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		<title><![CDATA[Koron III - Kurzgeschichten ]]></title>
		<link>https://koron3.de/</link>
		<description><![CDATA[Koron III - https://koron3.de]]></description>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 12:50:20 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Eine Battletech Kurzgeschichte]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=1033</link>
			<pubDate>Sun, 11 Nov 2018 20:03:53 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=3"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=1033</guid>
			<description><![CDATA[Es mag überirdisches Wollen oder evolutionäres Verwehren sein, doch der Mensch, so bin ich überzeugt, wird niemals befähigt sein göttliche Größe zu erlangen. Wohl aber hat die Zeit ihm die Mittel an die Hand gegeben seine eigenen Götter und Götzen zu erschaffen. Das dies Götter des Krieges sind belegt das angenommene Unvermögen zur wahren Größe. Ich sah zwei dieser menschengemachte Überwesen mit eigenen Augen, als ich etwa 10 Jahre alt war und auch wenn ich heute als alter Mann die rationalen und technischen Hintergründe dieser Begegnung zu verstehen vorgebe, bleibt dies in meiner Erinnerung doch eine Erscheinung der übernatürlichen Art.<br />
Vergessen stand ich auf dem verödeten Marktplatz meiner Heimatgemeinde. Der Name dieses Ortes, wie auch die Welt auf der er lag, kann getrost verschwiegen werden, dürfte doch ohnehin niemand heute noch etwas damit anfangen können. Nichtbedeutung waren bieder Farben, allgemeines Desinteresse ihr Wappentier. Über diesen schützenden Mantel des Übersehenwerdens beschwerten sich viele Ansässige in Zeiten des Friedens. Als er ihnen jedoch weggerissen wurde und die kalten Blicke der Mächtigen, die nur in Ressourcen und strategischen Vorteilen denken, auf das kleine Städtchen fiel, da half weder Jammern noch Bereuen. <br />
Die Avatare des Unterganges kamen und auf ihren stählernen Häuten waren Zeichen von Fraktionen tätowiert, von denen man uns sagte, diese sind eure Feinde und jene sind eure Beschützer. Wir aber hatten von den Feinden nie gehört und von unseren Beschützern nur wages Reden vernommen. <br />
Die Geschichte wie ich während der Evakuierung des kleinen Kosmos, den ich Heimat nannte, vergessen und zurückgelassen wurde ist vielleicht des Erzählens wert, doch ich will es vorerst auf ein andermal vertagen. Für das zu Berichtende reicht es zu wissen, dass ich allein in Person und im Herzen nahe des Marktes stand und versuchte die Welt zu verstehen, die sich im Laut eines geschnippten Fingers so radikal gewandelt hatte. Während dieser schluchzenden Bemühung schritten die Duellanten auf den Platz. Einer kam die Bäckergasse emporgestapft und seine Schritte hinterließen tiefe Dellen in dem altehrwürdigen Kopfsteinpflaster. Die Farbe dieses Polyphem war die ungelöschten Kalks, marmorierend bearbeitet von Alter, überstandenen Kämpfen und ungeahnten Welten mit ihren klimatischen Unvorstellbarkeiten. Der langgezogene Schädel gemahnte auf sonderbare Weise an den eines skelettierten Pferdes und wie er so halslos zwischen den Schultern saß, verlieh er dem Mechanischen etwas Linkisches und Verstohlenes. Als wäre nicht jedes Gramm dieser tonnenschweren Mordmaschine schon Bedrohung, umklammerte seine Rechte ein Beil, dass dazu angehalten schien das Weltenrund selbst zu spalten. Unter jedem Schritt dieses Riesen gab die Glocke des nahen Kirchturms ein verhaltendes, fast wimmerndes Klingen von sich, als ahnte sie den Schrecken voraus, der hier loszubrechen anberaumt war. Von der anderen Seite, aus Richtung des Pfaffenweges, auf dem mich mein Großvater dann und wann den beladenden Rübenkarren hatte lenken lassen, kam sein Kontrahent. Der hier hatte die Farbe von Sand, der zu lange keinen Regen erlebt hatte und braune Schlieren ergaben ein Muster, welches wohl der Tarnung dienen sollte. Als hätte irgendjemand diese Giganten verstecken können. Um die Absurdität dieses Versuches zu krönen, war der Kam auf dem kastenförmigen Kopf des Ungetüms in strahlendem Rot gehalten. Von beiden Mordgestalten ging ein Geruch nach heißem Metall, gekochtem Öl und chemischer Alchemistenküche aus. Sie surrten und zischten, die Luft über ihren Leibern flimmerte von der, wie mein Kindesverstand überzeugt war, Höllenglut die beide beseelte. Ich duckte mich hinter den Sockel einer Mauer, als ob mich kleine Amöbe dies vor den Augen der Monstren verborgen oder vor ihren Untergangswaffen geschützt hätte. Die beiden Götter hielten inne, drehten die Oberkörper einander zu und schienen Maß zunehmen. <br />
Der Andeutung von humanem Aussehen spottend, war die Rechte des rot behäupteten Titanen gleich eine einzige Waffe, deren gähnende Mündung mir finster wie ein Brunnenschacht schien und unvermittelt ihres einzigen Daseinszwecks zugeführt wurde. Der folgende Donnerschlag hüllte mir die Klänge für den Rest des Erlebten in dumpfe Watte und steigerte noch den Eindruck Zeuge eines Nachtmahrs zu werden. Gleichviel, der erste Schuss dieses Streitens ging fehl und sprengte ein Wagen großes Loch in den Kirchturm, der mir bis dato ein unterbewusstes Symbol der Unvergänglichkeit gewesen war. <br />
Der Axtträger antwortete auf diese Eröffnung mit mehr Präzision und entfesselte seinerseits einen brüllenden Schuss, begleitet von glühenden Lichtlanzen. Was den Kirchturm so mühelos durchschlagen hatte ließ metallenes Fleisch von der Schulter des Kamträgers spitzen und verflüssigt in Bächen herabschmelzen. Der Getroffene taumelte rückwärts und schmetterte in das stolze Gebäude der Ratsbörse. Dieses knirschte und ächzte in seinen Grundfesten, hielt dem Ansturm jedoch trotzig Stand. Sich mühsam wiederaufrichtend und dabei mehr Steine aus der Fassade reißend und Fenster bersten lassend, sprangen in der Brust des angeschlagenen Titanen Klappen wie Springteufel auf. Ich war davon überzeugt er wolle wie Kapitän  Ahab sein feuriges Herz auf den weißen Widersacher abschießen und dieser, in ihm brodelnde Hass sollte den Bruder des Leviathans versengen und verschlingen. Ein Schwarm fauchender Insekten entrang sich der so geöffneten Eisenbrust und zischte auf den Axtträger los. Schon während des Flugs bissen diese Schwärmer nacheinander und einige explodierten, andere verloren das Ziel aus den Augen und richteten mehr Zerstörung in der Wiege meiner Kindheit an. Die die trafen, erblühten wie Rosen, die graue Krater nach dem Welken zurückließen. <br />
Solch Entgegnung erfüllte den weißen Axtträger augenscheinlich mit Zorn, denn auf brüllender Höllenflamme erhob er sich in die Lüfte, seinen Feind nun endlich auf Armeslänge zu zerreißen. Das schreiende Licht und die Hitze entfesselter Sonnen brandete über mich hinweg, riss mir den Atem aus den Lungen und sengte mir Augenbrauen und Kopfhaut an. Heute denke ich, dass ich mein Augenlicht nur dem Umstand verdanke, dass es mir durch den zufälligen Winkel meines Blickes unmöglich war die Quelle jener Kraft zu sehen, die einen solchen Götzen aus Metall und Zerstörungswillen die Möglichkeit gibt der Erdgebundenheit zu entsagen. Der sauber geharkte Sand des Bürgersteigs neben der Bäckergasse wurde zu Glas, der Rand des pfarrhäuslichen Gartens, mit seiner penetranten Hecke verging zu Asche. Die Kirchbäume, nach dem häufigen Beschwören des Gottesmannes noch aus der Gründerzeit, loderten auf wie angerissene Schwefelhölzer. <br />
All das schien den kurz Gestrauchelten wenig zu beeindrucken, denn er hob den Waffenarm und sandte seine Antwort wider des anspringenden Feindesmuts. Der Schuss saß in der Körpermitte des Axtträgers und fetzte funkensprühende Ummantelung davon. Fällte ihn nicht, brachte ihn gleichwohl soweit von seiner Flugbahn ab, dass die andernfalls tödliche Axt nicht das endgültige Fanal wurde. Gleichwohl schmetterten beide Kontrahenten ineinander und so man Hoffnung hätte hegen können, dass die Ratsbörse durch Restauration dereinst das Geschehene vergessen mochte, machte dieses Zusammenprallen solches Wollen zunichte. <br />
In Schutt und Inneneinrichtung brach das Haus zusammen und während mich die Wolke des Staubes überrollte verkamen die Kämpfenden zu Silhouetten. Erhellt vom Stroboskoplicht ihre, aus nächster Nähe abgefeuerten Waffen und kommentiert vom Fauchen, Krachen und Kreischen zweier ringender Idole des Krieges. Der Schleier riss auf und ich sah den Nahkämpfer erneut sein Beil schwingen und dieses Mal blieb dem anderen nur den Arm hochzureißen und den Hieb durch einen eingesteckten Treffer in die Extremität abzufangen. Die Waffe verkeilte sich im aufgerissenen Arm des anderen. Schwarzes und blaues Kühlmittelblut spritzte als wäre hier tatsächlich eine Arterie zerfetzt wurden. Der so Verstümmelte brachte die Rechte hoch um die angeschlagene Mitte seines Feindes aus nächster Nähe zu attackieren. Doch wie ein Ringer packte der andere mit der freien Hand die Symbiose aus Arm und Kanone und drückte sie zur Seite. Welche titanischen Kräfte mussten sich da miteinander messen? <br />
Zur Tödlichkeit zweckentfremdetes Licht wurde zwischen ihnen ausgetauscht und schnitt weitere Brechen in die Körper. Schließlich rammte der Kamträger seinen Widersacher mit dem Kopf, wie es ein Barraufbold oder ein Rummelplatzboxer vielleicht getan hätte, um aus einer derartigen Umklammerung zu entkommen. Es gelang, denn der inzwischen keineswegs mehr weiße Streiter strauchelte rückwärts, wie benommen. Seine Nahkampfwaffe gab er dabei jedoch nicht Preis und die Befreiung kam für seinen Gegner zum Preis des eigenen Armes. Denn der riss an der Stelle ab, wo die Axt getroffen hatte. Beide gaben fast gleichzeitig jeweils einen Schuss aus ihren schweren Geschützen ab. Der eine aus der Brust, der andere mit dem ausgestreckten, verbleibenden Arm. Der Axtträger wurde am Bein getroffen und was er dort noch an Panzerung hatte wurde abgeschält. Was blieb war eine dürre Konstruktion, die das Gewicht dieser Maschine unmöglich halten zu können schien und an eine brachiale Verletzung gemahnte, die das Knochengerüst frei sichtbar ließ. Tatsächlich knickte er ein, versuchte sich an einem Mauerrest der Börse abzustützen, deren Halt jedoch illusorisch war und prompt zusammenstürzte. <br />
Der Axtträger ging in die Knie. <br />
Doch auch sein Schuss hatte aus solcher Nähe nicht fehl gehen können. In der Brust des Beschossenen klaffte ein Loch, im welchen erst kleinere Explosionen tobten und aus dem sich dann eine ölig schwarze Rauchsäule gen Himmel schlängelte. Die mechanische Gestalt durchzuckte es wie bei einer Spastik und so dies die Gelegenheit gewesen wäre seinen knienden Todfeind zu zerschmettern, trat er mit ruckartigen Bewegungen den Rückzug an. Nachdem er einige Meter gemacht hatte, feuerte er auf den anderen aus seinem Rücken heraus. Selbst in der Flucht waren diese Ungeheuer noch befähigt rittlings Verderben zu speien. <br />
Die Schüsse gingen gleichwohl fehl oder genügten nicht das Begonnene zu beenden. <br />
Der Axtkämpfer mühte sich derweil auf die so dünn wirkenden Überreste seines Beines zu kommen. Auch er schien nicht erpicht darauf oder auch nur befähigt dem Feind nachzusetzen Er hinkte in die Richtung aus der er gekommen war. <br />
Dieses Aufeinandertreffen hatte vielleicht zwei Minuten gedauert und es hatte den Kern unserer kleinen Gemeinde verwüstet. Direkt durch die Treffer und indirekt durch die Feuer, die nun allerorten loderten. Ich habe nie herausgefunden ob das Zusammentreffen der Krieger ein Zufall war oder warum sie den Kampf abbrachen, wo doch beide an der Schwelle dazu standen den jeweils anderen niederzustrecken. <br />
<br />
Ich bin heute ein alter Mann und inzwischen weiß ich natürlich was ein Mech ist und dass Menschen diesen Golems mit ihrem Hass Leben einhauchen. Solches Wissen hat jedoch für mich nie die alptraumhafte Surrealität des damals Erlebten geschmälert. <br />
Ich verlor meine Heimat und den kindlichen Blick auf die Welt. Bestenfalls noch ein Trost, dass meine bangenden Eltern den einzigen Sohn nicht einbüßten. In den Wirren der Evakuierung wurden wir wiedervereint. Die Welt meiner Geburt sah ich jedoch nie wieder.  <br />
<br />
All das ist nun über sechzig Jahre her, ohne dass sich etwas daran geändert hätte, dass das Universum im Rot vergossenen Blutes und brennender Städte eingefärbt wird. Denn der Mensch ist zu seiner eigenen Verdammung nur fähig Götter des Krieges zu schaffen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Es mag überirdisches Wollen oder evolutionäres Verwehren sein, doch der Mensch, so bin ich überzeugt, wird niemals befähigt sein göttliche Größe zu erlangen. Wohl aber hat die Zeit ihm die Mittel an die Hand gegeben seine eigenen Götter und Götzen zu erschaffen. Das dies Götter des Krieges sind belegt das angenommene Unvermögen zur wahren Größe. Ich sah zwei dieser menschengemachte Überwesen mit eigenen Augen, als ich etwa 10 Jahre alt war und auch wenn ich heute als alter Mann die rationalen und technischen Hintergründe dieser Begegnung zu verstehen vorgebe, bleibt dies in meiner Erinnerung doch eine Erscheinung der übernatürlichen Art.<br />
Vergessen stand ich auf dem verödeten Marktplatz meiner Heimatgemeinde. Der Name dieses Ortes, wie auch die Welt auf der er lag, kann getrost verschwiegen werden, dürfte doch ohnehin niemand heute noch etwas damit anfangen können. Nichtbedeutung waren bieder Farben, allgemeines Desinteresse ihr Wappentier. Über diesen schützenden Mantel des Übersehenwerdens beschwerten sich viele Ansässige in Zeiten des Friedens. Als er ihnen jedoch weggerissen wurde und die kalten Blicke der Mächtigen, die nur in Ressourcen und strategischen Vorteilen denken, auf das kleine Städtchen fiel, da half weder Jammern noch Bereuen. <br />
Die Avatare des Unterganges kamen und auf ihren stählernen Häuten waren Zeichen von Fraktionen tätowiert, von denen man uns sagte, diese sind eure Feinde und jene sind eure Beschützer. Wir aber hatten von den Feinden nie gehört und von unseren Beschützern nur wages Reden vernommen. <br />
Die Geschichte wie ich während der Evakuierung des kleinen Kosmos, den ich Heimat nannte, vergessen und zurückgelassen wurde ist vielleicht des Erzählens wert, doch ich will es vorerst auf ein andermal vertagen. Für das zu Berichtende reicht es zu wissen, dass ich allein in Person und im Herzen nahe des Marktes stand und versuchte die Welt zu verstehen, die sich im Laut eines geschnippten Fingers so radikal gewandelt hatte. Während dieser schluchzenden Bemühung schritten die Duellanten auf den Platz. Einer kam die Bäckergasse emporgestapft und seine Schritte hinterließen tiefe Dellen in dem altehrwürdigen Kopfsteinpflaster. Die Farbe dieses Polyphem war die ungelöschten Kalks, marmorierend bearbeitet von Alter, überstandenen Kämpfen und ungeahnten Welten mit ihren klimatischen Unvorstellbarkeiten. Der langgezogene Schädel gemahnte auf sonderbare Weise an den eines skelettierten Pferdes und wie er so halslos zwischen den Schultern saß, verlieh er dem Mechanischen etwas Linkisches und Verstohlenes. Als wäre nicht jedes Gramm dieser tonnenschweren Mordmaschine schon Bedrohung, umklammerte seine Rechte ein Beil, dass dazu angehalten schien das Weltenrund selbst zu spalten. Unter jedem Schritt dieses Riesen gab die Glocke des nahen Kirchturms ein verhaltendes, fast wimmerndes Klingen von sich, als ahnte sie den Schrecken voraus, der hier loszubrechen anberaumt war. Von der anderen Seite, aus Richtung des Pfaffenweges, auf dem mich mein Großvater dann und wann den beladenden Rübenkarren hatte lenken lassen, kam sein Kontrahent. Der hier hatte die Farbe von Sand, der zu lange keinen Regen erlebt hatte und braune Schlieren ergaben ein Muster, welches wohl der Tarnung dienen sollte. Als hätte irgendjemand diese Giganten verstecken können. Um die Absurdität dieses Versuches zu krönen, war der Kam auf dem kastenförmigen Kopf des Ungetüms in strahlendem Rot gehalten. Von beiden Mordgestalten ging ein Geruch nach heißem Metall, gekochtem Öl und chemischer Alchemistenküche aus. Sie surrten und zischten, die Luft über ihren Leibern flimmerte von der, wie mein Kindesverstand überzeugt war, Höllenglut die beide beseelte. Ich duckte mich hinter den Sockel einer Mauer, als ob mich kleine Amöbe dies vor den Augen der Monstren verborgen oder vor ihren Untergangswaffen geschützt hätte. Die beiden Götter hielten inne, drehten die Oberkörper einander zu und schienen Maß zunehmen. <br />
Der Andeutung von humanem Aussehen spottend, war die Rechte des rot behäupteten Titanen gleich eine einzige Waffe, deren gähnende Mündung mir finster wie ein Brunnenschacht schien und unvermittelt ihres einzigen Daseinszwecks zugeführt wurde. Der folgende Donnerschlag hüllte mir die Klänge für den Rest des Erlebten in dumpfe Watte und steigerte noch den Eindruck Zeuge eines Nachtmahrs zu werden. Gleichviel, der erste Schuss dieses Streitens ging fehl und sprengte ein Wagen großes Loch in den Kirchturm, der mir bis dato ein unterbewusstes Symbol der Unvergänglichkeit gewesen war. <br />
Der Axtträger antwortete auf diese Eröffnung mit mehr Präzision und entfesselte seinerseits einen brüllenden Schuss, begleitet von glühenden Lichtlanzen. Was den Kirchturm so mühelos durchschlagen hatte ließ metallenes Fleisch von der Schulter des Kamträgers spitzen und verflüssigt in Bächen herabschmelzen. Der Getroffene taumelte rückwärts und schmetterte in das stolze Gebäude der Ratsbörse. Dieses knirschte und ächzte in seinen Grundfesten, hielt dem Ansturm jedoch trotzig Stand. Sich mühsam wiederaufrichtend und dabei mehr Steine aus der Fassade reißend und Fenster bersten lassend, sprangen in der Brust des angeschlagenen Titanen Klappen wie Springteufel auf. Ich war davon überzeugt er wolle wie Kapitän  Ahab sein feuriges Herz auf den weißen Widersacher abschießen und dieser, in ihm brodelnde Hass sollte den Bruder des Leviathans versengen und verschlingen. Ein Schwarm fauchender Insekten entrang sich der so geöffneten Eisenbrust und zischte auf den Axtträger los. Schon während des Flugs bissen diese Schwärmer nacheinander und einige explodierten, andere verloren das Ziel aus den Augen und richteten mehr Zerstörung in der Wiege meiner Kindheit an. Die die trafen, erblühten wie Rosen, die graue Krater nach dem Welken zurückließen. <br />
Solch Entgegnung erfüllte den weißen Axtträger augenscheinlich mit Zorn, denn auf brüllender Höllenflamme erhob er sich in die Lüfte, seinen Feind nun endlich auf Armeslänge zu zerreißen. Das schreiende Licht und die Hitze entfesselter Sonnen brandete über mich hinweg, riss mir den Atem aus den Lungen und sengte mir Augenbrauen und Kopfhaut an. Heute denke ich, dass ich mein Augenlicht nur dem Umstand verdanke, dass es mir durch den zufälligen Winkel meines Blickes unmöglich war die Quelle jener Kraft zu sehen, die einen solchen Götzen aus Metall und Zerstörungswillen die Möglichkeit gibt der Erdgebundenheit zu entsagen. Der sauber geharkte Sand des Bürgersteigs neben der Bäckergasse wurde zu Glas, der Rand des pfarrhäuslichen Gartens, mit seiner penetranten Hecke verging zu Asche. Die Kirchbäume, nach dem häufigen Beschwören des Gottesmannes noch aus der Gründerzeit, loderten auf wie angerissene Schwefelhölzer. <br />
All das schien den kurz Gestrauchelten wenig zu beeindrucken, denn er hob den Waffenarm und sandte seine Antwort wider des anspringenden Feindesmuts. Der Schuss saß in der Körpermitte des Axtträgers und fetzte funkensprühende Ummantelung davon. Fällte ihn nicht, brachte ihn gleichwohl soweit von seiner Flugbahn ab, dass die andernfalls tödliche Axt nicht das endgültige Fanal wurde. Gleichwohl schmetterten beide Kontrahenten ineinander und so man Hoffnung hätte hegen können, dass die Ratsbörse durch Restauration dereinst das Geschehene vergessen mochte, machte dieses Zusammenprallen solches Wollen zunichte. <br />
In Schutt und Inneneinrichtung brach das Haus zusammen und während mich die Wolke des Staubes überrollte verkamen die Kämpfenden zu Silhouetten. Erhellt vom Stroboskoplicht ihre, aus nächster Nähe abgefeuerten Waffen und kommentiert vom Fauchen, Krachen und Kreischen zweier ringender Idole des Krieges. Der Schleier riss auf und ich sah den Nahkämpfer erneut sein Beil schwingen und dieses Mal blieb dem anderen nur den Arm hochzureißen und den Hieb durch einen eingesteckten Treffer in die Extremität abzufangen. Die Waffe verkeilte sich im aufgerissenen Arm des anderen. Schwarzes und blaues Kühlmittelblut spritzte als wäre hier tatsächlich eine Arterie zerfetzt wurden. Der so Verstümmelte brachte die Rechte hoch um die angeschlagene Mitte seines Feindes aus nächster Nähe zu attackieren. Doch wie ein Ringer packte der andere mit der freien Hand die Symbiose aus Arm und Kanone und drückte sie zur Seite. Welche titanischen Kräfte mussten sich da miteinander messen? <br />
