06-18-2026, 02:44 PM
Die Vergangenheit erklärt das Wesen des Feindes. Nun kommen wir zur Gegenwart.
Während er gesprochen hatte, hatte Elvira einige Einstellungen am Projektor vorgenommen, vermutlich den Datenträger ausgetauscht.
Nun übergab sie die Fernsteuerung in die Hand des Inquisitors. Die Projektion wechselte, wobei das Bild der Symbiontenfratze bedeutungsschwer die neue Darstellung noch einen Moment lang überlagerte. Die Karte Gohmors erschien erneut. Diesmal leuchtete ein sichelförmiges Gebiet in der nordöstlichen Vorwüste auf.
Einige von euch werden von den jüngeren Entwicklungen rund um den Östlichen Zechenverband gehört haben. Es spielte vor einiger Zeit eine größere Rolle in den Gazetten.
Datenzeilen erschienen neben der Karte.
Bevölkerung: geschätzt zwei Millionen.
Status: weitgehende Autonomie.
Zuwanderung: eingestellt.
Besuchsverkehr: eingestellt.
Externe Projekte: eingestellt.
Rohstofflieferungen: unverändert oder über Soll.
Vor einigen Jahren befand sich dieser Verband noch auf Expansionskurs. Neue Siedlungen. Neue Infrastruktur. Werbung um Arbeitskräfte. Politische Ambitionen. Der Konflikt mit Haus Orsius hat der Vereinigung viel Sympathie beim einfachen Bürger eingebracht. Der Geknechtete gegen den Unterdrücker und so weiter. Seit einigen Monaten beobachten wir das genaue Gegenteil."
Er verschränkte die Hände hinter dem Rücken.
Nach außen werden sämtliche Verpflichtungen weiterhin erfüllt. Erz wird geliefert. Verträge werden eingehalten. Die wirtschaftliche Produktion läuft störungsfrei weiter.
Die Karte zoomte näher heran, zeigte industriell aussehende Strukturen, Tagebaue und Abraumhalden, welche die Ausmaße kleiner Gebirge annahmen.
Inspekteure und Erzhändler besuchen die Handelsniederlassung weiterhin, aber jedweder Besucherverkehr zu den restlichen Anlagen ist faktisch auf Null reduziert. Ohne dass es dazu ein offizielles Statement gibt, könnte ein oberflächlicher Blick dies für Vorsicht vor Orsius' Einmischung oder Industriespionage halten. Wir aber schauen nicht nur oberflächlich. Abgelegene Gemeinden. Relativ isolierte Bevölkerung. Eigene Sicherheitskräfte, mit durchaus bedeutenden militärischen Kapazitäten. Begrenzte externe Kontrolle. Eine charismatische Führung.
Für sich genommen beweist keines dieser Merkmale etwas. In ihrer Gesamtheit ergeben sie jedoch ein Muster.
Cassian räusperte sich.
Während meines Einsatzes bei den Aufständischen hat Renold einmal erwähnt, dass man in die Vorwüste verschwinden könne. Zu Verbündeten.
Geyer sah ihn an und nickte.
Das deckt sich mit den Aussagen unseres Verhörsubjektes.
Die Gefangene verfügte nur über begrenzte Kenntnisse der Struktur, abseits ihrer eigenen Zellen. Nichtsdestotrotz ist sie ein großer Fisch, aber ihr Wissen bezog sich auf Gohmor und das Gebiet, in dem der Baneblade verunfallte. Darum hat man sie ausgesucht. Ihr Überleben war dabei nicht von Belang. Renold wäre interessant gewesen. Er schien auf mehreren Hochzeiten zu tanzen, was in dieser Struktur eher ungewöhnlich ist. Aber tröste dich, Arbitrator – du hast dem Universum einen Gefallen getan, als du seinen Kopf weggeschossen hast.
Wie gesagt, die Gefangene gehörte nicht zur obersten Führungsebene des Kultes. Dennoch deuteten mehrere ihrer Aussagen auf Kontakte außerhalb Gohmors hin. Kontakte zu Gruppen, die als Rückzugsorte, Versorgungsnetzwerke und Rekrutierungsgebiete dienten.
Also der Zechenverband?, fragte Messer.
Naheliegend.
Vor einigen Monaten verzeichneten wir eine Häufung von Zwischenfällen entlang der Außenposten, die verschiedene Handelshäuser in der Randzone unterhalten. Siris und Orsius ebenso wie kleine Häuser oder private Unternehmen. Kontaktabbrüche. Verschwundenes Personal. In mindestens einem Fall ein vollständig geräumtes Lager – ohne Leichen, ohne Zeichen einer klassischen Plünderung. Gestohlenes Material: Frischwasser, Handfeuerwaffen. Zurückgelassen: hochwertige Erze, Technik, Promethium.
Eine kurze Pause.
Ein wählerischer Feind.
