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Inquisitoren waren auf Koron 3 keine gänzlich fremde Begrifflichkeit – wenngleich nur ein Bruchteil der Bevölkerung um die wahre Bedeutung dieser Einrichtung wusste.
Doch ihren Namen kannte jedes Kind.
Das hatte vor allem mit dem Gemälde Triumph des Imperiums zu tun. Dem berühmten Werk des mindestens ebenso berühmten Severan Vult Maccabion, der den Einmarsch der imperialen Armee auf vier mal acht Metern Leinwand gebannt hatte.
Mit breitem, fast handwerklichem Pinselduktus für die Massen der Soldaten im Hintergrund, während die Vordergrundfiguren in lasierender Ölmalerei ausgearbeitet waren – die Uniformen in tiefem Karmesinrot und gebrochenen Goldtönen, die Gesichter der Sieger in kaltem, fast sakralem Licht. Das Werk war heute im Museum für Heroische Kunst zu besichtigen. Eigentlich berühmt geworden war es jedoch durch die zwanzig mal vierzig Meter große Replik in der Bahnstation der Ebene 2-A21.
Dadurch erlangte das Bild nicht nur Bekanntheit als Sehenswürdigkeit Gohmors, sondern wurde auch zur Pflichtlektüre für koronische Scholakinder. Diese hatten das zweifelhafte Vergnügen, Aufsätze über Maccabion, seine Bedeutung für die gohmorische Kunst nach dem Krieg der Häuser sowie Interpretationen und Deutungen des Werkes zu verfassen. Kinder der umliegenden Ebenen unternahmen Ausflüge zur Bahnstation, um das Riesenwerk in Augenschein zu nehmen.
Teil dieser, von manchem Scholaren gewiss als Tortur empfundenen Prozedur war auch die Bestimmung der dargestellten Gruppen: die Soldaten der imperialen Armee samt ihrer jeweiligen Regimenter, Farben und Insignien; die geläuterten Koroner im Mittelgrund, die Hände zum Segensgruß erhoben; die niedergeworfenen Teufelsanbeter Rasankurs und ihre jammernden Vasallen, die den Rand des Bildes ausmachten, zu Boden gezwungen oder in Ketten.
Weiter fanden sich ein Feldmechanikus, sowie eine Gruppe koronischer Würdenträger, die der imperialen Standarte huldigten – alles eingebettet in die rauchende Kulisse einer halb zerstörten Stadtlandschaft, über der das Aquila im Morgenrot thronte.
Drei Figuren jedoch waren im oberen linken Segment zu sehen, halb verborgen hinter der mächtigen Schulter eines Space Marines der Bellatouri Augusti. Gestalten im Schatten, mehr angedeutet als klar ausgearbeitet. Man konnte Atemmasken und hohe Hüte erahnen.
Die drei Inquisitoren – wie jeder Fünftklässler brav hätte aufsagen können. Sie waren an der Befreiung und Läuterung des Planeten beteiligt gewesen. Wie diese Beteiligung jedoch ausgesehen hatte und welche Rolle sie bei der Rückeroberung genau gespielt hatten, darüber schwiegen die Schulbücher ebenso wie die Folianten in den Universitäten.
So wusste jedes Kind auf Koron einen Inquisitor zu benennen – ohne zu wissen, was dieser war oder wofür er stand.
Gallianos Geyer hätte durchaus in das Bild gepasst, das sich ein Kind von einem Inquisitor gemacht haben mochte – hätte jenes Kind, die vagen Andeutungen des Triumph des Imperiums als einzigen Motor seiner Fantasie gehabt.
Geyer war groß. Über zwei Meter, und von einem Dürrsein, das weniger an Magerkeit durch mangelnde Nahrung, als an eine grundsätzliche Reduzierung des Menschlichen erinnerte – als habe man ihn auf das Notwendige destilliert und dabei großzügig auf alles verzichtet, was Fleisch, Fett und Wärme hätte sein können. Sein Gesicht trug das Gepräge eines Mannes irgendwo jenseits der hundert, dem man jedoch im fünften Lebensjahrzehnt untersagt hatte, weiter zu altern. Ein Unternehmen, das er mit einigem Erfolg verfolgte – aber eben nicht mit vollständigem. Die Zeit hatte sich in ihm eingenistet wie ein ungebetener Gast, der zwar aus den großen Zimmern vertrieben worden war, in den Winkeln und Ritzen jedoch nach wie vor hauste. Die Haut über seinen Wangenknochen war zu straff, die über seinen Händen zu dünn; die Augen dagegen wirkten seltsam jung, als hätten sie schlicht vergessen, wie alt der Rest von ihm war.
Was seine körperliche Verfassung betraf, bot Geyer das Bild einer Ambivalenz, die jede schlüssige Einschätzung im Ansatz erstickte. Wer ihn das erste Mal sah, neigte dazu, ihn für gebrechlich zu halten – der zweite und dritte Blick ließen Kraft und Beweglichkeit in seinem Gebaren erahnen. Konnte er einen Widersacher aufnehmen und ihn wie eine nachlässig weggeworfene Puppe quer durch einen Raum schleudern? Oder würde der kleinste Luftzug genügen, ihn wie ein Stück Papier davonzuwehen?
Er trug eine schwarze Robe, lang und ohne Verzierung, aber durchsetzt mit Spangen und Rippen, die dem Kleidungsstück etwas Organisches verliehen. Einziger Schmuck war eine kleine silberne Kette, die das Symbol des Inquisition darstellte.
Hinter ihm schob ein blasser, unscheinbarer Akolyth einen vierrädrigen Wagen über den Bunkerbeton – eine Apparatur aus leise schnaufenden Kolben und schwach glühenden Glasgefäßen, deren Inhalt in sonderbaren Farben changierte. Von dem Gerät gingen Kabel und Schläuche aus, die unter Geyers Robe verschwanden, um dort, der Imperator mochte wissen, was für Aufgaben zu übernehmen.
Als er nach ihrer kurzen Pause den Raum betrat, war es Kruger, der mit langezogenem A und einer Lautstärke, die keinen Zweifel an seiner Herkunft ließ, Aachtung! rief. Die beiden anderen Soldaten nahmen zackige Haltung an; auch der Arbites straffte sich, die Hände zum Adlersymbol über die Brust gelegt.
Elvire, die abseits der Tür stand, machte einen Gesichtsausdruck, der gelinde Überraschung verriet. Der Inquisitor verzog keine Miene. Doch wer genau hinsah, mochte so etwas wie Wohlwollen im Glanz seiner Augen erkennen – flüchtig, und vielleicht auch nur das, was man hineinsehen wollte.
Setzt Euch, meine Herren.
Meine Name ist, wie sie gewiss bereits in Erfahrung gebracht haben, Gallianos Geyer.
Ich habe euch persönlich in den Dienst der heiligen Inquisition des Ordos Xenos berufen. Ihr alle seid oder wart Soldaten, du ein Angehöriger des Adeptus Arbites. Ihr alle habt das Dienen gelernt, ihr alle habt eure Pflicht zum Schutz des Imperiums und seiner Bürger geleistet.
Ihr habt gelitten und geblutet, habt Kameraden und Freunde verloren.
Und doch waren all diese Opfer nichts, im Vergleich zu dem was ich von euch abverlangen werde. Ich verlange nichts weniger von euch, als euch aufzugeben. Eure Ziele und Träume im Leben, die Dinge, die ihr zu erreichen hofft, den Reichtum, Ruhm oder das persönliche Glück, das ihr euch vielleicht ersehnt.
Vergesst all das!
Wie Ich, wie Elvira hier und wie die Männer und Frauen vor der Tür, seid ihr jetzt Werkzeuge des Gottkaisers. Wir sind das Schwert und das Schild, dass die Hiebe des Xenos abwehrt und seinerseits tödliche Streiche gegen ihn führt. Wenn wir versagen, geht kein Grabenabschnitt verloren, keine Schlacht wird zu Niederlage, kein Viertel fällt kriminellen Elementen in die Hände.
Wenn wir versagen brennt eine Welt.
Dann sterben Milliarden.
Darüberhinaus entsteht dann ein Riss im Bollwerk des Imperiums, durch welchen das Gift des Aliens einsickern kann. Vielleicht fragt ihr euch “warum ich?” und tatsächlich seid ihr das Fundament einer neuen Agentengruppe, die ich aufbaue. Eure Vorgänger haben ihm Dienst für die Menschheit ihr Leben gegeben und sie haben es in dem Wissen gegeben, einer gewaltigen Sache zu dienen.
Wenn unsere Zeit dereinst kommen sollte, dann werden auch wir es mit Freude dem Xeno entgegenschleudern.
Aber… und jetzt schlich sich ein wenige Milde in seine Stimme, versteht euch deswegen nicht als Todgeweihte.
Zum einen bin auch ich durchaus erpicht darauf, die Früchte unseres Tun als Lebender zu genießen, zum anderen lässt sich die Zeit zwischen den ernsten Dingen durchaus angenehm gestalten.
Zu den ernsten Dingen wollen wir jetzt allerdings kommen.
Elvira hat euch bereits die Grundlagen der Genräuberpest erläutert. Ich selbst konnte im Gespräch mit dem Subjekt, dass ihr hierher überführt habt, ein paar Dinge herausfinden.
Koron 3 wird seit langer Zeit von der Genräuberpest heimgesucht.
Länger, als die meisten wissen. Länger, als die meisten wissen wollen.
Vielleicht habt ihr von der Casiov-Revolte gehört. Eine Fußnote der lokalen Geschichte. In dem Regionenbund der sogenannten Föderalen Union wohl wichtigerer Stoff für den Geschichtsunterricht als in Gohmor. Kriegerbund, sektenartige Züge, innere Radikalisierung – so lautet die offizielle Lesart, und sie ist nicht falsch. Sie ist lediglich unvollständig.
Im Jahre 150 der hiesigen Zeitrechnung, befanden sich achtzig Prozent des stehenden Heeres der Föderalen Union sowie die gesamte Waffenproduktion des Landes in einer einzigen Provinz. Casiov, im Norden.
Was man die Grüne Zitadelle nannte – benannt nach den kupfergedeckten Dächern, die im Kontrast zur ewigen Schneelandschaft ein recht pittoreskes Bild abgaben haben muss. Eine Festungsprovinz, vollständig auf den Kriegsdienst ausgerichtet, weitgehend autark und durch die Kollektivierung der Orilow-Ära strukturell von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten. Die Zentralregierung interessierte sich nicht für das Befinden der dort stationierten Männer und Frauen. Man interessierte sich für die Produktionsquote. Solange Panzer und Artilleriegeschütze die Fließbänder verließen, war die Welt in Ordnung.
