06-02-2026, 05:00 PM
Inquisitoren waren auf Koron 3 keine gänzlich fremde Begrifflichkeit – wenngleich nur ein Bruchteil der Bevölkerung um die wahre Bedeutung dieser Einrichtung wusste.
Doch ihren Namen kannte jedes Kind.
Das hatte vor allem mit dem Gemälde Triumph des Imperiums zu tun. Dem berühmten Werk des mindestens ebenso berühmten Severan Vult Maccabion, der den Einmarsch der imperialen Armee auf vier mal acht Metern Leinwand gebannt hatte.
Mit breitem, fast handwerklichem Pinselduktus für die Massen der Soldaten im Hintergrund, während die Vordergrundfiguren in lasierender Ölmalerei ausgearbeitet waren – die Uniformen in tiefem Karmesinrot und gebrochenen Goldtönen, die Gesichter der Sieger in kaltem, fast sakralem Licht. Das Werk war heute im Museum für Heroische Kunst zu besichtigen. Eigentlich berühmt geworden war es jedoch durch die zwanzig mal vierzig Meter große Replik in der Bahnstation der Ebene 2-A21.
Dadurch erlangte das Bild nicht nur Bekanntheit als Sehenswürdigkeit Gohmors, sondern wurde auch zur Pflichtlektüre für koronische Scholakinder. Diese hatten das zweifelhafte Vergnügen, Aufsätze über Maccabion, seine Bedeutung für die gohmorische Kunst nach dem Krieg der Häuser sowie Interpretationen und Deutungen des Werkes zu verfassen. Kinder der umliegenden Ebenen unternahmen Ausflüge zur Bahnstation, um das Riesenwerk in Augenschein zu nehmen.
Teil dieser, von manchem Scholaren gewiss als Tortur empfundenen Prozedur war auch die Bestimmung der dargestellten Gruppen: die Soldaten der imperialen Armee samt ihrer jeweiligen Regimenter, Farben und Insignien; die geläuterten Koroner im Mittelgrund, die Hände zum Segensgruß erhoben; die niedergeworfenen Teufelsanbeter Rasankurs und ihre jammernden Vasallen, die den Rand des Bildes ausmachten, zu Boden gezwungen oder in Ketten.
Weiter fanden sich ein Feldmechanikus, sowie eine Gruppe koronischer Würdenträger, die der imperialen Standarte huldigten – alles eingebettet in die rauchende Kulisse einer halb zerstörten Stadtlandschaft, über der das Aquila im Morgenrot thronte.
Drei Figuren jedoch waren im oberen linken Segment zu sehen, halb verborgen hinter der mächtigen Schulter eines Space Marines der Bellatouri Augusti. Gestalten im Schatten, mehr angedeutet als klar ausgearbeitet. Man konnte Atemmasken und hohe Hüte erahnen.
Die drei Inquisitoren – wie jeder Fünftklässler brav hätte aufsagen können. Sie waren an der Befreiung und Läuterung des Planeten beteiligt gewesen. Wie diese Beteiligung jedoch ausgesehen hatte und welche Rolle sie bei der Rückeroberung genau gespielt hatten, darüber schwiegen die Schulbücher ebenso wie die Folianten in den Universitäten.
So wusste jedes Kind auf Koron einen Inquisitor zu benennen – ohne zu wissen, was dieser war oder wofür er stand.
Gallianos Geyer hätte durchaus in das Bild gepasst, das sich ein Kind von einem Inquisitor gemacht haben mochte – hätte jenes Kind, die vagen Andeutungen des Triumph des Imperiums als einzigen Motor seiner Fantasie gehabt.
Geyer war groß. Über zwei Meter, und von einem Dürrsein, das weniger an Magerkeit durch mangelnde Nahrung, als an eine grundsätzliche Reduzierung des Menschlichen erinnerte – als habe man ihn auf das Notwendige destilliert und dabei großzügig auf alles verzichtet, was Fleisch, Fett und Wärme hätte sein können. Sein Gesicht trug das Gepräge eines Mannes irgendwo jenseits der hundert, dem man jedoch im fünften Lebensjahrzehnt untersagt hatte, weiter zu altern. Ein Unternehmen, das er mit einigem Erfolg verfolgte – aber eben nicht mit vollständigem. Die Zeit hatte sich in ihm eingenistet wie ein ungebetener Gast, der zwar aus den großen Zimmern vertrieben worden war, in den Winkeln und Ritzen jedoch nach wie vor hauste. Die Haut über seinen Wangenknochen war zu straff, die über seinen Händen zu dünn; die Augen dagegen wirkten seltsam jung, als hätten sie schlicht vergessen, wie alt der Rest von ihm war.