Eine externe Sicherheitsorganisation namens HAVOC Rangers wurde mit der Untersuchung eines dieser Vorfälle beauftragt. Sie erreichten das betreffende Lager, fanden es leer vor und stießen in der Nacht auf eine unbekannte Kampfgruppe in der Vorwüste. Es kam zu einem Gefecht. Details liegen mir nicht vor. Ich weiß, dass es Verluste auf Seiten der Söldner gab. Ich weiß, dass ein Kontingent der Hausarmee Orsius in der gleichen Nacht in der gleichen Region operierte – und sich anschließend in ungewöhnlicher Eile in nördlicher Richtung zurückzog. Nicht in Richtung Gohmor. Ich glaube nicht das diese Orsius Kräfte mit dem Feind im Bunde standen, wohl aber das sie ihn bekämpften.
Abgefangene Berichte sprechen später von Spuren, die in die Wüste führten. Verwüstete Fahrzeuge. Aufgerissene Panzerluken. Das gleiche Bild wie bei den Kämpfen um die Grüne Zitadelle. Jahrhunderte und tausende Kilometer voneinander getrennt.
Ein Klick, und das körnig abgelichtete Bild eines Meldeblocks erschien. Darauf eine harte, kantige Handschrift.
Es lässt sich nur darüber spekulieren, warum der Angriff auf diese Kräfte und Handelsposten erfolgte. Vor allem da der Kult darum bemüht sein dürfte, das Bild von Normalität zu erzeugen. Vielleicht sind die Vertreter der angegriffenen Fraktionen zu neugierig geworden, haben Dinge gesehen, die sie nicht hätten sehen sollen. Die Geheimniskrämerei der Häuser spielt dem Feind dabei in die Hände. Solche Vorfälle werden nicht weitergemeldet, sondern aktiv vertuscht. Wenn die Vermutung stimmt, dann liegt eine weitere große Kultarmee faktisch vor den Toren der Stadt.
Realistisch betrachtet: selbst wenn sie ihre geschätzten zwei Millionen Anhänger unter Waffen haben, Frauen, Kinder und Alte mit eingeschlossen, plus die Symbionten, die vermutlich die Panzer von Orsius angegriffen haben, besteht keine Chance, dass sie Gohmor damit gefährlich werden. Aber sie haben damit einen gut gesicherten Rückzugspunkt.
Er machte einen harten Schnitt, und ein grün bewaldeter Kartenabschnitt ersetzte das trostlose Rotbraun der Vorwüste.
Luht.
Er ließ den Namen kurz stehen.
Eine Nation, die ihre eigenen Angelegenheiten seit Generationen nicht in den Griff bekommt. Kriminalität, Korruption und große Armut – und das nur in wenigen zivilisierten Zentren. Acht Zehntel Urwald. Keine brauchbaren Karten. Stämme von Ureinwohnern, die sich gegenseitig die Kehlen durchschneiden und jeden externen Einfluss mit dem Speer beantworten. Zwei Strafexpeditionen in der jüngeren Geschichte – beide gescheitert, eine davon mit dreihundert Mann rein und dreiunddreißig wieder raus. Von solchen Eskapaden abgesehen, war Luht, gefangen in seinen internen Problemen, eine Randfigur in den planetaren Geschehnissen.
Er deutete auf den südlichen Bereich der Karte.
Seit etwa einem Jahr hat sich das Bild fundamental verändert. Die Stämme greifen koordiniert an. Nicht mehr einzelne Überfälle auf abgelegene Farmen – eine regelrechte Invasion. Die Städte Taggo und Huncal stehen unter Dauerdruck. Siedlungen in der Peripherie: vernichtet oder annektiert. Überlebende in Bunkertürmen warten auf Entsatz, der bisher nicht oder nur unter größten Anstrengungen kam.
Das sind gewiss bedenkliche, aber doch lokale Sachverhalte, die auf den ersten Blick wenig Interesse der Inquisition erwecken. Was mein Analyseteam beschäftigt, ist nicht die Tatsache des Angriffs. Dschungelstämme greifen an. Das kennen wir. Was uns beschäftigt, ist die Frage: warum jetzt. Und warum koordiniert.
Die Projektion wechselte. Eine taktische Karte des Dschungels erschien, grob und lückenhaft.
Stämme, die seit Jahrzehnten in blutiger Feindschaft zueinander standen, handeln plötzlich im Verbund. Taktische Muster, die vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären, werden angewendet.
Etwas hat sie in Bewegung gesetzt.
Etwas, wovor sie mehr Angst haben als voreinander oder vor den bewaffneten Kräften der Ordnungsmacht.
Die Erkenntnisse meines Teams haben mich zu dem Ergebnis kommen lassen, dass die Stämme nicht angreifen, weil sie es wollen. Sie greifen an, weil sie fliehen. Aus dem Inneren des Dschungels. Weg von etwas, das dort unten sitzt und wächst.
Ein neues Bild erschien auf der Projektionsfläche. Dann noch eines. Dann mehrere, in ruhiger Abfolge.
Verstümmelte Überreste. Drei Soldaten – oder das, was von ihnen übrig war. Zusammengesetzt, neu arrangiert, drapiert an einem Baum wie das Werk eines wahnsinnigen Bildhauers. Vier Arme, zwei Gesichter zu einem zusammengepresst, Gedärme und Schlingpflanzen genutzt, um den monströsen Götzen zusammenzubinden. Erkennungsmarken in einer Faust, in der anderen Blüten.