Zur Tödlichkeit zweckentfremdetes Licht wurde zwischen ihnen ausgetauscht und schnitt weitere Brechen in die Körper. Schließlich rammte der Kamträger seinen Widersacher mit dem Kopf, wie es ein Barraufbold oder ein Rummelplatzboxer vielleicht getan hätte, um aus einer derartigen Umklammerung zu entkommen. Es gelang, denn der inzwischen keineswegs mehr weiße Streiter strauchelte rückwärts, wie benommen. Seine Nahkampfwaffe gab er dabei jedoch nicht Preis und die Befreiung kam für seinen Gegner zum Preis des eigenen Armes. Denn der riss an der Stelle ab, wo die Axt getroffen hatte. Beide gaben fast gleichzeitig jeweils einen Schuss aus ihren schweren Geschützen ab. Der eine aus der Brust, der andere mit dem ausgestreckten, verbleibenden Arm. Der Axtträger wurde am Bein getroffen und was er dort noch an Panzerung hatte wurde abgeschält. Was blieb war eine dürre Konstruktion, die das Gewicht dieser Maschine unmöglich halten zu können schien und an eine brachiale Verletzung gemahnte, die das Knochengerüst frei sichtbar ließ. Tatsächlich knickte er ein, versuchte sich an einem Mauerrest der Börse abzustützen, deren Halt jedoch illusorisch war und prompt zusammenstürzte. <br />
Der Axtträger ging in die Knie. <br />
Doch auch sein Schuss hatte aus solcher Nähe nicht fehl gehen können. In der Brust des Beschossenen klaffte ein Loch, im welchen erst kleinere Explosionen tobten und aus dem sich dann eine ölig schwarze Rauchsäule gen Himmel schlängelte. Die mechanische Gestalt durchzuckte es wie bei einer Spastik und so dies die Gelegenheit gewesen wäre seinen knienden Todfeind zu zerschmettern, trat er mit ruckartigen Bewegungen den Rückzug an. Nachdem er einige Meter gemacht hatte, feuerte er auf den anderen aus seinem Rücken heraus. Selbst in der Flucht waren diese Ungeheuer noch befähigt rittlings Verderben zu speien. <br />
Die Schüsse gingen gleichwohl fehl oder genügten nicht das Begonnene zu beenden. <br />
Der Axtkämpfer mühte sich derweil auf die so dünn wirkenden Überreste seines Beines zu kommen. Auch er schien nicht erpicht darauf oder auch nur befähigt dem Feind nachzusetzen Er hinkte in die Richtung aus der er gekommen war. <br />
Dieses Aufeinandertreffen hatte vielleicht zwei Minuten gedauert und es hatte den Kern unserer kleinen Gemeinde verwüstet. Direkt durch die Treffer und indirekt durch die Feuer, die nun allerorten loderten. Ich habe nie herausgefunden ob das Zusammentreffen der Krieger ein Zufall war oder warum sie den Kampf abbrachen, wo doch beide an der Schwelle dazu standen den jeweils anderen niederzustrecken. <br />
<br />
Ich bin heute ein alter Mann und inzwischen weiß ich natürlich was ein Mech ist und dass Menschen diesen Golems mit ihrem Hass Leben einhauchen. Solches Wissen hat jedoch für mich nie die alptraumhafte Surrealität des damals Erlebten geschmälert. <br />
Ich verlor meine Heimat und den kindlichen Blick auf die Welt. Bestenfalls noch ein Trost, dass meine bangenden Eltern den einzigen Sohn nicht einbüßten. In den Wirren der Evakuierung wurden wir wiedervereint. Die Welt meiner Geburt sah ich jedoch nie wieder.  <br />
<br />
All das ist nun über sechzig Jahre her, ohne dass sich etwas daran geändert hätte, dass das Universum im Rot vergossenen Blutes und brennender Städte eingefärbt wird. Denn der Mensch ist zu seiner eigenen Verdammung nur fähig Götter des Krieges zu schaffen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Societas Angelorum pugnantium pro Imperatorem divinum]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=1002</link>
			<pubDate>Wed, 09 Nov 2016 22:45:03 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=66"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=1002</guid>
			<description><![CDATA[Societas Angelorum pugnantium pro Imperatorem divinum<br />
<br />
<br />
Die Glaubensgemeinschaft der Angeli Pugnantes hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ihren Ursprung kann sie bis in das M.38 zurückverfolgen, als sie auf der heutigen Schreinwelt Ferrata gegründet wurde. Anlass der Gründung war das Auftauchen eines jungen Mädchens mit dem Namen Phellaniel, die im Laufe einer Invasion von Orks auf Ferrata im Koprion-System die Aufmerksamkeit der Ekklesiarchie auf sich zog. Phallaniel, begünstigte des göttlichen Imperators und lebendes Artefakt der Ekklesiarchie, besaß die seltene Gabe Angriffe und Manöver der abscheulichen Kreaturen vorherzusehen, was sich in den langen und blutigen Kämpfen um das System schlussendlich als entscheidendes und siegbringendes Element herauskristallisierte.<br />
<br />
Nachdem 881 M.38 der Waaagh aus dem System vertrieben wurde, begann der Wiederaufbau des Systems. Auf der Heimatwelt Phellaniels, auf Ferrata, wurde eine gewaltige Klosterfestung errichtet, in der sich zunächst der Sororitasorden der Schwestern vom blutigen Schwert niederließ, die die Aufgabe übernahmen, auf das wertvollste Gut des Systems Acht zu geben: auf Phellaniel. Bereits wenige Jahre später zog erneut Krieg über das noch nicht wieder vollständig hergestellte System: Chaoskulte hatten auf den äußeren Planeten des Systems eine Reihe von Aufständen angezettelt. Das gleichzeitige Auftauchen einer Reihe von Chaos – Korsaren, Gefolgsleute des Tzeentch-Champions Traknur’esh, lenkte die Aufmerksamkeit der Inquisition auf diesen Sektor. Auch wenn sich herausstellte, dass es sich nicht um einen gezielten und geplanten Chaosangriff handelte, sondern lediglich dazu diente Seelen für die dunklen Götter zu sammeln, so hatten die wiederholten Angriffe der Korsaren doch weitreichende Konsequenzen: Trotz der hartnäckigen und couragierten Gegenwehr der imperialen Armee, der planetaren Verteidigungsstreitmächte und nicht zuletzt der Schwestern des Adeptus Sororitas geschah das unfassbare. Bei einem Angriff auf Ferrata selbst und einem ausgedehnten Orbitalbombardement verschwand die Ordensfestung der Schwesternschaft in einer gewaltigen Explosion vom Angesicht des Planeten – und mit ihr Verschwand Phellaniel.<br />
<br />
Bis heute konnten Ekklesiarchie und Inquisition nicht klären, ob verdorbene Warpmagie bei der Vernichtung des Stützpunktes des Ordens mitwirkte. Nach diesem herben Verlust kämpften die Verbände der Ekklesiarchie mit unglaublichem Haß auf alles, was sich ihrer Meinung nach nicht unter dem Schutz des göttlichen Imperators stand. Das Ergebnis war zwar die Niederschlagung der Aufstände, aber auch die Deziemierung der Bevölkerung und der Verbände der loyalen Truppen des Imperiums um teilweise bis zu 80 Prozent. Am Ende stand das Imperium und mit ihm die Ekklesiarchie vor einem Trümmerhaufen: Das Koprion-System sank noch tiefer in die Bedeutungslosigkeit, als es vorher in ihr begraben gewesen war, denn die Administrative existierte nicht mehr, die Infrastruktur war durch die Kultisten und die anschließenden Purgatus-Operationen der Schwestern nur noch ein Schatten ihrer selbst, die Verbände der Imperialen Armee, einstmals stolze Regimenter, und die Reste der PVS, bildeten zusammen nur noch einige Bataillone. Der Orden der Schwerstern vom blutigen Schwert existierte nur noch auf dem Papier, da kaum mehr als 300 Schwestern aller Art überlebt hatten – unter ihnen die Principalis.<br />
<br />
Eben diese Principalis übernahm in dieser Zeit der Prüfungen durch den Imperator den Befehl über all das, was noch vom System übrig war. Aus dem wenigen was geblieben war schuf sie ein Kollektiv im Namen des Imperators und nach etwa 10 Jahren konnte das System erstmals autark und ohne Hilfslieferungen der benachbarten Systeme überleben. In die gleiche Zeit fielen Sichtungen eines merkwürdigen Engels. Diese zuerst einzeln, dann immer häufiger werdenden zogen die Aufmerksamkeit der beiden verbliebenen Inquisitoren, Diana von Falkenhof und Tiara Corado auf sich. Im Folgenden Jahr, in dem sich unter den verbliebenen und von den verbliebenen Schwestern als „rein“ befundenen Bürgern des Systems Sekten bildeten, die in den Erscheinungen des Engels einen Boten des Imperators sahen, nahm die Häufigkeit des Auftauchens der Gestalt immer weiter zu, ohne dass eine der Inquisitorinnen einen Erfolg bei der Ergründung der Herkunft zu vermelden hatte.<br />
<br />
902 M.38 erschien dann die Gestallt in der neuen Hauptstadt vor Principalis Lilith Anariel. Das Erstaunen der Principalis kannte kaum Grenzen, als sie in jener Nacht ihre tot geglaubte Schwester Phellaniel erkannte. Niederkniend empfing die Kommandierende des Ordens die Nachricht der Märtyrerin – und damit die Worte des Imperators höchst-selbst. Obwohl die Ereignisse und die Worte dieser Nacht nie aufgezeichnet wurden, wurde dieses Geschehnis zum zentralen Bestandteil des Ordens. Anariel formte in den folgenden Jahren den Orden um. Aus dem Orden des blutigen Schwertes wurde von nun an der Orden der für den Göttlichen Imperator kämpfenden Engel – und aus Ferrata wurde eine Schreinwelt mit einer Festung des Ordens zu Ehren der Heiligen Phellaniel. Der Großteil des Ordens jedoch begann einen Kreuzzug gegen das Böse, einen Kreuzzug gegen Tzeentch, einen Kreuzzug aber vor allem gegen die Geißel Ferratas, gegen den Korsaren Traknur’esh, der in das Auge des Schreckens entkommen konnte. Diese Suche führt der Orden bis heute fort, getrieben vom heiligen Hass auf das Unreine und unterstützt durch seine in Zeiten der höchsten Bedrängnis immer wieder auftauchende Patronin und Beschützerin, Phellaniel. An eben diese Beschützerin, die noch im Tode dem Chaos widerstand, erinnert der Schlachtruf der Angeli Pugnantes: "Sic itur ad astra!"<br />
<br />
Der Wahlspruch der Kämpfenden Engel, „Res Gestae, non verbae, linguam angelorum sunt!“ zeugt vom dem unbeugsamen Hass und der unendlichen Hingabe der Schwestern – aber er zeugt auch von der Handlungsweise des Ordens. Zwar brachte ihnen ihr bedingungsloser Einsatz für das Imperium und den Imperator viel Ehre ein – aber ihr Mangel an diplomatischen Geschick, ihre Weigerung sich in ein militärisches System eingliedern zu lassen und ihre Purgatus-Expeditionen im Anschluss an militärische Erfolge lassen sie zu geduldeten, aber nicht erwünschten Streitkräften Terras werden.<br />
<br />
Von Zeit zu Zeit kehren die Kämpfenden Engel zurück nach Ferrata um ihre Reihen aufzufüllen und um der Zeit der Mühsal und der Schicksalsschläge zu gedenken – doch nie bleiben sie länger als einen Monat auf ihrer Heimatwelt, bevor sie sich an Bord der wenigen Schiffe des Ordens wieder aufmachen um ihre Rache zu nehmen oder ihr Verhängnis zu finden…<br />
<br />
<br />
1. "Erinnerungen" - Lilith Anariel<br />
<br />
<br />
Principalis Anariel blickte über die vor ihr liegende Stadt. Ruinen und Rauchsäulen bestimmten das Bild der einstmals so stolzen Metropole Pithaecusai. Bevor vor drei Wochen der Ketzeraufstand auch das Zentrum der imperialen Herrschaft über Gojina erreicht hatte, war diese Stadt ein Meisterwerk gewesen. Die Tempel der Ekklesiarchie hatten sich majestätisch über Parkanlagen, Kontoren und wunderschönen Hab-Blocks erhoben. Diese Zeit war vorbei. Der vor ihr liegende Trümmerhaufen war wenig mehr als eine Steinwüste, in der sich die verbliebenen Verteidiger, die loyal zum Imperator standen, verschanzten. Hoffnungslosigkeit lag wie ein schwarzer Schleier über dem Planeten. Gesenkte Köpfe der imperialen Armee und scheue Blicke verzweifelter Zivilisten hatten die Kämpfenden Engel empfangen, als sie am Vortag auf dem Planeten gelandet waren. Anariel ließ ihren Blick zum Horizont wandern, wo das Blitzen von Mündungsfeuer die feindlichen Artilleriestellungen erkennen ließ. Im Vorfeld lagerte das, was einstmals treue Gefolgsleute des Goldenen Throns waren. Ganze Regimenter der PVS waren in den Anfangstagen zum Rebellenabschaum übergelaufen. Geschichten über grausam mutierte Menschen, die kaum noch als solche zu erkennen waren, und ihre widerlichen Schandtaten kursierten und schüchterten die ohnehin schon mutlosen Soldaten noch weiter ein. Feuer und Schwert waren die einzige Erlösung, die diese Welt retten konnte. Feuer und Schwert war das einzige Mittel, das den verbliebenen Truppen Gojinas wieder Hoffnung geben konnte. Reinheit und Glaube waren der Schild, an dem die Angriffe der Ketzer abprallen würden. Ein letztes Mal warf Anariel einen Blick auf den Feind, dann wandte sie sich ab und ging von ihrem Aussichtspunkt im Tempel der Reinheit wieder hinunter zu ihren wartenden Schwestern.<br />
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Siebenhundert Schwestern der Societas Angelorum pugnantium pro Imperatorem Divinum standen vor ihr. Seraphim, einfache Schwestern, Retribotorinnen und Dominatorinnen warteten darauf den Zorn des Imperators zu den Feinden der Menschheit zu tragen. Stolz blickte Anariel aus eisblauen Augen, die in krassem Gegensatz zum heiligen Hass ihres Herzens standen, ihren Schwestern entgegen. Trotz der eigentlichen Mittagszeit war es dämmrig und der Platz vor der zertsörten Kathedrale der Ekklesiarchie wurde nur vom Feuer der Fackeln und dem leuchten der Waffen erhellt. Immolatoren und Rhinos standen mit laufenden Motoren hinter den wartenden Kriegerinnen, bereit ihre tödliche Fracht in die Schlacht zu tragen und mit heiligem Feuer all die zu Läutern, die nicht in der Gunst des Gottimperators standen. Ein letztes Mal atmete Anariel die weihrauchschwangere Luft ein, bevor sie ihr Wort an ihre Schwestern richtete:<br />
„Schwestern! Ich brauche euch nicht zu sagen, was hier vorgeht, denn die Zeichen des Chaos stehen deutlich am Himmel und die Feinde des Imperators bereiten sich darauf vor diese Stadt zu stürmen. Die Soldaten der Stadt fürchten was vor ihnen liegt, denn sie wissen nicht, wie der heutige Tag endet! Wir aber, Schwestern, werden nicht zögern die Schlacht zu suchen. Die Zeit der Mühsal ist nicht vorbei, aber der Anfang des Endes ist gekommen. An jenem Tage, als der Imperator uns zu diesem Planeten führte war das Schicksal des Ketzerabschaums bereits besiegelt. Wir, seine Werkzeuge, werden in seinem Namen diese Welt von all denen reinigen, die sich von ihm entfernt haben. Schwestern, der Tag der Rache Gojinas ist gekommen. Heute, von diesem Ort aus, wird das Feuer der Ekklesiarchie die Ungläubigen verbrennen, die Mutanten reinigen und das Chaos auf diesem Planeten vernichten. Euer Hass ist der Wille des Imperators, eure Waffen sind seine Faust und euer Glaube sein Schild. Rechtschaffend seid ihr vor ihm und rein werden die von uns vor ihn treten, die an diesem Tage ihr Leben lassen um das zu verteidigen, was sein war, ist und sein wird! Vorwärts Schwestern, und fürchtet nicht die Dunkelheit und nicht die Schatten, denn das Feuer der Wut wird sie vertreiben. Vorwärts zu Sieg und Ruhm. In seinem Namen: Verbrennt alle! Zeigt keine Gnade! Sic itur…“ „…ad astra!“ schallte es der Principalis aus jeder einzelnen Kehle der versammelten Engel entgegen, bevor sich die Abteilung mit oft geübter Präzision in Trupps auflösten und sich kampfbereit machten. Anariel selbst schritt mit wehendem Mantel auf ihre Leibgarde aus Seraphim zu, die vor ihr niederknieten. Mit einer knappen Geste bedeutete sie ihnen sich zu erheben und macht sich zusammen mit ihnen auf ihren Platz am Freya-Tor einzunehmen, von wo aus sie ihren Angriff beginnen wollten.<br />
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Auf ihrem Weg zum Tor drängten sich Bilder vergangener Tage in das Gedächtnis Anariels und verdrängten die Realität zu einem gewissen Teil. Der Gefechstlärm verebbte zu einem dumpfen Pochen im Hintergrund und der beißende Qualm, der von den schwelenden Ruinen der einstmals so stolzen und schönen Stadt aufstieg, geriet nahezu in Vergessenheit…<br />
<br />
Anariel stand wieder auf der rostroten Wüstenebene auf Ferrata, umringt von ihren Kriegerinnen und bereit sich dem Feind entgegenzustellen. Seitdem Inquisitorin von Falkenhof und ihr Gefolge einen Teil der Gefechtshandlungen unter ihre Aufsicht genommen hatten und seit die Öffnung des Dämonentors auf Calinor verhindert worden war, hatte das Imperium die Initiative wieder zurückgewonnen. Einmal mehr überkam die Principalis ein Gefühl von Stolz, gepaart mit einer bösen Vorahnung. Etwas war nicht richtig! Kaum mehr einen Kilometer vor ihr stand das, was von den Fehlgeleiteten und den Kultisten noch am Leben war. Sie würden keine Chance haben und die Rache des Imperiums würde hier und heute genommen werden. Der letzte verzweifelte Sturm auf die Feste des Glaubens, das gewaltige Bollwerk und gleichzeitig das Kloster der Ekklesiarchie und der Sororitas auf Ferrata, würde vorüber sein, noch bevor es begonnen hatte. Zweitausendeinhundertunddreiundsiebzig Schwestern, siebenundvierzig Rhinos, dreizehn Exorzisten und vierundzwanzig Immolatoren warteten darauf die Ketzer zu zermalmen. Die gesamte Besatzung des Klosters – alles was der Principalis noch geblieben war.<br />
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„Principalis, die Truppen stehen bereit!“ Das Knacken in ihrem HelmKom hatte Anariel einen Augenblick vor den Worten einer ihrer Seraphim jäh zurück in die Wirklichkeit geholt. Sie hatten das Tor erreicht und waren bereit den kühnen Plan in die Tat umzusetzen. Langsam drehte sich Anariel zu ihrer Ehrengarde aus Seraphim-Sprungtruppen um und hob ihr Schwert, bevor sie mit einer beiläufigen Geste ihr internes Vox-System aktivierte. „Im Namen Terras, LASST SIE BRENNEN!“ Diese Worte, dieselben Worte, die sie damals, vor all den Jahren auf jener verfluchten Ebene gesprochen hatte, die Worte, die seitdem jeden Angriff der Kämpfenden Engel einleiteten, kamen ihr mit all dem Hass und all der Verbitterung von Jahrzehnten des Kampfes und der Entbehrungen über die Lippen – aber sie enthielten auch all den fanatischen Glauben und das uneingeschränkte Vertrauen in die Führung und Macht des göttlichen Imperators. Sie waren mehr als nur ein Befehl. Sie waren Inspiration. Sie waren Gebet. Sie waren Erinnerung. Anariel ließ ihr golden funkelndes Schwert einen Viertelkreis beschreiben, bis es auf die vor ihr liegenden Feinde zeigte und zündete ihr Sprungmodul. Überall entlang der Stadtmauer blitzte es auf, so dass die bis vor kurzem noch pechschwarze Nacht taghell erleuchtet wurde. Die Verteidiger der Stadt schlugen zurück. Geführt und inspiriert vom leuchtenden Beispiel der Schwestern krampften sich müde Hände um Lasergewehre, wurden Magazine in lange stumm gebliebene Maschinenkanonen gerammt, blitzten Laserkanonen auf und eröffneten die Reste der imperialen Artillerie mit der wenigen verbliebenen Munition das Feuer auf die Ketzer. Sieben Minuten…<br />
<br />
…bis der Angriff begann. Sieben Minuten, in denen sich endlose Sekunden zu einer Ewigkeit zusammenreiten. Sieben Minuten angespannter Ruhe, bevor sich die gesamte verbliebene Macht gegen die Bedrohung vor den Toren des Allerheiligsten richten würde. Anariel konnte durch ihr Makrofernglas die entarteten und grausam mutierten Krieger der dunklen Götter sehen und schüttelte sich innerlich vor Ekel. Wie konnte jemand sich freiwillig solchen….Wesen wie den Chaosgöttern verschreiben? Wie konnte jemand die helfende Hand des Imperators abweisen? Wie konnte jemand, der auf derselben Welt wie eine Heilige wohnte, die ein ganzes System aus den Fängen der widerwärtigen Orks befreit hatte, Seine Macht dermaßen in Frage stellen? Anariel wusste es nicht – und wollte es auch nicht wissen. Es gab Dinge, die im Verborgenen bleiben mussten, denn Wissen war nicht nur Macht, sondern auch Versuchung. Und Versuchung war der Weg zum Chaos, der Weg in die Dunkelheit – der Weg zur Vernichtung der Seele. Sechs Minuten…<br />
<br />
… bis die Munition der Verteidiger erschöpft sein würde. Anariel hatte den Angriff der Schwestern und der verbliebenen mechanisierten Verbände der Verteidiger geplant. Es würde die letzte Handlung der Loyalisten auf diesem Planeten sein; so oder so. Sollten sie hier und heute gewinnen, würde der Feind zerschmettert vor ihnen liegen und die Schiffe der Imperialen Flotte könnten beginnen die Versorgungsgüter wieder auf dem Raumhafen anzulanden. Würde der Angriff scheitern, wäre das auch das Ende der Verteidiger des Planeten. Und alles hing vom Schwerpunkt des Angriffs, von den Schwestern ab. Anariels weiße Mähne, die ihre trotz der vielen Jahre der Kämpfe immer noch hübschen Gesichtszüge einrahmte, flatterte im Wind, als sie mit flammendem Sprungmodul auf die Phalanx der Abscheulichkeit zuraste. Zu beiden Seiten konnte sie Immolatoren sehen, die mit heiligem Feuer vorgeschobene Beobachtungsnester des Gegners ausräucherten. Rhino-Transporter schaukelten auf dem von monatelangen Artillerieeinschlägen zernarbten Boden auf die Linien des Feindes zu und mehrere kleine Trupps Seraphim folgten ihr in den Kampf. Ihre Armee…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Societas Angelorum pugnantium pro Imperatorem divinum<br />