Aber die Welt war alles andere als in Ordnung.
Was sich in jenen Jahrzehnten der Isolation entwickelte, begann unauffällig. Zunächst schrieben die Soldaten seltener nach Hause. Dann gar nicht mehr. Fabrikarbeiter stellten die Korrespondenz mit Angehörigen ein oder holten Letztere schlicht in die Zitadelle nach. Das geschah nicht von heute auf morgen – es war eine schleichende Tendenz, über Jahre, über Jahrzehnte. Als die Produktionsquoten leicht absanken und Untersuchungen eingeleitet wurden, fand man natürliche Erklärungen, verhängte die üblichen Strafmaßnahmen und ließ es dabei bewenden. Ein Fehler, dessen Ausmaß man sich damals nicht vorstellen konnte.Am dreiundzwanzigsten Tag des Jahres 172 riss jede Kommunikation mit der Provinz ab. Entsandte Technikergruppen kehrten nicht zurück. Zwei Tage später begann der Angriff.
Seine Stimme blieb gleichmäßig, fast nüchtern, als referiere er über Wetterdaten.
Tausende Panzer brachen aus den Schneestürmen hervor. Leman-Russ-Kampfpanzer in diversen Konfigurationen, Eigenproduktionen vom Typ Blizzard, Überreste aus der Epoche der Superpanzer – eine Streitmacht von einer Größenordnung, die man im tiefsten Winter schlicht für unmöglich gehalten hatte. Sie kamen ohne Infanterieunterstützung. Sie besetzten keine Gebiete, errichteten keine Versorgungslinien, stellten keine Forderungen. Sie vernichteten. Dörfer, Kleinstädte, Siedlungen – alles wurde dem Erdboden gleichgemacht. Nachgeführte Artillerieverbände unterstützten eine Strategie der verbrannten Erde, die jeden bekannten militärischen Zweck vermissen ließ.
Und dann war da noch etwas anderes.
In den Nächten verschwanden Patrouillen. In Bunkern und Kelleranlagen, in den Tunnelsystemen der Untergrundbahn, wo die Zivilbevölkerung Schutz gesucht hatte, ertönten Schreie. Zeugenberichte beschreiben Gestalten – annähernd menschlich, aber schneller, zäher, in manchen Fällen den Monstern aus Alpträumen näher, als den Schrecken die Degeneration und Mutation mit sich bringen. Ihr werdet nach euren eigenen Erfahrungen und Elviras Ausführungen wissen mit was es die Angegriffenen dort zutun hatten. Die Überreste dieser Kreaturen überdauerten die Kämpfe nicht – eine Tatsache, die ich für bedeutsam halte und auf die ich gleich zurückkommen werde.
Als Gohmor mit seiner Panzerstärke eingriff und die Casiover bei den eganastischen Ebenen zum ersten Mal wirklich gestellt wurden, bot sich den Soldaten ein sonderbares Bild. Der Feind wich nicht zurück. Er zeigte keine Furcht. Das Konzept des Rückzugs schien ihm vollständig fremd zu sein – einzelne Panzer warfen sich gegen hoffnungslos überlegene Kräfte, als wären sie sich der Aussichtslosigkeit schlicht nicht bewusst. Oder als wäre es ihnen gleichgültig.
Und als man die ersten Gefangenen machte, wurden die Fragen nicht weniger.
Schwarze Augen. Scheinbar zugefeilte Zähne. Geburtsdefekte, die auf generationenübergreifende Veränderungen hindeuteten, nicht auf einzelne Missbildungen. Eine Aggressivität, die auch in Gefangenschaft nicht nachließ und die in vielen Fällen nur durch tödliche Gewalt zu beenden war. Die Gefangenen, derer man habhaft wurde, bissen sich die Zunge ab.
Töteten sich gegenseitig.
Töteten sich selbst.
Als Informationsquelle waren sie vollständig wertlos – nicht aus Fanatismus, wie man damals annahm. Oder zumindest nicht nur.
Indoktrinierte Indologie hat sicher seinen Teil beigetragen, aber die rückhaltlose Todesverachtung stammte daher, dass diese Kämpfer Teil eines Netzwerkes waren.
Hinzu kam das technische Rätsel, das bis heute in keiner offiziellen Abhandlung befriedigend erklärt wird. Die Panzer verfügten über keinerlei Funkausrüstung. Keine Empfänger, keine Sender. Und dennoch agierten die Verbände mit einer Koordination, die selbst erfahrene Militärs in Erstaunen versetzte. Die offiziellen Erklärungen sprechen von vorher festgelegten Angriffsplänen, von ausgefeilter Disziplin, von Handzeichen. Eine bequeme Erklärung.
Die Wahrheit ist: Die Casiover brauchten keinen Funk, weil sie einander hörten. Nicht mit Ohren. Nicht über Technik. Durch das, was in ihnen wohnte.
Das Ende des Krieges folgte dem gleichen Muster, nur ins Extreme gesteigert. Als die Belagerungsringe um die Zitadelle sich schlossen und die ersten Einheiten in den Hauptring vordrangen, sprengten die Casiover ihre eigenen Plasmareaktoren. Kollektiv. Gleichzeitig. Die Explosion – in Verbindung mit den Munitionsdepots und Waffenfabriken – verwandelte die gewaltige Festungsstadt in ein Meer aus grünem Plasmafeuer, das drei Monate lang brannte. Und an eben diesem Tag, innerhalb von Stunden, brach an jeder Front jeder verbliebene Widerstand zusammen. Überall dasselbe Bild: Männer, die ins offene Feuer liefen. Panzer ohne Munition, die sich auf Stellungen zubewegten. Ein Heer, das aufhörte zu existieren, nicht weil es besiegt worden wäre, sondern weil etwas in ihm aufgehört hatte zu schlagen.
Er sah die Versammelten nun direkt an.
Das ist das Wesen des Genräubers. Er ist kein Parasit im banalen Sinne des Wortes. Er verändert seinen Wirt – langsam, methodisch, über Generationen, wenn nötig. Er vernetzt seine Träger. Schafft aus Individuen ein Kollektiv, das einer gemeinsamen Steuerung folgt. Was ihr in den Tunneln Norfgots als Monster beschrieben findet, waren Menschen in fortgeschrittenen Stadien dieser Veränderung – Träger, die den Übergang bereits vollzogen oder begonnen hatten. Die Überreste wurden nicht zufällig nicht geborgen. Sie wurden gezielt entfernt. Der Feind schützt seine Geheimnisse auch über den Tod seiner Wirte hinaus. Das Sperrgebiet um die Zitadelle besteht bis heute. Offiziell wegen der Strahlungsgefahr. In den Trümmern der äußeren Ringe kam es zu einer Reihe von Morden an Touristen – gut situierte Leute, die sich Führungen kauften und nicht zurückkehrten. Die Fälle wurden nie aufgeklärt. Offiziell. Eine Zeit lang kursierten Verlautbarungen, Ermittler von höchster imperialer Stelle würden sich der Sache annehmen. Danach fragte niemand mehr nach. Wer klug war, tat das jedenfalls nicht. Vielleicht wollte die Nation diese Unreinheit in den eigenen Reihen verleugnen und unter den Teppich kehren. Aber es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass überlebende Genräuber, die es ganz zweifelsohne gab, in den Reihen derer zu finden waren und vermutlich immer noch zu finden sind, die die nationale Schande vermeidlich verschleiern sollen. Eine Eitelkeit, welche dem Feind in die Hände spielt.
Das ist die Vergangenheit dieses Planeten.
Sie ist relevant, weil sie uns die Arbeitsweise des Feindes zeigt. Seine Geduld. Seine Fähigkeit, sich in bestehende Strukturen einzugraben – in eine Armee, in eine Provinz, in eine gesamte Gesellschaft – und diese von innen heraus umzuformen, über Jahrzehnte, ohne dass die Außenwelt etwas bemerkt. Die Casiov-Revolte war kein Aufstand. Sie war das Eskalieren eines Prozesses, der still und unbemerkt begann, in einem Norden, um den sich niemand scherte, solange die Panzer die Fließbänder verließen.
Was das Subjekt bestätigt hat, das ihr mir gebracht habt, belegt, dass dieser Prozess auf Koron 3 nicht mit der Zitadelle geendet hat. Vermutlich wurden die Bestrebungen damals durch die anberaumten Untersuchungen unterbrochen, was zu einem Verfrühten Losschlagen geführt hat. Die Rigerose Selbstopferung war der PReis, denn der Kult gezahlt hat, um das Überleben und den Neubeginn einiger weniger zu decken. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Grüne Zitadelle die einzige Enklave war, wenn auch vermutlich die stärkste zu jener Zeit. Die Überlebenden hatten gewiss andere Schlupflöcher zu denen sie fliehen konnten. Man kann davon ausgehen, dass dies der Nukleus war, von dem aus der jetzige Aufstand begonnen hat.
wird fortgesetzt
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Die Vergangenheit erklärt das Wesen des Feindes. Nun kommen wir zur Gegenwart.
Während er gesprochen hatte, hatte Elvira einige Einstellungen am Projektor vorgenommen, vermutlich den Datenträger ausgetauscht.
Nun übergab sie die Fernsteuerung in die Hand des Inquisitors. Die Projektion wechselte, wobei das Bild der Symbiontenfratze bedeutungsschwer die neue Darstellung noch einen Moment lang überlagerte. Die Karte Gohmors erschien erneut. Diesmal leuchtete ein sichelförmiges Gebiet in der nordöstlichen Vorwüste auf.
Einige von euch werden von den jüngeren Entwicklungen rund um den Östlichen Zechenverband gehört haben. Es spielte vor einiger Zeit eine größere Rolle in den Gazetten.
Datenzeilen erschienen neben der Karte.
Bevölkerung: geschätzt zwei Millionen.
Status: weitgehende Autonomie.
Zuwanderung: eingestellt.
Besuchsverkehr: eingestellt.
Externe Projekte: eingestellt.
Rohstofflieferungen: unverändert oder über Soll.
Vor einigen Jahren befand sich dieser Verband noch auf Expansionskurs. Neue Siedlungen. Neue Infrastruktur. Werbung um Arbeitskräfte. Politische Ambitionen. Der Konflikt mit Haus Orsius hat der Vereinigung viel Sympathie beim einfachen Bürger eingebracht. Der Geknechtete gegen den Unterdrücker und so weiter. Seit einigen Monaten beobachten wir das genaue Gegenteil."