Geyer ließ die Bilder sprechen. Er sagte eine Weile nichts.
Das sind Angehörige der Zehnten PVS-Kompanie. Ehemalige Kameraden von dir, Kruger und auch von dir Messer. Fernaufklärer. Gefunden vor einigen Monaten, im Rahmen der Operation Donnergrollen.
Er sah in die Runde.
Ohne die ganzen roten Punkte zu sehen, die wir hier miteinander verbinden, könnte man psychologische Kriegsführung sehen. Stammesritual. Einschüchterung.
Das ist es nicht. Zumindest nicht nur. Mein Team hat diese Bilder analysiert. Die Anordnung der Körper ist nicht zufällig. Das vierarmige Motiv. Die spezifische Drapierung. Die Symmetrie.
Das ist kein Kriegszeichen eines Dschungelstammes. Das ist ein Abbild. Eine Darstellung von etwas, das diese Menschen gesehen haben. Etwas, das vier Arme hat, das ihnen Angst gemacht hat und jetzt ihren Feinden Angst machen soll. Wir wissen inzwischen, um was es sich handelt. Im Dschungel Luhts sitzt ein weiteres Nest.
Er sagte es ohne Dramatik, sachlich, als berichte er über Wetterdaten.
Bei all der Geheimhaltung des Zechenverbandes oder der Verschleierung durch die FU bezüglich der Grünen Zitadelle sind die Daten aus dem Dschungel am lückenhaftesten. Es gibt die Berichte eines Forschungsreisenden, eines Biologen namens Schnabelmayer, der gewisse Dinge andeutet, was wir hier erahnen, in ihrer Ausdehnung aber nicht verifizieren können.
Er sah Kruger direkt an.
Du warst dabei, als die Zehnte dort operiert hat. Ich würde deine Einschätzung zur Lage vor Ort hören wollen. Später.
Dann wandte er sich wieder an die gesamte Gruppe.
Ein weiterer Schnitt, und es erschien das typische Wappen einer PVS-Formation.
Die Achte Brigade.
Das Einheitszeichen kantig und nüchtern – ein hochrechteckiger Schild, oben schwarz, unten betongrau, geteilt wie die Ebenen der Makropole selbst. In der Mitte eine breite, weiße Acht, so schlicht wie eine Fabriknummer. Darüber ein einfacher Arbeitshammer in Silber. Eine schmale, dunkelrote Bordüre fasst das Ganze ein. Kein Adler, kein Aquila, kein Gold. Bestenfalls unauffällig.
Fast fünftausend Mann PVS. Gut motiviert, nach allem, was man hört. Kein Gefechtseinsatz in freiem Gelände, aber das war gewollt so – die Führung hatte darum gebeten, die Speerspitze in Taggo zu übernehmen. Sich zu beweisen. Das Motto lautet, wenn ich mich recht entsinne – er wandte sich kurz an Elvira.
Alles erbringen, niemals beklagen.'
Gelebt, soweit man das beurteilen kann. Taggo war ein Aufstand unter vielen in der Region. Mit Verlusten war zu rechnen, aber in einem vertretbaren Rahmen. Dann: kein Funkkontakt. Kein Presseoffizier. Kein Lebenszeichen. Die komplette Einheit verschwand. Marschierte in den Dschungel und war weg. Mit Panzern, Artillerie und allem anderen. Und niemand hat sie wirklich vermisst.
Der offizielle Stand: Die Achte hat ihre vorgeschobenen Posten geräumt und ist tiefer in den Dschungel vorgestoßen. Kräfte der Föderalen Union haben die Lücken geschlossen. Alles planmäßig. Nichts zu melden.
Interne Schreiben der PVS listen sehr viel mehr Bedenken auf. Erstens: Eine PVS-Brigade ohne Dschungelkampferfahrung stößt ohne Begleitung und wirklichen Waffenverbund in schwieriges Gelände vor. Insubordination und Desertion einer kompletten Einheit in diesem Maße hat man normalerweise nur bei ketzerischen Aktivitäten oder eben bei Symbiontenbefall. Der kommandierende Offizier, Oberstleutnant Rät, hat um diesen Einsatz gebeten und seine komplette Einheit nebst Munitions- und Gefechtsfahrzeugen dem Feind übergeben. Die Familien schweigen. Fünftausend Soldaten. Große Arbeiterfamilien, nach allem, was wir wissen. Engmaschige Gemeinschaften auf den Subebenen 480 bis 510. Wenn dort Väter, Mütter, Kinder verschwinden – dann entsteht Lärm. Dann kommen Leute auf die Straße. Dann reden Nachbarn. Dann erscheinen nicht zwei Familien bei einer Zeitung, sondern zweihundert. Das Rekrutierungsgebiet der Achten liegt auf den Subebenen 480 bis 510. Das sind dichte, weitgehend autonome Gemeinschaften. Eigene Infrastruktur. Starke innere Loyalitäten. Kaum externe Kontrolle. All die Merkmale, auf die wir in dieser Rückschau bereits gestoßen sind.
