war dort, als die Zehnte operierte. Was im Dschungel wächst, ist offenbar älter und größer als das, was wir hier in Gohmor sehen. Ich würde gerne verstehen, ob dort der eigentliche Ursprung liegt – oder nur ein weiterer Außenposten.
Final die Infiltration innerhalb der PVS selbst. Eine stille, interne Untersuchung, ohne dass es zu einer offenen Säuberung kommt, die den Feind warnen würde. Riskant, aber möglicherweise der direkteste Weg zu den Drahtziehern in Gohmor selbst. Wenn wir den Kampf zum Feind tragen wollen, brauchen wir eine schlagkräftige und vor allem unbefallene Armee.
Ich werde meine Entscheidung nicht allein fällen. Jeder von euch bringt eine andere Perspektive mit – nutzt sie. Was wollt, was müsst ihr noch wissen und was schlagt ihr vor?
Er hob die Hand, die Finger leicht gespreizt, als zähle er ab.
Erstens: das Ausmaß der Vorbereitung. Mindestens zwei schwere Transportmaschinen aus Huncal, dazu eine größere Anzahl weiterer Flugzeuge – gestohlen, entführt, in einigen Fällen schlicht erworben, über verschiedene, voneinander unabhängige Kanäle. Wie bei allem, was wir bisher betrachtet haben, keine Improvisation, sonder die Effizienz eines Ameisenstaates. Einmal mehr eine Beschaffungskette, die sich über Monate, vermutlich Jahre erstreckt haben muss, ohne dass eine einzige dieser Bewegungen Verdacht erregt hat, beziehungsweise zu wenig Verdacht oder an der falschen Stelle.
Zweitens: die Präzision des Ziels. Man traf die Ratsversammlung in dem Moment, in dem ein Großteil der höchsten politischen, militärischen und ökonomischen Führung Gohmors an einem einzigen Ort versammelt war – inklusive auswärtiger Delegationen. Häuser wie Icus und Deforn wurden in ihrer Führungsspitze faktisch ausgelöscht. Das mag im ersten Moment nicht wie eine besondere Leistungs aussehen, wenn man berücksichtigt, dass der Massenanschlag mehr oder weniger jeden der Versammelten getroffen hat. Nicht eben ein chirurgischer Schnitt, sondern ein Hieb mit dem Streitkolben. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass die Schläge genau getimte sein mussten, um dann zu treffen wenn alle Ziele anwesend waren und obendrein in so schneller Folge, dass keine Zeit zur Flucht blieb. Auch hier wieder umfangreiches Insiderwissen.
Drittens: die Gleichzeitigkeit der Operationen. Während des Anschlags auf die Ratshalle fielen im selben Zeitraum auch die Brücke der Hunderttausend, mehrere Verteidigungsanlagen der Stadtmauer und diverse Versorgungseinrichtungen. Also mehrere koordinierte Zellen, die unabhängig voneinander, aber zeitlich abgestimmt agierten – ein Muster, das wir bereits aus Huncal kennen.
Er ließ die Hand sinken.
Viertens: die körperlichen Merkmale der getöteten Angreifer. Fehlende Behaarung, schwarze Pupillen, spitz zulaufende Zähne, verhornte Fingernägel – bei den stärker betroffenen Exemplaren ein dritter Arm, Hornwülste, knöcherne Wucherungen. An diesem Punkt geschah das, was Jahrzehnte früher hätte geschehen müssen. Man hat die Inquisition alarmiert.
Fünftens: die Verbindung zur Kirche der Transformation. Eine Sekte, die gezielt unter den Verzweifelten, den Mutierten und den Ausgestoßenen der Unterstadt rekrutiert – ein Reservoir an Körpern und Loyalitäten, das sich nach einem Anschlag dieser Größenordnung mühelos für Aufstände mobilisieren ließ und nach wie vor lässt. Eine solche Organisation dient zwei Zwecken zugleich: Sie liefert Kanonenfutter für die Straßenschlachten, die seither die Sicherheitskräfte binden – und sie liefert eine Erklärung, mit der sich die Behörden zufriedengeben können, ohne nach den eigentlichen Drahtziehern zu fragen.