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Die Glaubensgemeinschaft der Angeli Pugnantes hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ihren Ursprung kann sie bis in das M.38 zurückverfolgen, als sie auf der heutigen Schreinwelt Ferrata gegründet wurde. Anlass der Gründung war das Auftauchen eines jungen Mädchens mit dem Namen Phellaniel, die im Laufe einer Invasion von Orks auf Ferrata im Koprion-System die Aufmerksamkeit der Ekklesiarchie auf sich zog. Phallaniel, begünstigte des göttlichen Imperators und lebendes Artefakt der Ekklesiarchie, besaß die seltene Gabe Angriffe und Manöver der abscheulichen Kreaturen vorherzusehen, was sich in den langen und blutigen Kämpfen um das System schlussendlich als entscheidendes und siegbringendes Element herauskristallisierte.<br />
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Nachdem 881 M.38 der Waaagh aus dem System vertrieben wurde, begann der Wiederaufbau des Systems. Auf der Heimatwelt Phellaniels, auf Ferrata, wurde eine gewaltige Klosterfestung errichtet, in der sich zunächst der Sororitasorden der Schwestern vom blutigen Schwert niederließ, die die Aufgabe übernahmen, auf das wertvollste Gut des Systems Acht zu geben: auf Phellaniel. Bereits wenige Jahre später zog erneut Krieg über das noch nicht wieder vollständig hergestellte System: Chaoskulte hatten auf den äußeren Planeten des Systems eine Reihe von Aufständen angezettelt. Das gleichzeitige Auftauchen einer Reihe von Chaos – Korsaren, Gefolgsleute des Tzeentch-Champions Traknur’esh, lenkte die Aufmerksamkeit der Inquisition auf diesen Sektor. Auch wenn sich herausstellte, dass es sich nicht um einen gezielten und geplanten Chaosangriff handelte, sondern lediglich dazu diente Seelen für die dunklen Götter zu sammeln, so hatten die wiederholten Angriffe der Korsaren doch weitreichende Konsequenzen: Trotz der hartnäckigen und couragierten Gegenwehr der imperialen Armee, der planetaren Verteidigungsstreitmächte und nicht zuletzt der Schwestern des Adeptus Sororitas geschah das unfassbare. Bei einem Angriff auf Ferrata selbst und einem ausgedehnten Orbitalbombardement verschwand die Ordensfestung der Schwesternschaft in einer gewaltigen Explosion vom Angesicht des Planeten – und mit ihr Verschwand Phellaniel.<br />
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Bis heute konnten Ekklesiarchie und Inquisition nicht klären, ob verdorbene Warpmagie bei der Vernichtung des Stützpunktes des Ordens mitwirkte. Nach diesem herben Verlust kämpften die Verbände der Ekklesiarchie mit unglaublichem Haß auf alles, was sich ihrer Meinung nach nicht unter dem Schutz des göttlichen Imperators stand. Das Ergebnis war zwar die Niederschlagung der Aufstände, aber auch die Deziemierung der Bevölkerung und der Verbände der loyalen Truppen des Imperiums um teilweise bis zu 80 Prozent. Am Ende stand das Imperium und mit ihm die Ekklesiarchie vor einem Trümmerhaufen: Das Koprion-System sank noch tiefer in die Bedeutungslosigkeit, als es vorher in ihr begraben gewesen war, denn die Administrative existierte nicht mehr, die Infrastruktur war durch die Kultisten und die anschließenden Purgatus-Operationen der Schwestern nur noch ein Schatten ihrer selbst, die Verbände der Imperialen Armee, einstmals stolze Regimenter, und die Reste der PVS, bildeten zusammen nur noch einige Bataillone. Der Orden der Schwerstern vom blutigen Schwert existierte nur noch auf dem Papier, da kaum mehr als 300 Schwestern aller Art überlebt hatten – unter ihnen die Principalis.<br />
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Eben diese Principalis übernahm in dieser Zeit der Prüfungen durch den Imperator den Befehl über all das, was noch vom System übrig war. Aus dem wenigen was geblieben war schuf sie ein Kollektiv im Namen des Imperators und nach etwa 10 Jahren konnte das System erstmals autark und ohne Hilfslieferungen der benachbarten Systeme überleben. In die gleiche Zeit fielen Sichtungen eines merkwürdigen Engels. Diese zuerst einzeln, dann immer häufiger werdenden zogen die Aufmerksamkeit der beiden verbliebenen Inquisitoren, Diana von Falkenhof und Tiara Corado auf sich. Im Folgenden Jahr, in dem sich unter den verbliebenen und von den verbliebenen Schwestern als „rein“ befundenen Bürgern des Systems Sekten bildeten, die in den Erscheinungen des Engels einen Boten des Imperators sahen, nahm die Häufigkeit des Auftauchens der Gestalt immer weiter zu, ohne dass eine der Inquisitorinnen einen Erfolg bei der Ergründung der Herkunft zu vermelden hatte.<br />
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902 M.38 erschien dann die Gestallt in der neuen Hauptstadt vor Principalis Lilith Anariel. Das Erstaunen der Principalis kannte kaum Grenzen, als sie in jener Nacht ihre tot geglaubte Schwester Phellaniel erkannte. Niederkniend empfing die Kommandierende des Ordens die Nachricht der Märtyrerin – und damit die Worte des Imperators höchst-selbst. Obwohl die Ereignisse und die Worte dieser Nacht nie aufgezeichnet wurden, wurde dieses Geschehnis zum zentralen Bestandteil des Ordens. Anariel formte in den folgenden Jahren den Orden um. Aus dem Orden des blutigen Schwertes wurde von nun an der Orden der für den Göttlichen Imperator kämpfenden Engel – und aus Ferrata wurde eine Schreinwelt mit einer Festung des Ordens zu Ehren der Heiligen Phellaniel. Der Großteil des Ordens jedoch begann einen Kreuzzug gegen das Böse, einen Kreuzzug gegen Tzeentch, einen Kreuzzug aber vor allem gegen die Geißel Ferratas, gegen den Korsaren Traknur’esh, der in das Auge des Schreckens entkommen konnte. Diese Suche führt der Orden bis heute fort, getrieben vom heiligen Hass auf das Unreine und unterstützt durch seine in Zeiten der höchsten Bedrängnis immer wieder auftauchende Patronin und Beschützerin, Phellaniel. An eben diese Beschützerin, die noch im Tode dem Chaos widerstand, erinnert der Schlachtruf der Angeli Pugnantes: "Sic itur ad astra!"<br />
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Der Wahlspruch der Kämpfenden Engel, „Res Gestae, non verbae, linguam angelorum sunt!“ zeugt vom dem unbeugsamen Hass und der unendlichen Hingabe der Schwestern – aber er zeugt auch von der Handlungsweise des Ordens. Zwar brachte ihnen ihr bedingungsloser Einsatz für das Imperium und den Imperator viel Ehre ein – aber ihr Mangel an diplomatischen Geschick, ihre Weigerung sich in ein militärisches System eingliedern zu lassen und ihre Purgatus-Expeditionen im Anschluss an militärische Erfolge lassen sie zu geduldeten, aber nicht erwünschten Streitkräften Terras werden.<br />
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Von Zeit zu Zeit kehren die Kämpfenden Engel zurück nach Ferrata um ihre Reihen aufzufüllen und um der Zeit der Mühsal und der Schicksalsschläge zu gedenken – doch nie bleiben sie länger als einen Monat auf ihrer Heimatwelt, bevor sie sich an Bord der wenigen Schiffe des Ordens wieder aufmachen um ihre Rache zu nehmen oder ihr Verhängnis zu finden…<br />
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1. "Erinnerungen" - Lilith Anariel<br />
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Principalis Anariel blickte über die vor ihr liegende Stadt. Ruinen und Rauchsäulen bestimmten das Bild der einstmals so stolzen Metropole Pithaecusai. Bevor vor drei Wochen der Ketzeraufstand auch das Zentrum der imperialen Herrschaft über Gojina erreicht hatte, war diese Stadt ein Meisterwerk gewesen. Die Tempel der Ekklesiarchie hatten sich majestätisch über Parkanlagen, Kontoren und wunderschönen Hab-Blocks erhoben. Diese Zeit war vorbei. Der vor ihr liegende Trümmerhaufen war wenig mehr als eine Steinwüste, in der sich die verbliebenen Verteidiger, die loyal zum Imperator standen, verschanzten. Hoffnungslosigkeit lag wie ein schwarzer Schleier über dem Planeten. Gesenkte Köpfe der imperialen Armee und scheue Blicke verzweifelter Zivilisten hatten die Kämpfenden Engel empfangen, als sie am Vortag auf dem Planeten gelandet waren. Anariel ließ ihren Blick zum Horizont wandern, wo das Blitzen von Mündungsfeuer die feindlichen Artilleriestellungen erkennen ließ. Im Vorfeld lagerte das, was einstmals treue Gefolgsleute des Goldenen Throns waren. Ganze Regimenter der PVS waren in den Anfangstagen zum Rebellenabschaum übergelaufen. Geschichten über grausam mutierte Menschen, die kaum noch als solche zu erkennen waren, und ihre widerlichen Schandtaten kursierten und schüchterten die ohnehin schon mutlosen Soldaten noch weiter ein. Feuer und Schwert waren die einzige Erlösung, die diese Welt retten konnte. Feuer und Schwert war das einzige Mittel, das den verbliebenen Truppen Gojinas wieder Hoffnung geben konnte. Reinheit und Glaube waren der Schild, an dem die Angriffe der Ketzer abprallen würden. Ein letztes Mal warf Anariel einen Blick auf den Feind, dann wandte sie sich ab und ging von ihrem Aussichtspunkt im Tempel der Reinheit wieder hinunter zu ihren wartenden Schwestern.<br />
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Siebenhundert Schwestern der Societas Angelorum pugnantium pro Imperatorem Divinum standen vor ihr. Seraphim, einfache Schwestern, Retribotorinnen und Dominatorinnen warteten darauf den Zorn des Imperators zu den Feinden der Menschheit zu tragen. Stolz blickte Anariel aus eisblauen Augen, die in krassem Gegensatz zum heiligen Hass ihres Herzens standen, ihren Schwestern entgegen. Trotz der eigentlichen Mittagszeit war es dämmrig und der Platz vor der zertsörten Kathedrale der Ekklesiarchie wurde nur vom Feuer der Fackeln und dem leuchten der Waffen erhellt. Immolatoren und Rhinos standen mit laufenden Motoren hinter den wartenden Kriegerinnen, bereit ihre tödliche Fracht in die Schlacht zu tragen und mit heiligem Feuer all die zu Läutern, die nicht in der Gunst des Gottimperators standen. Ein letztes Mal atmete Anariel die weihrauchschwangere Luft ein, bevor sie ihr Wort an ihre Schwestern richtete:<br />
„Schwestern! Ich brauche euch nicht zu sagen, was hier vorgeht, denn die Zeichen des Chaos stehen deutlich am Himmel und die Feinde des Imperators bereiten sich darauf vor diese Stadt zu stürmen. Die Soldaten der Stadt fürchten was vor ihnen liegt, denn sie wissen nicht, wie der heutige Tag endet! Wir aber, Schwestern, werden nicht zögern die Schlacht zu suchen. Die Zeit der Mühsal ist nicht vorbei, aber der Anfang des Endes ist gekommen. An jenem Tage, als der Imperator uns zu diesem Planeten führte war das Schicksal des Ketzerabschaums bereits besiegelt. Wir, seine Werkzeuge, werden in seinem Namen diese Welt von all denen reinigen, die sich von ihm entfernt haben. Schwestern, der Tag der Rache Gojinas ist gekommen. Heute, von diesem Ort aus, wird das Feuer der Ekklesiarchie die Ungläubigen verbrennen, die Mutanten reinigen und das Chaos auf diesem Planeten vernichten. Euer Hass ist der Wille des Imperators, eure Waffen sind seine Faust und euer Glaube sein Schild. Rechtschaffend seid ihr vor ihm und rein werden die von uns vor ihn treten, die an diesem Tage ihr Leben lassen um das zu verteidigen, was sein war, ist und sein wird! Vorwärts Schwestern, und fürchtet nicht die Dunkelheit und nicht die Schatten, denn das Feuer der Wut wird sie vertreiben. Vorwärts zu Sieg und Ruhm. In seinem Namen: Verbrennt alle! Zeigt keine Gnade! Sic itur…“ „…ad astra!“ schallte es der Principalis aus jeder einzelnen Kehle der versammelten Engel entgegen, bevor sich die Abteilung mit oft geübter Präzision in Trupps auflösten und sich kampfbereit machten. Anariel selbst schritt mit wehendem Mantel auf ihre Leibgarde aus Seraphim zu, die vor ihr niederknieten. Mit einer knappen Geste bedeutete sie ihnen sich zu erheben und macht sich zusammen mit ihnen auf ihren Platz am Freya-Tor einzunehmen, von wo aus sie ihren Angriff beginnen wollten.<br />
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Auf ihrem Weg zum Tor drängten sich Bilder vergangener Tage in das Gedächtnis Anariels und verdrängten die Realität zu einem gewissen Teil. Der Gefechstlärm verebbte zu einem dumpfen Pochen im Hintergrund und der beißende Qualm, der von den schwelenden Ruinen der einstmals so stolzen und schönen Stadt aufstieg, geriet nahezu in Vergessenheit…<br />
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Anariel stand wieder auf der rostroten Wüstenebene auf Ferrata, umringt von ihren Kriegerinnen und bereit sich dem Feind entgegenzustellen. Seitdem Inquisitorin von Falkenhof und ihr Gefolge einen Teil der Gefechtshandlungen unter ihre Aufsicht genommen hatten und seit die Öffnung des Dämonentors auf Calinor verhindert worden war, hatte das Imperium die Initiative wieder zurückgewonnen. Einmal mehr überkam die Principalis ein Gefühl von Stolz, gepaart mit einer bösen Vorahnung. Etwas war nicht richtig! Kaum mehr einen Kilometer vor ihr stand das, was von den Fehlgeleiteten und den Kultisten noch am Leben war. Sie würden keine Chance haben und die Rache des Imperiums würde hier und heute genommen werden. Der letzte verzweifelte Sturm auf die Feste des Glaubens, das gewaltige Bollwerk und gleichzeitig das Kloster der Ekklesiarchie und der Sororitas auf Ferrata, würde vorüber sein, noch bevor es begonnen hatte. Zweitausendeinhundertunddreiundsiebzig Schwestern, siebenundvierzig Rhinos, dreizehn Exorzisten und vierundzwanzig Immolatoren warteten darauf die Ketzer zu zermalmen. Die gesamte Besatzung des Klosters – alles was der Principalis noch geblieben war.<br />
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„Principalis, die Truppen stehen bereit!“ Das Knacken in ihrem HelmKom hatte Anariel einen Augenblick vor den Worten einer ihrer Seraphim jäh zurück in die Wirklichkeit geholt. Sie hatten das Tor erreicht und waren bereit den kühnen Plan in die Tat umzusetzen. Langsam drehte sich Anariel zu ihrer Ehrengarde aus Seraphim-Sprungtruppen um und hob ihr Schwert, bevor sie mit einer beiläufigen Geste ihr internes Vox-System aktivierte. „Im Namen Terras, LASST SIE BRENNEN!“ Diese Worte, dieselben Worte, die sie damals, vor all den Jahren auf jener verfluchten Ebene gesprochen hatte, die Worte, die seitdem jeden Angriff der Kämpfenden Engel einleiteten, kamen ihr mit all dem Hass und all der Verbitterung von Jahrzehnten des Kampfes und der Entbehrungen über die Lippen – aber sie enthielten auch all den fanatischen Glauben und das uneingeschränkte Vertrauen in die Führung und Macht des göttlichen Imperators. Sie waren mehr als nur ein Befehl. Sie waren Inspiration. Sie waren Gebet. Sie waren Erinnerung. Anariel ließ ihr golden funkelndes Schwert einen Viertelkreis beschreiben, bis es auf die vor ihr liegenden Feinde zeigte und zündete ihr Sprungmodul. Überall entlang der Stadtmauer blitzte es auf, so dass die bis vor kurzem noch pechschwarze Nacht taghell erleuchtet wurde. Die Verteidiger der Stadt schlugen zurück. Geführt und inspiriert vom leuchtenden Beispiel der Schwestern krampften sich müde Hände um Lasergewehre, wurden Magazine in lange stumm gebliebene Maschinenkanonen gerammt, blitzten Laserkanonen auf und eröffneten die Reste der imperialen Artillerie mit der wenigen verbliebenen Munition das Feuer auf die Ketzer. Sieben Minuten…<br />
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…bis der Angriff begann. Sieben Minuten, in denen sich endlose Sekunden zu einer Ewigkeit zusammenreiten. Sieben Minuten angespannter Ruhe, bevor sich die gesamte verbliebene Macht gegen die Bedrohung vor den Toren des Allerheiligsten richten würde. Anariel konnte durch ihr Makrofernglas die entarteten und grausam mutierten Krieger der dunklen Götter sehen und schüttelte sich innerlich vor Ekel. Wie konnte jemand sich freiwillig solchen….Wesen wie den Chaosgöttern verschreiben? Wie konnte jemand die helfende Hand des Imperators abweisen? Wie konnte jemand, der auf derselben Welt wie eine Heilige wohnte, die ein ganzes System aus den Fängen der widerwärtigen Orks befreit hatte, Seine Macht dermaßen in Frage stellen? Anariel wusste es nicht – und wollte es auch nicht wissen. Es gab Dinge, die im Verborgenen bleiben mussten, denn Wissen war nicht nur Macht, sondern auch Versuchung. Und Versuchung war der Weg zum Chaos, der Weg in die Dunkelheit – der Weg zur Vernichtung der Seele. Sechs Minuten…<br />
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… bis die Munition der Verteidiger erschöpft sein würde. Anariel hatte den Angriff der Schwestern und der verbliebenen mechanisierten Verbände der Verteidiger geplant. Es würde die letzte Handlung der Loyalisten auf diesem Planeten sein; so oder so. Sollten sie hier und heute gewinnen, würde der Feind zerschmettert vor ihnen liegen und die Schiffe der Imperialen Flotte könnten beginnen die Versorgungsgüter wieder auf dem Raumhafen anzulanden. Würde der Angriff scheitern, wäre das auch das Ende der Verteidiger des Planeten. Und alles hing vom Schwerpunkt des Angriffs, von den Schwestern ab. Anariels weiße Mähne, die ihre trotz der vielen Jahre der Kämpfe immer noch hübschen Gesichtszüge einrahmte, flatterte im Wind, als sie mit flammendem Sprungmodul auf die Phalanx der Abscheulichkeit zuraste. Zu beiden Seiten konnte sie Immolatoren sehen, die mit heiligem Feuer vorgeschobene Beobachtungsnester des Gegners ausräucherten. Rhino-Transporter schaukelten auf dem von monatelangen Artillerieeinschlägen zernarbten Boden auf die Linien des Feindes zu und mehrere kleine Trupps Seraphim folgten ihr in den Kampf. Ihre Armee…]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Yiarraith Fatas]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=1001</link>
			<pubDate>Wed, 09 Nov 2016 22:40:56 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=66"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=1001</guid>
			<description><![CDATA[Yiarraith Fatas (nie fertig geworden)<br />
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Cherital stand auf der Brücke des Tsunami-Schlachtschiffes "Kian" und ließ seinen Tränen freien Lauf. Es ärgerte ihn nicht, dass die um ihn versammelten ranghohen Krieger sein offen zu Schau gestelltes Leid sehen konnten, spiegelten sich doch in ihren Gesichtern die gleichen Emotionen. Der Autarch des Weltenschiffs "Yiarraith Fatas" konnte es in diesem Augenblick keinem verübeln, hatten sie doch das wichtigste verloren, was den wenigen ihres Volkes noch geblieben war: Ihre Zuflucht. Die Zuflucht, die ihnen seit dem Fall der Eldar und der Geburt von Ihr, die dürstet, noch geblieben war. Stumm blickten die Krieger aus dem Sichtfenster der Brücke in die Dunkelheit, die nun vor ihnen lag. Keiner der stolzen Eldar war in der Lage zu sprechen. Keiner wollte.<br />
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Wenige Stunden zuvor:<br />