Was seine körperliche Verfassung betraf, bot Geyer das Bild einer Ambivalenz, die jede schlüssige Einschätzung im Ansatz erstickte. Wer ihn das erste Mal sah, neigte dazu, ihn für gebrechlich zu halten – der zweite und dritte Blick ließen Kraft und Beweglichkeit in seinem Gebaren erahnen. Konnte er einen Widersacher aufnehmen und ihn wie eine nachlässig weggeworfene Puppe quer durch einen Raum schleudern? Oder würde der kleinste Luftzug genügen, ihn wie ein Stück Papier davonzuwehen?
Er trug eine schwarze Robe, lang und ohne Verzierung, aber durchsetzt mit Spangen und Rippen, die dem Kleidungsstück etwas Organisches verliehen. Einziger Schmuck war eine kleine silberne Kette, die das Symbol des Inquisition darstellte.
Hinter ihm schob ein blasser, unscheinbarer Akolyth einen vierrädrigen Wagen über den Bunkerbeton – eine Apparatur aus leise schnaufenden Kolben und schwach glühenden Glasgefäßen, deren Inhalt in sonderbaren Farben changierte. Von dem Gerät gingen Kabel und Schläuche aus, die unter Geyers Robe verschwanden, um dort, der Imperator mochte wissen, was für Aufgaben zu übernehmen.
Als er nach ihrer kurzen Pause den Raum betrat, war es Kruger, der mit langezogenem A und einer Lautstärke, die keinen Zweifel an seiner Herkunft ließ, Aachtung! rief. Die beiden anderen Soldaten nahmen zackige Haltung an; auch der Arbites straffte sich, die Hände zum Adlersymbol über die Brust gelegt.
Elvire, die abseits der Tür stand, machte einen Gesichtsausdruck, der gelinde Überraschung verriet. Der Inquisitor verzog keine Miene. Doch wer genau hinsah, mochte so etwas wie Wohlwollen im Glanz seiner Augen erkennen – flüchtig, und vielleicht auch nur das, was man hineinsehen wollte.
Setzt Euch, meine Herren.
Meine Name ist, wie sie gewiss bereits in Erfahrung gebracht haben, Gallianos Geyer.
Ich habe euch persönlich in den Dienst der heiligen Inquisition des Ordos Xenos berufen. Ihr alle seid oder wart Soldaten, du ein Angehöriger des Adeptus Arbites. Ihr alle habt das Dienen gelernt, ihr alle habt eure Pflicht zum Schutz des Imperiums und seiner Bürger geleistet.
Ihr habt gelitten und geblutet, habt Kameraden und Freunde verloren.
Und doch waren all diese Opfer nichts, im Vergleich zu dem was ich von euch abverlangen werde. Ich verlange nichts weniger von euch, als euch aufzugeben. Eure Ziele und Träume im Leben, die Dinge, die ihr zu erreichen hofft, den Reichtum, Ruhm oder das persönliche Glück, das ihr euch vielleicht ersehnt.
Vergesst all das!
Wie Ich, wie Elvira hier und wie die Männer und Frauen vor der Tür, seid ihr jetzt Werkzeuge des Gottkaisers. Wir sind das Schwert und das Schild, dass die Hiebe des Xenos abwehrt und seinerseits tödliche Streiche gegen ihn führt. Wenn wir versagen, geht kein Grabenabschnitt verloren, keine Schlacht wird zu Niederlage, kein Viertel fällt kriminellen Elementen in die Hände.
Wenn wir versagen brennt eine Welt.
Dann sterben Milliarden.
Darüberhinaus entsteht dann ein Riss im Bollwerk des Imperiums, durch welchen das Gift des Aliens einsickern kann. Vielleicht fragt ihr euch “warum ich?” und tatsächlich seid ihr das Fundament einer neuen Agentengruppe, die ich aufbaue. Eure Vorgänger haben ihm Dienst für die Menschheit ihr Leben gegeben und sie haben es in dem Wissen gegeben, einer gewaltigen Sache zu dienen.
Wenn unsere Zeit dereinst kommen sollte, dann werden auch wir es mit Freude dem Xeno entgegenschleudern.
Aber… und jetzt schlich sich ein wenige Milde in seine Stimme, versteht euch deswegen nicht als Todgeweihte.
Zum einen bin auch ich durchaus erpicht darauf, die Früchte unseres Tun als Lebender zu genießen, zum anderen lässt sich die Zeit zwischen den ernsten Dingen durchaus angenehm gestalten.
Zu den ernsten Dingen wollen wir jetzt allerdings kommen.
Elvira hat euch bereits die Grundlagen der Genräuberpest erläutert. Ich selbst konnte im Gespräch mit dem Subjekt, dass ihr hierher überführt habt, ein paar Dinge herausfinden.
Koron 3 wird seit langer Zeit von der Genräuberpest heimgesucht.
Länger, als die meisten wissen. Länger, als die meisten wissen wollen.
Vielleicht habt ihr von der Casiov-Revolte gehört. Eine Fußnote der lokalen Geschichte. In dem Regionenbund der sogenannten Föderalen Union wohl wichtigerer Stoff für den Geschichtsunterricht als in Gohmor. Kriegerbund, sektenartige Züge, innere Radikalisierung – so lautet die offizielle Lesart, und sie ist nicht falsch. Sie ist lediglich unvollständig.