Dann kehrte die Achte Brigade zurück.
Kruger war dabei.
Nicht als besiegte Truppe, die sich aus dem Dschungel herausschlägt. Nicht als Deserteure, die sich ergeben. Sie sind zurückgekehrt als Angreifer. Koordiniert, professionell und mit schwerem Gerät.
Die Projektion wechselte. Aufnahmen erschienen – Einschusslöcher in Beton, ein zerschossenes Wachtumsgebäude, die verbogenen Überreste eines Kasernentors. Dann das ausgebrannte Wrack eines Leman Russ.
In Huncal. In einer einzigen Nacht. Simultane Angriffe auf mehrere Kasernen, koordiniert durch eine großangelegte Störaktion des gesamten Kommunikationsnetzes – zivil wie militärisch. Wer auch immer das geplant hat, hat das nicht im Dschungel gelernt. Das ist Stabsarbeit. Wir können also davon ausgehen, dass auch in der Infrastruktur und der Verteidigung der Nation Infiltratoren saßen und noch immer sitzen. Wäre es anders gewesen, hätte es mich verwundert.
Er deutete auf die Aufnahmen.
Die Kaserne, in welcher die Zehnte zum Zweck der Rotation auf ihren Abflug wartete, wurde mit einem Leman Russ und regulärer Sturminfanterie in PVS-Vollpanzerung angegriffen. Der Angriff war mit dem Momentum der Überraschung hart und brutal, hatte aber nicht genug Masse, um nach dem ersten Schock der Reaktion zu widerstehen. Das war auch gar nicht das Ziel. Simultan wurden verschiedenste Niederlassungen der PVS und der zivilen Infrastruktur angegriffen. Die durchgehenden Attacken der Dschungelstämme waren ein permanentes Hintergrundrauschen für die Verteidiger, zermürbend durch ihre Beständigkeit. Die Symbionten haben die Bewegung der Stämme bewusst oder unbewusst verursacht. Zum Vorteil gereichte es ihnen so oder so. Durch die Belastung der durchgehenden Bedrohung hindurch stießen sie mit starken Spitzen vor, um verschiedenste Positionen zu treffen und in erster Linie von einem koordinierten Reagieren auf ihr eigentliches Ziel abzuhalten. Der Hauptstoß galt dem Flughafen. Etwa tausend Mann, zehn Panzer, dazu eine nicht bezifferbare Zahl bewaffneter Zivilisten. Sie haben sich als reguläre Kolonne getarnt – ein gewohntes Bild in einer Stadt voller Militärfahrzeuge. Niemand hat zweimal hingeschaut. Als sie losschlugen, standen sie bereits so nah, dass die Luftschiffe nicht mehr eingreifen konnten, ohne die eigenen Leute zu treffen.
Neue Aufnahmen. Hangars. Rollfeld. Rauchsäulen.
Ihr Ziel war nicht die Vernichtung. Ihr Ziel war Übernahme. Sie haben den Kommandostab ausgelöscht, die Langstreckenkommunikation gesprengt und eigene Piloten in die Hangars gebracht. Eigene Piloten – das bedeutet einmal mehr akribische Vorbereitung. Planung über Monate, vermutlich Jahre.
Unter den erbeuteten Maschinen waren beide Bulldog-Schwerlastfähren. Die gleichen Typen, die ursprünglich die Achte und die Zehnte in den Dschungel gebracht haben.
Was sie damit angestellt haben, wissen wir. Aber wir müssen uns der Vollständigkeit halber damit ebenfalls auseinandersetzen, wenn wir den vorläufigen Höhepunkt dieser Affäre analysieren wollen.
Huncal wurde gesichert. Die Zehnte, die 203. Panzerkompanie, Teile der Grenadiere und die Arbites haben die Stadt stabilisiert. Die Kämpfe gegen die Dschungelstämme gehen ungebremst weiter."
wird fortgesetzt
Während er gesprochen hatte, hatte Elvira einige Einstellungen am Projektor vorgenommen, vermutlich den Datenträger ausgetauscht.
Nun übergab sie die Fernsteuerung in die Hand des Inquisitors. Die Projektion wechselte, wobei das Bild der Symbiontenfratze bedeutungsschwer die neue Darstellung noch einen Moment lang überlagerte. Die Karte Gohmors erschien erneut. Diesmal leuchtete ein sichelförmiges Gebiet in der nordöstlichen Vorwüste auf.
Einige von euch werden von den jüngeren Entwicklungen rund um den Östlichen Zechenverband gehört haben. Es spielte vor einiger Zeit eine größere Rolle in den Gazetten.
Datenzeilen erschienen neben der Karte.
Bevölkerung: geschätzt zwei Millionen.
Status: weitgehende Autonomie.
Zuwanderung: eingestellt.
Besuchsverkehr: eingestellt.
Externe Projekte: eingestellt.
Rohstofflieferungen: unverändert oder über Soll.
Vor einigen Jahren befand sich dieser Verband noch auf Expansionskurs. Neue Siedlungen. Neue Infrastruktur. Werbung um Arbeitskräfte. Politische Ambitionen. Der Konflikt mit Haus Orsius hat der Vereinigung viel Sympathie beim einfachen Bürger eingebracht. Der Geknechtete gegen den Unterdrücker und so weiter. Seit einigen Monaten beobachten wir das genaue Gegenteil."