Er verschränkte die Hände hinter dem Rücken.
Nach außen werden sämtliche Verpflichtungen weiterhin erfüllt. Erz wird geliefert. Verträge werden eingehalten. Die wirtschaftliche Produktion läuft störungsfrei weiter.
Die Karte zoomte näher heran, zeigte industriell aussehende Strukturen, Tagebaue und Abraumhalden, welche die Ausmaße kleiner Gebirge annahmen.
Inspekteure und Erzhändler besuchen die Handelsniederlassung weiterhin, aber jedweder Besucherverkehr zu den restlichen Anlagen ist faktisch auf Null reduziert. Ohne dass es dazu ein offizielles Statement gibt, könnte ein oberflächlicher Blick dies für Vorsicht vor Orsius' Einmischung oder Industriespionage halten. Wir aber schauen nicht nur oberflächlich. Abgelegene Gemeinden. Relativ isolierte Bevölkerung. Eigene Sicherheitskräfte, mit durchaus bedeutenden militärischen Kapazitäten. Begrenzte externe Kontrolle. Eine charismatische Führung.
Für sich genommen beweist keines dieser Merkmale etwas. In ihrer Gesamtheit ergeben sie jedoch ein Muster.
Cassian räusperte sich.
Während meines Einsatzes bei den Aufständischen hat Renold einmal erwähnt, dass man in die Vorwüste verschwinden könne. Zu Verbündeten.
Geyer sah ihn an und nickte.
Das deckt sich mit den Aussagen unseres Verhörsubjektes.
Die Gefangene verfügte nur über begrenzte Kenntnisse der Struktur, abseits ihrer eigenen Zellen. Nichtsdestotrotz ist sie ein großer Fisch, aber ihr Wissen bezog sich auf Gohmor und das Gebiet, in dem der Baneblade verunfallte. Darum hat man sie ausgesucht. Ihr Überleben war dabei nicht von Belang. Renold wäre interessant gewesen. Er schien auf mehreren Hochzeiten zu tanzen, was in dieser Struktur eher ungewöhnlich ist. Aber tröste dich, Arbitrator – du hast dem Universum einen Gefallen getan, als du seinen Kopf weggeschossen hast.
Wie gesagt, die Gefangene gehörte nicht zur obersten Führungsebene des Kultes. Dennoch deuteten mehrere ihrer Aussagen auf Kontakte außerhalb Gohmors hin. Kontakte zu Gruppen, die als Rückzugsorte, Versorgungsnetzwerke und Rekrutierungsgebiete dienten.
Also der Zechenverband?, fragte Messer.
Naheliegend.
Vor einigen Monaten verzeichneten wir eine Häufung von Zwischenfällen entlang der Außenposten, die verschiedene Handelshäuser in der Randzone unterhalten. Siris und Orsius ebenso wie kleine Häuser oder private Unternehmen. Kontaktabbrüche. Verschwundenes Personal. In mindestens einem Fall ein vollständig geräumtes Lager – ohne Leichen, ohne Zeichen einer klassischen Plünderung. Gestohlenes Material: Frischwasser, Handfeuerwaffen. Zurückgelassen: hochwertige Erze, Technik, Promethium.
Eine kurze Pause.
Ein wählerischer Feind.
Eine externe Sicherheitsorganisation namens HAVOC Rangers wurde mit der Untersuchung eines dieser Vorfälle beauftragt. Sie erreichten das betreffende Lager, fanden es leer vor und stießen in der Nacht auf eine unbekannte Kampfgruppe in der Vorwüste. Es kam zu einem Gefecht. Details liegen mir nicht vor. Ich weiß, dass es Verluste auf Seiten der Söldner gab. Ich weiß, dass ein Kontingent der Hausarmee Orsius in der gleichen Nacht in der gleichen Region operierte – und sich anschließend in ungewöhnlicher Eile in nördlicher Richtung zurückzog. Nicht in Richtung Gohmor. Ich glaube nicht das diese Orsius Kräfte mit dem Feind im Bunde standen, wohl aber das sie ihn bekämpften.
Abgefangene Berichte sprechen später von Spuren, die in die Wüste führten. Verwüstete Fahrzeuge. Aufgerissene Panzerluken. Das gleiche Bild wie bei den Kämpfen um die Grüne Zitadelle. Jahrhunderte und tausende Kilometer voneinander getrennt.
Ein Klick, und das körnig abgelichtete Bild eines Meldeblocks erschien. Darauf eine harte, kantige Handschrift.
Zitat:
– Sender 1, vermutlich Orsius: Unverständlich, Verschlüsselung oder Kampfdialekt. Hohes Pfeifen und Zirpen mit verschiedener Oszillation. Übereinstimmung mit Hörproben Orsius-Verschlüsselung.
– Sender 2, vermutlich Gegner/weiterer Beteiligter: Sehr laut, reguliere Lautstärke nach unten, muss ausgleichen, um Orsius zu verstehen (Sender 1 und 3). Kreischen, Knurren, Zirpen und Bellen. Mischung aus allem. Wortähnliche Laute, sehr schnell gesprochen, sehr kehlig. Vermutlich Kampfdialekt. Ansonsten eher keine Verschlüsselung. Mit Absicht unheimlich gestaltet? Kriegsführung = nervliche Zerrüttung?
– Sender 1 sendet fast ununterbrochen aus verschiedenen Quellen. Vermutlich kleines Kampfgespräch im Verband und übergeordnete Sendung Richtung Gohmor.
– Sender 2 nur eine Sendequelle. Nur Anweisungen? Nur Sender an Empfänger?
– Sender 3 nach 14 Minuten begonnenen Mithörens aus Richtung Gohmor. Verm. Antwort von Zentrale Orsius. Ebenfalls verschlüsselt. Ausrichtung nach Gohmor abgebrochen, da von dort nur stark verschlüsseltes Signal.
– Verschlüsselung von Sender 1 jetzt lückenhaft. Technik beschädigt? Keine Zeit zum Verschlüsseln? Nachlässigkeit durch Panik?
– Einzeln aufgefangene Sendungen v. Sender 1 unterteilt nach verschiedenen Sendequellen. Verschlüsselte Sequenzen nicht extra aufgeführt.
Wortlaut:
– Reihen schließen. Muster einhalten. Raute.
– Treffer… bestätigter Abschuss… noch 3 von –
– Infanterie auf Anhöhe. Feuer…
– Links verstärken.
– Es ist zwischen den Panzern. Was ist –
– Nein… vier nach eigenem Ermessen. Gruppenführer kommen.
– Einbruch in Sicherungsbereich… bringt... zu Fall.
– Noch eins auf dem Hügel. Schwere Waffen zusammenfassen.
– Führungsfahrzeug an…
– Acht Schwer vorgehen.
– Dringend Unterstützung.
– Es reißt die Luke auf… Terras Gnade.
– Schreie! –
– Zurückfallen lassen zu…
– Feuerlinie aufbauen.
– Zurück… zurück…
– Nach eigenem Ermessen.
Ab hier nur noch Wortfetzen ohne erkennbaren Zusammenhang.
Es lässt sich nur darüber spekulieren, warum der Angriff auf diese Kräfte und Handelsposten erfolgte. Vor allem da der Kult darum bemüht sein dürfte, das Bild von Normalität zu erzeugen. Vielleicht sind die Vertreter der angegriffenen Fraktionen zu neugierig geworden, haben Dinge gesehen, die sie nicht hätten sehen sollen. Die Geheimniskrämerei der Häuser spielt dem Feind dabei in die Hände. Solche Vorfälle werden nicht weitergemeldet, sondern aktiv vertuscht. Wenn die Vermutung stimmt, dann liegt eine weitere große Kultarmee faktisch vor den Toren der Stadt.
Realistisch betrachtet: selbst wenn sie ihre geschätzten zwei Millionen Anhänger unter Waffen haben, Frauen, Kinder und Alte mit eingeschlossen, plus die Symbionten, die vermutlich die Panzer von Orsius angegriffen haben, besteht keine Chance, dass sie Gohmor damit gefährlich werden. Aber sie haben damit einen gut gesicherten Rückzugspunkt.
Er machte einen harten Schnitt, und ein grün bewaldeter Kartenabschnitt ersetzte das trostlose Rotbraun der Vorwüste.
Luht.
Er ließ den Namen kurz stehen.
Eine Nation, die ihre eigenen Angelegenheiten seit Generationen nicht in den Griff bekommt. Kriminalität, Korruption und große Armut – und das nur in wenigen zivilisierten Zentren. Acht Zehntel Urwald. Keine brauchbaren Karten. Stämme von Ureinwohnern, die sich gegenseitig die Kehlen durchschneiden und jeden externen Einfluss mit dem Speer beantworten. Zwei Strafexpeditionen in der jüngeren Geschichte – beide gescheitert, eine davon mit dreihundert Mann rein und dreiunddreißig wieder raus. Von solchen Eskapaden abgesehen, war Luht, gefangen in seinen internen Problemen, eine Randfigur in den planetaren Geschehnissen.
Er deutete auf den südlichen Bereich der Karte.
Seit etwa einem Jahr hat sich das Bild fundamental verändert. Die Stämme greifen koordiniert an. Nicht mehr einzelne Überfälle auf abgelegene Farmen – eine regelrechte Invasion. Die Städte Taggo und Huncal stehen unter Dauerdruck. Siedlungen in der Peripherie: vernichtet oder annektiert. Überlebende in Bunkertürmen warten auf Entsatz, der bisher nicht oder nur unter größten Anstrengungen kam.
Das sind gewiss bedenkliche, aber doch lokale Sachverhalte, die auf den ersten Blick wenig Interesse der Inquisition erwecken. Was mein Analyseteam beschäftigt, ist nicht die Tatsache des Angriffs. Dschungelstämme greifen an. Das kennen wir. Was uns beschäftigt, ist die Frage: warum jetzt. Und warum koordiniert.
Die Projektion wechselte. Eine taktische Karte des Dschungels erschien, grob und lückenhaft.
Stämme, die seit Jahrzehnten in blutiger Feindschaft zueinander standen, handeln plötzlich im Verbund. Taktische Muster, die vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären, werden angewendet.
Etwas hat sie in Bewegung gesetzt.
Etwas, wovor sie mehr Angst haben als voreinander oder vor den bewaffneten Kräften der Ordnungsmacht.
Die Erkenntnisse meines Teams haben mich zu dem Ergebnis kommen lassen, dass die Stämme nicht angreifen, weil sie es wollen. Sie greifen an, weil sie fliehen. Aus dem Inneren des Dschungels. Weg von etwas, das dort unten sitzt und wächst.