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Explosionen erleuchteten den Kuppeldom im Herzen von Yiarraith Fatas. Umgestürzte Statuen großer Künstler und ausgebrannte Wracks von Kriegsfahrzeugen beider Seiten zeichneten ein deutliches Bild von dem, was sich seit zwei Tagen hier abgespielt hatte. Das einstmals idyllische Weltenschiff lag in Trümmern, die grazile Form an dutzenden Stellen von den barbarischen Angreifern brutal aufgebrochen, die Seen verpestet und die Einwohner abgeschlachtet. Zwei Tage hatten gereicht, um die Eldar von Yiarraith Fatas an den Rand zur Niederlage zu drängen. Cherital, Autarch des kleinen Weltenschiffs, schwang den Runenspeer "Garoth" in weitem Bogen und deutete seinen verbliebenen Kriegern an, eine weitere Wechselstellung zu beziehen. Sie durften nicht scheitern. Nicht jetzt, wo die Hilfe jeden Moment kommen musste. Bereits zu Beginn der Kämpfe waren Boten zu anderen Weltenschiffen entsandt worden, um Hilfe zu erbitten. Bisher hatte keines geantwortet, doch alle Verteidiger klammerten sich an die Hoffnung, dass ihre Brüder auf dem Weg waren. Wenig genug gab es noch, was verteidigt werden konnte: Nur noch die innersten Zirkel hielten dem Ansturm der Angreifer stand, die ein Meer aus Blut hinterließen, wo immer sie auf die Verteidiger trafen. Yiarraith Fatas würde nicht fallen - es war bereits gefallen. Cherital wusste es bereits. Alle wussten es, es wollte nu niemand wahr haben. Ein weiterer Stern am Himmel der Eldar würde verblassen, noch bevor der Tag um war. "Lasst alle, die keine Waffe mehr halten können auf die Schiffe bringen." Dieser knappe Befehl hatte ihn beinahe alles das an Kraft gekostet, was er noch in sich trug, barg er doch im Kern das Eingeständnis der Niederlage. Ein Exarch der Skorpionkrieger sah ihn durch den Helm an, wandte sich dann aber um und verschwand lautlos in den Schatten der Ruinen des Weltenschiffs, als eine Gestalt auf den Autarchen zuging. "Der Weg, den ihr nun nehmt, führt zum Untergang des Alten, birgt aber Leben im Neuen. Ich kann nicht sehen, wohin der Pfad führt, denn ihr müsst ihn ohne mich gehen. Mein Weg und der vieler meiner Brüder enden mit Yiarraith Fatas. Euer jedoch liegt im Schatten der Zukunft. " Runenprohet Ifiath senkte den Kopf und deutete ein Nicken an. Cherital wusste nicht, warum sie diesen Tag nicht hatten kommen sehen, doch er vertraute nach wie vor den Worten der Ältesten und Weisesten. "Meine Schuld ist die Anwesenheit der Feinde, und meine Sühne wird sein, das Überleben der Überlebenden zu bewahren." Gedankenverloren betrachtete er den Runenspeer in seiner Hand. Wie viele Jahre hatte er damit verbracht, das Artefakt zurückzugewinnen? Wie viel Blut war geflossen, bis er es hatte bergen können? Cheritals Moment des größten Triumphes stellte sich so als Anfang des Endes seines bisherigen Lebens heraus. "Shea nudh Asuryanish ereintha Asuryanat!" Die Abschiedsworte seiner Eltern klangen nun wie Hohn in seinen Ohren, wie ein böses Omen voller Spott. Ja, er hatte seine Queste beenden können. Eine Queste, die viele Generationen seiner Familie gebunden hatte. Er hatte Garoth dem Dämonenfürsten Lozian'Kael entreißen können, doch um welchen Preis? Er hatte geglaubt, dass Yiarraith Fatas klein und versteckt genug gelegen sei, um den Augen der im Warp lauernden Jäger zu entgehen. Er hatte falsch gelegen. Wenige Wochen war seine Rückkehr nun her, wenige Wochen, die gereicht hatten, um ihm zu zeigen, dass er versagt hatte. Der Rat der Seher des Weltenschiffs hatte erkannt, dass der Runenspeer Garoth war, ja. Aber Garoth war verdorben, wie mit einem Fluch belegt und zerrte jeden Tag an seiner Seele. Cherital hielt stand. Noch. Er war stark und stolz und seine Barrieren hielten. Er hatte vom Rat erbeten der Bewahrer des Runenspeers zu sein, um einen Weg zu finden, die Verderbnis zu besiegen, die in ihm wohnte. Soviel war er seinem Großvater schuldig, aus dessen toten Händen das Artefakt aus glücklicheren Zeiten gestohlen worden war. Seine Familie, sein Ruf, die Ehre. Was war es jetzt noch wert? "Shea nudh Asuryanish ereintha Asuryanat!" Die letzten Worte seine Eltern, bevor er ausgezogen war, um die Invasoren vom Weltenschiff zu vertreiben. Er hatte beide noch einmal in den Arm genommen und war gegangen, in dem Glauben, sie in wenigen Tagen wieder zu sehen. Seine Eltern, die ihm, ihrem einzigen Spross, den Namen Cherital gegeben hatten, waren jetzt tot. Die Außenbezirke waren überrannt worden, als klobige Menschen in altertümlichen Servorüstungen und Horden von Kultisten die äußeren Bollwerke erstürmt hatten. Die Verteidiger des Weltenschiffs hatten sich zurückziehen müssen, hatten die Schrei ihrer Brüder und Schwestern gehört, als die grausamen Anhänger der Mächte des Chaos jeden zu Ehren ihre dunklen Götzen opferten, der zurückgeblieben war. Die Leichen seiner Eltern waren unter ihnen. "Shea nudh Asuryanish ereintha Asuryanat!" Ein Wunsch, der nie in Erfüllung gehen würde. Mühsam riss Cherital seine Gedanken aus der Vergangenheit los, um sich wieder der Gegenwart zuzuwenden. Die Evakuierung aller, die noch verblieben waren. Der Runenprophet blickte ihn immer noch an, seine Züge unter dem Helm verborgen. "Der innere Zirkel von Yiarraith Fatas wir auf dem Schiff verbleiben, um eine Barriere zu errichten, die euren Rückzug decken wird. Ihr habt nicht viel Zeit Autarch. Sucht euer Schicksal und vergesst uns nicht. Shea nudh Asuryanish ereintha Asuryanat!" Da waren sie wieder. Worte, die für Cherital endgültigen Abschied bedeuteten. Er nickt nur stumm und wandte sich ab. Dann gab er seinen Kriegern den Befehl zum Rückzug zum Raumhafen des kleinen Weltenschiffs. "Unsere Zuflucht ist verloren. Ehrt die Toten durch euer Leben. Diese Schlacht ist nicht zu gewinnen." Mehr brachte er nicht heraus, bevor er mit der Nachhut im Schutze der Barriere das Weltenschiff verließ.<br />
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Cherital stand noch auf der Brücke, als alle anderen hochrangigen Überlebenden bereits gegangen waren. Die Last, die er nun trug, wog schwer auf seinen Schultern. Nur wenige Runenleser hatten den Angriff der Horden des Chaos überlebt, alle Runenpropheten hatten sich geopfert um den letzten Verblieben den Rückzug zu ermöglichen. Er stand nahezu allein vor dem Abgrund der Ungewissheit, unfähig zu entscheiden, wie es weitergehen sollte. Garoth, der Runenspeer, der Begründer des Übels, lehnte neben ihm an der Brüstung der kleinen Empore, von der aus er die Brücke überwachen konnte. Sie waren nun im Netz der Tausend Tore, entkommen, um einer ungewissen Zukunft entgegen zu sehen. Nicht zum ersten Mal stellte sich Cherital insgeheim die Frage, ob ein Tod in Ehren der Schande, die er nun vor sich her trug, vorzuziehen gewesen wäre. Seine Eltern, seine Verwandten, seine Freunde... Eine Hand legte sich von hinten auf seine Schulter und er zuckte zusammen. Kerunlann, Exarchin eins Banshee-Schreines stand hinter ihm. Sie hatte ihre Maske abgesetzt und sah ihn aus traurigen Augen an. "Der Krieger in mir weist mich an stark zu sein, doch der Eldar in mir hat eine zerrissene Seele. Um den Eldar zu schützen, muss der Krieger der stärkere sein." Cherital nickte, den Rat akzeptierend. Er musste stark sein, denn er musste sein Volk schützen. "Danke, Exarch. In zwei Zyklen möchte ich einen Rat der Exarchen einberufen. Sorgt bitte dafür, dass alle kommen. Ich denke, dass die Zeit zu trauern kommen wird. Die Zeit zu überleben scheint aber bereits begonnen zu haben." Mit einem angedeuteten Lächeln, das sowohl Respekt, als auch Verständnis ausdrücken konnte, verschwand die Exarchin so anmutig und leise, wie sie gekommen war. Cherital blieb noch mehrere Sekunden auf der Brücke. Sein Stolz hatte ihn zu einem mitleidsheischenden Schwächling werden lassen. Er würde dafür Sorge tragen, dass sich das nicht wiederholen würde. Mit grimmigem Gesicht verließ Cherital die Brücke und zog sich in seine Kabine zurück, um sich auf das vorzubereiten, was ihn im Rat erwarten würde. Nicht das er eine Wahl hätte - aber genau die hatten sie alle nicht. Sie hatten sie nie.<br />
<br />
Cherital betrat als letzter den Versammlungsraum im Herzen der "Kian". Erwartungsvolle Blicke der Exarchen begleiteten ihn, als er in die Mitte des Ovals, in dem die Stühle angeordnet waren, schritt, um sich an die letzten Überlebenden zu wenden. Noch einmal schossen ihm die Bilder der verzweifelten Flucht durch den Kopf. Die einstmals stolze, wenn auch kleine Flotte von Yiarraith Fatas hatte bereits beim ersten Ansturm der Diener der dunklen Mächte erhebliche Verluste erlitten und sich daraufhin auf schnelle Angriffe auf exponierte Ziele verlegt. Der Schaden, den sie hatte anrichten können, war beträchtlich gewesen, und trotzdem nicht genug. Kalte Wut flammte kurzzeitig im Autarchen auf, als er an die Vernichtung der "Liril" dachte, dem Stolz der Flotte, die zwar unzählige Schiffe des Feindes mit sich in den Tod gerissen hatte, aber letztendlich auch den Untergang des Weltenschiffs nicht hatte verhindern können. Am schlimmsten waren die Verluste während der Evakuierung gewesen, als die Schiffe der Eldar die Überlebenden aufnehmen mussten. Zu Dutzenden hatten sich die grausam entarteten und klobigen Raumschiffe der Menschen auf die nahezu wehrlos wartenden Schiffe seines Volkes gestürzt und viele von ihnen in feurige Explosionen verwandelt. Wenigen genug war es gelungen, dieser Hölle zu entkommen. Seine Flotte, wenn man es denn so nennen konnte, bestand nur noch aus einigen Transportschiffen, den Schattenjägern "Finnaid" und "Asterian", der Monsun-Fregatte "Ifieth", dem Hurrikan-Kreuzer "Lir" und dem Solaris-Kreuzer "Liran", sowie natürlich seinem Flaggschiff, der "Kian". Wenige, viel zu wenige, und doch genug, um sie schützen zu müssen. Das Vermächtnis ihrer Vorfahren musste bewahrt werden. Seine Augen suchten Kerunlann und fanden sie in einer der hinteren Reihen. Dankbar sah er sie einen Moment an, doch ihre Mine blieb völlig ausdruckslos, wieder ganz die Exarchin. Dann, nach einem kurzen, tiefen Atemzug, begann er langsam zu sprechen. "Brüder und Schwestern. Wir alle haben etwas verloren, das wir niemals hätten verlieren dürfen. Wir haben etwas verloren, was an Wert nicht zu überbieten ist. Wir verloren unsere Zuflucht, unsere Heimat, unser aller zu Hause. Wir verloren Freunde und Verwandte, wir verloren unsere Familien und große Teile unseres Volkes. Wir haben viel verloren und werden weitere harte Prüfungen zu erdulden haben. Wir Eldar sind eine schwindende Rasse und der Verlust eines einzelnen Eldar versetzt die Galaxis in Trauer. Die vergangenen Tage aber waren eine Katastrophe. Wir haben viel verloren, ja. Wir dürfen aber nicht noch mehr verlieren. Unser Mut, unsere Wut, unsere Liebe - all das muss in den Dienst von Yiarraith Fatas gestellt werden. Wir alle, jeder einzelne von uns, ist nun Wächter eines bedrohten Volkes, dem er selber angehört. Wir werden überleben. Wir werden unsere Rache bekommen. Nicht heute, auch nicht morgen. Vielleicht werden viele es nicht erleben. Aber heute, hier und jetzt, müssen wir als Einheit, als Volk, als Gemeinschaft, unser Leben nur einem Ziel unterordnen: der Bewahrung unseres Volkes, dem Überleben von Yiarraith Fatas." Stille war die Antwort auf seine Worte, doch keine Stille von jener Art, die betretenes Schweigen zeigt, sondern Stille von der Natur, die deutlich macht, dass alle Worte ihre Wirkung nicht verfehlt hatten. Cherital sah sich im Raum um und blickte in entschlossene Gesichter. "Ich bin bereit weiter Autarch zu sein, doch will ich diese Entscheidung nicht treffen. Meine Taten haben zum Untergang meiner Zuflucht geführt und ein Rat der Krieger soll die Geschicke lenken. Ich bitte daher den Rat der Krieger, besetzt durch die Exarchen, einen Autarchen zu wählen, der die Reste unseres Volkes in die Zukunft führt." Es setzte kein Murmeln ein, kein Raunen, wie es bei niederen Völkern wohl eingetreten wäre. Vielmehr war es ein einzelner Exarch der Kriegsfalken, Zamor, der das Wort ergriff. "Demut ist eine Tugend, die wir brauchen. Die Verantwortung zu übernehmen ist das Zeichen eines großen Eldar. Der Rat hat seine Entscheidung bereits getroffen. Cherital war und ist Autarch." Der Angesprochene widersprach umgehend. "Cherital ist tot, denn wenig Liebe habe ich noch in meinem Herzen. Ich will Camion geheißen werden, um mich stets daran zu erinnern, was mein Ziel ist. Doch dankend nehme ich die Bürde auf mich." Erleichtert blickte sich Camion im Raum um und begann, seinen Plan zu erläutern. Kein Eldar von Yiarraith Fatas würde mehr in die Schlacht ziehen, wenn er nicht unbedingt gebraucht würde. Die Beschützer der Überlebenden waren die wenigen Aspektkrieger, die noch geblieben waren. Sie würden es auch sein, die die Flotte mit alledem versorgen würden, was man brauchte, denn an eine autarke Versorgung der Flotte war nicht zu denken. Man würde sich auf das Netz der Tausend Tore verlassen müssen, und auf Hilfe von anderen Weltenschiffen. Die wenigen schweren Fahrzeuge und Einheiten die noch vorhanden waren, durften nicht riskiert werden. Ganz der Krieger redete er lange und merkte lange Zeit nicht, wie er schwächer wurde. Die Zeit verging und der Rat erörterte vielerlei Dinge. Es waren nur wenige Gardisten übrig, wenige schwere Waffen. Die meisten der Überlebenden Krieger waren Aspektkrieger, die sich auf schnelle Angriffe und Rückzüge spezialisiert hatten. So war es ihnen am Ende gelungen, sich den Klauen der Chaosanbeter zu entziehen. Als der Rat beendet war, war Camion erschöpft, aber glücklich. Sie waren geeint im Rat und sie würden geeint in eine Zukunft gehen, die sie vielleicht nicht kannten, aber der sie nicht angstvoll entgegensehen mussten. Die Flamme der Eldar brannte noch.<br />
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Müde ließ sich Camion auf einen Sessel in seiner Kabine sinken. Der Tag schien ihn mehr angestrengt zu haben, als er hatte wahrhaben wollen. Er fühlte sich nun leer, von der Erleichterung und der Zuversicht war wenig mehr über als ein leicht glimmender Funke in seinem Inneren. Es klopfte. Überrascht gewährte Camion dem späten Besucher Einlass. Es war Arbiel, eine der wenigen überlebenden Runenleser, die mit einer Einheit Gardisten entkommen war. "Ich bitte um Verzeihung, Autarch, doch ist mein Anliegen von großer Dringlichkeit." begann sie. Ihre Stimme konnte kaum ihre Besorgnis verstecken, als sie mit scheuen Augen den Raum inspizierte. Ihr Blick blieb auf dem Runenspeer "Garoth" hängen. "Es geht um euer Verhängnis."]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Yiarraith Fatas (nie fertig geworden)<br />
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Cherital stand auf der Brücke des Tsunami-Schlachtschiffes "Kian" und ließ seinen Tränen freien Lauf. Es ärgerte ihn nicht, dass die um ihn versammelten ranghohen Krieger sein offen zu Schau gestelltes Leid sehen konnten, spiegelten sich doch in ihren Gesichtern die gleichen Emotionen. Der Autarch des Weltenschiffs "Yiarraith Fatas" konnte es in diesem Augenblick keinem verübeln, hatten sie doch das wichtigste verloren, was den wenigen ihres Volkes noch geblieben war: Ihre Zuflucht. Die Zuflucht, die ihnen seit dem Fall der Eldar und der Geburt von Ihr, die dürstet, noch geblieben war. Stumm blickten die Krieger aus dem Sichtfenster der Brücke in die Dunkelheit, die nun vor ihnen lag. Keiner der stolzen Eldar war in der Lage zu sprechen. Keiner wollte.<br />
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Wenige Stunden zuvor:<br />
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Explosionen erleuchteten den Kuppeldom im Herzen von Yiarraith Fatas. Umgestürzte Statuen großer Künstler und ausgebrannte Wracks von Kriegsfahrzeugen beider Seiten zeichneten ein deutliches Bild von dem, was sich seit zwei Tagen hier abgespielt hatte. Das einstmals idyllische Weltenschiff lag in Trümmern, die grazile Form an dutzenden Stellen von den barbarischen Angreifern brutal aufgebrochen, die Seen verpestet und die Einwohner abgeschlachtet. Zwei Tage hatten gereicht, um die Eldar von Yiarraith Fatas an den Rand zur Niederlage zu drängen. Cherital, Autarch des kleinen Weltenschiffs, schwang den Runenspeer "Garoth" in weitem Bogen und deutete seinen verbliebenen Kriegern an, eine weitere Wechselstellung zu beziehen. Sie durften nicht scheitern. Nicht jetzt, wo die Hilfe jeden Moment kommen musste. Bereits zu Beginn der Kämpfe waren Boten zu anderen Weltenschiffen entsandt worden, um Hilfe zu erbitten. Bisher hatte keines geantwortet, doch alle Verteidiger klammerten sich an die Hoffnung, dass ihre Brüder auf dem Weg waren. Wenig genug gab es noch, was verteidigt werden konnte: Nur noch die innersten Zirkel hielten dem Ansturm der Angreifer stand, die ein Meer aus Blut hinterließen, wo immer sie auf die Verteidiger trafen. Yiarraith Fatas würde nicht fallen - es war bereits gefallen. Cherital wusste es bereits. Alle wussten es, es wollte nu niemand wahr haben. Ein weiterer Stern am Himmel der Eldar würde verblassen, noch bevor der Tag um war. "Lasst alle, die keine Waffe mehr halten können auf die Schiffe bringen." Dieser knappe Befehl hatte ihn beinahe alles das an Kraft gekostet, was er noch in sich trug, barg er doch im Kern das Eingeständnis der Niederlage. Ein Exarch der Skorpionkrieger sah ihn durch den Helm an, wandte sich dann aber um und verschwand lautlos in den Schatten der Ruinen des Weltenschiffs, als eine Gestalt auf den Autarchen zuging. "Der Weg, den ihr nun nehmt, führt zum Untergang des Alten, birgt aber Leben im Neuen. Ich kann nicht sehen, wohin der Pfad führt, denn ihr müsst ihn ohne mich gehen. Mein Weg und der vieler meiner Brüder enden mit Yiarraith Fatas. Euer jedoch liegt im Schatten der Zukunft. " Runenprohet Ifiath senkte den Kopf und deutete ein Nicken an. Cherital wusste nicht, warum sie diesen Tag nicht hatten kommen sehen, doch er vertraute nach wie vor den Worten der Ältesten und Weisesten. "Meine Schuld ist die Anwesenheit der Feinde, und meine Sühne wird sein, das Überleben der Überlebenden zu bewahren." Gedankenverloren betrachtete er den Runenspeer in seiner Hand. Wie viele Jahre hatte er damit verbracht, das Artefakt zurückzugewinnen? Wie viel Blut war geflossen, bis er es hatte bergen können? Cheritals Moment des größten Triumphes stellte sich so als Anfang des Endes seines bisherigen Lebens heraus. "Shea nudh Asuryanish ereintha Asuryanat!" Die Abschiedsworte seiner Eltern klangen nun wie Hohn in seinen Ohren, wie ein böses Omen voller Spott. Ja, er hatte seine Queste beenden können. Eine Queste, die viele Generationen seiner Familie gebunden hatte. Er hatte Garoth dem Dämonenfürsten Lozian'Kael entreißen können, doch um welchen Preis? Er hatte geglaubt, dass Yiarraith Fatas klein und versteckt genug gelegen sei, um den Augen der im Warp lauernden Jäger zu entgehen. Er hatte falsch gelegen. Wenige Wochen war seine Rückkehr nun her, wenige Wochen, die gereicht hatten, um ihm zu zeigen, dass er versagt hatte. Der Rat der Seher des Weltenschiffs hatte erkannt, dass der Runenspeer Garoth war, ja. Aber Garoth war verdorben, wie mit einem Fluch belegt und zerrte jeden Tag an seiner Seele. Cherital hielt stand. Noch. Er war stark und stolz und seine Barrieren hielten. Er hatte vom Rat erbeten der Bewahrer des Runenspeers zu sein, um einen Weg zu finden, die Verderbnis zu besiegen, die in ihm wohnte. Soviel war er seinem Großvater schuldig, aus dessen toten Händen das Artefakt aus glücklicheren Zeiten gestohlen worden war. Seine Familie, sein Ruf, die Ehre. Was war es jetzt noch wert? "Shea nudh Asuryanish ereintha Asuryanat!" Die letzten Worte seine Eltern, bevor er ausgezogen war, um die Invasoren vom Weltenschiff zu vertreiben. Er hatte beide noch einmal in den Arm genommen und war gegangen, in dem Glauben, sie in wenigen Tagen wieder zu sehen. Seine Eltern, die ihm, ihrem einzigen Spross, den Namen Cherital gegeben hatten, waren jetzt tot. Die Außenbezirke waren überrannt worden, als klobige Menschen in altertümlichen Servorüstungen und Horden von Kultisten die äußeren Bollwerke erstürmt hatten. Die Verteidiger des Weltenschiffs hatten sich zurückziehen müssen, hatten die Schrei ihrer Brüder und Schwestern gehört, als die grausamen Anhänger der Mächte des Chaos jeden zu Ehren ihre dunklen Götzen opferten, der zurückgeblieben war. Die Leichen seiner Eltern waren unter ihnen. "Shea nudh Asuryanish ereintha Asuryanat!" Ein Wunsch, der nie in Erfüllung gehen würde. Mühsam riss Cherital seine Gedanken aus der Vergangenheit los, um sich wieder der Gegenwart zuzuwenden. Die Evakuierung aller, die noch verblieben waren. Der Runenprophet blickte ihn immer noch an, seine Züge unter dem Helm verborgen. "Der innere Zirkel von Yiarraith Fatas wir auf dem Schiff verbleiben, um eine Barriere zu errichten, die euren Rückzug decken wird. Ihr habt nicht viel Zeit Autarch. Sucht euer Schicksal und vergesst uns nicht. Shea nudh Asuryanish ereintha Asuryanat!" Da waren sie wieder. Worte, die für Cherital endgültigen Abschied bedeuteten. Er nickt nur stumm und wandte sich ab. Dann gab er seinen Kriegern den Befehl zum Rückzug zum Raumhafen des kleinen Weltenschiffs. "Unsere Zuflucht ist verloren. Ehrt die Toten durch euer Leben. Diese Schlacht ist nicht zu gewinnen." Mehr brachte er nicht heraus, bevor er mit der Nachhut im Schutze der Barriere das Weltenschiff verließ.<br />
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Cherital stand noch auf der Brücke, als alle anderen hochrangigen Überlebenden bereits gegangen waren. Die Last, die er nun trug, wog schwer auf seinen Schultern. Nur wenige Runenleser hatten den Angriff der Horden des Chaos überlebt, alle Runenpropheten hatten sich geopfert um den letzten Verblieben den Rückzug zu ermöglichen. Er stand nahezu allein vor dem Abgrund der Ungewissheit, unfähig zu entscheiden, wie es weitergehen sollte. Garoth, der Runenspeer, der Begründer des Übels, lehnte neben ihm an der Brüstung der kleinen Empore, von der aus er die Brücke überwachen konnte. Sie waren nun im Netz der Tausend Tore, entkommen, um einer ungewissen Zukunft entgegen zu sehen. Nicht zum ersten Mal stellte sich Cherital insgeheim die Frage, ob ein Tod in Ehren der Schande, die er nun vor sich her trug, vorzuziehen gewesen wäre. Seine Eltern, seine Verwandten, seine Freunde... Eine Hand legte sich von hinten auf seine Schulter und er zuckte zusammen. Kerunlann, Exarchin eins Banshee-Schreines stand hinter ihm. Sie hatte ihre Maske abgesetzt und sah ihn aus traurigen Augen an. "Der Krieger in mir weist mich an stark zu sein, doch der Eldar in mir hat eine zerrissene Seele. Um den Eldar zu schützen, muss der Krieger der stärkere sein." Cherital nickte, den Rat akzeptierend. Er musste stark sein, denn er musste sein Volk schützen. "Danke, Exarch. In zwei Zyklen möchte ich einen Rat der Exarchen einberufen. Sorgt bitte dafür, dass alle kommen. Ich denke, dass die Zeit zu trauern kommen wird. Die Zeit zu überleben scheint aber bereits begonnen zu haben." Mit einem angedeuteten Lächeln, das sowohl Respekt, als auch Verständnis ausdrücken konnte, verschwand die Exarchin so anmutig und leise, wie sie gekommen war. Cherital blieb noch mehrere Sekunden auf der Brücke. Sein Stolz hatte ihn zu einem mitleidsheischenden Schwächling werden lassen. Er würde dafür Sorge tragen, dass sich das nicht wiederholen würde. Mit grimmigem Gesicht verließ Cherital die Brücke und zog sich in seine Kabine zurück, um sich auf das vorzubereiten, was ihn im Rat erwarten würde. Nicht das er eine Wahl hätte - aber genau die hatten sie alle nicht. Sie hatten sie nie.<br />