Er verschränkte die Hände hinter dem Rücken.
Nach außen werden sämtliche Verpflichtungen weiterhin erfüllt. Erz wird geliefert. Verträge werden eingehalten. Die wirtschaftliche Produktion läuft störungsfrei weiter.
Die Karte zoomte näher heran, zeigte industriell aussehende Strukturen, Tagebaue und Abraumhalden, welche die Ausmaße kleiner Gebirge annahmen.
Inspekteure und Erzhändler besuchen die Handelsniederlassung weiterhin, aber jedweder Besucherverkehr zu den restlichen Anlagen ist faktisch auf Null reduziert. Ohne dass es dazu ein offizielles Statement gibt, könnte ein oberflächlicher Blick dies für Vorsicht vor Orsius' Einmischung oder Industriespionage halten. Wir aber schauen nicht nur oberflächlich. Abgelegene Gemeinden. Relativ isolierte Bevölkerung. Eigene Sicherheitskräfte, mit durchaus bedeutenden militärischen Kapazitäten. Begrenzte externe Kontrolle. Eine charismatische Führung.
Für sich genommen beweist keines dieser Merkmale etwas. In ihrer Gesamtheit ergeben sie jedoch ein Muster.
Cassian räusperte sich.
Während meines Einsatzes bei den Aufständischen hat Renold einmal erwähnt, dass man in die Vorwüste verschwinden könne. Zu Verbündeten.
Geyer sah ihn an und nickte.
Das deckt sich mit den Aussagen unseres Verhörsubjektes.
Die Gefangene verfügte nur über begrenzte Kenntnisse der Struktur, abseits ihrer eigenen Zellen. Nichtsdestotrotz ist sie ein großer Fisch, aber ihr Wissen bezog sich auf Gohmor und das Gebiet, in dem der Baneblade verunfallte. Darum hat man sie ausgesucht. Ihr Überleben war dabei nicht von Belang. Renold wäre interessant gewesen. Er schien auf mehreren Hochzeiten zu tanzen, was in dieser Struktur eher ungewöhnlich ist. Aber tröste dich, Arbitrator – du hast dem Universum einen Gefallen getan, als du seinen Kopf weggeschossen hast.
Wie gesagt, die Gefangene gehörte nicht zur obersten Führungsebene des Kultes. Dennoch deuteten mehrere ihrer Aussagen auf Kontakte außerhalb Gohmors hin. Kontakte zu Gruppen, die als Rückzugsorte, Versorgungsnetzwerke und Rekrutierungsgebiete dienten.
Also der Zechenverband?, fragte Messer.
Naheliegend.
Vor einigen Monaten verzeichneten wir eine Häufung von Zwischenfällen entlang der Außenposten, die verschiedene Handelshäuser in der Randzone unterhalten. Siris und Orsius ebenso wie kleine Häuser oder private Unternehmen. Kontaktabbrüche. Verschwundenes Personal. In mindestens einem Fall ein vollständig geräumtes Lager – ohne Leichen, ohne Zeichen einer klassischen Plünderung. Gestohlenes Material: Frischwasser, Handfeuerwaffen. Zurückgelassen: hochwertige Erze, Technik, Promethium.
Eine kurze Pause.
Ein wählerischer Feind.
Eine externe Sicherheitsorganisation namens HAVOC Rangers wurde mit der Untersuchung eines dieser Vorfälle beauftragt. Sie erreichten das betreffende Lager, fanden es leer vor und stießen in der Nacht auf eine unbekannte Kampfgruppe in der Vorwüste. Es kam zu einem Gefecht. Details liegen mir nicht vor. Ich weiß, dass es Verluste auf Seiten der Söldner gab. Ich weiß, dass ein Kontingent der Hausarmee Orsius in der gleichen Nacht in der gleichen Region operierte – und sich anschließend in ungewöhnlicher Eile in nördlicher Richtung zurückzog. Nicht in Richtung Gohmor. Ich glaube nicht das diese Orsius Kräfte mit dem Feind im Bunde standen, wohl aber das sie ihn bekämpften.
Abgefangene Berichte sprechen später von Spuren, die in die Wüste führten. Verwüstete Fahrzeuge. Aufgerissene Panzerluken. Das gleiche Bild wie bei den Kämpfen um die Grüne Zitadelle. Jahrhunderte und tausende Kilometer voneinander getrennt.
Ein Klick, und das körnig abgelichtete Bild eines Meldeblocks erschien. Darauf eine harte, kantige Handschrift.
Zitat:
– Sender 1, vermutlich Orsius: Unverständlich, Verschlüsselung oder Kampfdialekt. Hohes Pfeifen und Zirpen mit verschiedener Oszillation. Übereinstimmung mit Hörproben Orsius-Verschlüsselung.