Im Jahre 150 der hiesigen Zeitrechnung, befanden sich achtzig Prozent des stehenden Heeres der Föderalen Union sowie die gesamte Waffenproduktion des Landes in einer einzigen Provinz. Casiov, im Norden.
Was man die Grüne Zitadelle nannte – benannt nach den kupfergedeckten Dächern, die im Kontrast zur ewigen Schneelandschaft ein recht pittoreskes Bild abgaben haben muss. Eine Festungsprovinz, vollständig auf den Kriegsdienst ausgerichtet, weitgehend autark und durch die Kollektivierung der Orilow-Ära strukturell von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten. Die Zentralregierung interessierte sich nicht für das Befinden der dort stationierten Männer und Frauen. Man interessierte sich für die Produktionsquote. Solange Panzer und Artilleriegeschütze die Fließbänder verließen, war die Welt in Ordnung.
Aber die Welt war alles andere als in Ordnung.
Was sich in jenen Jahrzehnten der Isolation entwickelte, begann unauffällig. Zunächst schrieben die Soldaten seltener nach Hause. Dann gar nicht mehr. Fabrikarbeiter stellten die Korrespondenz mit Angehörigen ein oder holten Letztere schlicht in die Zitadelle nach. Das geschah nicht von heute auf morgen – es war eine schleichende Tendenz, über Jahre, über Jahrzehnte. Als die Produktionsquoten leicht absanken und Untersuchungen eingeleitet wurden, fand man natürliche Erklärungen, verhängte die üblichen Strafmaßnahmen und ließ es dabei bewenden. Ein Fehler, dessen Ausmaß man sich damals nicht vorstellen konnte.Am dreiundzwanzigsten Tag des Jahres 172 riss jede Kommunikation mit der Provinz ab. Entsandte Technikergruppen kehrten nicht zurück. Zwei Tage später begann der Angriff.
Seine Stimme blieb gleichmäßig, fast nüchtern, als referiere er über Wetterdaten.
Tausende Panzer brachen aus den Schneestürmen hervor. Leman-Russ-Kampfpanzer in diversen Konfigurationen, Eigenproduktionen vom Typ Blizzard, Überreste aus der Epoche der Superpanzer – eine Streitmacht von einer Größenordnung, die man im tiefsten Winter schlicht für unmöglich gehalten hatte. Sie kamen ohne Infanterieunterstützung. Sie besetzten keine Gebiete, errichteten keine Versorgungslinien, stellten keine Forderungen. Sie vernichteten. Dörfer, Kleinstädte, Siedlungen – alles wurde dem Erdboden gleichgemacht. Nachgeführte Artillerieverbände unterstützten eine Strategie der verbrannten Erde, die jeden bekannten militärischen Zweck vermissen ließ.
Und dann war da noch etwas anderes.
In den Nächten verschwanden Patrouillen. In Bunkern und Kelleranlagen, in den Tunnelsystemen der Untergrundbahn, wo die Zivilbevölkerung Schutz gesucht hatte, ertönten Schreie. Zeugenberichte beschreiben Gestalten – annähernd menschlich, aber schneller, zäher, in manchen Fällen den Monstern aus Alpträumen näher, als den Schrecken die Degeneration und Mutation mit sich bringen. Ihr werdet nach euren eigenen Erfahrungen und Elviras Ausführungen wissen mit was es die Angegriffenen dort zutun hatten. Die Überreste dieser Kreaturen überdauerten die Kämpfe nicht – eine Tatsache, die ich für bedeutsam halte und auf die ich gleich zurückkommen werde.
Als Gohmor mit seiner Panzerstärke eingriff und die Casiover bei den eganastischen Ebenen zum ersten Mal wirklich gestellt wurden, bot sich den Soldaten ein sonderbares Bild. Der Feind wich nicht zurück. Er zeigte keine Furcht. Das Konzept des Rückzugs schien ihm vollständig fremd zu sein – einzelne Panzer warfen sich gegen hoffnungslos überlegene Kräfte, als wären sie sich der Aussichtslosigkeit schlicht nicht bewusst. Oder als wäre es ihnen gleichgültig.
Und als man die ersten Gefangenen machte, wurden die Fragen nicht weniger.
Schwarze Augen. Scheinbar zugefeilte Zähne. Geburtsdefekte, die auf generationenübergreifende Veränderungen hindeuteten, nicht auf einzelne Missbildungen. Eine Aggressivität, die auch in Gefangenschaft nicht nachließ und die in vielen Fällen nur durch tödliche Gewalt zu beenden war. Die Gefangenen, derer man habhaft wurde, bissen sich die Zunge ab.
Töteten sich gegenseitig.
Töteten sich selbst.
Als Informationsquelle waren sie vollständig wertlos – nicht aus Fanatismus, wie man damals annahm. Oder zumindest nicht nur.