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Cherital betrat als letzter den Versammlungsraum im Herzen der "Kian". Erwartungsvolle Blicke der Exarchen begleiteten ihn, als er in die Mitte des Ovals, in dem die Stühle angeordnet waren, schritt, um sich an die letzten Überlebenden zu wenden. Noch einmal schossen ihm die Bilder der verzweifelten Flucht durch den Kopf. Die einstmals stolze, wenn auch kleine Flotte von Yiarraith Fatas hatte bereits beim ersten Ansturm der Diener der dunklen Mächte erhebliche Verluste erlitten und sich daraufhin auf schnelle Angriffe auf exponierte Ziele verlegt. Der Schaden, den sie hatte anrichten können, war beträchtlich gewesen, und trotzdem nicht genug. Kalte Wut flammte kurzzeitig im Autarchen auf, als er an die Vernichtung der "Liril" dachte, dem Stolz der Flotte, die zwar unzählige Schiffe des Feindes mit sich in den Tod gerissen hatte, aber letztendlich auch den Untergang des Weltenschiffs nicht hatte verhindern können. Am schlimmsten waren die Verluste während der Evakuierung gewesen, als die Schiffe der Eldar die Überlebenden aufnehmen mussten. Zu Dutzenden hatten sich die grausam entarteten und klobigen Raumschiffe der Menschen auf die nahezu wehrlos wartenden Schiffe seines Volkes gestürzt und viele von ihnen in feurige Explosionen verwandelt. Wenigen genug war es gelungen, dieser Hölle zu entkommen. Seine Flotte, wenn man es denn so nennen konnte, bestand nur noch aus einigen Transportschiffen, den Schattenjägern "Finnaid" und "Asterian", der Monsun-Fregatte "Ifieth", dem Hurrikan-Kreuzer "Lir" und dem Solaris-Kreuzer "Liran", sowie natürlich seinem Flaggschiff, der "Kian". Wenige, viel zu wenige, und doch genug, um sie schützen zu müssen. Das Vermächtnis ihrer Vorfahren musste bewahrt werden. Seine Augen suchten Kerunlann und fanden sie in einer der hinteren Reihen. Dankbar sah er sie einen Moment an, doch ihre Mine blieb völlig ausdruckslos, wieder ganz die Exarchin. Dann, nach einem kurzen, tiefen Atemzug, begann er langsam zu sprechen. "Brüder und Schwestern. Wir alle haben etwas verloren, das wir niemals hätten verlieren dürfen. Wir haben etwas verloren, was an Wert nicht zu überbieten ist. Wir verloren unsere Zuflucht, unsere Heimat, unser aller zu Hause. Wir verloren Freunde und Verwandte, wir verloren unsere Familien und große Teile unseres Volkes. Wir haben viel verloren und werden weitere harte Prüfungen zu erdulden haben. Wir Eldar sind eine schwindende Rasse und der Verlust eines einzelnen Eldar versetzt die Galaxis in Trauer. Die vergangenen Tage aber waren eine Katastrophe. Wir haben viel verloren, ja. Wir dürfen aber nicht noch mehr verlieren. Unser Mut, unsere Wut, unsere Liebe - all das muss in den Dienst von Yiarraith Fatas gestellt werden. Wir alle, jeder einzelne von uns, ist nun Wächter eines bedrohten Volkes, dem er selber angehört. Wir werden überleben. Wir werden unsere Rache bekommen. Nicht heute, auch nicht morgen. Vielleicht werden viele es nicht erleben. Aber heute, hier und jetzt, müssen wir als Einheit, als Volk, als Gemeinschaft, unser Leben nur einem Ziel unterordnen: der Bewahrung unseres Volkes, dem Überleben von Yiarraith Fatas." Stille war die Antwort auf seine Worte, doch keine Stille von jener Art, die betretenes Schweigen zeigt, sondern Stille von der Natur, die deutlich macht, dass alle Worte ihre Wirkung nicht verfehlt hatten. Cherital sah sich im Raum um und blickte in entschlossene Gesichter. "Ich bin bereit weiter Autarch zu sein, doch will ich diese Entscheidung nicht treffen. Meine Taten haben zum Untergang meiner Zuflucht geführt und ein Rat der Krieger soll die Geschicke lenken. Ich bitte daher den Rat der Krieger, besetzt durch die Exarchen, einen Autarchen zu wählen, der die Reste unseres Volkes in die Zukunft führt." Es setzte kein Murmeln ein, kein Raunen, wie es bei niederen Völkern wohl eingetreten wäre. Vielmehr war es ein einzelner Exarch der Kriegsfalken, Zamor, der das Wort ergriff. "Demut ist eine Tugend, die wir brauchen. Die Verantwortung zu übernehmen ist das Zeichen eines großen Eldar. Der Rat hat seine Entscheidung bereits getroffen. Cherital war und ist Autarch." Der Angesprochene widersprach umgehend. "Cherital ist tot, denn wenig Liebe habe ich noch in meinem Herzen. Ich will Camion geheißen werden, um mich stets daran zu erinnern, was mein Ziel ist. Doch dankend nehme ich die Bürde auf mich." Erleichtert blickte sich Camion im Raum um und begann, seinen Plan zu erläutern. Kein Eldar von Yiarraith Fatas würde mehr in die Schlacht ziehen, wenn er nicht unbedingt gebraucht würde. Die Beschützer der Überlebenden waren die wenigen Aspektkrieger, die noch geblieben waren. Sie würden es auch sein, die die Flotte mit alledem versorgen würden, was man brauchte, denn an eine autarke Versorgung der Flotte war nicht zu denken. Man würde sich auf das Netz der Tausend Tore verlassen müssen, und auf Hilfe von anderen Weltenschiffen. Die wenigen schweren Fahrzeuge und Einheiten die noch vorhanden waren, durften nicht riskiert werden. Ganz der Krieger redete er lange und merkte lange Zeit nicht, wie er schwächer wurde. Die Zeit verging und der Rat erörterte vielerlei Dinge. Es waren nur wenige Gardisten übrig, wenige schwere Waffen. Die meisten der Überlebenden Krieger waren Aspektkrieger, die sich auf schnelle Angriffe und Rückzüge spezialisiert hatten. So war es ihnen am Ende gelungen, sich den Klauen der Chaosanbeter zu entziehen. Als der Rat beendet war, war Camion erschöpft, aber glücklich. Sie waren geeint im Rat und sie würden geeint in eine Zukunft gehen, die sie vielleicht nicht kannten, aber der sie nicht angstvoll entgegensehen mussten. Die Flamme der Eldar brannte noch.<br />
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Müde ließ sich Camion auf einen Sessel in seiner Kabine sinken. Der Tag schien ihn mehr angestrengt zu haben, als er hatte wahrhaben wollen. Er fühlte sich nun leer, von der Erleichterung und der Zuversicht war wenig mehr über als ein leicht glimmender Funke in seinem Inneren. Es klopfte. Überrascht gewährte Camion dem späten Besucher Einlass. Es war Arbiel, eine der wenigen überlebenden Runenleser, die mit einer Einheit Gardisten entkommen war. "Ich bitte um Verzeihung, Autarch, doch ist mein Anliegen von großer Dringlichkeit." begann sie. Ihre Stimme konnte kaum ihre Besorgnis verstecken, als sie mit scheuen Augen den Raum inspizierte. Ihr Blick blieb auf dem Runenspeer "Garoth" hängen. "Es geht um euer Verhängnis."]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der Fall von Toghast V]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=1000</link>
			<pubDate>Wed, 09 Nov 2016 22:37:51 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=66"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=1000</guid>
			<description><![CDATA[Der Fall von Torgast V<br />
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In Scripturis sacris, Diablolus et daemones variis<br />
vocantur nominibus. Inter quae quaedam naturam navitatemque eorum quodammodo innuunt.<br />
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Virgo Sacrosancta, qui Satanas, serpens antiquust et draco vocatur .<br />
Hominum adversarius et homicida ab initio designatur, cum per peccatum hominem fecit<br />
obnoxium morti.<br />
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Cum autem noxia atque contraria actio Diaboli et daemonum afficiat personas, res, loca et appareat diverso modo, Ecclesia, semper conscia quod dies mali sunt, oravit et orat ut ab insidiis diaboli homines liberentur!<br />
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Kopfschmerzen und Müdigkeit. Daten, Zahlen, Berichte. Ihre Welt bestand einfach aus nichts anderem, als eben diesen Dingen. Erschöpft starrte sie aus rot geränderten, mit dunklen Ringen versehenen Augen auf die Flut an Berichten, die sich in der dunklen Kammer an Bord der Jagdbote türmten. Ihr Schreibtisch, ein spartanisches Stück Metall, das den Namen nicht einmal im Ansatz verdient hatte, bog sich schier unter der Last der Datentafeln und Papierberge. Funksprüche lagen neben Aufklärungsergebnissen und Meldungen über vermeintliche Spuren thronten neben den wirren Orakelsprüchen lokaler "Heiliger". Chaos in ihrem Kopf, Chaos auf ihrem Schreibtisch, Chaos in der Welt. Offenbar bestimmte das Chaos ihr Leben. Sie hob ihren Kopf in dem verzweifelten Versuch Mattigkeit und Kopfschmerzen loszuwerden. Der Schriftzug über ihrer Tür, "Die Beweisführung ist schwierig und kann nur von Gelehrten verstanden werden; der Glaube aber ist nötig für die Ungebildeten, für die jungen Menschen und all diejenigen, denen es an Muße fehlt, sich mit Philosophie zu beschäftigen. Für sie reicht die Offenbarung", spendete ihr dieses Mal nur wenig Trost.<br />
Im flackernden rot-gelben Licht von Kerzen griff sie zu einem weiteren Bericht. Ravan IV, eine mittelgroße Kolonie im Kalimes-System, nicht bedeutend genug, um sofort ins Auge zu fallen, strategisch wie taktisch von untergeordneter Bedeutung, und doch nicht unwichtig genug, um keine Besorgnis zu empfinden, wenn dieser Planet keine Routinemeldungen mehr absetzte. Sie fügten den Namen des Planeten der Liste hinzu, der seit Stunden, wenn nicht Tagen, ihre Aufmerksamkeit gehörte. Eine Liste mit Planeten, die in diesem Subsektor in den letzten Wochen einem ungewissen Schicksal anheim gefallen waren. Es gab ein Muster hinter diesen Ereignissen, ein Muster und eine Bedeutung, die es rechtfertigten, dass jemand von ihrem Rang sich damit beschäftigte. Ein Muster, dass direkt vor ihren Augen tanzte, dass sie nur zu packen brauchte, doch das sich jedes Mal, wenn sie zugreifen wollte, wie Nebel in der Sonne auflöste und sich verflüchtigte. Die Liste der Planeten des Subsektors, die in der letzten Zeit verstummt waren, war lang. Wann immer sie mit ihrem Gefolge an einem der stummen Planeten eingetroffen war, hatte sie eine tote Welt gefunden. Eine Welt, die den süßen Duft des Todes verströmte; ein Duft, der eher in die Gedanken, als in die Nase stieg. Und allem haftete der Makel an. Der Duft war überall: in den Ruinen, in den Wüsten, jeder Stein und jedes Sandkorn der verheerten Welten verströmte ihn. Ein Duft, und gleichzeitig eine Ahnung, ein Traum mit der Essenz des Bösen. Jedes Mal hatte sie spüren können, wie sich die Seelen der Getöteten einen Weg in ihre Gedanken bahnen wollten, hatte ihre Verzweiflung fast schmecken können, hätte fast ihre Schreie hören können. Aber ihre Barrieren hielten und so wusste sie nicht, was geschehen war. Chaos. Soviel wusste sie, dunkle Mächte waren auf dem Vormarsch, aber ihr Ziel, ihre Herkunft, ihre Absicht, all das blieb im Schatten des Warp verborgen. Sie lächelte, eine kalte Geste, der keine Spur von Humor inne zu wohnen schien. Wer könnte je die Absichten der widerwärtigen dunklen Wesen des Warp verstehen? Wer würde je ihre wahren Motive erkennen, ohne sich ihren ketzerischen Einflüssen hinzugeben? Sie schüttelte in einer unbewussten Reaktion auf ihre eigenen Gedanken ihren Kopf, sodass ihr Strähnen ihrer blonden Haare ins Gesicht fielen. Mit einer ebenso unbewussten, automatisierten Geste strich sie sich die Haare wieder aus den Augen und wandte sich erneut den Bergen von Akten zu. Meredem, eine Makropolwelt. Orex III, eine Agrarwelt. Syros, eine Minenkolonie. Keine Verbindungen untereinander. Keine Anhaltspunkte. Man hätte meinen können, dass es Zufall war, dass all diese Welten nun tot waren, wenn nicht dieses nicht greifbare Muster gewesen wäre. Ihre stahlgrauen Augen verengten sich vor Konzentration zu Schlitzen, was ihr in dem flackernden Dämmerlicht etwas katzenhaftes, dämonisches gab. Für den Bruchteil einer Sekunde konnte sie es sehen, direkt vor ihren Augen. Für einen kurzen Augenblick erkannte sie das Muster, sie musste nur noch zugreifen und es festhalten.<br />
Dann flog die die Tür zu ihrer Kammer mit einem Windzug auf, der entfernt an höhnisches Gelächter erinnern konnte. Fast erschrocken fuhr sie zusammen und hatte für einen Augenblick das seltsame Gefühl ertappt worden zu sein. Sie richtete den Blick auf die gerüstete Gestalt, die vor ihr stand und mit der Faust auf ihre gepanzerte Brust schlug, bevor sie auf ein unmerkliches Nicken hin den Raum betrat und einen weiteren Bericht mit ausdrucksloser Mine auf den Tisch legte. Eine hastige, ruckartige Bewegung mit Hand entließ die gerüstete Figur aus ihrer Anwesenheit. Sie beachtete sie nicht mehr, hörte nicht mehr, wie schwere Schritte hinter der Tür verhallten. Ihre Augen ruhten auf der leuchtenden Schrift des Berichtes, den sie gerade erhalten hatte. Nein, kein Bericht - ein Notruf. "Imperator, höre unser Flehen! Errette die Seelen der deinen und vergib uns armen Sündern! Schließe die Hölle und vernichte ihre Brut. Amen. Imperator, höre unser Flehen! Errette.."<br />
Eine endlos wiederholte Wortkette, aus der ein Glied sie förmlich ansprang: die Brut der Hölle. Dämonen! Torgast V, der Ursprung des Notrufes, lag nur eine Wochenreise durch den Warp entfernt, so ihnen der Imperator eine ruhige Reise schenkte. "Torgast V!" murmelte sie, wie ein Mantra. Was hatte sie von diesem Notruf zu halten? War es ein Ersuchen um Verstärkung? War es ein Mortis-Schrei? Mit einem erneuten Kopfschütteln versuchte sie, Ordnung in ihren Gedanken zu schaffen. Sie würde dorthin gehen müssen, soviel stand für sie fest. Ihre Hand zitterte kaum merklich, als sie den Sprechknopf des einfachen, schiffsinternen Voxgerätes drückte. "Captain Pharon, setzen sie Kurs auf Torgast V!" Das leichte Mitschwingen von Erregung wurde durch das Lautsprechersystem unhörbar. Die tiefe, angenehme Stimme des Kommandanten der Jagdbote, der eine Bestätigung voxte, hörte sie schon wieder nicht mehr. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt wieder ihrem Schreibtisch und den Berichten.<br />
<br />
Sie stand auf der Brücke der Jagdbote. Die Antriebssysteme der schnellen Fregatte liefen auf einem Viertel ihrer Leistung, um sich so langsam dem Planeten Torgast V zu nähern. Sie trug nicht mehr die einfachen, ihre weibliche Figur verhüllenden Roben, sondern eine mit feinen Intarsien verzierte Rüstung. An ihrer Hüfte baumelte ein von Ketten gehaltenes und in abgewetztes Leder gebundenes Buch. "Wir nähern uns jetzt in einem weiten Bogen dem Planeten, Herrin." Der tiefe, kehlige Dialekt des Kapitäns der Jagdbote ließ sie ihre Mundwinkel in der Andeutung eines Lächelns verziehen. Auch das Wort "Herrin" kam so ehrfurchtsvoll, dass es sie fast erröten ließ. Ein wohlverdientes Zeichen des Respekts, sagte sie sich. War sie nicht auserwählt, um den Willen des Imperators durchzusetzen? "Danke, Captain", erwiderte sie mit einer ruhigen, fast lieblichen Stimme, der man trotzdem sofort entnehmen konnte, dass sie gewohnt war, Befehle zu geben. Ihre schmalen Augenbrauen zogen sich kurz drauf über der geraden, wohlgeformten Nase zusammen, als sie sich auf die taktischen Displays der Fregatte konzentrierte. "Irgendetwas Ungewöhnliches?" fragte sie in die nur von den Arbeitsgeräuschen der Brücke unterbrochene Stille. "Abgesehen natürlich von dem Fehlen jedweder Kommunikation", fügte sie in Gedanken hinzu. Auch wenn das hier nicht Hydraphur war, so hätte es doch zumindest den üblichen zivilen Funkverkehr geben müssen. "Ein Schiff verschwand auf der uns abgewandten Seite des Planeten kurz nach unserem Eintreffen. Die Langstreckensensoren konnten so schnell nicht volle Leistung entwickeln. Die Kennung ist daher unklar. Aber alle Hinweise deuten auf ein ziviles, imperiales Schiff hin. Keine Schiffe der Verteidigungsflotte sind im System, kein Funkverkehr, alle Frequenzen sind tot. Keine Signale vom Planeten. Unsere Sensoren empfangen aber...seltsame Ausschläge im energetischen Bereich von der Oberfläche."<br />
Der Captain zuckte zusammen, als sich ihr Blick auf ihn richtete. "Captain, wir waren nur acht Tage im Warp. Torgast V hatte drei systemgebundene Monitore, ein stehendes Heer von einer halben Million Soldaten der PDF, Arbites und paramilitärische Milizen in den größeren Städten. Irgendetwas MUSS noch da sein! Spezifizieren Sie "Energiespitzen"!" Captain Pharon schluckte. "Die Sensoren erfassen nichts, Herrin. Die Ausschläge haben Ähnlichkeit mit den Signaturen, die Schiffe hinterlassen, die aus dem Warp austreten, sind allerdings nicht so stabil und viel zu nah an der Oberfläche des Planeten. Ich habe so etwas noch nie gesehen." Ihr Gesicht verdunkelte sich. Im Gegensatz zum Kommandanten der Jagdbote kannte sie dieses Phänomen sehr wohl. "Sehr gut, Captain. Halten Sie den Kurs und lassen die Crew auf Gefechtsstationen. Das Gellerfeld bleibt aktiv. Ich werde auf dem Planeten landen. Bei Erreichen von Torgast V gehen Sie in einen geostationären Orbit und warten dort fünf Stunden! Danach betrachten Sie uns bei nicht erfolgter Rückkehr als tot und kehren nach Thracian Primaris zurück. Sollte das verschwundene Schiff wieder auftauchen, halten Sie Abstand und informieren Sie mich sofort!" Mit diesen Worten drehte sie sich um und verließ die Brücke - und einen besorgt aussehenden Captain Pharon.<br />
Sie ging in die kleine Kapelle der Jagdbote und kniete vor den im Halbkreis angeordneten Statuen nieder. In der Mitte, umspielt von geschickt angeordneten Leuchten und umschmeichelt von Weihrauch, den zwei Servitoren in autistischer Monotonie aus alten, schweren Gefäßen aufsteigen ließen, war schwebend eine überlebensgroße Statue des Imperators angebracht und starrte mit strengem Angesicht und leblosen, entrückten Augen auf sie nieder. Unter ihm, fast verborgen in all den Nebelschwaden, war ein niedriger Altar, auf dem halb vertrocknete Blumen und zwei, dicke, verstaubte Bücher lagen. Den Altar selber zierte an der Front ein verblichenes, verwundetes Herz, aus dem ein einsamer Bluttropfen quoll. Sie sank auf die Knie, und faltete die Hände. "A spiritu dominatus, Domine, libra nos, From the lighting and the tempest, Our Emperor, deliver us. From plague, Temptation and war, Our Emperor, deliver us, From the scourge of the Kraken, Our Emperor, deliver us. From the blasphemy of the Fallen, Our Emperor, deliver us, From the begetting of daemons, Our Emperor, deliver us, From the curse of the mutant, Our Emperor, deliver us, A morte perpetua, Domine, libra nos. That thou wouldst bring them only death, That thou shouldst spare none, That thou shouldst pardon none, We beseech thee, destroy them."<br />
Immer wieder wiederholte sie diese Worte, fand Frieden in ihrem vertrauten Klang und Zuflucht in ihrem Inhalt. Dann legte sich eine gepanzerte Hand von hinten auf ihren rechten Schulterpanzer und riss sie aus ihrer Apathie. Sie blickte auf und sah in ein von Brandnarben grässlich entstelltes Gesicht, das in krassem Gegensatz zu ihren feinen Gesichtszügen mit den roten, vollen Lippen stand. "Ihr werdet erwartet, Prioris." Sie hatte nicht bemerkt, wie viel Zeit vergangen war, seit sie in die Kapelle gekommen war. Sie nickte stumm und sah noch einmal zum Gesicht des Imperators auf. Doch der steinerne Riese blieb stumm.<br />
<br />
Prioris Jana Tordredson vom Orden des Verwundeten Herzens schritt durch die Korridore der Jagdbote. Seit sie von ihrer Principalis den Auftrag bekommen hatte, die Vorgänge im Helican Subsektor zu untersuchen, war sie ihrem Ziel nie so nahe gewesen. Sie wusste immer noch nicht, womit sie es zu tun hatte - aber sie wusste, dass sie es vernichten musste. Das war sie dem Imperator schuldig. Sie war sich nur nicht sicher, ob ein Trupp Celestias, auch wenn es zweifelsohne die Besten des Ordens waren, ausreichen würde. Sie schob ihre Zweifel beiseite und strich sich mit einer Hand eine Strähne ihres blonden Haares aus der Stirn. Wie alle Schwestern ihres Trupps trug sie keinen Helm, vier rechtschaffene Godwyn-Bolter und ein schwerer Flammenwerfer mussten heute genügen. Und wenn sie erst hinter das Geheimnis des Musters gekommen wäre, konnte sie immer noch Verstärkung anfordern. Zunächst sollte ihre Konzentration jedoch ihrer derzeitigen Mission gelten. Sie musste herausfinden, was auf diesem Planeten geschehen war. Was auf den anderen Planeten geschehen war.<br />