– Sender 2, vermutlich Gegner/weiterer Beteiligter: Sehr laut, reguliere Lautstärke nach unten, muss ausgleichen, um Orsius zu verstehen (Sender 1 und 3). Kreischen, Knurren, Zirpen und Bellen. Mischung aus allem. Wortähnliche Laute, sehr schnell gesprochen, sehr kehlig. Vermutlich Kampfdialekt. Ansonsten eher keine Verschlüsselung. Mit Absicht unheimlich gestaltet? Kriegsführung = nervliche Zerrüttung?
– Sender 1 sendet fast ununterbrochen aus verschiedenen Quellen. Vermutlich kleines Kampfgespräch im Verband und übergeordnete Sendung Richtung Gohmor.
– Sender 2 nur eine Sendequelle. Nur Anweisungen? Nur Sender an Empfänger?
– Sender 3 nach 14 Minuten begonnenen Mithörens aus Richtung Gohmor. Verm. Antwort von Zentrale Orsius. Ebenfalls verschlüsselt. Ausrichtung nach Gohmor abgebrochen, da von dort nur stark verschlüsseltes Signal.
– Verschlüsselung von Sender 1 jetzt lückenhaft. Technik beschädigt? Keine Zeit zum Verschlüsseln? Nachlässigkeit durch Panik?
– Einzeln aufgefangene Sendungen v. Sender 1 unterteilt nach verschiedenen Sendequellen. Verschlüsselte Sequenzen nicht extra aufgeführt.
Wortlaut:
– Reihen schließen. Muster einhalten. Raute.
– Treffer… bestätigter Abschuss… noch 3 von –
– Infanterie auf Anhöhe. Feuer…
– Links verstärken.
– Es ist zwischen den Panzern. Was ist –
– Nein… vier nach eigenem Ermessen. Gruppenführer kommen.
– Einbruch in Sicherungsbereich… bringt... zu Fall.
– Noch eins auf dem Hügel. Schwere Waffen zusammenfassen.
– Führungsfahrzeug an…
– Acht Schwer vorgehen.
– Dringend Unterstützung.
– Es reißt die Luke auf… Terras Gnade.
– Schreie! –
– Zurückfallen lassen zu…
– Feuerlinie aufbauen.
– Zurück… zurück…
– Nach eigenem Ermessen.
Ab hier nur noch Wortfetzen ohne erkennbaren Zusammenhang.
Es lässt sich nur darüber spekulieren, warum der Angriff auf diese Kräfte und Handelsposten erfolgte. Vor allem da der Kult darum bemüht sein dürfte, das Bild von Normalität zu erzeugen. Vielleicht sind die Vertreter der angegriffenen Fraktionen zu neugierig geworden, haben Dinge gesehen, die sie nicht hätten sehen sollen. Die Geheimniskrämerei der Häuser spielt dem Feind dabei in die Hände. Solche Vorfälle werden nicht weitergemeldet, sondern aktiv vertuscht. Wenn die Vermutung stimmt, dann liegt eine weitere große Kultarmee faktisch vor den Toren der Stadt.
Realistisch betrachtet: selbst wenn sie ihre geschätzten zwei Millionen Anhänger unter Waffen haben, Frauen, Kinder und Alte mit eingeschlossen, plus die Symbionten, die vermutlich die Panzer von Orsius angegriffen haben, besteht keine Chance, dass sie Gohmor damit gefährlich werden. Aber sie haben damit einen gut gesicherten Rückzugspunkt.
Er machte einen harten Schnitt, und ein grün bewaldeter Kartenabschnitt ersetzte das trostlose Rotbraun der Vorwüste.
Luht.
Er ließ den Namen kurz stehen.
Eine Nation, die ihre eigenen Angelegenheiten seit Generationen nicht in den Griff bekommt. Kriminalität, Korruption und große Armut – und das nur in wenigen zivilisierten Zentren. Acht Zehntel Urwald. Keine brauchbaren Karten. Stämme von Ureinwohnern, die sich gegenseitig die Kehlen durchschneiden und jeden externen Einfluss mit dem Speer beantworten. Zwei Strafexpeditionen in der jüngeren Geschichte – beide gescheitert, eine davon mit dreihundert Mann rein und dreiunddreißig wieder raus. Von solchen Eskapaden abgesehen, war Luht, gefangen in seinen internen Problemen, eine Randfigur in den planetaren Geschehnissen.
Er deutete auf den südlichen Bereich der Karte.
Seit etwa einem Jahr hat sich das Bild fundamental verändert. Die Stämme greifen koordiniert an. Nicht mehr einzelne Überfälle auf abgelegene Farmen – eine regelrechte Invasion. Die Städte Taggo und Huncal stehen unter Dauerdruck. Siedlungen in der Peripherie: vernichtet oder annektiert. Überlebende in Bunkertürmen warten auf Entsatz, der bisher nicht oder nur unter größten Anstrengungen kam.
Das sind gewiss bedenkliche, aber doch lokale Sachverhalte, die auf den ersten Blick wenig Interesse der Inquisition erwecken. Was mein Analyseteam beschäftigt, ist nicht die Tatsache des Angriffs. Dschungelstämme greifen an. Das kennen wir. Was uns beschäftigt, ist die Frage: warum jetzt. Und warum koordiniert.