Ein neues Bild erschien auf der Projektionsfläche. Dann noch eines. Dann mehrere, in ruhiger Abfolge.
Verstümmelte Überreste. Drei Soldaten – oder das, was von ihnen übrig war. Zusammengesetzt, neu arrangiert, drapiert an einem Baum wie das Werk eines wahnsinnigen Bildhauers. Vier Arme, zwei Gesichter zu einem zusammengepresst, Gedärme und Schlingpflanzen genutzt, um den monströsen Götzen zusammenzubinden. Erkennungsmarken in einer Faust, in der anderen Blüten.
Geyer ließ die Bilder sprechen. Er sagte eine Weile nichts.
Das sind Angehörige der Zehnten PVS-Kompanie. Ehemalige Kameraden von dir, Kruger und auch von dir Messer. Fernaufklärer. Gefunden vor einigen Monaten, im Rahmen der Operation Donnergrollen.
Er sah in die Runde.
Ohne die ganzen roten Punkte zu sehen, die wir hier miteinander verbinden, könnte man psychologische Kriegsführung sehen. Stammesritual. Einschüchterung.
Das ist es nicht. Zumindest nicht nur. Mein Team hat diese Bilder analysiert. Die Anordnung der Körper ist nicht zufällig. Das vierarmige Motiv. Die spezifische Drapierung. Die Symmetrie.
Das ist kein Kriegszeichen eines Dschungelstammes. Das ist ein Abbild. Eine Darstellung von etwas, das diese Menschen gesehen haben. Etwas, das vier Arme hat, das ihnen Angst gemacht hat und jetzt ihren Feinden Angst machen soll. Wir wissen inzwischen, um was es sich handelt. Im Dschungel Luhts sitzt ein weiteres Nest.
Er sagte es ohne Dramatik, sachlich, als berichte er über Wetterdaten.
Bei all der Geheimhaltung des Zechenverbandes oder der Verschleierung durch die FU bezüglich der Grünen Zitadelle sind die Daten aus dem Dschungel am lückenhaftesten. Es gibt die Berichte eines Forschungsreisenden, eines Biologen namens Schnabelmayer, der gewisse Dinge andeutet, was wir hier erahnen, in ihrer Ausdehnung aber nicht verifizieren können.
Er sah Kruger direkt an.
Du warst dabei, als die Zehnte dort operiert hat. Ich würde deine Einschätzung zur Lage vor Ort hören wollen. Später.
Dann wandte er sich wieder an die gesamte Gruppe.
Ein weiterer Schnitt, und es erschien das typische Wappen einer PVS-Formation.
Die Achte Brigade.
Das Einheitszeichen kantig und nüchtern – ein hochrechteckiger Schild, oben schwarz, unten betongrau, geteilt wie die Ebenen der Makropole selbst. In der Mitte eine breite, weiße Acht, so schlicht wie eine Fabriknummer. Darüber ein einfacher Arbeitshammer in Silber. Eine schmale, dunkelrote Bordüre fasst das Ganze ein. Kein Adler, kein Aquila, kein Gold. Bestenfalls unauffällig.
Fast fünftausend Mann PVS. Gut motiviert, nach allem, was man hört. Kein Gefechtseinsatz in freiem Gelände, aber das war gewollt so – die Führung hatte darum gebeten, die Speerspitze in Taggo zu übernehmen. Sich zu beweisen. Das Motto lautet, wenn ich mich recht entsinne – er wandte sich kurz an Elvira.
Alles erbringen, niemals beklagen.'
Gelebt, soweit man das beurteilen kann. Taggo war ein Aufstand unter vielen in der Region. Mit Verlusten war zu rechnen, aber in einem vertretbaren Rahmen. Dann: kein Funkkontakt. Kein Presseoffizier. Kein Lebenszeichen. Die komplette Einheit verschwand. Marschierte in den Dschungel und war weg. Mit Panzern, Artillerie und allem anderen. Und niemand hat sie wirklich vermisst.
Der offizielle Stand: Die Achte hat ihre vorgeschobenen Posten geräumt und ist tiefer in den Dschungel vorgestoßen. Kräfte der Föderalen Union haben die Lücken geschlossen. Alles planmäßig. Nichts zu melden.
Interne Schreiben der PVS listen sehr viel mehr Bedenken auf. Erstens: Eine PVS-Brigade ohne Dschungelkampferfahrung stößt ohne Begleitung und wirklichen Waffenverbund in schwieriges Gelände vor. Insubordination und Desertion einer kompletten Einheit in diesem Maße hat man normalerweise nur bei ketzerischen Aktivitäten oder eben bei Symbiontenbefall. Der kommandierende Offizier, Oberstleutnant Rät, hat um diesen Einsatz gebeten und seine komplette Einheit nebst Munitions- und Gefechtsfahrzeugen dem Feind übergeben. Die Familien schweigen. Fünftausend Soldaten. Große Arbeiterfamilien, nach allem, was wir wissen. Engmaschige Gemeinschaften auf den Subebenen 480 bis 510. Wenn dort Väter, Mütter, Kinder verschwinden – dann entsteht Lärm. Dann kommen Leute auf die Straße. Dann reden Nachbarn. Dann erscheinen nicht zwei Familien bei einer Zeitung, sondern zweihundert. Das Rekrutierungsgebiet der Achten liegt auf den Subebenen 480 bis 510. Das sind dichte, weitgehend autonome Gemeinschaften. Eigene Infrastruktur. Starke innere Loyalitäten. Kaum externe Kontrolle. All die Merkmale, auf die wir in dieser Rückschau bereits gestoßen sind.
Dann kehrte die Achte Brigade zurück.
Kruger war dabei.
Nicht als besiegte Truppe, die sich aus dem Dschungel herausschlägt. Nicht als Deserteure, die sich ergeben. Sie sind zurückgekehrt als Angreifer. Koordiniert, professionell und mit schwerem Gerät.
Die Projektion wechselte. Aufnahmen erschienen – Einschusslöcher in Beton, ein zerschossenes Wachtumsgebäude, die verbogenen Überreste eines Kasernentors. Dann das ausgebrannte Wrack eines Leman Russ.
In Huncal. In einer einzigen Nacht. Simultane Angriffe auf mehrere Kasernen, koordiniert durch eine großangelegte Störaktion des gesamten Kommunikationsnetzes – zivil wie militärisch. Wer auch immer das geplant hat, hat das nicht im Dschungel gelernt. Das ist Stabsarbeit. Wir können also davon ausgehen, dass auch in der Infrastruktur und der Verteidigung der Nation Infiltratoren saßen und noch immer sitzen. Wäre es anders gewesen, hätte es mich verwundert.
Er deutete auf die Aufnahmen.
Die Kaserne, in welcher die Zehnte zum Zweck der Rotation auf ihren Abflug wartete, wurde mit einem Leman Russ und regulärer Sturminfanterie in PVS-Vollpanzerung angegriffen. Der Angriff war mit dem Momentum der Überraschung hart und brutal, hatte aber nicht genug Masse, um nach dem ersten Schock der Reaktion zu widerstehen. Das war auch gar nicht das Ziel. Simultan wurden verschiedenste Niederlassungen der PVS und der zivilen Infrastruktur angegriffen. Die durchgehenden Attacken der Dschungelstämme waren ein permanentes Hintergrundrauschen für die Verteidiger, zermürbend durch ihre Beständigkeit. Die Symbionten haben die Bewegung der Stämme bewusst oder unbewusst verursacht. Zum Vorteil gereichte es ihnen so oder so. Durch die Belastung der durchgehenden Bedrohung hindurch stießen sie mit starken Spitzen vor, um verschiedenste Positionen zu treffen und in erster Linie von einem koordinierten Reagieren auf ihr eigentliches Ziel abzuhalten. Der Hauptstoß galt dem Flughafen. Etwa tausend Mann, zehn Panzer, dazu eine nicht bezifferbare Zahl bewaffneter Zivilisten. Sie haben sich als reguläre Kolonne getarnt – ein gewohntes Bild in einer Stadt voller Militärfahrzeuge. Niemand hat zweimal hingeschaut. Als sie losschlugen, standen sie bereits so nah, dass die Luftschiffe nicht mehr eingreifen konnten, ohne die eigenen Leute zu treffen.
Neue Aufnahmen. Hangars. Rollfeld. Rauchsäulen.
Ihr Ziel war nicht die Vernichtung. Ihr Ziel war Übernahme. Sie haben den Kommandostab ausgelöscht, die Langstreckenkommunikation gesprengt und eigene Piloten in die Hangars gebracht. Eigene Piloten – das bedeutet einmal mehr akribische Vorbereitung. Planung über Monate, vermutlich Jahre.
Unter den erbeuteten Maschinen waren beide Bulldog-Schwerlastfähren. Die gleichen Typen, die ursprünglich die Achte und die Zehnte in den Dschungel gebracht haben.
Was sie damit angestellt haben, wissen wir. Aber wir müssen uns der Vollständigkeit halber damit ebenfalls auseinandersetzen, wenn wir den vorläufigen Höhepunkt dieser Affäre analysieren wollen.
Huncal wurde gesichert. Die Zehnte, die 203. Panzerkompanie, Teile der Grenadiere und die Arbites haben die Stadt stabilisiert. Die Kämpfe gegen die Dschungelstämme gehen ungebremst weiter."
wird fortgesetzt
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Kommen wir zum Anschlag selbst. Einige von euch hatten unmittelbar damit zutun, lassen wir die Trauerreden und die Heldengeschichten also beiseite – was zählt, sind die nackten Fakten, und die sind aufschlussreich genug.
Er hob die Hand, die Finger leicht gespreizt, als zähle er ab.
Erstens: das Ausmaß der Vorbereitung. Mindestens zwei schwere Transportmaschinen aus Huncal, dazu eine größere Anzahl weiterer Flugzeuge – gestohlen, entführt, in einigen Fällen schlicht erworben, über verschiedene, voneinander unabhängige Kanäle. Wie bei allem, was wir bisher betrachtet haben, keine Improvisation, sonder die Effizienz eines Ameisenstaates. Einmal mehr eine Beschaffungskette, die sich über Monate, vermutlich Jahre erstreckt haben muss, ohne dass eine einzige dieser Bewegungen Verdacht erregt hat, beziehungsweise zu wenig Verdacht oder an der falschen Stelle.