Im Hangar angekommen, warteten bereits ihr Arvus und ihre Schwestern auf sie. Vier Veteraninnen von untadeligem Ruf; jede mit der Erfahrung aus mehreren Kreuzzügen. Sie brauchte keine lange Rede, um ihnen zu vermitteln, was sie zu erwarten hatten. "Schwestern, das ist eine Aufklärungsmission. Vermutlich dämonischer Befall. Unser Auftrag ist es, nach Hinweisen Ausschau zu halten. Wir werden unsere Suche im Palast des Gouverneurs beginnen." Sie faltete die Hände. "Lasst uns gemeinsam unsere Seelen dem Imperator empfehlen und um seinen Schutz bitten." Wie ein Person fielen die Schwestern des Adeptus Sororitas auf ein Knie und begannen zu beten. Erst nach einer für einen unbeteiligten Zuschauer gefühlten Ewigkeit beendeten sie ihre gemeinsamen rituellen, fast archaisch anmutenden Gebete und verschwanden im Arvus. Kurz darauf betete Captain Pharon auf der Brücke der Jagdbote im Angesicht der schnell verschwindenden Triebwerke des Landungsschiffes für eine sichere und vor allem schnelle Rückkehr der Schwestern.<br />
<br />
Der Planet bot ein Bild des Grauens. Es war nicht der Tod in all seinen Facetten, der auf die Schwestern gewartet hatte, nicht die völlige Zerstörung, die das Chaos hinterließ. Das hier war anders. Keine Toten, keine Zerstörung, außer den geschändeten Insignien des göttlichen Imperators. Trotzdem war es in der Luft: der süßliche, ekelerregende Gestank des Chaos, wie Moschus oder das aufdringliche und gleichzeitig anziehende Parfum eine Hure.<br />
Die Prioris umklammerte ihren Bolter. Hätte sie nicht ihre Rüstung getragen, so hätte man sehen können, dass auf ihren feingliedrigen Fingern jeder Knöchel weiß hervorgetreten war. "Diora, Graniel, Aletta - ihr drei geht entlang der Allee und nähert euch dem Palast von hinten. Das Archiv liegt im ersten Stock. Babeta, ihr kommt mit mir. Wir werden den direkten Weg nehmen." Während Graniel zum letzten mal ihren schweren Flammenwerfer kontrollierte, murmelten ihre Schwestern ein kurzes Gebet über ihre Bolter. Danach trennten sich die Wege der Celestias.<br />
Der Arvus hatte sie in einem eigentlich dicht besiedelten Gebiet abgesetzt, genauer in einem Park. Nebelschwaden zogen über das saftige grüne Gras und ließen alles, was weiter als 30 Schritt entfernt lag, zu Schemen verschwimmen. Doch nirgends waren die Spuren von Kämpfen zu sehen, nichts deutete darauf hin, dass es hier jemals Krieg gegeben hatte. Auch aus der Luft hatte man entlang der Hauptstadt des Planeten keine Anzeichen für Gefechte gefunden. Langsam ging die Prioris in den Nebel, den Bolter immer entlang ihres Blickes gerichtet, den Finger nur einen Millimeter vom Abzug entfernt. Ihre Anspannung nahm mit jedem Schritt zu, den sie in den Nebel ging. Sie ging an Bäumen vorbei, die ihr falsch vorkamen, ohne dass sie sagen konnte, warum. Das Gras war grüner, als es sein sollte und lud förmlich dazu ein, es sich darin gemütlich zu machen. Sie konnte förmlich die verliebten Paare sehen, die hier vor nicht allzu langer Zeit Arm in Arm gelegen hatten. Tordredson verdrängte den Gedanken und konzentrierte sich wieder auf ihre Umgebung. Schemenhaft war vor ihr eine Mauer oder Hecke zu erkennen, dahinter hohe, dunkle Schatten, die das Ende des Parks bedeuten mochten. Das war der Moment, in dem der Wind aufkam. Und mit ihm die Stimme.<br />
Leises Wispern erfüllte ihren Kopf, drang in ihr Hirn. Worte, die sie nicht verstand, Worte, die schön und abstoßen zugleich waren. Für eine Sekunde war die Prioris versucht, sich den Stimmen hinzugeben. Für den Bruchteil einer Sekunde war sie versucht, ihre Eide zu brechen. Nicht länger. Der Moment des Zweifels verging, als sich Tordredson in einen Mantel aus Gebeten hüllte, sich ganz und gar von der Kraft des Glaubens durchströmen ließ. Die Tonart der Stimmen änderte sich, aus schmeichelnden Flüstereien wurde zuerst hönisches Gelächter, dann leise Wut. Dann verschwanden die Stimmen und die Welt versank wieder in der unmenschlichen, leeren Stille. Die Prioris blickte sich um und sah Schwester Babeta, die sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. "War...war...was war das?" stammelte die Celestia. "Beim Imperator, so etwas habe ich noch nie erlebt. Meine Mutter hat zu mir gesprochen. Prioris, diese Welt ist falsch!" "Mut, Schwester", gab Prioris Tordredson zurück, "Mut und Glaube sind unser Schild. Der Imperator beschützt die seinen!" Was immer auch zu ihrer Schwester gesprochen hatte, war nicht ihre Mutter gewesen. Die Schwestern des Adeptus Sororitas hatten keine Mutter - nur einen Vater auf dem Goldenen Thron. Ein Griff zum Voxgerät öffnete einen Kanal zu den anderen Celestias, aber nur statisches Rauschen und Interferenzen antworteten ihren Worten. "Der Imperator beschützt!" murmelte sie, bevor sie mit einer knappen Geste andeutete, dass es weiter ging.<br />
Tordredson ging voraus und durchbrach den Nebel, der über dem Park lag. Die Häuser dahinter wirkten unscheinbar, Habblocks wie in jeder imperialen Siedlung üblich. Unüblich waren die Gemälde. Männer, die Frauen zu Füßen lagen, Frauen mit Peitschen, Frauen mit nur einer Brust und obszönere Perversionen. Kultgemälde. Tordredson erschauerte, als sie die Handschrift erkannte, die die bis hierhin unsichtbare Macht hinterlassen hatte. Vorsichtig ging sie weiter, doch das Leben schien die Hauptstadt geflohen zu sein. Die Stille schien die beiden Schwestern zu umhüllen wie Watte. Nach einer Zeit, die beiden Schwestern vorkam wie eine Ewigkeit, ragten die hohen Türme des Imperialen Palastes vor ihnen auf, dem Sitz des planetaren Herrschers. Jeder einzelne Adler, jeder Blitz, einfach jedes Emblem des Imperiums war verstümmelt worden. Die Statuen, die einstmals stolz und erhaben über den Weg zum Haupttor des Palastes gewacht hatten, waren entweiht und durch ekelhaft pervertierte, lüsterne Gestalten ersetzt worden, die an ihrer statt nun vom Niedergang der Gesellschaft auf Torgast V kündeten. Die große Tür des Basilika-ähnlichen Baus stand offen. Tordredson versuchte erneut, in Verbindung mit ihren drei anderen Schwestern zu treten, doch dieses Mal erhielt sie nicht einmal statisches Rauschen als Antwort auf ihre Fragen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Fall von Torgast V<br />
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In Scripturis sacris, Diablolus et daemones variis<br />
vocantur nominibus. Inter quae quaedam naturam navitatemque eorum quodammodo innuunt.<br />
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Virgo Sacrosancta, qui Satanas, serpens antiquust et draco vocatur .<br />
Hominum adversarius et homicida ab initio designatur, cum per peccatum hominem fecit<br />
obnoxium morti.<br />
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Cum autem noxia atque contraria actio Diaboli et daemonum afficiat personas, res, loca et appareat diverso modo, Ecclesia, semper conscia quod dies mali sunt, oravit et orat ut ab insidiis diaboli homines liberentur!<br />
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Kopfschmerzen und Müdigkeit. Daten, Zahlen, Berichte. Ihre Welt bestand einfach aus nichts anderem, als eben diesen Dingen. Erschöpft starrte sie aus rot geränderten, mit dunklen Ringen versehenen Augen auf die Flut an Berichten, die sich in der dunklen Kammer an Bord der Jagdbote türmten. Ihr Schreibtisch, ein spartanisches Stück Metall, das den Namen nicht einmal im Ansatz verdient hatte, bog sich schier unter der Last der Datentafeln und Papierberge. Funksprüche lagen neben Aufklärungsergebnissen und Meldungen über vermeintliche Spuren thronten neben den wirren Orakelsprüchen lokaler "Heiliger". Chaos in ihrem Kopf, Chaos auf ihrem Schreibtisch, Chaos in der Welt. Offenbar bestimmte das Chaos ihr Leben. Sie hob ihren Kopf in dem verzweifelten Versuch Mattigkeit und Kopfschmerzen loszuwerden. Der Schriftzug über ihrer Tür, "Die Beweisführung ist schwierig und kann nur von Gelehrten verstanden werden; der Glaube aber ist nötig für die Ungebildeten, für die jungen Menschen und all diejenigen, denen es an Muße fehlt, sich mit Philosophie zu beschäftigen. Für sie reicht die Offenbarung", spendete ihr dieses Mal nur wenig Trost.<br />
Im flackernden rot-gelben Licht von Kerzen griff sie zu einem weiteren Bericht. Ravan IV, eine mittelgroße Kolonie im Kalimes-System, nicht bedeutend genug, um sofort ins Auge zu fallen, strategisch wie taktisch von untergeordneter Bedeutung, und doch nicht unwichtig genug, um keine Besorgnis zu empfinden, wenn dieser Planet keine Routinemeldungen mehr absetzte. Sie fügten den Namen des Planeten der Liste hinzu, der seit Stunden, wenn nicht Tagen, ihre Aufmerksamkeit gehörte. Eine Liste mit Planeten, die in diesem Subsektor in den letzten Wochen einem ungewissen Schicksal anheim gefallen waren. Es gab ein Muster hinter diesen Ereignissen, ein Muster und eine Bedeutung, die es rechtfertigten, dass jemand von ihrem Rang sich damit beschäftigte. Ein Muster, dass direkt vor ihren Augen tanzte, dass sie nur zu packen brauchte, doch das sich jedes Mal, wenn sie zugreifen wollte, wie Nebel in der Sonne auflöste und sich verflüchtigte. Die Liste der Planeten des Subsektors, die in der letzten Zeit verstummt waren, war lang. Wann immer sie mit ihrem Gefolge an einem der stummen Planeten eingetroffen war, hatte sie eine tote Welt gefunden. Eine Welt, die den süßen Duft des Todes verströmte; ein Duft, der eher in die Gedanken, als in die Nase stieg. Und allem haftete der Makel an. Der Duft war überall: in den Ruinen, in den Wüsten, jeder Stein und jedes Sandkorn der verheerten Welten verströmte ihn. Ein Duft, und gleichzeitig eine Ahnung, ein Traum mit der Essenz des Bösen. Jedes Mal hatte sie spüren können, wie sich die Seelen der Getöteten einen Weg in ihre Gedanken bahnen wollten, hatte ihre Verzweiflung fast schmecken können, hätte fast ihre Schreie hören können. Aber ihre Barrieren hielten und so wusste sie nicht, was geschehen war. Chaos. Soviel wusste sie, dunkle Mächte waren auf dem Vormarsch, aber ihr Ziel, ihre Herkunft, ihre Absicht, all das blieb im Schatten des Warp verborgen. Sie lächelte, eine kalte Geste, der keine Spur von Humor inne zu wohnen schien. Wer könnte je die Absichten der widerwärtigen dunklen Wesen des Warp verstehen? Wer würde je ihre wahren Motive erkennen, ohne sich ihren ketzerischen Einflüssen hinzugeben? Sie schüttelte in einer unbewussten Reaktion auf ihre eigenen Gedanken ihren Kopf, sodass ihr Strähnen ihrer blonden Haare ins Gesicht fielen. Mit einer ebenso unbewussten, automatisierten Geste strich sie sich die Haare wieder aus den Augen und wandte sich erneut den Bergen von Akten zu. Meredem, eine Makropolwelt. Orex III, eine Agrarwelt. Syros, eine Minenkolonie. Keine Verbindungen untereinander. Keine Anhaltspunkte. Man hätte meinen können, dass es Zufall war, dass all diese Welten nun tot waren, wenn nicht dieses nicht greifbare Muster gewesen wäre. Ihre stahlgrauen Augen verengten sich vor Konzentration zu Schlitzen, was ihr in dem flackernden Dämmerlicht etwas katzenhaftes, dämonisches gab. Für den Bruchteil einer Sekunde konnte sie es sehen, direkt vor ihren Augen. Für einen kurzen Augenblick erkannte sie das Muster, sie musste nur noch zugreifen und es festhalten.<br />
Dann flog die die Tür zu ihrer Kammer mit einem Windzug auf, der entfernt an höhnisches Gelächter erinnern konnte. Fast erschrocken fuhr sie zusammen und hatte für einen Augenblick das seltsame Gefühl ertappt worden zu sein. Sie richtete den Blick auf die gerüstete Gestalt, die vor ihr stand und mit der Faust auf ihre gepanzerte Brust schlug, bevor sie auf ein unmerkliches Nicken hin den Raum betrat und einen weiteren Bericht mit ausdrucksloser Mine auf den Tisch legte. Eine hastige, ruckartige Bewegung mit Hand entließ die gerüstete Figur aus ihrer Anwesenheit. Sie beachtete sie nicht mehr, hörte nicht mehr, wie schwere Schritte hinter der Tür verhallten. Ihre Augen ruhten auf der leuchtenden Schrift des Berichtes, den sie gerade erhalten hatte. Nein, kein Bericht - ein Notruf. "Imperator, höre unser Flehen! Errette die Seelen der deinen und vergib uns armen Sündern! Schließe die Hölle und vernichte ihre Brut. Amen. Imperator, höre unser Flehen! Errette.."<br />
Eine endlos wiederholte Wortkette, aus der ein Glied sie förmlich ansprang: die Brut der Hölle. Dämonen! Torgast V, der Ursprung des Notrufes, lag nur eine Wochenreise durch den Warp entfernt, so ihnen der Imperator eine ruhige Reise schenkte. "Torgast V!" murmelte sie, wie ein Mantra. Was hatte sie von diesem Notruf zu halten? War es ein Ersuchen um Verstärkung? War es ein Mortis-Schrei? Mit einem erneuten Kopfschütteln versuchte sie, Ordnung in ihren Gedanken zu schaffen. Sie würde dorthin gehen müssen, soviel stand für sie fest. Ihre Hand zitterte kaum merklich, als sie den Sprechknopf des einfachen, schiffsinternen Voxgerätes drückte. "Captain Pharon, setzen sie Kurs auf Torgast V!" Das leichte Mitschwingen von Erregung wurde durch das Lautsprechersystem unhörbar. Die tiefe, angenehme Stimme des Kommandanten der Jagdbote, der eine Bestätigung voxte, hörte sie schon wieder nicht mehr. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt wieder ihrem Schreibtisch und den Berichten.<br />
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Sie stand auf der Brücke der Jagdbote. Die Antriebssysteme der schnellen Fregatte liefen auf einem Viertel ihrer Leistung, um sich so langsam dem Planeten Torgast V zu nähern. Sie trug nicht mehr die einfachen, ihre weibliche Figur verhüllenden Roben, sondern eine mit feinen Intarsien verzierte Rüstung. An ihrer Hüfte baumelte ein von Ketten gehaltenes und in abgewetztes Leder gebundenes Buch. "Wir nähern uns jetzt in einem weiten Bogen dem Planeten, Herrin." Der tiefe, kehlige Dialekt des Kapitäns der Jagdbote ließ sie ihre Mundwinkel in der Andeutung eines Lächelns verziehen. Auch das Wort "Herrin" kam so ehrfurchtsvoll, dass es sie fast erröten ließ. Ein wohlverdientes Zeichen des Respekts, sagte sie sich. War sie nicht auserwählt, um den Willen des Imperators durchzusetzen? "Danke, Captain", erwiderte sie mit einer ruhigen, fast lieblichen Stimme, der man trotzdem sofort entnehmen konnte, dass sie gewohnt war, Befehle zu geben. Ihre schmalen Augenbrauen zogen sich kurz drauf über der geraden, wohlgeformten Nase zusammen, als sie sich auf die taktischen Displays der Fregatte konzentrierte. "Irgendetwas Ungewöhnliches?" fragte sie in die nur von den Arbeitsgeräuschen der Brücke unterbrochene Stille. "Abgesehen natürlich von dem Fehlen jedweder Kommunikation", fügte sie in Gedanken hinzu. Auch wenn das hier nicht Hydraphur war, so hätte es doch zumindest den üblichen zivilen Funkverkehr geben müssen. "Ein Schiff verschwand auf der uns abgewandten Seite des Planeten kurz nach unserem Eintreffen. Die Langstreckensensoren konnten so schnell nicht volle Leistung entwickeln. Die Kennung ist daher unklar. Aber alle Hinweise deuten auf ein ziviles, imperiales Schiff hin. Keine Schiffe der Verteidigungsflotte sind im System, kein Funkverkehr, alle Frequenzen sind tot. Keine Signale vom Planeten. Unsere Sensoren empfangen aber...seltsame Ausschläge im energetischen Bereich von der Oberfläche."<br />
Der Captain zuckte zusammen, als sich ihr Blick auf ihn richtete. "Captain, wir waren nur acht Tage im Warp. Torgast V hatte drei systemgebundene Monitore, ein stehendes Heer von einer halben Million Soldaten der PDF, Arbites und paramilitärische Milizen in den größeren Städten. Irgendetwas MUSS noch da sein! Spezifizieren Sie "Energiespitzen"!" Captain Pharon schluckte. "Die Sensoren erfassen nichts, Herrin. Die Ausschläge haben Ähnlichkeit mit den Signaturen, die Schiffe hinterlassen, die aus dem Warp austreten, sind allerdings nicht so stabil und viel zu nah an der Oberfläche des Planeten. Ich habe so etwas noch nie gesehen." Ihr Gesicht verdunkelte sich. Im Gegensatz zum Kommandanten der Jagdbote kannte sie dieses Phänomen sehr wohl. "Sehr gut, Captain. Halten Sie den Kurs und lassen die Crew auf Gefechtsstationen. Das Gellerfeld bleibt aktiv. Ich werde auf dem Planeten landen. Bei Erreichen von Torgast V gehen Sie in einen geostationären Orbit und warten dort fünf Stunden! Danach betrachten Sie uns bei nicht erfolgter Rückkehr als tot und kehren nach Thracian Primaris zurück. Sollte das verschwundene Schiff wieder auftauchen, halten Sie Abstand und informieren Sie mich sofort!" Mit diesen Worten drehte sie sich um und verließ die Brücke - und einen besorgt aussehenden Captain Pharon.<br />
Sie ging in die kleine Kapelle der Jagdbote und kniete vor den im Halbkreis angeordneten Statuen nieder. In der Mitte, umspielt von geschickt angeordneten Leuchten und umschmeichelt von Weihrauch, den zwei Servitoren in autistischer Monotonie aus alten, schweren Gefäßen aufsteigen ließen, war schwebend eine überlebensgroße Statue des Imperators angebracht und starrte mit strengem Angesicht und leblosen, entrückten Augen auf sie nieder. Unter ihm, fast verborgen in all den Nebelschwaden, war ein niedriger Altar, auf dem halb vertrocknete Blumen und zwei, dicke, verstaubte Bücher lagen. Den Altar selber zierte an der Front ein verblichenes, verwundetes Herz, aus dem ein einsamer Bluttropfen quoll. Sie sank auf die Knie, und faltete die Hände. "A spiritu dominatus, Domine, libra nos, From the lighting and the tempest, Our Emperor, deliver us. From plague, Temptation and war, Our Emperor, deliver us, From the scourge of the Kraken, Our Emperor, deliver us. From the blasphemy of the Fallen, Our Emperor, deliver us, From the begetting of daemons, Our Emperor, deliver us, From the curse of the mutant, Our Emperor, deliver us, A morte perpetua, Domine, libra nos. That thou wouldst bring them only death, That thou shouldst spare none, That thou shouldst pardon none, We beseech thee, destroy them."<br />
Immer wieder wiederholte sie diese Worte, fand Frieden in ihrem vertrauten Klang und Zuflucht in ihrem Inhalt. Dann legte sich eine gepanzerte Hand von hinten auf ihren rechten Schulterpanzer und riss sie aus ihrer Apathie. Sie blickte auf und sah in ein von Brandnarben grässlich entstelltes Gesicht, das in krassem Gegensatz zu ihren feinen Gesichtszügen mit den roten, vollen Lippen stand. "Ihr werdet erwartet, Prioris." Sie hatte nicht bemerkt, wie viel Zeit vergangen war, seit sie in die Kapelle gekommen war. Sie nickte stumm und sah noch einmal zum Gesicht des Imperators auf. Doch der steinerne Riese blieb stumm.<br />
<br />
Prioris Jana Tordredson vom Orden des Verwundeten Herzens schritt durch die Korridore der Jagdbote. Seit sie von ihrer Principalis den Auftrag bekommen hatte, die Vorgänge im Helican Subsektor zu untersuchen, war sie ihrem Ziel nie so nahe gewesen. Sie wusste immer noch nicht, womit sie es zu tun hatte - aber sie wusste, dass sie es vernichten musste. Das war sie dem Imperator schuldig. Sie war sich nur nicht sicher, ob ein Trupp Celestias, auch wenn es zweifelsohne die Besten des Ordens waren, ausreichen würde. Sie schob ihre Zweifel beiseite und strich sich mit einer Hand eine Strähne ihres blonden Haares aus der Stirn. Wie alle Schwestern ihres Trupps trug sie keinen Helm, vier rechtschaffene Godwyn-Bolter und ein schwerer Flammenwerfer mussten heute genügen. Und wenn sie erst hinter das Geheimnis des Musters gekommen wäre, konnte sie immer noch Verstärkung anfordern. Zunächst sollte ihre Konzentration jedoch ihrer derzeitigen Mission gelten. Sie musste herausfinden, was auf diesem Planeten geschehen war. Was auf den anderen Planeten geschehen war.<br />
Im Hangar angekommen, warteten bereits ihr Arvus und ihre Schwestern auf sie. Vier Veteraninnen von untadeligem Ruf; jede mit der Erfahrung aus mehreren Kreuzzügen. Sie brauchte keine lange Rede, um ihnen zu vermitteln, was sie zu erwarten hatten. "Schwestern, das ist eine Aufklärungsmission. Vermutlich dämonischer Befall. Unser Auftrag ist es, nach Hinweisen Ausschau zu halten. Wir werden unsere Suche im Palast des Gouverneurs beginnen." Sie faltete die Hände. "Lasst uns gemeinsam unsere Seelen dem Imperator empfehlen und um seinen Schutz bitten." Wie ein Person fielen die Schwestern des Adeptus Sororitas auf ein Knie und begannen zu beten. Erst nach einer für einen unbeteiligten Zuschauer gefühlten Ewigkeit beendeten sie ihre gemeinsamen rituellen, fast archaisch anmutenden Gebete und verschwanden im Arvus. Kurz darauf betete Captain Pharon auf der Brücke der Jagdbote im Angesicht der schnell verschwindenden Triebwerke des Landungsschiffes für eine sichere und vor allem schnelle Rückkehr der Schwestern.<br />
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Der Planet bot ein Bild des Grauens. Es war nicht der Tod in all seinen Facetten, der auf die Schwestern gewartet hatte, nicht die völlige Zerstörung, die das Chaos hinterließ. Das hier war anders. Keine Toten, keine Zerstörung, außer den geschändeten Insignien des göttlichen Imperators. Trotzdem war es in der Luft: der süßliche, ekelerregende Gestank des Chaos, wie Moschus oder das aufdringliche und gleichzeitig anziehende Parfum eine Hure.<br />