Und schließlich Sechstens: Es gab, nach eigenen Angaben der Ermittlungsbehörden, Verstrickungen mit Teilen der PVS. Man hat das Ausmaß heruntergespielt – aus naheliegenden Gründen. Aber es bestätigt, was wir bereits aus Casiov und aus Huncal wissen: Der Feind sitzt nicht nur in den Slums und den Sekten. Er sitzt in den Strukturen, die ihn bekämpfen sollen.
Er sah in die Runde, einen nach dem anderen.
Fassen wir zusammen. Wir haben es nicht mit einem einzelnen Anschlag zu tun, sondern mit dem bislang sichtbarsten Ausschlag eines Prozesses, der seit Jahrzehnten, eher noch Jahrhunderten – innerhalb dieser Stadt und dem ganzen Planeten abläuft. Eine Infiltration, die sich Zeit gelassen hat, die sich in Logistik, Verwaltung, Armee und Klerus eingenistet hat, und die in der Lage war, in einem einzigen koordinierten Schlag die Führungsspitze Korons, wenn nicht zu enthaupten, so doch einen tiefen Schnitt beizubringen. Das ist nicht das Ende eines Plans.
Das ist, fürchte ich, lediglich dessen erste, ungeduldige Eskalationsstufe.
Die Frage, die sich mir stellt, ist nicht, was der Feind getan hat. Das haben wir nun hinreichend seziert und es ist doch recht typisch für diesen Gegner der Menschheit. Die Frage ist. warum jetzt?
Was bezweckt er damit? Auf den ersten Blick wirkt es, als läge die Initiative vollständig beim Kult. Ein enthaupteter Adel, eine brennende Hauptstadt, ein Heer, das an drei Fronten gleichzeitig gebunden ist. Doch betrachtet man die nackten Zahlen, ergibt sich ein anderes Bild. Der Adel und die Führungseliten funktionieren wie eh und je. Sicher, die zweite Garnitur tritt jetzt ins Rampenlicht und das eine oder andere kleine Haus mag fallen, aber die wahren Führungseliten wanken nicht.
Und die Armee? Einen solchen Koloss wie die PVS Korons ringt man so nicht nieder. Selbst mit der Achten Brigade, den Infiltratoren in der PVS, den Schläferzellen in Gohmor und den Horden des Zechenverbandes zusammengenommen, reicht diese Kraft niemals aus, um einen Planeten wie Koron 3 zu erobern. Eine größere Stadt, vielleicht ein, zwei der schwächeren Nationen, aber nichts Weltgefährdendes. Dafür bräuchte es das Mehrhundertfache. Diese Leute wissen das. Sie sind nicht dumm, und ihr Meister erst recht nicht.
Normalerweise zeigt sich ein solcher Kult nur in drei Fällen.
Wenn er aufgedeckt wird und keine andere Wahl mehr hat, als sich offen zu zeigen – wie bei der Grünen Zitadelle, wo die Untersuchungen ein verfrühtes Losschlagen erzwangen.
Wenn er glaubt, tatsächlich die Mittel zu besitzen, einen Planeten oder zumindest eine Nation vollständig zu übernehmen und einen Dauerzustand des Konflikts zu etablieren. – er zögerte, und in diesem Zögern lag mehr, als seine Worte ausdrückten – „… oder wenn etwas Größeres naht.
Er schüttelte knapp den Kopf.
Keiner dieser drei Gründe trifft hier zweifelsfrei zu. Aufgedeckt wurden sie erst durch den Anschlag selbst – vorher liefen sie unbemerkt. Die Mittel zur Eroberung besitzen sie offensichtlich nicht. Und für die dritte Möglichkeit – wieder dieses kurze, kaum merkliche Zögern habe ich bislang keinen einzigen belastbaren Hinweis.
Geyer trat einen Schritt zurück und sah die Versammelten der Reihe nach an.