Zweitens: die Präzision des Ziels. Man traf die Ratsversammlung in dem Moment, in dem ein Großteil der höchsten politischen, militärischen und ökonomischen Führung Gohmors an einem einzigen Ort versammelt war – inklusive auswärtiger Delegationen. Häuser wie Icus und Deforn wurden in ihrer Führungsspitze faktisch ausgelöscht. Das mag im ersten Moment nicht wie eine besondere Leistungs aussehen, wenn man berücksichtigt, dass der Massenanschlag mehr oder weniger jeden der Versammelten getroffen hat. Nicht eben ein chirurgischer Schnitt, sondern ein Hieb mit dem Streitkolben. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass die Schläge genau getimte sein mussten, um dann zu treffen wenn alle Ziele anwesend waren und obendrein in so schneller Folge, dass keine Zeit zur Flucht blieb. Auch hier wieder umfangreiches Insiderwissen.
Drittens: die Gleichzeitigkeit der Operationen. Während des Anschlags auf die Ratshalle fielen im selben Zeitraum auch die Brücke der Hunderttausend, mehrere Verteidigungsanlagen der Stadtmauer und diverse Versorgungseinrichtungen. Also mehrere koordinierte Zellen, die unabhängig voneinander, aber zeitlich abgestimmt agierten – ein Muster, das wir bereits aus Huncal kennen.
Er ließ die Hand sinken.
Viertens: die körperlichen Merkmale der getöteten Angreifer. Fehlende Behaarung, schwarze Pupillen, spitz zulaufende Zähne, verhornte Fingernägel – bei den stärker betroffenen Exemplaren ein dritter Arm, Hornwülste, knöcherne Wucherungen. An diesem Punkt geschah das, was Jahrzehnte früher hätte geschehen müssen. Man hat die Inquisition alarmiert.
Fünftens: die Verbindung zur Kirche der Transformation. Eine Sekte, die gezielt unter den Verzweifelten, den Mutierten und den Ausgestoßenen der Unterstadt rekrutiert – ein Reservoir an Körpern und Loyalitäten, das sich nach einem Anschlag dieser Größenordnung mühelos für Aufstände mobilisieren ließ und nach wie vor lässt. Eine solche Organisation dient zwei Zwecken zugleich: Sie liefert Kanonenfutter für die Straßenschlachten, die seither die Sicherheitskräfte binden – und sie liefert eine Erklärung, mit der sich die Behörden zufriedengeben können, ohne nach den eigentlichen Drahtziehern zu fragen.
Und schließlich Sechstens: Es gab, nach eigenen Angaben der Ermittlungsbehörden, Verstrickungen mit Teilen der PVS. Man hat das Ausmaß heruntergespielt – aus naheliegenden Gründen. Aber es bestätigt, was wir bereits aus Casiov und aus Huncal wissen: Der Feind sitzt nicht nur in den Slums und den Sekten. Er sitzt in den Strukturen, die ihn bekämpfen sollen.
Er sah in die Runde, einen nach dem anderen.
Fassen wir zusammen. Wir haben es nicht mit einem einzelnen Anschlag zu tun, sondern mit dem bislang sichtbarsten Ausschlag eines Prozesses, der seit Jahrzehnten, eher noch Jahrhunderten – innerhalb dieser Stadt und dem ganzen Planeten abläuft. Eine Infiltration, die sich Zeit gelassen hat, die sich in Logistik, Verwaltung, Armee und Klerus eingenistet hat, und die in der Lage war, in einem einzigen koordinierten Schlag die Führungsspitze Korons, wenn nicht zu enthaupten, so doch einen tiefen Schnitt beizubringen. Das ist nicht das Ende eines Plans.
Das ist, fürchte ich, lediglich dessen erste, ungeduldige Eskalationsstufe.
Die Frage, die sich mir stellt, ist nicht, was der Feind getan hat. Das haben wir nun hinreichend seziert und es ist doch recht typisch für diesen Gegner der Menschheit. Die Frage ist. warum jetzt?
Was bezweckt er damit? Auf den ersten Blick wirkt es, als läge die Initiative vollständig beim Kult. Ein enthaupteter Adel, eine brennende Hauptstadt, ein Heer, das an drei Fronten gleichzeitig gebunden ist. Doch betrachtet man die nackten Zahlen, ergibt sich ein anderes Bild. Der Adel und die Führungseliten funktionieren wie eh und je. Sicher, die zweite Garnitur tritt jetzt ins Rampenlicht und das eine oder andere kleine Haus mag fallen, aber die wahren Führungseliten wanken nicht.
Und die Armee? Einen solchen Koloss wie die PVS Korons ringt man so nicht nieder. Selbst mit der Achten Brigade, den Infiltratoren in der PVS, den Schläferzellen in Gohmor und den Horden des Zechenverbandes zusammengenommen, reicht diese Kraft niemals aus, um einen Planeten wie Koron 3 zu erobern. Eine größere Stadt, vielleicht ein, zwei der schwächeren Nationen, aber nichts Weltgefährdendes. Dafür bräuchte es das Mehrhundertfache. Diese Leute wissen das. Sie sind nicht dumm, und ihr Meister erst recht nicht.
Normalerweise zeigt sich ein solcher Kult nur in drei Fällen.
Wenn er aufgedeckt wird und keine andere Wahl mehr hat, als sich offen zu zeigen – wie bei der Grünen Zitadelle, wo die Untersuchungen ein verfrühtes Losschlagen erzwangen.
Wenn er glaubt, tatsächlich die Mittel zu besitzen, einen Planeten oder zumindest eine Nation vollständig zu übernehmen und einen Dauerzustand des Konflikts zu etablieren. – er zögerte, und in diesem Zögern lag mehr, als seine Worte ausdrückten – „… oder wenn etwas Größeres naht.
Er schüttelte knapp den Kopf.
Keiner dieser drei Gründe trifft hier zweifelsfrei zu. Aufgedeckt wurden sie erst durch den Anschlag selbst – vorher liefen sie unbemerkt. Die Mittel zur Eroberung besitzen sie offensichtlich nicht. Und für die dritte Möglichkeit – wieder dieses kurze, kaum merkliche Zögern habe ich bislang keinen einzigen belastbaren Hinweis.
Geyer trat einen Schritt zurück und sah die Versammelten der Reihe nach an.
Es bleibt mir also nur der Schluss, dass wir etwas übersehen. Eine Variable, die wir noch nicht kennen, oder eine, die wir kennen, aber falsch einordnen.
Dazu kommt ein weiterer Umstand, über den ich bislang geschwiegen habe.
Die Gouverneursgattin, Frau Elisabeth Emilia de Wajari, hat mich – auf einem Weg, der mit der offiziellen Befehlskette nichts zu tun hat – kontaktieren lassen. Das allein ist bemerkenswert. Meine vorläufige Einschätzung ist, dass sie keine Dienerin des Kultes ist. Eher das Gegenteil: Ich habe Grund zur Annahme, dass sie die Macht auf diesem Planeten für sich selbst beansprucht, und dass ihr Gemahl dabei möglicherweise mehr im Wege steht, als ihm gut tut. Eine Frau, die plant, ihren Mann zu beerben – vielleicht sogar nachzuhelfen –, sucht sich gewöhnlich keine Verbündeten unter Genestealer-Kultisten. Auszuschließen ist es freilich nicht. Vielleicht hat sie die Kultiusten heimlich unterstützt und gemerkt, mit wem sie sich da eingelassen hat, als man ihr einen Transportflieger von der größe eines Wohnblocks auf den Kopf werfen wollte.
Alles graue Theorie, bis wir Gewissheit haben.
Geyer sah nun ernst in die Runde, fast auffordernd.
Wir haben mehrere lose Fäden, und nicht genug Hände, um alle gleichzeitig zu ziehen. Ich will eure Einschätzung hören, bevor ich entscheide, wohin wir unsere Kräfte als Nächstes lenken.
Er zählte auf, knapp, sachlich, wie er es mit allem tat.
Wir könnten der Einladung der Gouverneursgattin nachgehen. Herausfinden, was sie weiß, was sie will, und ob sie tatsächlich das ist, wofür ich sie halte – oder etwas Schlimmeres. Sie weiß noch nicht, dass ich mich auf Koron befindete. Ich habe bei meiner Annäherung an den Planeten einen Diplomaten abgefangen und dazu verpflichtet eine Scharade zu spielen. Frau de Wajari denkt ich würde mich noch in einigen Tagen Entfernung zu Koron 3 befinden.
Ein weiterer dieser Fänden ist die Grüne Zitadelle. Das Sperrgebiet besteht offiziell wegen Strahlung, tatsächlich vermutlich, weil dort noch immer etwas schlummert. Verschwundene Touristen, nie aufgeklärte Morde. Es wäre an der Zeit, mit geeigneten Mitteln nachzusehen, ob der ursprüngliche Nuklius des Befalls noch aktiv ist – oder ob von dort aus weiterhin Marionetten gelenkt werden.
Dann ser Östliche Zechenverband und die Rote Wache. Wenn dieser Vorposten tatsächlich vollständig durchsetzt ist, könnte er uns Aufschluss über Versorgungswege, Kommunikation und möglicherweise über die Identität der eigentlichen Führung geben – vorausgesetzt, man gelangt dort hinein, ohne sofort als Fressen für die Symbionten zu enden.
Dann Luht. Kruger war dort, als die Zehnte operierte. Was im Dschungel wächst, ist offenbar älter und größer als das, was wir hier in Gohmor sehen. Ich würde gerne verstehen, ob dort der eigentliche Ursprung liegt – oder nur ein weiterer Außenposten.
Final die Infiltration innerhalb der PVS selbst. Eine stille, interne Untersuchung, ohne dass es zu einer offenen Säuberung kommt, die den Feind warnen würde. Riskant, aber möglicherweise der direkteste Weg zu den Drahtziehern in Gohmor selbst. Wenn wir den Kampf zum Feind tragen wollen, brauchen wir eine schlagkräftige und vor allem unbefallene Armee.
Ich werde meine Entscheidung nicht allein fällen. Jeder von euch bringt eine andere Perspektive mit – nutzt sie. Was wollt, was müsst ihr noch wissen und was schlagt ihr vor?
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Die Atmosphäre war anders geworden im Raum, seitdem der Inquisitor eingetreten war. Bei Elvira war ihnen schon klar gewesen, dass sie gehorchen mussten, aber trotzdem konnte man noch untereinander über sie reden, sich seinen Teil denken und mal etwas unüberlegtes sagen.