Die Prioris umklammerte ihren Bolter. Hätte sie nicht ihre Rüstung getragen, so hätte man sehen können, dass auf ihren feingliedrigen Fingern jeder Knöchel weiß hervorgetreten war. "Diora, Graniel, Aletta - ihr drei geht entlang der Allee und nähert euch dem Palast von hinten. Das Archiv liegt im ersten Stock. Babeta, ihr kommt mit mir. Wir werden den direkten Weg nehmen." Während Graniel zum letzten mal ihren schweren Flammenwerfer kontrollierte, murmelten ihre Schwestern ein kurzes Gebet über ihre Bolter. Danach trennten sich die Wege der Celestias.<br />
Der Arvus hatte sie in einem eigentlich dicht besiedelten Gebiet abgesetzt, genauer in einem Park. Nebelschwaden zogen über das saftige grüne Gras und ließen alles, was weiter als 30 Schritt entfernt lag, zu Schemen verschwimmen. Doch nirgends waren die Spuren von Kämpfen zu sehen, nichts deutete darauf hin, dass es hier jemals Krieg gegeben hatte. Auch aus der Luft hatte man entlang der Hauptstadt des Planeten keine Anzeichen für Gefechte gefunden. Langsam ging die Prioris in den Nebel, den Bolter immer entlang ihres Blickes gerichtet, den Finger nur einen Millimeter vom Abzug entfernt. Ihre Anspannung nahm mit jedem Schritt zu, den sie in den Nebel ging. Sie ging an Bäumen vorbei, die ihr falsch vorkamen, ohne dass sie sagen konnte, warum. Das Gras war grüner, als es sein sollte und lud förmlich dazu ein, es sich darin gemütlich zu machen. Sie konnte förmlich die verliebten Paare sehen, die hier vor nicht allzu langer Zeit Arm in Arm gelegen hatten. Tordredson verdrängte den Gedanken und konzentrierte sich wieder auf ihre Umgebung. Schemenhaft war vor ihr eine Mauer oder Hecke zu erkennen, dahinter hohe, dunkle Schatten, die das Ende des Parks bedeuten mochten. Das war der Moment, in dem der Wind aufkam. Und mit ihm die Stimme.<br />
Leises Wispern erfüllte ihren Kopf, drang in ihr Hirn. Worte, die sie nicht verstand, Worte, die schön und abstoßen zugleich waren. Für eine Sekunde war die Prioris versucht, sich den Stimmen hinzugeben. Für den Bruchteil einer Sekunde war sie versucht, ihre Eide zu brechen. Nicht länger. Der Moment des Zweifels verging, als sich Tordredson in einen Mantel aus Gebeten hüllte, sich ganz und gar von der Kraft des Glaubens durchströmen ließ. Die Tonart der Stimmen änderte sich, aus schmeichelnden Flüstereien wurde zuerst hönisches Gelächter, dann leise Wut. Dann verschwanden die Stimmen und die Welt versank wieder in der unmenschlichen, leeren Stille. Die Prioris blickte sich um und sah Schwester Babeta, die sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. "War...war...was war das?" stammelte die Celestia. "Beim Imperator, so etwas habe ich noch nie erlebt. Meine Mutter hat zu mir gesprochen. Prioris, diese Welt ist falsch!" "Mut, Schwester", gab Prioris Tordredson zurück, "Mut und Glaube sind unser Schild. Der Imperator beschützt die seinen!" Was immer auch zu ihrer Schwester gesprochen hatte, war nicht ihre Mutter gewesen. Die Schwestern des Adeptus Sororitas hatten keine Mutter - nur einen Vater auf dem Goldenen Thron. Ein Griff zum Voxgerät öffnete einen Kanal zu den anderen Celestias, aber nur statisches Rauschen und Interferenzen antworteten ihren Worten. "Der Imperator beschützt!" murmelte sie, bevor sie mit einer knappen Geste andeutete, dass es weiter ging.<br />
Tordredson ging voraus und durchbrach den Nebel, der über dem Park lag. Die Häuser dahinter wirkten unscheinbar, Habblocks wie in jeder imperialen Siedlung üblich. Unüblich waren die Gemälde. Männer, die Frauen zu Füßen lagen, Frauen mit Peitschen, Frauen mit nur einer Brust und obszönere Perversionen. Kultgemälde. Tordredson erschauerte, als sie die Handschrift erkannte, die die bis hierhin unsichtbare Macht hinterlassen hatte. Vorsichtig ging sie weiter, doch das Leben schien die Hauptstadt geflohen zu sein. Die Stille schien die beiden Schwestern zu umhüllen wie Watte. Nach einer Zeit, die beiden Schwestern vorkam wie eine Ewigkeit, ragten die hohen Türme des Imperialen Palastes vor ihnen auf, dem Sitz des planetaren Herrschers. Jeder einzelne Adler, jeder Blitz, einfach jedes Emblem des Imperiums war verstümmelt worden. Die Statuen, die einstmals stolz und erhaben über den Weg zum Haupttor des Palastes gewacht hatten, waren entweiht und durch ekelhaft pervertierte, lüsterne Gestalten ersetzt worden, die an ihrer statt nun vom Niedergang der Gesellschaft auf Torgast V kündeten. Die große Tür des Basilika-ähnlichen Baus stand offen. Tordredson versuchte erneut, in Verbindung mit ihren drei anderen Schwestern zu treten, doch dieses Mal erhielt sie nicht einmal statisches Rauschen als Antwort auf ihre Fragen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Kathedrale der Erlösung]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=999</link>
			<pubDate>Wed, 09 Nov 2016 22:33:54 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=66"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=999</guid>
			<description><![CDATA[Die Kathedrale der Erlösung<br />
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Die Menschheit hatte vergessen, so unendlich viel vergessen. Nicht nur den Schmerz und den Kummer, sondern auch das Wissen um die Dankbarkeit für alle das was war. Die Menschen kannten keine Opfer mehr, Worte wie Sehnsucht, Schmerz und Dunkelheit kamen allenfalls in Geschichten vor, die Kinder ängstigen sollten, waren aber sonst aus dem Wortschatz der meisten Einwohner von Athenaios III gewichen. Aber Spurian erinnerte sich. Er erinnerte sich gut. Gemessenen Schrittes ging der alternde Mann, der die 200 Jahre beinahe überschritten hatte, auf die Gestalt zu, die in der Mitte des aus konzentrischen Kreisen bestehenden Parks stand, zu und kniete vor ihr nieder. Zu sagen, dass die Zeit Spuren an Spurian hinterlassen hatte, wäre eine maßlose Untertreibung gewesen. Spurian war alt und trug die Zeichen seines Alters mit stolz. Der Adept des Adeptus Ministratum hatte nunmehr fast 135 Jahre seines Lebens in den Dienst des Imperators gestellt; 135 Jahre voller Hingabe, Askese und Arbeit. Natürlich wusste er, das das Imperium sich seiner nicht erinnern würde. Er war nur eine Fußnote in der Geschichte eines Planeten. Aber Er würde sich erinnern. Ja, das würde er. Spurian erinnerte sich an die Liturgie des vergangenen Morgens. Schwester Adriana hatte die Gemeinde durch die morgendliche Andacht geführt. Sie hatte von den Versuchungen gepredigt, von den lauernden Gefahren, denen die Aufrechten, die Gläubigen, die Diener des Imperators ausgesetzt waren. Langsam begann Spurian zu beten. Nicht für sich, nein. Er betete zu Ihm auf Terra, dass die Dunkelheit nicht wieder erwachen möge. Er wusste, dass es nie den Sieg gegeben hatte. Es gab den Sieg nicht. Es gab nur den tiefen Schlaf, bewacht von Engeln und ihren Dienern. Die Dunkelheit würde wieder kommen. Spurian sah auf, als die letzten Strahlen der untergehenden Sonne hinter dem Horizont versanken und der Statue einen rötlich-goldenen Schein verliehen. Er lächelte und wusste: Solange das Licht war, musste die Dunkelheit vergehen. Langsam stand der alte Adept auf und ging steifbeinig und auf zitternden Knien in Richtung seines in den länger werdenden Schatten versinkenden Hab-Blocks davon. ,,Aus dem Licht des Glaubens will ich zehren, der Dunkelheit zum Trotze" stand in verblichenen Lettern am Tor zum Park. Spurian lächelte und entschwand aus der Dämmerung in das zwielichtige Dunkel, in dem die Stadt versank.<br />
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Schwester Athena stand am Fenster der kleinen Kapelle und betrachtete die vor ihr liegende Szenerie. Ihren Bolter hatte sie neben sich auf den kleinen Tisch gelegt, auf dem eine ausgeblichene Abschrift der Lectitio Divinitatus lag. Ihre weiße Rüstung war mit Gebetspergamenten und Litaneien des Glaubens verziert, die nicht nur von ihrer Hingabe, sondern vielmehr auch von ihrem Rang im Orden zeugten. Als Celestia Elohim genoss sie hohes Ansehen und war eine der Sororitas, die zum engen Zirkel der Ekklesiarchie auf dieser Welt gehörten. Diese Welt, Athenaios, benannt nach dem Konfessor, der mit einem Kreuzzug von Flagellanten und Zeloten diese Welt befreit hatte. Eine Welt, die weder eine sonderlich günstige Lage, noch besondere Industrieanlagen oder Rohstoffvorkommen vorzuweisen hatte. Und trotzdem war sie hier, eine Celestia Elohim. Seit nunmehr drei Jahren war die Schwester des Ordo Militaris zusammen mit den Anderen hier auf diesem Hinterwältlerplaneten, wie es der Wille des Imperators war. Drei Jahre hatte sie die Menschen auf dieser Welt in ihrem Glauben bestärkt, sie durch kleinere Krisen hindurch geleitet, die nicht mehr waren, als Dürreperioden und Unfälle in den dicht bevölkerten Zentren der Stadt, die verhältnismäßig wenige Opfer gekostet hatten. Athena belächelte das gemeine Volk des Imperators oft, waren sie doch wie eine Herde von Schafen, die sich der Gefahr nicht bewusst war die überall um sie herum lauerte. Mutanten, Ketzer, Xenos - vor all diesen Dingen warnte die Ekklesiarchie, aber wie sollte man eine Bevölkerung, deren Glaube fast so gefestigt war, wie der von Bewohnern einer Schreinwelt, solche Gefahren begreiflich machen? Die Celestia atmete tief ein und aus. Manchmal, in schwachen Momenten wünschte sie sich eine Rückkehr des Kampfes, einen Feind, dem sie ins Auge blicken konnte. Langeweile und Routine waren hier ihre größten Gegner. Doch aus Müßiggang entsprang Ketzerei.<br />
Sie maßregelte sich im Innern und wandte sich mit einer ruckartigen Bewegung vom Fenster ab. In einer halben Stunde würden Ihre Schwestern erscheinen, um mit ihr das Morgengebet zu sprechen. Ihre grünen, mandelförmigen Augen blickten unter einer blonden Strähne ihres ansonsten zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebundenen Haares hervor und betrachteten die in der Mitte des Raumes stehende Figur. Diese Kapelle war nicht dem Imperator gewidmet, sondern Schwester Lucretia, einer lokalen Heldin, die zusammen mit Konfessor Athenaios diese Welt verlassen hatte. Die ersten Strahlen der Sonne des Planeten zauberten tiefe Schatten in die Märtyrerin, die ihre Hände gen Himmel reckte und ließen ihr Gesicht unter der Kapuze ihrer Robe unter einer Geflecht von schwarzen Schatten verschwinden das in starkem Kontrast zu dem alabasterfarbenen Marmor stand, aus dem die Statue gefertigt war. Athena ging langsam auf die Figur zu und legte eine Hand auf die nackten Füße der einstigen Heldin. ,,Lucretia lehrt uns, dass wir alle unsere Opfer bringen müssen'' sagte eine Stimme hinter ihr. ,,Sie ist ein leuchtendes Bild reinen Glaubens in einer Welt voll von Egoismus und Sünde. Geschichte lehrt und vieles und wiederholt sich ständig.'' Athena wirbelte herum, Jahre des Training ließen sie automatisch zu ihrem Bolter greifen. Sie erstarrte mitten in der Bewegung, ließ ihre Hände sinken und neigte ihren Kopf. ,,Pater Niokletian." Ihre Worte, sowohl Feststellung, als auch Begrüßung hallten in der kleinen Kapelle wieder.<br />
,, Verzeiht, Schwester Elohim, ich wollte euch nicht erschrecken.'' Das Alter war dem Pater anzusehen. Niemand wusste genau wie lange er schon hier auf Athenaios III war, aber niemand konnte sich an eine Zeit ohne den sanftmütigen Priester der Ekklesiarchie erinnern. ,,Es ist für mich immer wieder eine Lust, so reine Geschöpfe des Glaubens zu sehen, Schwester Elohim. Doch sagt mir: Welches Opfer habt ihr gebracht?" Athena sah den Mann an, musterte seine vom Alter ergrauten, schulterlangen Haare und die tief in den von dunklen Ringen und Tränensäcken umrandeten blassgrauen Augen, die trotz der fragilen Knochen seines Leibes seinem Auftreten noch immer etwas Ehrfurchteinflößendes gaben. ,,Meine Schwester und meinen Bruder, Pater. Beide starben bei der Eroberung von Gorania, während ich damit beschäftigt war, zu sündigen. Ich suchte Zuflucht bei der Kirche des Imperators und erhielt die Chance Buße und Vergeltung gleichermaßen zu erhalten.'' Athena sah bei diesen Worten beschämt zu Boden. Seit Jahren hatte sie ihr Geheimnis niemandem erzählt. Niokletian musterte sie mit Augen, die so leer und gleichzeitig doch so weise waren, wie die Unendlichkeit des Alls. ,,Habt Ihr beides oder auch nur eines von beidem erhalten?" Athena schüttelte den Kopf. ,,Nein, Pater, meine Rache blieb mir verwehrt und meine Buße ist ein ewiger Kreuzzug, der erst mit meinem Tod endet. Dann, wenn meine Pflicht auf dieser Welt getan ist, werde ich hinaufsteigen zu Ihm und vor seinem Thron wird mein letztes Gericht gehalten. So der Imperator will, werde ich dann meinen Platz in seinen Heerscharen an der Seite meiner Schwestern einnehmen und ihn in das letzte Gefecht gegen die Mächte der Finsternis begleiten." ,,Ihr seid eine gelehrige Schülerin des Credos der Kirche, Athena. Und doch spüre ich den Zweifel in euch. Doch wisst, dass aller Zweifel beseitigt sein wird, wenn Ihr erst dem Gott gegenübertreten werdet. Dann werdet ihr sehen, dass alles, was geschieht und geschehen ist, einen Grund hat.'' Mit einem warmen Lächeln verschwand der Priester durch die Tür und ließ Athena in der Gesellschaft der weißen und kalten Statue zurück. Athena erwiderte das Lächeln halbherzig. Sie würde sich von ihren Sünden im Blute der Ketzer und Häretiker reinwaschen. Sie musste. Sie war es ihrer Familie schuldig. Sie musste nur ihre Zeit hier überstehen, um dann wieder an eine der vielen Fronten verlegt zu werden.<br />
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Spurian hatte schlecht geschlafen. Auf dem Weg nach Hause war ihm gewesen, als ob sich die Schatten bewegen würden. Er hatte den Gedanken schnell verdrängt, denn er war nun einmal nicht mehr der jüngste Adept und der Schlafentzug der letzten Wochen machte sich nun wohl bemerkbar. Jedes Jahr um diese Zeit war es das selbe: Arbeit über den regulären Dienstbetrieb von 14 Stunden hinaus, danach der weite Weg zu seinem Hab-Block und dazwischen die Messen und Liturgiefeiern. Vielleicht sollte er doch langsam den Antrag auf Nutzung der Beförderungsmittel stellen? Nein. Der Weg des Imperators wurde seit Jahren durch Leid bestimmt. Wie konnte er je vor seinen Gott treten und dann sagen, dass er des Weges überdrüssig geworden wäre? Nein, Spurian würde wie immer auch in Zukunft seinen Weg gehen. Vorbei an den alten, grauen Industriekomplexen, durch den Park, dessen Wege sich durch geborstene Steine und wucherndes Unkraut in tückische Fallen verwandelt hatten bis hin zu dem Moloch, der eigentlich das große Komplexgebäude des Adeptus Ministratum war, wo er im 27. Stockwerk seinen Arbeitsplatz hatte. Langsamen Schrittes ging der alte Adept die mit Abfall verdreckten Wege entlang. Doch die Erinnerungen der letzten Nacht blieben wie zäher Leim in seinen Gedanken hängen. Er hatte sich eingebildet flüsternde Stimmen gehört zu haben, einmal sogar Schreie. Entnervt schüttelte er den Kopf. Der Jahrestag der Befreiung nahte, und es gab noch viel zu tun.<br />
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Pontifex Urba Juri Norod setzte sein Monokel ein und sah die vor ihm knienden Ministranten verächtlich an. Sein aufgedunsener Leib zitterte vor wütender Erregung, als er sie der Reihe nach ansah, allesamt stattlich gebaut und in den weißen und schwarzen Roben der Ekklesiarchie gekleidet. Seine dünne Stimme, die immer am Rande des Überschlagens zu sein schien, ließ die Ministranten zucken, als würde eine Peitsche auf sie herab geschwungen. ,,Was soll das bedeuten, es ist zu Unregelmäßigkeiten gekommen?" Norod stand auf, eine groteske Figur mit dünnen Armen und Beinen enthüllend, deren Masse kaum länger als einige Minuten ohne die Suspensorfelder seines Sessels gehalten werden konnte. ,,In seiner Heiligkeit Namen, was für Ereignisse sollen das gewesen sein?" Ein Ministrant blickte auf, ein Lektor noch dem Schnitt seiner Robe zu urteilen. Mit zitternder Stimme antworte er: ,,Der Imperator sei mein Zeuge, in den vergangenen Nächten vernahmen wir Stimmen, die unheilige Worte murmelten und..." seine Stimme erstarb, als er den eisigen Blick des Pontifex auf sich ruhen sah. Tödlich Kälte hatte sich in die Worte gelegt, die sich aus dem mit mehr als einem Doppelkinn gezierten Gesicht des Ekklesiarchen formten. ,,Ihr habt also unheilige Worte gehört, Lektor? Ihr wollt mir sagen, dass ihr Worte vernehmen konntet, nur ihr und eure Bruderschaft? Und sonst niemand? Ihr unterstellt mir, dass ich nicht weiß, was innerhalb dieser Mauern vorgeht? Oder seid ihr es vielleicht allein, zu dem diese Stimmen sprechen?" ,,Nein, eure Exzellenz!" beeilte sich der Liktor mit panischer Stimme zu erwidern. ,,Es war sicher nur der Wind. Verzeiht, dass wir euch belästigt...." ,,Die Stimmen waren da! Ich bin nicht verrückt! Libitina hat sie gesagt. Die Stimme. Sie kommt!" Der Schrei des gehetzt aussehenden Ministranten zur linke des Lektors drang in den Raum mit der Macht einer Explosion. Während die anderen Ministranten um den Liktor leichenblass wurden, verfärbte sich das Gesicht des fettleibigen Pontifex Urba puterrot. ,,Schweigt, Armseeliger! Lektor, ihr habt genug meiner Zeit gestohlen. Ihr werdet Buße tun, eure gesamte Bruderschaft, dafür, dass ihr ketzerische Gedanken hegtet. Dieser aber" und damit zeigte er mit einem Finger auf den Ministranten mit den blutunterlaufenen Augen, der sich nicht hatte beherrschen können, ,,wird sich für den Rest der Zeit bis zum großen Fest den Flagellanten und Geißlern anschließen. Verschwindet! Sofort!" Überstürzt verließen die Tempeldiener den opulenten Raum des höchsten Ekklesiarchen und ließen Norod allein zurück, der sich erschöpft in seinen Sessel sinken ließ und dann begann, sich von zwei Knaben gefüllte Pasteten reichen zu lassen. Seine Gedanken verweilten noch einen Moment bei dem armen Teufel, der sich nun in der Obhut von Tannhäuser wiederfinden würde. Bei dem Gedanken daran, dass der Mann von diesem Zeloten und dem Schmerz geläutert und nie wieder solche Dinge sagen würde, glitt ein seliges, selbstzufriedenes Lächeln über das feiste Gesicht des Pontifex.<br />
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Der Raumhafen der Hauptstadt Renovatio schmiegte sich auf einem Plateau an die in der Dämmerung nebelumhüllten Berge, auf denen die Klosterfestung der Ekklesiarchie beheimatet war. Wie auf allen Welten des Imperiums waren auch hier die Bildnisse und Schreine zu Ehren der Heiligen des Imperiums omnipräsent. Ob nun in Form von kleinen Gebetsnischen, Kapellen oder aber opulenten Statuen - überall fand man die offen zur Schau gestellte Hingabe an den Imperator und seinen Kult. Unzählige Pilger und Prediger bevölkerten die Straßen der Hauptstadt und strömten vom Raumhafen aus in Richtung der altehrwürdigen, verwitterten Kathedralen. Endlose Reihen von gemurmelten Gebeten und monotonen Lobpreisungen vermischten sich mit den Crescendi der ekklesiarchischen Hymnen, die von Lautsprechern auf nahezu jedem Gebäude erschallten. Inmitten dieses geordneten Chaos lag die "Sturmbote", ein wenn auch altes, so doch aber schnelles und zuverlässiges Schiff mit Warpantrieb und auffälligen Modifikationen, und wartete auf ihren Kapitän. Horatio Gerhard, Freihändler, Abenteurer und Vertrauter der Ekklesiarchie würde jeden Moment von seinem Besuch in der Klosterfestung zurückerwartet. Sein Pilot, eine junge blonde Frau, kniff die Augen zusammen. Sicher, ihr Arbeitgeber war ein frommer Mann und ein angesehener Freihändler dazu, aber das hieß nicht, dass sie einer Meinung mit ihm sein musste. Imperator, dieser Planet stank. Angewidert rümpfte sie die Nase und schüttelte den Kopf, als eine Gruppe von Zeloten an ihr vorbeizog, die sich selbst mit neunschwänzigen Katzen auf den Rücken schlug. Der Geruch nach Blut, altem Schweiß und Krankheit, den ihre mit schwärenden Wunden bedeckten Körper verströmten, füllte ihre Nase und vermischte sich dort mit den Aromen von weiteren ungewaschenen Leibern, Unrat und Weihrauch. Schnell ließ diese Mischung aus der bloßen Verachtung blanke Übelkeit werden. Schlimmer als das waren die fanatischen, in religiöser Ekstase geröteten Gesichter der Flagellanten. Wie jemand ein solches Leben führen konnte, entzog sich ihrem Verständnis. Sie war gläubig, das war nicht das Problem, aber das hier... nein. Nein, sie glaubte einfach nicht, dass der Imperator ihr diesen Weg vorgezeichnet hatte. Die Pilotin wandte sich ab und blickte auf die Stadt, die wie ein grauer Leviathan am Rande des Berges hockte. Spitzen von Gebäuden ragten wie aufgerichtete Stacheln aus ihr hervor und reckten sich drohend gen Himmel, während die Gebäude vor dem Farbenspiel der untergehenden Sonne im Grauschwarz der Schatten verschwammen. Dann verstummten die Lautsprecher einen Moment und eine nur durch die gemurmelten Gebet untermalte Stille senkte sich für einige Sekunden über den Raumhafen, bevor die Hymnen der Ekklesiarchie durch das Läuten der archaischen Bronzeglocken ersetzt wurden, die die Bevölkerung in die vielen Tempel der Stadt zum gemeinsamen Gebet riefen. Trotzdem versiegten die Ströme auf den mit Unrat gesäumten Straßen von Renovatio nicht. Stereotyp floss der Strom der Pilger und Prediger weiter, hin zu den Tempeln oder zurück zum Raumhafen. Asketisch ausgemergelte Körper drängelten und trampelten, manche fielen, aber nie hörte der Strom auf. Noch einmal schüttelte die Pilotin den Kopf und stieg dann wieder ins Innere ihres Raumschiffes, um bei verschlossener Luke und eingeschalteter Luftumwälzanlage auf ihren Kapitän zu warten. Die Stadt stank.<br />