Indoktrinierte Indologie hat sicher seinen Teil beigetragen, aber die rückhaltlose Todesverachtung stammte daher, dass diese Kämpfer Teil eines Netzwerkes waren.
Hinzu kam das technische Rätsel, das bis heute in keiner offiziellen Abhandlung befriedigend erklärt wird. Die Panzer verfügten über keinerlei Funkausrüstung. Keine Empfänger, keine Sender. Und dennoch agierten die Verbände mit einer Koordination, die selbst erfahrene Militärs in Erstaunen versetzte. Die offiziellen Erklärungen sprechen von vorher festgelegten Angriffsplänen, von ausgefeilter Disziplin, von Handzeichen. Eine bequeme Erklärung.
Die Wahrheit ist: Die Casiover brauchten keinen Funk, weil sie einander hörten. Nicht mit Ohren. Nicht über Technik. Durch das, was in ihnen wohnte.
Das Ende des Krieges folgte dem gleichen Muster, nur ins Extreme gesteigert. Als die Belagerungsringe um die Zitadelle sich schlossen und die ersten Einheiten in den Hauptring vordrangen, sprengten die Casiover ihre eigenen Plasmareaktoren. Kollektiv. Gleichzeitig. Die Explosion – in Verbindung mit den Munitionsdepots und Waffenfabriken – verwandelte die gewaltige Festungsstadt in ein Meer aus grünem Plasmafeuer, das drei Monate lang brannte. Und an eben diesem Tag, innerhalb von Stunden, brach an jeder Front jeder verbliebene Widerstand zusammen. Überall dasselbe Bild: Männer, die ins offene Feuer liefen. Panzer ohne Munition, die sich auf Stellungen zubewegten. Ein Heer, das aufhörte zu existieren, nicht weil es besiegt worden wäre, sondern weil etwas in ihm aufgehört hatte zu schlagen.
Er sah die Versammelten nun direkt an.
Das ist das Wesen des Genräubers. Er ist kein Parasit im banalen Sinne des Wortes. Er verändert seinen Wirt – langsam, methodisch, über Generationen, wenn nötig. Er vernetzt seine Träger. Schafft aus Individuen ein Kollektiv, das einer gemeinsamen Steuerung folgt. Was ihr in den Tunneln Norfgots als Monster beschrieben findet, waren Menschen in fortgeschrittenen Stadien dieser Veränderung – Träger, die den Übergang bereits vollzogen oder begonnen hatten. Die Überreste wurden nicht zufällig nicht geborgen. Sie wurden gezielt entfernt. Der Feind schützt seine Geheimnisse auch über den Tod seiner Wirte hinaus. Das Sperrgebiet um die Zitadelle besteht bis heute. Offiziell wegen der Strahlungsgefahr. In den Trümmern der äußeren Ringe kam es zu einer Reihe von Morden an Touristen – gut situierte Leute, die sich Führungen kauften und nicht zurückkehrten. Die Fälle wurden nie aufgeklärt. Offiziell. Eine Zeit lang kursierten Verlautbarungen, Ermittler von höchster imperialer Stelle würden sich der Sache annehmen. Danach fragte niemand mehr nach. Wer klug war, tat das jedenfalls nicht. Vielleicht wollte die Nation diese Unreinheit in den eigenen Reihen verleugnen und unter den Teppich kehren. Aber es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass überlebende Genräuber, die es ganz zweifelsohne gab, in den Reihen derer zu finden waren und vermutlich immer noch zu finden sind, die die nationale Schande vermeidlich verschleiern sollen. Eine Eitelkeit, welche dem Feind in die Hände spielt.
Das ist die Vergangenheit dieses Planeten.
Sie ist relevant, weil sie uns die Arbeitsweise des Feindes zeigt. Seine Geduld. Seine Fähigkeit, sich in bestehende Strukturen einzugraben – in eine Armee, in eine Provinz, in eine gesamte Gesellschaft – und diese von innen heraus umzuformen, über Jahrzehnte, ohne dass die Außenwelt etwas bemerkt. Die Casiov-Revolte war kein Aufstand. Sie war das Eskalieren eines Prozesses, der still und unbemerkt begann, in einem Norden, um den sich niemand scherte, solange die Panzer die Fließbänder verließen.
Was das Subjekt bestätigt hat, das ihr mir gebracht habt, belegt, dass dieser Prozess auf Koron 3 nicht mit der Zitadelle geendet hat. Vermutlich wurden die Bestrebungen damals durch die anberaumten Untersuchungen unterbrochen, was zu einem Verfrühten Losschlagen geführt hat. Die Rigerose Selbstopferung war der PReis, denn der Kult gezahlt hat, um das Überleben und den Neubeginn einiger weniger zu decken. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Grüne Zitadelle die einzige Enklave war, wenn auch vermutlich die stärkste zu jener Zeit. Die Überlebenden hatten gewiss andere Schlupflöcher zu denen sie fliehen konnten. Man kann davon ausgehen, dass dies der Nukleus war, von dem aus der jetzige Aufstand begonnen hat.
wird fortgesetzt
Doch ihren Namen kannte jedes Kind.