Die Projektion wechselte. Eine taktische Karte des Dschungels erschien, grob und lückenhaft.
Stämme, die seit Jahrzehnten in blutiger Feindschaft zueinander standen, handeln plötzlich im Verbund. Taktische Muster, die vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären, werden angewendet.
Etwas hat sie in Bewegung gesetzt.
Etwas, wovor sie mehr Angst haben als voreinander oder vor den bewaffneten Kräften der Ordnungsmacht.
Die Erkenntnisse meines Teams haben mich zu dem Ergebnis kommen lassen, dass die Stämme nicht angreifen, weil sie es wollen. Sie greifen an, weil sie fliehen. Aus dem Inneren des Dschungels. Weg von etwas, das dort unten sitzt und wächst.
Ein neues Bild erschien auf der Projektionsfläche. Dann noch eines. Dann mehrere, in ruhiger Abfolge.
Verstümmelte Überreste. Drei Soldaten – oder das, was von ihnen übrig war. Zusammengesetzt, neu arrangiert, drapiert an einem Baum wie das Werk eines wahnsinnigen Bildhauers. Vier Arme, zwei Gesichter zu einem zusammengepresst, Gedärme und Schlingpflanzen genutzt, um den monströsen Götzen zusammenzubinden. Erkennungsmarken in einer Faust, in der anderen Blüten.
Geyer ließ die Bilder sprechen. Er sagte eine Weile nichts.
Das sind Angehörige der Zehnten PVS-Kompanie. Ehemalige Kameraden von dir, Kruger und auch von dir Messer. Fernaufklärer. Gefunden vor einigen Monaten, im Rahmen der Operation Donnergrollen.
Er sah in die Runde.
Ohne die ganzen roten Punkte zu sehen, die wir hier miteinander verbinden, könnte man psychologische Kriegsführung sehen. Stammesritual. Einschüchterung.
Das ist es nicht. Zumindest nicht nur. Mein Team hat diese Bilder analysiert. Die Anordnung der Körper ist nicht zufällig. Das vierarmige Motiv. Die spezifische Drapierung. Die Symmetrie.
Das ist kein Kriegszeichen eines Dschungelstammes. Das ist ein Abbild. Eine Darstellung von etwas, das diese Menschen gesehen haben. Etwas, das vier Arme hat, das ihnen Angst gemacht hat und jetzt ihren Feinden Angst machen soll. Wir wissen inzwischen, um was es sich handelt. Im Dschungel Luhts sitzt ein weiteres Nest.
Er sagte es ohne Dramatik, sachlich, als berichte er über Wetterdaten.
Bei all der Geheimhaltung des Zechenverbandes oder der Verschleierung durch die FU bezüglich der Grünen Zitadelle sind die Daten aus dem Dschungel am lückenhaftesten. Es gibt die Berichte eines Forschungsreisenden, eines Biologen namens Schnabelmayer, der gewisse Dinge andeutet, was wir hier erahnen, in ihrer Ausdehnung aber nicht verifizieren können.
Er sah Kruger direkt an.
Du warst dabei, als die Zehnte dort operiert hat. Ich würde deine Einschätzung zur Lage vor Ort hören wollen. Später.
Dann wandte er sich wieder an die gesamte Gruppe.
Ein weiterer Schnitt, und es erschien das typische Wappen einer PVS-Formation.
Die Achte Brigade.
Das Einheitszeichen kantig und nüchtern – ein hochrechteckiger Schild, oben schwarz, unten betongrau, geteilt wie die Ebenen der Makropole selbst. In der Mitte eine breite, weiße Acht, so schlicht wie eine Fabriknummer. Darüber ein einfacher Arbeitshammer in Silber. Eine schmale, dunkelrote Bordüre fasst das Ganze ein. Kein Adler, kein Aquila, kein Gold. Bestenfalls unauffällig.
Fast fünftausend Mann PVS. Gut motiviert, nach allem, was man hört. Kein Gefechtseinsatz in freiem Gelände, aber das war gewollt so – die Führung hatte darum gebeten, die Speerspitze in Taggo zu übernehmen. Sich zu beweisen. Das Motto lautet, wenn ich mich recht entsinne – er wandte sich kurz an Elvira.
Alles erbringen, niemals beklagen.'
Gelebt, soweit man das beurteilen kann. Taggo war ein Aufstand unter vielen in der Region. Mit Verlusten war zu rechnen, aber in einem vertretbaren Rahmen. Dann: kein Funkkontakt. Kein Presseoffizier. Kein Lebenszeichen. Die komplette Einheit verschwand. Marschierte in den Dschungel und war weg. Mit Panzern, Artillerie und allem anderen. Und niemand hat sie wirklich vermisst.
Der offizielle Stand: Die Achte hat ihre vorgeschobenen Posten geräumt und ist tiefer in den Dschungel vorgestoßen. Kräfte der Föderalen Union haben die Lücken geschlossen. Alles planmäßig. Nichts zu melden.