Es bleibt mir also nur der Schluss, dass wir etwas übersehen. Eine Variable, die wir noch nicht kennen, oder eine, die wir kennen, aber falsch einordnen.
Dazu kommt ein weiterer Umstand, über den ich bislang geschwiegen habe.
Die Gouverneursgattin, Frau Elisabeth Emilia de Wajari, hat mich – auf einem Weg, der mit der offiziellen Befehlskette nichts zu tun hat – kontaktieren lassen. Das allein ist bemerkenswert. Meine vorläufige Einschätzung ist, dass sie keine Dienerin des Kultes ist. Eher das Gegenteil: Ich habe Grund zur Annahme, dass sie die Macht auf diesem Planeten für sich selbst beansprucht, und dass ihr Gemahl dabei möglicherweise mehr im Wege steht, als ihm gut tut. Eine Frau, die plant, ihren Mann zu beerben – vielleicht sogar nachzuhelfen –, sucht sich gewöhnlich keine Verbündeten unter Genestealer-Kultisten. Auszuschließen ist es freilich nicht. Vielleicht hat sie die Kultiusten heimlich unterstützt und gemerkt, mit wem sie sich da eingelassen hat, als man ihr einen Transportflieger von der größe eines Wohnblocks auf den Kopf werfen wollte.
Alles graue Theorie, bis wir Gewissheit haben.
Geyer sah nun ernst in die Runde, fast auffordernd.
Wir haben mehrere lose Fäden, und nicht genug Hände, um alle gleichzeitig zu ziehen. Ich will eure Einschätzung hören, bevor ich entscheide, wohin wir unsere Kräfte als Nächstes lenken.
Er zählte auf, knapp, sachlich, wie er es mit allem tat.
Wir könnten der Einladung der Gouverneursgattin nachgehen. Herausfinden, was sie weiß, was sie will, und ob sie tatsächlich das ist, wofür ich sie halte – oder etwas Schlimmeres. Sie weiß noch nicht, dass ich mich auf Koron befindete. Ich habe bei meiner Annäherung an den Planeten einen Diplomaten abgefangen und dazu verpflichtet eine Scharade zu spielen. Frau de Wajari denkt ich würde mich noch in einigen Tagen Entfernung zu Koron 3 befinden.
Ein weiterer dieser Fänden ist die Grüne Zitadelle. Das Sperrgebiet besteht offiziell wegen Strahlung, tatsächlich vermutlich, weil dort noch immer etwas schlummert. Verschwundene Touristen, nie aufgeklärte Morde. Es wäre an der Zeit, mit geeigneten Mitteln nachzusehen, ob der ursprüngliche Nuklius des Befalls noch aktiv ist – oder ob von dort aus weiterhin Marionetten gelenkt werden.
Dann ser Östliche Zechenverband und die Rote Wache. Wenn dieser Vorposten tatsächlich vollständig durchsetzt ist, könnte er uns Aufschluss über Versorgungswege, Kommunikation und möglicherweise über die Identität der eigentlichen Führung geben – vorausgesetzt, man gelangt dort hinein, ohne sofort als Fressen für die Symbionten zu enden.
Dann Luht. Kruger war dort, als die Zehnte operierte. Was im Dschungel wächst, ist offenbar älter und größer als das, was wir hier in Gohmor sehen. Ich würde gerne verstehen, ob dort der eigentliche Ursprung liegt – oder nur ein weiterer Außenposten.
Final die Infiltration innerhalb der PVS selbst. Eine stille, interne Untersuchung, ohne dass es zu einer offenen Säuberung kommt, die den Feind warnen würde. Riskant, aber möglicherweise der direkteste Weg zu den Drahtziehern in Gohmor selbst. Wenn wir den Kampf zum Feind tragen wollen, brauchen wir eine schlagkräftige und vor allem unbefallene Armee.
Ich werde meine Entscheidung nicht allein fällen. Jeder von euch bringt eine andere Perspektive mit – nutzt sie. Was wollt, was müsst ihr noch wissen und was schlagt ihr vor?