Das hatte vor allem mit dem Gemälde Triumph des Imperiums zu tun. Dem berühmten Werk des mindestens ebenso berühmten Severan Vult Maccabion, der den Einmarsch der imperialen Armee auf vier mal acht Metern Leinwand gebannt hatte.
Mit breitem, fast handwerklichem Pinselduktus für die Massen der Soldaten im Hintergrund, während die Vordergrundfiguren in lasierender Ölmalerei ausgearbeitet waren – die Uniformen in tiefem Karmesinrot und gebrochenen Goldtönen, die Gesichter der Sieger in kaltem, fast sakralem Licht. Das Werk war heute im Museum für Heroische Kunst zu besichtigen. Eigentlich berühmt geworden war es jedoch durch die zwanzig mal vierzig Meter große Replik in der Bahnstation der Ebene 2-A21.
Dadurch erlangte das Bild nicht nur Bekanntheit als Sehenswürdigkeit Gohmors, sondern wurde auch zur Pflichtlektüre für koronische Scholakinder. Diese hatten das zweifelhafte Vergnügen, Aufsätze über Maccabion, seine Bedeutung für die gohmorische Kunst nach dem Krieg der Häuser sowie Interpretationen und Deutungen des Werkes zu verfassen. Kinder der umliegenden Ebenen unternahmen Ausflüge zur Bahnstation, um das Riesenwerk in Augenschein zu nehmen.
Teil dieser, von manchem Scholaren gewiss als Tortur empfundenen Prozedur war auch die Bestimmung der dargestellten Gruppen: die Soldaten der imperialen Armee samt ihrer jeweiligen Regimenter, Farben und Insignien; die geläuterten Koroner im Mittelgrund, die Hände zum Segensgruß erhoben; die niedergeworfenen Teufelsanbeter Rasankurs und ihre jammernden Vasallen, die den Rand des Bildes ausmachten, zu Boden gezwungen oder in Ketten.
Weiter fanden sich ein Feldmechanikus, sowie eine Gruppe koronischer Würdenträger, die der imperialen Standarte huldigten – alles eingebettet in die rauchende Kulisse einer halb zerstörten Stadtlandschaft, über der das Aquila im Morgenrot thronte.
Drei Figuren jedoch waren im oberen linken Segment zu sehen, halb verborgen hinter der mächtigen Schulter eines Space Marines der Bellatouri Augusti. Gestalten im Schatten, mehr angedeutet als klar ausgearbeitet. Man konnte Atemmasken und hohe Hüte erahnen.
Die drei Inquisitoren – wie jeder Fünftklässler brav hätte aufsagen können. Sie waren an der Befreiung und Läuterung des Planeten beteiligt gewesen. Wie diese Beteiligung jedoch ausgesehen hatte und welche Rolle sie bei der Rückeroberung genau gespielt hatten, darüber schwiegen die Schulbücher ebenso wie die Folianten in den Universitäten.
So wusste jedes Kind auf Koron einen Inquisitor zu benennen – ohne zu wissen, was dieser war oder wofür er stand.
Gallianos Geyer hätte durchaus in das Bild gepasst, das sich ein Kind von einem Inquisitor gemacht haben mochte – hätte jenes Kind, die vagen Andeutungen des Triumph des Imperiums als einzigen Motor seiner Fantasie gehabt.
Geyer war groß. Über zwei Meter, und von einem Dürrsein, das weniger an Magerkeit durch mangelnde Nahrung, als an eine grundsätzliche Reduzierung des Menschlichen erinnerte – als habe man ihn auf das Notwendige destilliert und dabei großzügig auf alles verzichtet, was Fleisch, Fett und Wärme hätte sein können. Sein Gesicht trug das Gepräge eines Mannes irgendwo jenseits der hundert, dem man jedoch im fünften Lebensjahrzehnt untersagt hatte, weiter zu altern. Ein Unternehmen, das er mit einigem Erfolg verfolgte – aber eben nicht mit vollständigem. Die Zeit hatte sich in ihm eingenistet wie ein ungebetener Gast, der zwar aus den großen Zimmern vertrieben worden war, in den Winkeln und Ritzen jedoch nach wie vor hauste. Die Haut über seinen Wangenknochen war zu straff, die über seinen Händen zu dünn; die Augen dagegen wirkten seltsam jung, als hätten sie schlicht vergessen, wie alt der Rest von ihm war.
Was seine körperliche Verfassung betraf, bot Geyer das Bild einer Ambivalenz, die jede schlüssige Einschätzung im Ansatz erstickte. Wer ihn das erste Mal sah, neigte dazu, ihn für gebrechlich zu halten – der zweite und dritte Blick ließen Kraft und Beweglichkeit in seinem Gebaren erahnen. Konnte er einen Widersacher aufnehmen und ihn wie eine nachlässig weggeworfene Puppe quer durch einen Raum schleudern? Oder würde der kleinste Luftzug genügen, ihn wie ein Stück Papier davonzuwehen?