Interne Schreiben der PVS listen sehr viel mehr Bedenken auf. Erstens: Eine PVS-Brigade ohne Dschungelkampferfahrung stößt ohne Begleitung und wirklichen Waffenverbund in schwieriges Gelände vor. Insubordination und Desertion einer kompletten Einheit in diesem Maße hat man normalerweise nur bei ketzerischen Aktivitäten oder eben bei Symbiontenbefall. Der kommandierende Offizier, Oberstleutnant Rät, hat um diesen Einsatz gebeten und seine komplette Einheit nebst Munitions- und Gefechtsfahrzeugen dem Feind übergeben. Die Familien schweigen. Fünftausend Soldaten. Große Arbeiterfamilien, nach allem, was wir wissen. Engmaschige Gemeinschaften auf den Subebenen 480 bis 510. Wenn dort Väter, Mütter, Kinder verschwinden – dann entsteht Lärm. Dann kommen Leute auf die Straße. Dann reden Nachbarn. Dann erscheinen nicht zwei Familien bei einer Zeitung, sondern zweihundert. Das Rekrutierungsgebiet der Achten liegt auf den Subebenen 480 bis 510. Das sind dichte, weitgehend autonome Gemeinschaften. Eigene Infrastruktur. Starke innere Loyalitäten. Kaum externe Kontrolle. All die Merkmale, auf die wir in dieser Rückschau bereits gestoßen sind.
Dann kehrte die Achte Brigade zurück.
Kruger war dabei.
Nicht als besiegte Truppe, die sich aus dem Dschungel herausschlägt. Nicht als Deserteure, die sich ergeben. Sie sind zurückgekehrt als Angreifer. Koordiniert, professionell und mit schwerem Gerät.
Die Projektion wechselte. Aufnahmen erschienen – Einschusslöcher in Beton, ein zerschossenes Wachtumsgebäude, die verbogenen Überreste eines Kasernentors. Dann das ausgebrannte Wrack eines Leman Russ.
In Huncal. In einer einzigen Nacht. Simultane Angriffe auf mehrere Kasernen, koordiniert durch eine großangelegte Störaktion des gesamten Kommunikationsnetzes – zivil wie militärisch. Wer auch immer das geplant hat, hat das nicht im Dschungel gelernt. Das ist Stabsarbeit. Wir können also davon ausgehen, dass auch in der Infrastruktur und der Verteidigung der Nation Infiltratoren saßen und noch immer sitzen. Wäre es anders gewesen, hätte es mich verwundert.
Er deutete auf die Aufnahmen.
Die Kaserne, in welcher die Zehnte zum Zweck der Rotation auf ihren Abflug wartete, wurde mit einem Leman Russ und regulärer Sturminfanterie in PVS-Vollpanzerung angegriffen. Der Angriff war mit dem Momentum der Überraschung hart und brutal, hatte aber nicht genug Masse, um nach dem ersten Schock der Reaktion zu widerstehen. Das war auch gar nicht das Ziel. Simultan wurden verschiedenste Niederlassungen der PVS und der zivilen Infrastruktur angegriffen. Die durchgehenden Attacken der Dschungelstämme waren ein permanentes Hintergrundrauschen für die Verteidiger, zermürbend durch ihre Beständigkeit. Die Symbionten haben die Bewegung der Stämme bewusst oder unbewusst verursacht. Zum Vorteil gereichte es ihnen so oder so. Durch die Belastung der durchgehenden Bedrohung hindurch stießen sie mit starken Spitzen vor, um verschiedenste Positionen zu treffen und in erster Linie von einem koordinierten Reagieren auf ihr eigentliches Ziel abzuhalten. Der Hauptstoß galt dem Flughafen. Etwa tausend Mann, zehn Panzer, dazu eine nicht bezifferbare Zahl bewaffneter Zivilisten. Sie haben sich als reguläre Kolonne getarnt – ein gewohntes Bild in einer Stadt voller Militärfahrzeuge. Niemand hat zweimal hingeschaut. Als sie losschlugen, standen sie bereits so nah, dass die Luftschiffe nicht mehr eingreifen konnten, ohne die eigenen Leute zu treffen.
Neue Aufnahmen. Hangars. Rollfeld. Rauchsäulen.
Ihr Ziel war nicht die Vernichtung. Ihr Ziel war Übernahme. Sie haben den Kommandostab ausgelöscht, die Langstreckenkommunikation gesprengt und eigene Piloten in die Hangars gebracht. Eigene Piloten – das bedeutet einmal mehr akribische Vorbereitung. Planung über Monate, vermutlich Jahre.
Unter den erbeuteten Maschinen waren beide Bulldog-Schwerlastfähren. Die gleichen Typen, die ursprünglich die Achte und die Zehnte in den Dschungel gebracht haben.
Was sie damit angestellt haben, wissen wir. Aber wir müssen uns der Vollständigkeit halber damit ebenfalls auseinandersetzen, wenn wir den vorläufigen Höhepunkt dieser Affäre analysieren wollen.
Huncal wurde gesichert. Die Zehnte, die 203. Panzerkompanie, Teile der Grenadiere und die Arbites haben die Stadt stabilisiert. Die Kämpfe gegen die Dschungelstämme gehen ungebremst weiter."
wird fortgesetzt