Gallianos Geyer war da ein anderes Kaliber. Wie seine Untergebene war er auch auffällig. Nicht durch extravagante oder sündhaft teure Mode wie sie. Dafür war seine Kleidung zu schlicht. Zu schlicht und trotzdem merkwürdig und fremdartig in ihrer Erscheinung. Der merkwürdige Schnitt oder doch das Material seiner Robe? Der Wagen hinter ihm, der über allerlei Schläuche mit dem Inquisitor verbunden war und Glasgefäße mit merkwürdigen Flüssigkeiten transportierte. Arius hatte noch nie in seinem Leben so etwas gesehen. Das bedeutete aber auch nicht viel. Als einfacher Soldat hatte er vieles noch nicht gesehen zudem die Elite des Imperiums Zugriff hatte.
Und dann war da noch der Inquisitor. Unnatürlich Groß, hager und gebrechlich wirkend, aber dabei doch irgendwie Zähigkeit und Leidensfähigkeit ausstrahlend. Irgendwie alterlos. Arius fühlte sich an manche Wanderprediger erinnert, die durch strenges Fasten und Verzicht ihrem Glauben Ausdruck verliehen. Asketen hatten sie sich genannt, soweit er sich erinnern konnte. Der Inquisitor schien in die gleiche Kerbe zu schlagen. Wenig verwunderlich, wenn er so darüber nachdachte. Schließlich stand Geyer an vorderster Front gegen die Feinde der Menschheit und im Kampf gegen sie, musste man erst sich selbst meistern.
Wenn sie jetzt an seiner Seite standen, um ihn dabei zu unterstützen war das vielleicht etwas woran jeder Einzelne aus ihrer Gruppe sich orientieren sollte. Denn waren sie nicht alle Sünder, die nach Besserung streben sollten?
Nachdem Geyer seinen Vortrag beendet hatte, herrschte erst einmal Schweigen. Nach dem Vortrag Elviras über Genräuber hatten sie jetzt noch einmal soviel über ihre Verbreitung auf Koron III erfahren. Gewaltige Mengen an Informationen, die sie in knapper Form heruntergerattert bekamen.
Das merkwürdigste war aber, dass Geyer sie nach ihrer Meinung zu potentiellen Einsätzen fragte. Die vier Männer schwiegen betreten. War ihre Meinung wirklich soviel wert? Schließlich waren sie nur einfache Soldaten und Gesetzeshüter und nicht Inquisitoren oder direkte Berater, die auf gewaltige Datenmengen und Informantennetzwerke zurückgreifen konnten.
Geyer schien die Stille ertragen zu können und wartet unbewegt auf eine Antwort, bis Arius sich einen Ruck gab und zögerlich das Wort ergriff.
"Mir selbst sagen die Grüne Zitadelle und die Untersuchung der PVS am meisten zu.
Die Grüne Zitadelle liegt weit ab vom Schuss. Wenn wir untersuchen was dort heute passiert, wird man in Gohmor davon wohl wenig Notiz nehmen. Das sollte euch Herr Inquisitor hoffentlich einige Zeit lang die übermäßige Neugierde der zuständigen Stellen ersparen und sie sich vielleicht auch in falscher Sicherheit wiegen lassen.
Außerdem treten wir damit der Förderalen Union ordentlich auf die Füße. Auch wenn das hoffentlich nicht zu schnell auffällt. Für ihre Heimlichtuerei hätten sie das aber verdient. Der ganze Haufen Scheiße wäre nie so groß geworden, wenn man damals offen und ehrlich ermittelt hätte. Dann haben sie aber alles nur vertuscht, vertuscht und nochmals vertuscht und jetzt mussten sie hierherkommen, um alles in Ordnung zu bringen. Lieber direkt mit dem Stahlbesen auskehren, als alles vermüllen lassen, um das Gesicht zu wahren. Eine robuste Ermittlung könnte da sicherlich einiges zu Tage fördern.
Und bei der PVS erklärt es sich ja eigentlich von selbst. Die Genräuber haben sie infiltriert, Teile von ihr in Luht und der Ratshalle gegen uns gewendet und das Blut vieler Unschuldiger damit vergossen. Vertrauen ist verloren gegangen. Vertrauen der Zivilbevölkerung gegenüber den Streitkräften, von Teilen der Führung ihr gegenüber und besonders von Kameraden untereinander. Kameradschaft und Loyalität sind das Fundament ihres Handelns. Verrat zerstört alles was darauf aufbaut. Wie sollen wir sicher sein können, dass nicht noch immer Genräuber dort die Fäden ziehen und uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Rücken fallen?
Wir sollten daher schnell vorgehen, um dieses Krebsgeschwür aus unseren Streitkräften herauszulösen, damit wir wieder mit Sicherheit sagen können, dass sie treu im Glauben an den Imperator vereint im Kampf gegen den Xenos stehen.
Nur dann können wir sicher sein, dass sie den Feind rücksichtslos zermalmen wird, wenn wir ihn endlich auf offenem Feld stellen können.“
Mit kaum unterdrücktem Ärger und Aufregung in seiner Stimme beendete Arius seine Ausführungen, während sein Körper vor Anspannung beinahe aus dem Sitz schnellen wollte.
Er räusperte sich etwas peinlich berührt und fuhr dann tonlos fort.
„Verzeiht mir, wenn ich das so deutlich sage, aber von Luht kann ich nur abraten. Das Gelände ist vollkommen unwegsam und unkartiert. Fortbewegung war eigentlich nur in der Luft und zu Wasser möglich. Zu Fuß bleiben wir wahrscheinlich schon nach kürzester Zeit im Wald stecken, da es keine richtigen Wege, geschweige denn Straßen gibt. Die gohmorische 10. kann man jetzt natürlich nicht mit einem kleinen Eingreiftrupp der Inquisition vergleichen, aber wir werden da wohl vor den gleichen Problemen stehen. Die Versorgung wird wohl auch aus der Luft erfolgen. Laut euren eigenen Worten Herr Inquisitor gelingt ja bis jetzt ja nicht einmal der verlässliche Entsatz von bekannten Positionen wie den Bunkertürmen.
Wie man uns im Dschungel verlässlich orten und versorgen will, kann ich mir gerade schlecht vorstellen.
Und falls man uns findet und Nachschub heranbringen will, wird wohl jeder Stammeskrieger und Kultanhänger wissen, dass sich ein lohnendes Ziel in der Nähe befinden. Dann wird aus unserer Aufklärungsmission schnell ein Spießrutenlauf.
Ist denn eine grobe Ortung des Zielgebietes im Dschungel gelungen? Ist dieser Schnabelmayer noch vor Ort aktiv? Dann könnte er uns ja als Ortskundiger helfen oder seine lokalen Kontakte nutzen, um uns entsprechende Leute zu empfehlen damit wir nicht völlig verloren sind.
Sonst springen wir ja wirklich auf gut Glück in die grüne Hölle und hoffen etwas nützliches zufällig aufzustöbern, falls ihr uns dort einsetzen wollt.“
Name: Arius Kruger
Alter: 30 Standardjahre
Zugehörigkeiten: PVS
Rang: Feldwebel
Loyalitäten: imperialer Fanatiker, Militarist
Aussehen: 190cm groß, sehnig, ausgezehrt, maskenhaftes, verkniffenes Gesicht, attraktives Lächeln, blonder Seitenscheitel, bleiche leere Augen, beide Arme durch bionische Implantate ersetzt
Kleidung: abgetragene Zivilkleidung, steingrauer Regenponcho silberner Aquila
Charakter: Militarist, imperialer Fanatiker, tief gläubig, Frontveteran, begeisteter Hobbyfotograf, mangelhafte Empathie und auf sozialer Ebene ein Wrack
Fähigkeiten: erfahrener Grabenkrieger, guter Läufer,
Ausrüstung/Besitz: Reaper, Esseos Schema Laserpistole, Thermitgranate, Brecheisen, Fotoapparat
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Geduldig hatte sich Cassian den Vortrag des Inquisitors angehört, der sich an der Elviras anschloss.
Die Informationen waren… besorgniserregend.
So viele erfolgreiche Infiltrationen an so vielen verschiedenen Stellen über so einen langen Zeitraum waren äußert besorgniserregend. Auf eine gewisse Art und Weise musste er dem Xenos-Hybridenabschaum Respekt dafür zollen, dass er so raffiniert agierte. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Cassian wusste nur zu genau, und der Inquisitor hatte es eben selbst betont, dass so ein Einsickern nur möglich war, wenn es sich auf isolierte Bereiche beschränkte und die zuständigen Behörden durch Unfähigkeit und Untätigkeit glänzten.
Also genau die Kombination, die man hier auf Koron III aber auch auf vielen anderen Planeten von den lokalen Staatsorganen erwarten durfte. Und die Vertreter des Imperiums durften dann alles wieder ins Lot bringen.
Die laut ausgesprochenen Vermutungen des Inquisitors ließen ihn hellhörig werden. Was genau meinte er mit „Größeres“? Eine Schlachtflotte dieser Aussätzigen? Von der imperialen Raumflotte übernommene Verbände? Oder errichteten die Genräuber nach der erfolgreichen Übernahme eines Planeten eigene Reiche von denen sie aus Eroberungszüge starteten?
Fragen über Fragen, die nur ihr Meister beantworten konnte. Was er im Momente scheinbar nicht zu tun beabsichtigte.
Stattdessen wurde das Thema auf ihr eigenes Vorgehen gelenkt und überraschenderweise wurden sie um ihre eigene Meinung gebeten. Soweit er das wusste war es außergewöhnlich, dass ein Vorgesetzter einen Untergebenen um soviel Rat bat, wenn beide Mitglieder einer imperialen Behörde waren. Von einem Inquisitor hatte er so etwas überhaupt nicht erwartet.
Kruger nutzte die Gelegenheit gleich und preschte mit fanatischem Eifer mit seinen eigenen Vorschlägen vor. Wenig überraschend wollte er, Soldat der er war, gleich zuschlagen, oder wenn das nicht möglich war seine geliebte Armee aus den Fängen der Xenos befreien. Cassian wartete bis der Mann geendet hatte und erhob dann seine Stimme.
„Der Knochenfisch stinkt immer vom Kopf her. Um mal ein lokales Sprichwort zu bemühen“ wandte er fast schon oberlehrerhaft ein. „Wir haben es hier ja mit einem Feind zu tun, der sich alle Gefilde dieses Planeten zu eigen machen kann.