Er trug eine schwarze Robe, lang und ohne Verzierung, aber durchsetzt mit Spangen und Rippen, die dem Kleidungsstück etwas Organisches verliehen. Einziger Schmuck war eine kleine silberne Kette, die das Symbol des Inquisition darstellte.
Hinter ihm schob ein blasser, unscheinbarer Akolyth einen vierrädrigen Wagen über den Bunkerbeton – eine Apparatur aus leise schnaufenden Kolben und schwach glühenden Glasgefäßen, deren Inhalt in sonderbaren Farben changierte. Von dem Gerät gingen Kabel und Schläuche aus, die unter Geyers Robe verschwanden, um dort, der Imperator mochte wissen, was für Aufgaben zu übernehmen.
Als er nach ihrer kurzen Pause den Raum betrat, war es Kruger, der mit langezogenem A und einer Lautstärke, die keinen Zweifel an seiner Herkunft ließ, Aachtung! rief. Die beiden anderen Soldaten nahmen zackige Haltung an; auch der Arbites straffte sich, die Hände zum Adlersymbol über die Brust gelegt.
Elvire, die abseits der Tür stand, machte einen Gesichtsausdruck, der gelinde Überraschung verriet. Der Inquisitor verzog keine Miene. Doch wer genau hinsah, mochte so etwas wie Wohlwollen im Glanz seiner Augen erkennen – flüchtig, und vielleicht auch nur das, was man hineinsehen wollte.
Setzt Euch, meine Herren.
Meine Name ist, wie sie gewiss bereits in Erfahrung gebracht haben, Gallianos Geyer.
Ich habe euch persönlich in den Dienst der heiligen Inquisition des Ordos Xenos berufen. Ihr alle seid oder wart Soldaten, du ein Angehöriger des Adeptus Arbites. Ihr alle habt das Dienen gelernt, ihr alle habt eure Pflicht zum Schutz des Imperiums und seiner Bürger geleistet.
Ihr habt gelitten und geblutet, habt Kameraden und Freunde verloren.
Und doch waren all diese Opfer nichts, im Vergleich zu dem was ich von euch abverlangen werde. Ich verlange nichts weniger von euch, als euch aufzugeben. Eure Ziele und Träume im Leben, die Dinge, die ihr zu erreichen hofft, den Reichtum, Ruhm oder das persönliche Glück, das ihr euch vielleicht ersehnt.
Vergesst all das!
Wie Ich, wie Elvira hier und wie die Männer und Frauen vor der Tür, seid ihr jetzt Werkzeuge des Gottkaisers. Wir sind das Schwert und das Schild, dass die Hiebe des Xenos abwehrt und seinerseits tödliche Streiche gegen ihn führt. Wenn wir versagen, geht kein Grabenabschnitt verloren, keine Schlacht wird zu Niederlage, kein Viertel fällt kriminellen Elementen in die Hände.
Wenn wir versagen brennt eine Welt.
Dann sterben Milliarden.
Darüberhinaus entsteht dann ein Riss im Bollwerk des Imperiums, durch welchen das Gift des Aliens einsickern kann. Vielleicht fragt ihr euch “warum ich?” und tatsächlich seid ihr das Fundament einer neuen Agentengruppe, die ich aufbaue. Eure Vorgänger haben ihm Dienst für die Menschheit ihr Leben gegeben und sie haben es in dem Wissen gegeben, einer gewaltigen Sache zu dienen.
Wenn unsere Zeit dereinst kommen sollte, dann werden auch wir es mit Freude dem Xeno entgegenschleudern.
Aber… und jetzt schlich sich ein wenige Milde in seine Stimme, versteht euch deswegen nicht als Todgeweihte.
Zum einen bin auch ich durchaus erpicht darauf, die Früchte unseres Tun als Lebender zu genießen, zum anderen lässt sich die Zeit zwischen den ernsten Dingen durchaus angenehm gestalten.
Zu den ernsten Dingen wollen wir jetzt allerdings kommen.
Elvira hat euch bereits die Grundlagen der Genräuberpest erläutert. Ich selbst konnte im Gespräch mit dem Subjekt, dass ihr hierher überführt habt, ein paar Dinge herausfinden.
Koron 3 wird seit langer Zeit von der Genräuberpest heimgesucht.
Länger, als die meisten wissen. Länger, als die meisten wissen wollen.
Vielleicht habt ihr von der Casiov-Revolte gehört. Eine Fußnote der lokalen Geschichte. In dem Regionenbund der sogenannten Föderalen Union wohl wichtigerer Stoff für den Geschichtsunterricht als in Gohmor. Kriegerbund, sektenartige Züge, innere Radikalisierung – so lautet die offizielle Lesart, und sie ist nicht falsch. Sie ist lediglich unvollständig.
