03-07-2025, 02:16 PM
---
Elviras hochhackige Schuhe klickten auf dem schwarz geäderten Weiß des polierten Marmorbodens. Ein Geräusch, dass die Stille der Szenerie störte und doch wie gemacht für diesen Ort schien.
Es gab auf nicht wenigen Welten eine Jenseitsvorstellung, die durch ihre Kontinuität vermuten ließ, dass Siedler sie vom prä- imperalen Terra mitgebracht hatten. Sie drehte sich um ein Refugium der Reinheit und Ruhe, das oftmals in den Himmel oder auf einen hohen Berg verortet wurde.
Jene, die ihr Leben sündenfrei oder besonders aufopferungsvoll verbracht hatten, durften an diesem Platz ihre Ewigkeit verbringen.
Eben dieser Ort hier schien dies zu sein.
Eine leichte Briese aromatischer Luft wehte warm durch den Raum. Alles war weiß und sauber.
Riesige Arkaden gestatten den Blick auf ein atemberaubendes Wolken-Panorama. Es machte zwar den Eindruck, als wären die weiten Bögen unverglast und man müsse nur die Hand ausstrecken, um die wattigen Gebilde aus Dampf zu berühren.
Aber das stimmte natürlich nicht.
Die Kälte in diesen Höhen hätte kaum erlaubt, dass die wenigen Personen, die hier den Ausblick genossen, so leicht bekleidet lustwandelten oder versonnen saßen, wie sie es taten.
Wer sich hier von seinen Erkrankungen erholte, hatte genug Geld, dass die Welt sich seinen Bedürfnissen anpasste.
Der Mann, der auf einem der Stühle saß und in die Wolken blickte, war keiner dieser Megareichen. Kein Hausadliger oder Großindustrieller. Kein Superstar oder Händler der auf fremden Welten zu Geld gekommen war.
Er war Soldat.
Hoch dekorier und ein Held, wie die Medien nicht müde wurden zu betonen. Aber selbst er hätte sich keinen Aufenthalt im Sanatorium Aureum leisten können. Ein angemessenes Militärkrankenhaus oder im St. Dreienburg in Gohmor, wo er nach dem Angriff auf die Ratshalle versorgt worden war.
Aber kaum hier.
Ein privater Spender hatte dafür gesorgt, dass der verwundete Held in den Genuss all dessen kam. Aber genoss er es wirklich?
Der Rücken des Mannes war gerade wie eine Stahlrute und er schien ehr auf einem Beobachtungsposten, als auf Erholung aus. Das Glas in den Fensterbögen spiegelte kaum, doch im Näherkommen erkannte Elvira, dass ihn der Mann in der Reflektion beobachtete.
Er war auf Posten.
Feldwebel Kruger? Fragte sie, mehr um sich anzukündigen als um seine Identität festzustellen. Sie hatte sich bei Kruger anmelden lassen, aber wie gewöhnlich nicht mehr preisgegeben, als das es wichtig war und das sie wichtig war.
Er hatte nicht nur den zweiten goldenen Schädel und ein Verwundetenabzeichen bekommen, sondern war auch eine Ehrenbeförderung. Elvira, die um seinen Lebenslauf natürlich wusste, spekulierte, dass von dem Mann nicht mehr viel übrig sein würde, wenn man ihm zum Major machte. Er schien seine Karriere mit Gliedmaßen zu zahlen.
Kurger drehte sich um und machte Anstalten sich zu erheben. Bitte behalten sie Platz… je unförmlicher wir unser Treffen gestalten um so lieber ist es mir. Sie setzte sich auf einer steinernen Bank neben dem Stuhl des Soldaten.
Elvira reichte ihm die Hand und erwiderte den festen Druck seiner Rechten. Der linke Arm, in der Farbe eines frisch lackierten Kampfpanzers, lag unbewegt auf der Lehne.
Herr Kruger, für gewöhnlich würde ich damit einsteigen, sie mit ihrem Lebenslauf zu konfrontieren. Ich würde alle Stationen ihres bisherigen Leben aufzählen und sie im besten Falle damit beeindrucken, dass ich Dinge weiß, die ich nicht wissen sollte.
Persönliches oder offiziell als geheime eingestuftes.
Ich wähle diesen Einstieg meistens, um meinem Gegenüber zu verdeutlichen, das ich die Abgesandte einer Organisation bin, die Dinge weiß.
Die genug Einfluss hat, um sie zu wissen.
Wer alles über sie erfahren will muss jedoch nur eines der hiesigen Käseblätter aufschlagen und bekommt einen ausführlichen Bericht.
Ich spare mir das also.
Ich gebe ihnen stattdessen das hier.
Sie streckte die geschlossene Hand aus und forderte ihr Gegenüber wortlos auf entgegenzunehmen, was immer sie darbot. Es war das Symbol, dass sie seit ihrer Ankunft auf Koron schon mehrere Male verwendet hatte, um Personen in den Dienst zu befehlen. Selbst jene, die von der Inquisition noch nie etwas gehört hatte, erkannten in dem Medailon doch eine finstere, kompromisslose Machtpräsenz.
Ein wuchtig erscheinendes, aufrechtes schwarzes „I" wurde von zwei dünnen horizontalen Balken gekreuzt. Hergestellt aus dunkel schimmerndem Adamantium – makellos poliert und dennoch ohne Brillanz. Ein silberfarbener Schädel überlagerte das „I", seine leeren Augenhöhlen schienen vorwurfsvoll ins Nichts zu blicken. Die Gesichtsstruktur dieses Totenkopfs unterschied sich von menschlicher Anatomie durch prominentere Wangenknochen und überproportionale Augenhöhlen – der Schädel einer ausgelöschten außerirdischen Spezies.
Ist ihnen dieses Emblem ein Begriff, Soldat?