Elvira hat ja bereits darauf verwiesen, dass wir nicht jeden einzelnen Genräuberkultisten in der einfachen Bevölkerung aufstöbern können. Also sollten wir uns darauf konzentrieren das Krebsgeschwür an den wichtigsten Punkten herauszuschneiden, dann die Selbstheilungskräfte des Körpers zu nutzen, um den Rest herauszuwaschen. Infiltratoren in den höheren Rängen der Streitkräfte oder der Regierungselite und skrupellose Hasardeure denen für ihre Macht jedes Mittel recht ist, sollten wir daher zuerst suchen und beseitigen, um die völlige Handlungsfähigkeit wieder herzustellen. Die Beseitigung von infizierten niederen Diensträngen bedarf uns dann ja gar nicht mehr, sondern nur der großzügigen Anwendung von Schnellgerichten und Erschießungskommandos.
Die PVS wäre da ein gutes Ziel denke ich. Kruger hat ja schon vorgegriffen und gute Gründe dafür genannt.“
Cassian schwieg bewusst einen Moment lang und warf einen Blick in die Runde ehe er fortfuhr.
„Noch wichtiger wäre es aber meiner Meinung nach bei der Gouverneurin selbst anzufangen. In ihr, oder genauer ihrem Ehemann, konzentriert sich alle Befehlsgewalt dieses Planeten. Einzelne komprimierte Offiziersstellen sind schlimm genug und können viel Schaden anrichten.
Eine durch eigene Machtkämpfe geschwächte Führungsspitze wäre aber noch um ein vielfaches schlimmer und würde Schockwellen durch die Armee und Zivilverwaltung nach unten senden, die so katastrophal wie ein zweiter angriff auf die Ratshalle sein würden.
Ich plädiere daher dafür, dass wir bei ihr starten. Wenn sie die Inquisition noch gar nicht erwartet ist das perfekt für uns. Den kleinen Vorsprung sollten wir auf jeden Fall nutzen, bevor sie etwas plant. Wer nicht erwartet wird, sorgt für Überraschung. Wer die Überraschung auf seiner Seite hat, kann sich darauf verlassen, dass sein Gegenüber Fehler macht, da er völlig unvorbereitet ist.
Wir können uns keine selbstsüchtigen Lokaladeligen leisten, die im Angesicht einer planetenbedrohenden Gefahr so unverfroren ihrem Geltungsdrang nachgehen.“
Er nickte entschlossen, wie um seine Begründung zu unterstreichen.
„Wenn wir uns aber trotzdem in Richtung der grünen Zitadelle begeben, sollten wir neben der lokalen Nachforschung nicht die politischen Möglichkeiten außer acht lassen, die sich bieten. Falls dort damals wirklich Vertuschung stattfand könnte uns das als Hebel dienen, um die Untersuchungen in der PVS voran zu bringen.
Der Dschungel ist wie Kruger schon erklärt hat, mit zu vielen unbekannten Risiken verbunden.
Deswegen würde ich auch davon abraten den Östlichen Zechenverband zu untersuchen. Während meines letzten Einsatzes wäre ich wohl dahin gelangt, aber die Reise wurde dann von Regierungstruppen verhindert.“
Das es sich dabei um eine Kampfmaschine handelte, wahrscheinlich vom Mechnaicus, wollte er erst einmal nicht erwähnen. Schließlich war er daran beteiligt gewesen dieses Wunderwerk der Technik zu zerstören.
„Wie im Dschungel wissen wir nicht was uns dort erwartet. Codewörter, Zusammensetzung der Bewohner, Erkennungszeichen und so weiter haben wir ja nicht soweit ich weiß.“ Cassian warf ihrem Vorgesetzten einen fragenden Blick zu. „Wir haben also das hohe Risiko, dass wir erkannt und getötet werden bevor wir nennenswerte Informationen abschicken können. Langstreckenfunk durch die Wüste dürfte wohl auch kompliziert werden bei den schwierigen Wetterverhältnissen dort.
Andererseits ist es ja aber auch ein Vorteil, dass sie so in der Wüste auf dem Präsentierteller sitzen. Es ist die selbe Situation wie in der Grünen Zitadelle vor mehreren Jahrzehnten. Das Gebiet liegt abgelegen. Wir kommen nicht leicht herein, sie aber auch nicht leicht heraus, weil wir ja wissen, dass sie dort sind. Zumindest wenn wir in Gohmor ihre lokalen Kader ausgekämmt haben, die sie mit Informationen und Verstecken versorgen. Eine Untersuchung vor Ort würde bestimmt viele nützliche Informationen zu Tage fördern, aber kann derzeit glaube ich noch nicht mit genügend Erfolgsaussichten durchgeführt werden.
Wenn die Bewohnerschaft dort aber bereits vollständig von Genräubern durchsetzt ist, haben sie ja bereits den Ort zur völligen Säuberung durch die Ordnungskräfte freigegeben. Sollte ihre Anwesenheit toleriert, aber die Assimilation noch nicht vollständig stattgefunden haben, haben sich die lokalen Bewohner ja trotzdem der Kollaboration mit dem Feind und dem Widerstand gegen den Imperator schuldig gemacht. Und die Strafe dafür ist der Tod. So oder so könnten wir dort ohne jegliche Rücksicht und falsches Mitleid vorgehen, wenn die PVS wieder auf Linie gebracht wurde.“
Name: Cassian Khline
Rasse: Mensch
Alter: 34 Standardjahre
Größe: 198cm
Zugehörigkeiten: Adeptus Arbites, Sektion 17
Aussehen: groß, breit, muskulös, schwarz-graue Haare, grüne Augen
Kleidung: Zivil: Schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, schwarze Lederjacke
Ausrüstung: Inkor-Körperpanzer, Handschuhe mit Protektoren, Block, Stift, Kabelbinder, Rucksack mit allerhand Kleinkram/Ausrüstung
Bewaffnung: “Richter” Schrotflinte Schema III, Boltpistole, Schockschlagstock, Arbitesplattenrüstung, Cybermastiff (Renold)
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Geyer hatte beiden Männern schweigend zugehört, die Hände noch immer hinter dem Rücken verschränkt.
DDuhaney und Messer hatten dem nicht viel hinzuzufügen und machten sich nicht dadurch zum Narren, dass sie es versuchten.
Als Cassian geendet hatte, nickte er langsam, ein Gestus, der eher die Bestätigung eines bereits gefassten Gedankens war als das Ergebnis einer neuen Erkenntnis. Ob er die Männer wirklich aus Interesse an ihrer Meinung gefragt hatte oder ob er sie unter das Brennglas der Beurteilung schob, blieb Spekulation.
Eure Einschätzungen decken sich in weiten Teilen mit meinen eigenen Überlegungen, sagte er schließlich. Die PVS wird ihre Säuberung erhalten, sei es von innen als heilende Verletzung, oder weil ein Wundarzt die befallenen Gliedmaßen von außen entfernen muss. Auch die Gouverneursgattin wird ihren Besuch bekommen, und es wird keine Aufwartung der Höflichkeit sein. Wir werden sie heimsuchen. Aber nicht in dieser Reihenfolge, und nicht ohne Vorbereitung.
Er sah Cassian an.
Du hast recht, wenn du sagst, dass eine geschwächte oder korrumpierte Staatsspitze mehr Schaden anrichten kann als jeder einzelne befallene Offizier. Aber gerade deshalb gehe ich nicht unvorbereitet zu Frau de Wajari. Sie hat mich kontaktiert, nicht ich sie. Das bedeutet, sie hat bereits eine Vorstellung davon, was sie von mir will – und vermutlich auch davon, was sie mir zu geben bereit ist und was nicht. Die Inquisition ist unter jenen, die sie zu kennen meinen, ein Schreckgespenst der Gewalt. Eine Institution, die mit Feuer und Schwert aus den Wolken bricht und das Potenzial hat, Welten mit Krieg zu überziehen. Mit solchen Dingen können Politiker umgehen, und sie vermeinen, sie zu ihren Zwecken formen zu können.
Gerade Koron 3 hat darin Erfahrung.
Wenn ich aber nicht mit leeren Händen erscheine, in die ich bestenfalls einen Bolter legen kann, ändert sich das Kräfteverhältnis erheblich. Dann gibt es kein Lamentieren und kein Manövrieren. Daher werden wir versuchen, genau diesen Zustand herzustellen. Die Gefangene, die du gebracht hast, Cassian, war ein guter Anfang.
Wir können davon ausgehen, dass die Gouverneursgattin ihre eigenen Agenten auf dem Spielfeld hat und zumindest über die Ereignisse der letzten Zeit im Bilde ist. Wir müssen also ältere Verstrickungen ebenso gründlich aufzeigen können wie die Entwicklungen neueren Datums. DieBeteiligung der FU sind ein guter Anfang und damit die Grüne Zitadelle. Zum einen, weil dort möglicherweise noch immer etwas schlummert, das wir neutralisieren müssen. Zum anderen, weil eine dokumentierte Vertuschung dieser Größenordnung ein Skalpell ist, mit dem sich sowohl die PVS als auch, sollte es nötig werden, die Gouverneursgattin selbst aufschneiden lassen.
Ab diesem Punkt wird nämlich die Angst vor unserer Organisation zu einer begründeten.
Geyer ließ den Blick kurz über die Versammelten gleiten.
Wir beginnen also dort. Nicht, weil der Weg der bequemste sit, sondern weil er uns Munition liefert, die wir später brauchen werden. Sollte sich zudem herausstellen, dass der ursprüngliche Nukleus noch aktiv ist, hätten wir zugleich eine der größten offenen Gefahrenquellen auf diesem Planeten neutralisiert, bevor sie uns in den Rücken fällt.
Er wandte sich an seine Assistentin. Übernimm du von hier an. Ich erwarte einen Bericht über den Stand der Dinge.
Jawohl, Herr Inquisitor.
Dann sah er noch einmal zu den vier Männer. Ich erwarte Großes von Ihnen, meine Herren.
Als sich Geyer anschickte zu gehen, ließ Kruger mit einem lauten „Achtung!" wieder alle strammstehen. Der Inquisitor warf ihnen einen letzten Blick über die Schulter zu und entschwand.
Soldaten und ihr Rumgebrülle, murmelte Elvira und wartete, bis die Versammelten sich wieder hingesetzt hatten.
Zur Logistik, sagte sie, ihre Stimme deutlich weniger feierlich als die des Inquisitors. Ich kann noch nicht zu allem etwas sagen, da die Entscheidung ja eben erst getroffen wurde. Aber natürlich habe ich mich mit einigen Details bereits im Vorfeld auseinandergesetzt.