Im Jahre 150 der hiesigen Zeitrechnung, befanden sich achtzig Prozent des stehenden Heeres der Föderalen Union sowie die gesamte Waffenproduktion des Landes in einer einzigen Provinz. Casiov, im Norden.
Was man die Grüne Zitadelle nannte – benannt nach den kupfergedeckten Dächern, die im Kontrast zur ewigen Schneelandschaft ein recht pittoreskes Bild abgaben haben muss. Eine Festungsprovinz, vollständig auf den Kriegsdienst ausgerichtet, weitgehend autark und durch die Kollektivierung der Orilow-Ära strukturell von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten. Die Zentralregierung interessierte sich nicht für das Befinden der dort stationierten Männer und Frauen. Man interessierte sich für die Produktionsquote. Solange Panzer und Artilleriegeschütze die Fließbänder verließen, war die Welt in Ordnung.
Aber die Welt war alles andere als in Ordnung.
Was sich in jenen Jahrzehnten der Isolation entwickelte, begann unauffällig. Zunächst schrieben die Soldaten seltener nach Hause. Dann gar nicht mehr. Fabrikarbeiter stellten die Korrespondenz mit Angehörigen ein oder holten Letztere schlicht in die Zitadelle nach. Das geschah nicht von heute auf morgen – es war eine schleichende Tendenz, über Jahre, über Jahrzehnte. Als die Produktionsquoten leicht absanken und Untersuchungen eingeleitet wurden, fand man natürliche Erklärungen, verhängte die üblichen Strafmaßnahmen und ließ es dabei bewenden. Ein Fehler, dessen Ausmaß man sich damals nicht vorstellen konnte.Am dreiundzwanzigsten Tag des Jahres 172 riss jede Kommunikation mit der Provinz ab. Entsandte Technikergruppen kehrten nicht zurück. Zwei Tage später begann der Angriff.
Seine Stimme blieb gleichmäßig, fast nüchtern, als referiere er über Wetterdaten.
Tausende Panzer brachen aus den Schneestürmen hervor. Leman-Russ-Kampfpanzer in diversen Konfigurationen, Eigenproduktionen vom Typ Blizzard, Überreste aus der Epoche der Superpanzer – eine Streitmacht von einer Größenordnung, die man im tiefsten Winter schlicht für unmöglich gehalten hatte. Sie kamen ohne Infanterieunterstützung. Sie besetzten keine Gebiete, errichteten keine Versorgungslinien, stellten keine Forderungen. Sie vernichteten. Dörfer, Kleinstädte, Siedlungen – alles wurde dem Erdboden gleichgemacht. Nachgeführte Artillerieverbände unterstützten eine Strategie der verbrannten Erde, die jeden bekannten militärischen Zweck vermissen ließ.
Und dann war da noch etwas anderes.
In den Nächten verschwanden Patrouillen. In Bunkern und Kelleranlagen, in den Tunnelsystemen der Untergrundbahn, wo die Zivilbevölkerung Schutz gesucht hatte, ertönten Schreie. Zeugenberichte beschreiben Gestalten – annähernd menschlich, aber schneller, zäher, in manchen Fällen den Monstern aus Alpträumen näher, als den Schrecken die Degeneration und Mutation mit sich bringen. Ihr werdet nach euren eigenen Erfahrungen und Elviras Ausführungen wissen mit was es die Angegriffenen dort zutun hatten. Die Überreste dieser Kreaturen überdauerten die Kämpfe nicht – eine Tatsache, die ich für bedeutsam halte und auf die ich gleich zurückkommen werde.
Als Gohmor mit seiner Panzerstärke eingriff und die Casiover bei den eganastischen Ebenen zum ersten Mal wirklich gestellt wurden, bot sich den Soldaten ein sonderbares Bild. Der Feind wich nicht zurück. Er zeigte keine Furcht. Das Konzept des Rückzugs schien ihm vollständig fremd zu sein – einzelne Panzer warfen sich gegen hoffnungslos überlegene Kräfte, als wären sie sich der Aussichtslosigkeit schlicht nicht bewusst. Oder als wäre es ihnen gleichgültig.
Und als man die ersten Gefangenen machte, wurden die Fragen nicht weniger.
Schwarze Augen. Scheinbar zugefeilte Zähne. Geburtsdefekte, die auf generationenübergreifende Veränderungen hindeuteten, nicht auf einzelne Missbildungen. Eine Aggressivität, die auch in Gefangenschaft nicht nachließ und die in vielen Fällen nur durch tödliche Gewalt zu beenden war. Die Gefangenen, derer man habhaft wurde, bissen sich die Zunge ab.
Töteten sich gegenseitig.
Töteten sich selbst.
Als Informationsquelle waren sie vollständig wertlos – nicht aus Fanatismus, wie man damals annahm. Oder zumindest nicht nur.
Indoktrinierte Indologie hat sicher seinen Teil beigetragen, aber die rückhaltlose Todesverachtung stammte daher, dass diese Kämpfer Teil eines Netzwerkes waren.
Hinzu kam das technische Rätsel, das bis heute in keiner offiziellen Abhandlung befriedigend erklärt wird. Die Panzer verfügten über keinerlei Funkausrüstung. Keine Empfänger, keine Sender. Und dennoch agierten die Verbände mit einer Koordination, die selbst erfahrene Militärs in Erstaunen versetzte. Die offiziellen Erklärungen sprechen von vorher festgelegten Angriffsplänen, von ausgefeilter Disziplin, von Handzeichen. Eine bequeme Erklärung.
Die Wahrheit ist: Die Casiover brauchten keinen Funk, weil sie einander hörten. Nicht mit Ohren. Nicht über Technik. Durch das, was in ihnen wohnte.
Das Ende des Krieges folgte dem gleichen Muster, nur ins Extreme gesteigert. Als die Belagerungsringe um die Zitadelle sich schlossen und die ersten Einheiten in den Hauptring vordrangen, sprengten die Casiover ihre eigenen Plasmareaktoren. Kollektiv. Gleichzeitig. Die Explosion – in Verbindung mit den Munitionsdepots und Waffenfabriken – verwandelte die gewaltige Festungsstadt in ein Meer aus grünem Plasmafeuer, das drei Monate lang brannte. Und an eben diesem Tag, innerhalb von Stunden, brach an jeder Front jeder verbliebene Widerstand zusammen. Überall dasselbe Bild: Männer, die ins offene Feuer liefen. Panzer ohne Munition, die sich auf Stellungen zubewegten. Ein Heer, das aufhörte zu existieren, nicht weil es besiegt worden wäre, sondern weil etwas in ihm aufgehört hatte zu schlagen.
Er sah die Versammelten nun direkt an.
Das ist das Wesen des Genräubers. Er ist kein Parasit im banalen Sinne des Wortes. Er verändert seinen Wirt – langsam, methodisch, über Generationen, wenn nötig. Er vernetzt seine Träger. Schafft aus Individuen ein Kollektiv, das einer gemeinsamen Steuerung folgt. Was ihr in den Tunneln Norfgots als Monster beschrieben findet, waren Menschen in fortgeschrittenen Stadien dieser Veränderung – Träger, die den Übergang bereits vollzogen oder begonnen hatten. Die Überreste wurden nicht zufällig nicht geborgen. Sie wurden gezielt entfernt. Der Feind schützt seine Geheimnisse auch über den Tod seiner Wirte hinaus. Das Sperrgebiet um die Zitadelle besteht bis heute. Offiziell wegen der Strahlungsgefahr. In den Trümmern der äußeren Ringe kam es zu einer Reihe von Morden an Touristen – gut situierte Leute, die sich Führungen kauften und nicht zurückkehrten. Die Fälle wurden nie aufgeklärt. Offiziell. Eine Zeit lang kursierten Verlautbarungen, Ermittler von höchster imperialer Stelle würden sich der Sache annehmen. Danach fragte niemand mehr nach. Wer klug war, tat das jedenfalls nicht. Vielleicht wollte die Nation diese Unreinheit in den eigenen Reihen verleugnen und unter den Teppich kehren. Aber es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass überlebende Genräuber, die es ganz zweifelsohne gab, in den Reihen derer zu finden waren und vermutlich immer noch zu finden sind, die die nationale Schande vermeidlich verschleiern sollen. Eine Eitelkeit, welche dem Feind in die Hände spielt.
Das ist die Vergangenheit dieses Planeten.
Sie ist relevant, weil sie uns die Arbeitsweise des Feindes zeigt. Seine Geduld. Seine Fähigkeit, sich in bestehende Strukturen einzugraben – in eine Armee, in eine Provinz, in eine gesamte Gesellschaft – und diese von innen heraus umzuformen, über Jahrzehnte, ohne dass die Außenwelt etwas bemerkt. Die Casiov-Revolte war kein Aufstand. Sie war das Eskalieren eines Prozesses, der still und unbemerkt begann, in einem Norden, um den sich niemand scherte, solange die Panzer die Fließbänder verließen.
Was das Subjekt bestätigt hat, das ihr mir gebracht habt, belegt, dass dieser Prozess auf Koron 3 nicht mit der Zitadelle geendet hat. Vermutlich wurden die Bestrebungen damals durch die anberaumten Untersuchungen unterbrochen, was zu einem Verfrühten Losschlagen geführt hat. Die Rigerose Selbstopferung war der PReis, denn der Kult gezahlt hat, um das Überleben und den Neubeginn einiger weniger zu decken. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Grüne Zitadelle die einzige Enklave war, wenn auch vermutlich die stärkste zu jener Zeit. Die Überlebenden hatten gewiss andere Schlupflöcher zu denen sie fliehen konnten. Man kann davon ausgehen, dass dies der Nukleus war, von dem aus der jetzige Aufstand begonnen hat.
wird fortgesetzt