Die Region liegt derzeit im Sommer. Ihr müsst euch also nicht auf die Kälte einstellen, die den alten Berichten aus der Belagerungszeit ihre Härte gegeben hat. Dafür werdet ihr euch mit anderen Unannehmlichkeiten herumschlagen müssen – Insekten vor allem, in Schwärmen, wie man sie sich kaum vorstellen mag, wenn man die Stadt oder die Wüste gewohnt ist. Das Gelände selbst ist unwegsam, teils stark verwachsen, teils sumpfig. Es gibt einige Straßen, auch wenn die Region seit dem Vorfall nicht mehr bewohnt ist. Rechnet mit Kletterpartien, nicht nur an der Zitadelle selbst. Außerdem mit instabilem Untergrund und Bereichen, die nur mit entsprechender Ausrüstung passierbar sind – Flussüberquerungen, Moor, Sumpf und so weiter. Ihr solltet einen Onus-Pattern mitnehmen.
Einen was?, fragte Messer dazwischen.
Achso, ja…
Es schien ihr einzufallen, dass diese Einheiten ihr zwar seit langen Jahren geläufig waren, das aber durchaus nicht für jeden gelten konnte.
Trag-Servitor, Onus-Pattern. Vierbeinig, Lastträger. Wir haben drei Onus-Servitoren auf Lager. Als Grundlage dienen meist Rinder, Zetalis, Bären oder Groxe – kräftige Vierbeiner mit breitem Becken und stämmigen Knochen eignen sich am besten als organisches Grundgerüst. Unsere drei sind Groxe gewesen. Der Adeptus Mechanicus entfernt Kopf und Wirbelsäule bis auf den Hirnstamm, ersetzt Seh- und Hörorgane durch simple Vox-Rezeptoren und pflanzt einen rudimentären kognitiven Stack ein, der gerade genug Restfunktion erlaubt, um die Balance zu halten, Hindernissen auszuweichen und Befehlen wie ‚Folgen', ‚Halt' oder ‚Abladen' zu gehorchen. Der Rücken ist zu einer flachen, gepolsterten Trageplattform umgebaut, verstärkt mit einem Skelett aus Rohrleitungen und Gurtsystemen, an dem Kisten, Munitionscontainer oder Wasserfässer festgezurrt werden. Zwei bis vier zusätzliche Servoarme – dünn, funktional, ohne jede Bewaffnung – ragen seitlich aus dem Rumpf und dienen allein dem Fixieren und Nachjustieren der Last während der Bewegung. Wo früher der Kopf war, sitzt oft nur noch ein kleiner Rangierscheinwerfer und ein Vox-Modul für knappe Bestätigungsfloskeln: ‚Last registriert. Fortbewegung eingeleitet' und so weiter. Er ist ein Lastenträger. Er kennt keine Angst, keine Ermüdung im eigentlichen Sinne und keine Initiative. Er folgt stur einer vorprogrammierten Route oder einem Führungssignal, bleibt stehen, wenn die Last verrutscht, und wartet reglos auf Korrektur. Fällt er um, versucht er mechanisch, sich aufzurichten – gelingt das nicht, verharrt er, bis ein Techpriester oder in diesem Fall ihr als Bediener eingreift. Man kann nicht viel falsch machen. Alle paar Tage muss eine Batterie gewechselt und Nährlösung nachgefüllt werden.
Ich brauche einen, vielleicht zwei Tage, um die notwendigen Transportwege zu organisieren, ohne dass es Aufmerksamkeit erregt. Ich tendiere zu einer Luftlandung, kann das aber noch nicht genau sagen – vielleicht auch über Land. Mal sehen.
Nutzt diese Zeit. Eure persönliche Bewaffnung überlasse ich eurem eigenen Urteil – ihr kennt eure Stärken besser als ich. Aber sorgt dafür, dass ihr Kletterausrüstung dabeihabet, und packt alles für die Geländeverhältnisse ein: Zelte, Moskitonetze, wetterfeste Ausrüstung, genug Verpflegung für mehrere Tage im Feld ohne Nachschub. Ihr werdet dort keine Unterstützung erwarten können, sollte etwas schiefgehen. Vielleicht kann ich im Notfall etwas zaubern, aber versprechen kann ich nichts. Ich lasse euch noch ein Essay über das Gebiet und die Route zukommen."
Damit wäre für jetzt alles gesagt, was gesagt werden muss. Ich stelle euch bis heute Abend ein Dossier über das eben gehörte und über euer Einsatzgebiet zur Verfügung. Nutzt die Zeit gut, Jungs.
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ORDO XENOS – EINSATZDOSSIER
SIGMA-PRIMUS
Nur für autorisiertes Personal
Operationsbezeichnung
Operation FACKEL
Zielgebiet: Provinz Casiov
Casiov war bis zum Jahr 172 der hiesigen Zeitrechnung die bedeutendste Militärprovinz der Föderalen Union. Rüstungsproduktion, Panzerwerke, Munitionsfabriken, Kasernen sowie umfangreiche Versorgungs- und Kommunikationsinfrastruktur bildeten das wirtschaftliche und strategische Rückgrat des damaligen Staates. Zahlreiche Trabantensiedlungen dienten der Unterbringung von Soldaten, deren Familien sowie zivilem Fachpersonal.
Mit der Vernichtung der Grünen Zitadelle und der anschließenden Einrichtung des Sperrgebietes verlor die Provinz den überwiegenden Teil ihrer Bevölkerung sowie nahezu ihre gesamte industrielle Infrastruktur.
Gegenwärtige Besiedlung: Die Provinz verfügt außerhalb des Sperrgebietes über lediglich drei größere Ortschaften.
Ostrevka: Einwohner: 12.400 / Verwaltungssitz der Provinz. / Sitz der Bergbaubehörde. / Umschlagplatz des regionalen Koltanabbaus.
Velsari: Einwohner: 7.800 / Schwerpunkt Holzwirtschaft. / Größte Sägewerksanlagen der Provinz. / Nördlichste Dauersiedlung.
Kauronn: Einwohner: 5.100 / Südlichste Stadt. / Unmittelbar an der Quarantänegrenze. / Versorgungspunkt der Grenzsicherung. / Personal überwiegend aus Bergbau und Sicherheitsdiensten.
Gesamtbevölkerung außerhalb des Sperrgebietes: ca. 30.000
Historische Anmerkung: Vor Beginn der militärischen Erschließung war Casiov Siedlungsgebiet der als Reluggen bekannten Volksgruppe. Imperiale und föderal unionistische Archive beschreiben die Reluggen als halbnomadische Wald- und Jägervölker mit geringer Bevölkerungsdichte. Im Zuge des militärischen Ausbaus wurden sie offiziell vollständig umgesiedelt. Lokale Folklore behauptet jedoch bis heute, einzelne Familienverbände oder ganze Sippen hätten sich tiefer in die Wälder zurückgezogen und dort bis heute überlebt. Eine Bestätigung hierfür existiert nicht.
Ein vollständiges Aussterben der Volksgruppe kann jedoch ebenfalls nicht nachgewiesen werden.
Die wirtschaftliche Tätigkeit beschränkt sich nahezu ausschließlich auf Holzeinschlag sowie Koltanförderung. / Beide Wirtschaftszweige erfüllen ihre Lieferverpflichtungen seit Jahren ohne erkennbare Unterbrechungen.
Eine systematische Untersuchung auf Symbiontenbefall fand bislang nicht statt.
Aufgrund:
der historischen Vorbelastung,
der geographischen Isolation,
der geringen externen Kontrolle sowie
des bekannten Ausbreitungsmusters von Genräuberkulten
ist ein Befall als wahrscheinlich einzustufen.
Lagebeurteilung
Das militärische Sperrgebiet umfasst nach aktuellen Kartierungen etwa 18.700 km².
Es besitzt annähernd die Ausdehnung eines kleineren Staates und reicht vom nördlichen Tannengürtel bis an das Casiov-Hochland.
Innerhalb des Gebietes befinden sich die Ruinen der: Grünen Zitadelle / ehemalige Kasernen / Waffenfabriken / Munitionslager / Versorgungssiedlungen / Bunkeranlagen / Flugfelder / Schienenverbindungen /unterirdische Logistiksysteme
Die vollständige Kartierung gilt seit dem Casiov-Aufstand als verloren.
Das nachfolgende Bild ist die aktuellste visuelle Aufzeichnung. Sie datiert von vor der Selbstvernichtung der Zitadelle. Die momentane Lage in dem Gebiet kann nicht visuell verifiziert werden.
Aktuelle Lage
Offiziell ist das Sperrgebiet aufgrund radioaktiver Altlasten dauerhaft gesperrt.
Nach Angaben der Föderalen Union wurden während der Zerstörung mehrere Kernreaktoren beschädigt.
Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben fand nie statt.
Ob die Strahlenbelastung tatsächlich das gesamte Sperrgebiet betrifft oder lediglich als Begründung für dessen Abriegelung dient, kann derzeit nicht beurteilt werden.
Zusätzlich Bedrohung durch andere Altlasten: kontaminierte Wasserläufe / eingestürzte Bunkeranlagen / nicht detonierte Munitionslager / automatisierte Geschütztürme / Minenfelder unbekannter Ausdehnung
Ergänzung:
Keine Funkübertragungen oberhalb der notwendigen Mindestdauer. (3 Minuten mit Zerhacker) / Jede längere Aussendung erhöht das Risiko einer Ortung.
Mitzuführende Ausrüstung: Hyperfunkgerät Typ HX-9 / Bildaufzeichnungstechnik und Audioprotokollierung / Dosimeter / Chemischer Feldtester / Atemfilter / Tarnmittel / Sprengmittel für Tunnelversiegelungen / Minenspührer
Infiltration
Anlandung
Die Anlandung erfolgt im Maramor-Korridor / Dabei handelt es sich um einen rund fünfzehn Kilometer breiten Waldgürtel entlang der südöstlichen Sperrgebietsgrenze. / Das Gebiet wird aufgrund schwieriger Topographie nur unregelmäßig überwacht. / Durch Einflussnahme des Ordo Xenos werden dort zusätzlich Überwachungsmaßnahmen reduziert. / Nach der Landung erfolgt Marschbewegung nach Norden. / Geplante Marschdauer bis zur Grünen Zitadelle: 72 Stunden.
Evakuierung
Reguläre Aufnahme ausschließlich nach Anforderung per Funk. / Alternativ: Sammelpunkt Alpha 24 Stunden nach Missionsabbruch. / Sammelpunkt Beta 48 Stunden nach Missionsabbruch. / Sollte bis Ablauf dieser Fristen kein Kontakt hergestellt werden können, gilt der Einsatzverband als vermisst. / Eine automatische Bergungsoperation erfolgt nicht.
Gedanke des Tages: "Wo Wissen fehlt, wächst der Feind."
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