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Mit einem Lächeln und einer tiefen Verbeugung verabschiedete sich Horatio Gerhard von Pontifex Norod, was dieser mit einem angedeuteten Nicken quittierte, dass allerdings durch seine Kinnmasse nach wenigen Millimetern gebremst wurde. Gerhard drehte sich fast militärisch auf den Fersen und verließ dann den Raum, um sich wieder auf sein Schiff zu begeben. Er war ein frommer Mann, aber seine Geschäfte warteten und er hatte immerhin Aufträge zu erfüllen. Gemessenen Schrittes ging er den ausladend geschmückten und mit Basalt ausgelegten Säulengang entlang, der ihn zum Haupttor des Klosters führen würde. Schwestern des Ordo Militaris standen regungslos an beiden Seiten der Tür und hielten Wache, unbeweglich, wie Felsen. Ihre absolute Hingabe war bewundernswert. Wie Statuen, entrückt und gefühlslos, standen sie als krasser Gegensatz vor der ausschweifend geschmückten Tür zum Dienstraum des Pontifex'. Der Rest der wenigen Kriegerinnen war nicht zu sehen gewesen - bis jetzt. Mit langen, hallenden Schritten sah er Celestia Elohim Athena auf sich zukommen, das Gesicht eine Maske aus kaum verhohlener Erregung. "Ave Imperator, Schwester Elohim", rief ihr Gerhard zu, als sie nur noch wenige Meter von ihm entfernt war. "Ave Imperator, Kapitän" antwortete die Schwester und formte mit ihren Händen das Zeichen des Aquila vor der Brust. Während Gerhard noch die Geste erwiderte, fuhr sie fort: "Es ist lange her, dass Ihr hier wart. Sagt, was bringt Ihr an Neuigkeiten?" Gerhard sah sie an und nickte dann. "Schwester, die Dinge stehen nicht gut. Torghast V ist gefallen, wenn auch niemand weiß, wie das geschehen konnte. In den äußeren Marken haben sich Kulte gebildet und Aufstände gegen den Goldenen Thron nehmen zu. Noch haben die planetaren Verteidigungskräfte alles unter Kontrolle, aber ihr solltet wachsam sein." Er blickte an der Celestia vorbei auf die untergehende Sonne und fuhr dann fort: "Noch sind die Konflikte einige Systeme entfernt, aber wer weiß? Wachsamkeit und Glaube haben nie geschadet, Schwester. Der Imperator beschützt - aber man sollte sich auch beschützen lassen."<br />
Athena blickte wenig erbaut, vielmehr enttäuscht. "Ihr habt Recht, Kapitän. Ich werde an eure Worte denken, wenn ich wieder bei meinen Schwestern bin. Wir sind alle Werkzeuge des Imperators. In seinem Namen." Mit einem kurzen, abgehackten Nicken verabschiedete sie sich und verschwand in Richtung einer kleinen Kapelle. Gerhard schüttelte den Kopf. Er hatte die Launen der Kriegerinnen noch nie nachvollziehen können. Langsam verließ er durch die hohe Tür die Klosterfestung und trat in die gepflegten Lustgärten vor der Symbiose aus Festung und Kloster. Steinerne, regungslose Abbildungen der Essenz des imperialen Glaubens säumten die gepflasterte Straße, die am Fuße des Berges in das schmutzige Grau der Bauten Renovatios mündete, hinter der nun die Sonne verschwunden war, um am nächsten Morgen hinter der Klosterfestung wieder aufzutauchen. Seufzend machte sich der Freihändler auf den Weg, um den Abstieg hin zur Stadt und zu seinem Schiff hinter sich zu bringen, während die Schatten der Nacht aus der Stadt zum Berg hinauf krochen und den Planeten in Dunkelheit hüllten.<br />
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Schemen schlichen auf den Berg, kaum zu erkennen unter ihren langen Kapuzenmänteln, verborgen in den Schatten der heruntergekommenen Gebäuden. Leises Scharren war zu hören, als ihre Füße über den mit dem Dreck von tausenden Pilgern bedeckten Boden schleiften. Langsam huschend bewegten sie sich auf ihr Ziel zu, das sich majestätisch erhaben und abweisend zugleich erhob. Kleine Lichter, nur Funken in der Dunkelheit, flackerten auf den Zinnen und Erkern der Festung des Glaubens und klammerten sich an ihre Existenz. Niemand ahnte, was sich in dieser Nacht auf die Festung zubewegte, keiner sah die Schemen, die sich in den Schatten der einstmals ruhmvollen Stadt sammelten. Zuerst vereinzelt, dann in Gruppen fanden sie sich zusammen, kaum sprechend, selten flüsternd, mit brennenden Augen und gierigen Gedanken. Zerfallene Gebäude und Statuen ließen sie zurück auf ihrem Weg, um ihre Träume wahr werden zu lassen. Ihr Meister würde sie erwarten und ihnen den Weg in eine glorreiche Zukunft weisen. Athenaios würde wieder in einstigem Glanz erstrahlen, das Leben würde in die Städte zurückkehren und der Ruhm alter Tage erneuert werden. So hatte es der Prophet vorhergesehen. Das Siegel würde gebrochen werden.<br />
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In einer kleinen Gebetsnische kniete Athena noch lange, nachdem sie mit dem Freihändler geredet hatte und dachte daran, dass Kriege tobten, dass Ruhm errungen und Feinde des Imperators vernichtet wurden. Tief in sich selbst versunken bemerkte sie nicht, dass sie nicht mehr allein war. Minuten vergingen, bevor sie das gleichmäßige Atmen einer anderen Person wahrnahm. Aestua, die jüngste Schwester in ihrem Trupp aus fünf Celestias, stand in einem respektvollen Abstand hinter ihr, Kopf gesenkt und vollkommen still, um abzuwarten, bis sich ihre Schwester Elohim ihr zuwandte. Langsam und gemessen stand Athena auf und betrachtete die junge Kriegerin. Ihre weiße Rüstung wies keinen Makel auf und war in tadellosem Zustand, die langen, dunklen Haare waren hinter dem Kopf mit einem dünnen Band zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und ihre Hände hatte sie vor dem Bauch andächtig gefaltet. Athena mochte sie. Sie erinnerte sich, wie stolz sie damals war, als sie in die Ränge der Celestias aufgenommen wurde. Wie alle Schwestern des Adeptus Sororitas war es für sie die größte Ehre gewesen, die sie sich hatte vorstellen können. Doch das Privileg war auch eine Bürde, denn nur die reinsten, die stärksten und die im Glauben unbeugsamsten konnten und durften sich Celestia nennen. Sie waren die Flamme in der Dunkelheit des Universums, wenn alle anderen Lichter verloschen. Sie waren das Beispiel, die Elite, Inspiration und Hoffnung auf dem Schlachtfeld und während der Gebete. Diese Bürde lag schwer auf ihren Schultern, damals wie heute.<br />
"Schwester, wie kann ich dir helfen?" fragte sie, als sie merkte, dass sie die andere Sororita anstarrte. Aestua blickte auf und ihre dunkelblauen Augen strahlten die absolute Sicherheit aus, die eine jede Celestia stets wie einen Schild um sich trug. "Verzeiht, Schwester Elohim, dass ich euch während eurer Meditation unterbreche, aber Konfessor Tannhäuser bittet euch, zu ihm zu kommen." Athena schluckte. Sicher, die Ekklesiarchie war nicht berühmt dafür, besonders feinfühlig zu sein, aber Tannhäuser war einzigartig. Verschlossen, alt, wortkarg, abweisend. Pontifex Norod hatte ihm die Wacht über die Flagellanten und Geißler übertragen, als er sich vor etlichen Jahren entschloss, auf Athenaios zu bleiben. Kaum jemand hatte die Entscheidung in Frage gestellt, da sich niemand für die armen Seelen verantwortlich gefühlt hatte. Tannhäuser machte keine Probleme und fiel nicht auf - tatsächlich hatte ihn in all der Zeit, die er nun in der Kathedrale auf dem Berg verbracht hatte, niemand wirklich beachtet. Athena selbst hatte seit ihrer Ankunft kaum mehr als zehn Wörter mit ihm gewechselt, denn Tannhäuser hielt sich in der Regel in den Katakomben der Festung auf, wo er eben jene Flagellanten und Geißler hinbringen ließ, die vor Schwäche auf den Stufen der Altäre und Kathedralen in der Stadt zusammenbrachen. Niemand konnte genau sagen, wie viele dieser halb Wahnsinnigen dort unten in den verlassenen Kellergewölben lagen, aber jetzt, kurz vor dem Fest der Erlösung, dem Jahrestag der Befreiung, waren es immer Dutzende von Fanatikern, die Zuflucht im Schmerz suchten. Athena konnte nur raten, wie viele dieser Gläubigen sich nun in der Obhut dieses Mannes befanden. Mit einem letzten Blick in die dunkle Gebetsnische entließ sie die junge Celestia mit einem Nicken und machte sich auf, um Konfessor Tannhäuser aufzusuchen.<br />
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Spurian sah die Schatten - und diesmal konnte er sie nicht durch ein einfaches Kopfschütteln leugnen. Er sah ihre Körper, roch den süßlichen, moschusartigen, Geruch, der von ihnen aufstieg und wollte sich angewidert abwenden. Es ging nicht. Morbide Faszination ließ seine Blicke immer und immer wieder über die Gestalten wandern, die in dunklen Schatten an ihm vorbeigingen. Einige waren Mutanten, das konnte Spurian deutlich erkennen, auch wenn er nur die Umrisse unter den dunklen Roben wahrnehmen konnte. Der alte Adept ging in Gedanken jedes Gebet durch, dass er seit seiner Geburt gelernt hatte und hoffte, dass diese Unreinheit ihn unbehelligt lassen werde. Als er die Psalmen der Lucretia in seinem Kopf abzuspulen begann, stellte er fest, dass er sich nicht mehr auf dem Weg zu seinem Hab-Block befand. Er passierte vielmehr gerade das Büßertor, ein altes, halb verfallenes Bauwerk, wo einstmals die Geißler ihre Ergebenheit gezeigt hatten. Es lag aber zu weit außerhalb des Zentrums und der neuen Tempel, und so hatte es seit Jahrzehnten kaum noch jemanden interessiert. Spurian sah neben dem alten Bauwerk die Hospize in noch schlechterem Zustand. Seit das Zentrum der Stadt sich verlagert hatte, waren zunächst die Wohltäter verschwunden, die noch an mit Grünspan übersäten Bronze- und Kupferplatten zu lesen waren. Spurian lief weiter. Er wusste nicht wohin und wurde einfach mitgerissen, ein Opfer seiner Neugier. Schmerzen durchzuckten seinen alten Körper, der nach der eigentlich nun anstehenden Ruhepause verlangte. Aber Spurian ging weiter, den seltsamen Gestalten folgend, die Neues versprachen, Veränderung. Wolken verdeckten die zwei Monde von Athenaios III, Modestia und Fidelitas, sodass nur das graue Schwarz der Nacht selber blieb, als sie auf den Berg Cardo zuliefen an dessen Hang das Kloster der Ekklesiarchie beheimatet war. "Arx Tennebrae" hauchte Spurian den Namen voller Ehrfurcht, bevor er seinen müden Körper zwang weiterzugehen, ohne auch nur einen Gedanken daran verschwenden zu können zu fliehen. Ein kleiner Teil von ihm rebellierte bei jedem Schritt, schrie Warnungen hinaus, doch Spurian konnte nicht auf sie hören. Zu stark war die Faszination, zu stark die Neugier.<br />
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In den Katakomben angekommen empfing sie die hagere, fast ausgemergelte Gestalt des Konfessors, der sich auf einen langen hölzernen Stab stützte. "Willkommen, Schwester Elohim." Tannhäusers Stimme war ein heiseres Kratzen, fast wie Stein, über den ein Messer gezogen wird. "Willkommen in der Unterwelt der Arx Tennebrae!" Athena blickte in das runzlige, uralte Gesicht des Konfessors. Zwei dunkle Augen blickten scharfsinnig unter buschigen Augenbrauen hervor. Der komplett kahle Kopf war von Tätowierungen übersät, von denen die Schwester nur die Hälfte der Symbole zweifelsfrei dem Imperatorkult zuordnen konnte. "Ihr wolltet mich sprechen, Konfessor?" erwiderte sie schnell und steif. Ihr Unwohlsein in den dunklen Gewölben war offensichtlich. "Folgt mir, Schwester." Ohne ein weiteres Wort oder eine Antwort abzuwarten drehte sich Tannhäuser um und begann, schwer auf seinen Stab gestützt, langsam tiefer in die Katakomben vorzudringen.<br />
Lichtkugeln spendeten eben genug Helligkeit, um die Umrisse der gigantischen Kelleranlage zu erahnen. Die Luft war feucht und stickig, schwanger mit dem Geruch von Menschenleibern und Wunden. Überall sah sie Büßer in verschiedenen Zuständen. Einige von ihnen waren wenig mehr als sabbernde Wahnsinnige, die Masse aber schien in Gebete vertieft zu sein. Athena konnte sie nicht zählen, aber es waren hunderte, wenn nicht tausende, die ihren Weg hierherunter gefunden hatten. Kaum jemand nahm Notiz von der Schwester, die in ihrer weißen Rüstung mit dem Bolter im Seitenholster hier völlig deplatziert wirkte - ganz im Gegensatz zu dem vorausgehenden Konfessor: ihm schien tatsächlich eine Art Ergebenheit erwiesen zu werden, die sonst nur dem Imperator vorbehalten war. Nachdenklich runzelte Athena die Stirn. Was sollte sie hier? Tannhäuser führte sie langsam zu einer Zelle, in der neben einem grob gezimmerten Bett mit einer Matratze und dünnen Laken nur ein Tisch und zwei Stühle standen, die ebenfalls kaum mehr als mit gutem Willen und wenig Geschick zusammengewerkelte Bohlen waren. Der alte Konfessor deutete mit einer Hand auf einen der Stühle und setzte sich dann mit einem unbewussten Stöhnen auf den anderen. Athena schüttelte energisch den Kopf. Abgesehen davon, dass sie sich nicht sicher war, ob der Stuhl dem Gewicht ihrer Servorüstung gewachsen war, wollte sie nicht sitzen. Je eher sie diesen Ort wieder verlassen konnte, umso besser. Tannhäuser lächelte sie an. Verstört blickte Athena in seine Augen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Kathedrale der Erlösung<br />
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Die Menschheit hatte vergessen, so unendlich viel vergessen. Nicht nur den Schmerz und den Kummer, sondern auch das Wissen um die Dankbarkeit für alle das was war. Die Menschen kannten keine Opfer mehr, Worte wie Sehnsucht, Schmerz und Dunkelheit kamen allenfalls in Geschichten vor, die Kinder ängstigen sollten, waren aber sonst aus dem Wortschatz der meisten Einwohner von Athenaios III gewichen. Aber Spurian erinnerte sich. Er erinnerte sich gut. Gemessenen Schrittes ging der alternde Mann, der die 200 Jahre beinahe überschritten hatte, auf die Gestalt zu, die in der Mitte des aus konzentrischen Kreisen bestehenden Parks stand, zu und kniete vor ihr nieder. Zu sagen, dass die Zeit Spuren an Spurian hinterlassen hatte, wäre eine maßlose Untertreibung gewesen. Spurian war alt und trug die Zeichen seines Alters mit stolz. Der Adept des Adeptus Ministratum hatte nunmehr fast 135 Jahre seines Lebens in den Dienst des Imperators gestellt; 135 Jahre voller Hingabe, Askese und Arbeit. Natürlich wusste er, das das Imperium sich seiner nicht erinnern würde. Er war nur eine Fußnote in der Geschichte eines Planeten. Aber Er würde sich erinnern. Ja, das würde er. Spurian erinnerte sich an die Liturgie des vergangenen Morgens. Schwester Adriana hatte die Gemeinde durch die morgendliche Andacht geführt. Sie hatte von den Versuchungen gepredigt, von den lauernden Gefahren, denen die Aufrechten, die Gläubigen, die Diener des Imperators ausgesetzt waren. Langsam begann Spurian zu beten. Nicht für sich, nein. Er betete zu Ihm auf Terra, dass die Dunkelheit nicht wieder erwachen möge. Er wusste, dass es nie den Sieg gegeben hatte. Es gab den Sieg nicht. Es gab nur den tiefen Schlaf, bewacht von Engeln und ihren Dienern. Die Dunkelheit würde wieder kommen. Spurian sah auf, als die letzten Strahlen der untergehenden Sonne hinter dem Horizont versanken und der Statue einen rötlich-goldenen Schein verliehen. Er lächelte und wusste: Solange das Licht war, musste die Dunkelheit vergehen. Langsam stand der alte Adept auf und ging steifbeinig und auf zitternden Knien in Richtung seines in den länger werdenden Schatten versinkenden Hab-Blocks davon. ,,Aus dem Licht des Glaubens will ich zehren, der Dunkelheit zum Trotze" stand in verblichenen Lettern am Tor zum Park. Spurian lächelte und entschwand aus der Dämmerung in das zwielichtige Dunkel, in dem die Stadt versank.<br />
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Schwester Athena stand am Fenster der kleinen Kapelle und betrachtete die vor ihr liegende Szenerie. Ihren Bolter hatte sie neben sich auf den kleinen Tisch gelegt, auf dem eine ausgeblichene Abschrift der Lectitio Divinitatus lag. Ihre weiße Rüstung war mit Gebetspergamenten und Litaneien des Glaubens verziert, die nicht nur von ihrer Hingabe, sondern vielmehr auch von ihrem Rang im Orden zeugten. Als Celestia Elohim genoss sie hohes Ansehen und war eine der Sororitas, die zum engen Zirkel der Ekklesiarchie auf dieser Welt gehörten. Diese Welt, Athenaios, benannt nach dem Konfessor, der mit einem Kreuzzug von Flagellanten und Zeloten diese Welt befreit hatte. Eine Welt, die weder eine sonderlich günstige Lage, noch besondere Industrieanlagen oder Rohstoffvorkommen vorzuweisen hatte. Und trotzdem war sie hier, eine Celestia Elohim. Seit nunmehr drei Jahren war die Schwester des Ordo Militaris zusammen mit den Anderen hier auf diesem Hinterwältlerplaneten, wie es der Wille des Imperators war. Drei Jahre hatte sie die Menschen auf dieser Welt in ihrem Glauben bestärkt, sie durch kleinere Krisen hindurch geleitet, die nicht mehr waren, als Dürreperioden und Unfälle in den dicht bevölkerten Zentren der Stadt, die verhältnismäßig wenige Opfer gekostet hatten. Athena belächelte das gemeine Volk des Imperators oft, waren sie doch wie eine Herde von Schafen, die sich der Gefahr nicht bewusst war die überall um sie herum lauerte. Mutanten, Ketzer, Xenos - vor all diesen Dingen warnte die Ekklesiarchie, aber wie sollte man eine Bevölkerung, deren Glaube fast so gefestigt war, wie der von Bewohnern einer Schreinwelt, solche Gefahren begreiflich machen? Die Celestia atmete tief ein und aus. Manchmal, in schwachen Momenten wünschte sie sich eine Rückkehr des Kampfes, einen Feind, dem sie ins Auge blicken konnte. Langeweile und Routine waren hier ihre größten Gegner. Doch aus Müßiggang entsprang Ketzerei.<br />
Sie maßregelte sich im Innern und wandte sich mit einer ruckartigen Bewegung vom Fenster ab. In einer halben Stunde würden Ihre Schwestern erscheinen, um mit ihr das Morgengebet zu sprechen. Ihre grünen, mandelförmigen Augen blickten unter einer blonden Strähne ihres ansonsten zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebundenen Haares hervor und betrachteten die in der Mitte des Raumes stehende Figur. Diese Kapelle war nicht dem Imperator gewidmet, sondern Schwester Lucretia, einer lokalen Heldin, die zusammen mit Konfessor Athenaios diese Welt verlassen hatte. Die ersten Strahlen der Sonne des Planeten zauberten tiefe Schatten in die Märtyrerin, die ihre Hände gen Himmel reckte und ließen ihr Gesicht unter der Kapuze ihrer Robe unter einer Geflecht von schwarzen Schatten verschwinden das in starkem Kontrast zu dem alabasterfarbenen Marmor stand, aus dem die Statue gefertigt war. Athena ging langsam auf die Figur zu und legte eine Hand auf die nackten Füße der einstigen Heldin. ,,Lucretia lehrt uns, dass wir alle unsere Opfer bringen müssen'' sagte eine Stimme hinter ihr. ,,Sie ist ein leuchtendes Bild reinen Glaubens in einer Welt voll von Egoismus und Sünde. Geschichte lehrt und vieles und wiederholt sich ständig.'' Athena wirbelte herum, Jahre des Training ließen sie automatisch zu ihrem Bolter greifen. Sie erstarrte mitten in der Bewegung, ließ ihre Hände sinken und neigte ihren Kopf. ,,Pater Niokletian." Ihre Worte, sowohl Feststellung, als auch Begrüßung hallten in der kleinen Kapelle wieder.<br />
,, Verzeiht, Schwester Elohim, ich wollte euch nicht erschrecken.'' Das Alter war dem Pater anzusehen. Niemand wusste genau wie lange er schon hier auf Athenaios III war, aber niemand konnte sich an eine Zeit ohne den sanftmütigen Priester der Ekklesiarchie erinnern. ,,Es ist für mich immer wieder eine Lust, so reine Geschöpfe des Glaubens zu sehen, Schwester Elohim. Doch sagt mir: Welches Opfer habt ihr gebracht?" Athena sah den Mann an, musterte seine vom Alter ergrauten, schulterlangen Haare und die tief in den von dunklen Ringen und Tränensäcken umrandeten blassgrauen Augen, die trotz der fragilen Knochen seines Leibes seinem Auftreten noch immer etwas Ehrfurchteinflößendes gaben. ,,Meine Schwester und meinen Bruder, Pater. Beide starben bei der Eroberung von Gorania, während ich damit beschäftigt war, zu sündigen. Ich suchte Zuflucht bei der Kirche des Imperators und erhielt die Chance Buße und Vergeltung gleichermaßen zu erhalten.'' Athena sah bei diesen Worten beschämt zu Boden. Seit Jahren hatte sie ihr Geheimnis niemandem erzählt. Niokletian musterte sie mit Augen, die so leer und gleichzeitig doch so weise waren, wie die Unendlichkeit des Alls. ,,Habt Ihr beides oder auch nur eines von beidem erhalten?" Athena schüttelte den Kopf. ,,Nein, Pater, meine Rache blieb mir verwehrt und meine Buße ist ein ewiger Kreuzzug, der erst mit meinem Tod endet. Dann, wenn meine Pflicht auf dieser Welt getan ist, werde ich hinaufsteigen zu Ihm und vor seinem Thron wird mein letztes Gericht gehalten. So der Imperator will, werde ich dann meinen Platz in seinen Heerscharen an der Seite meiner Schwestern einnehmen und ihn in das letzte Gefecht gegen die Mächte der Finsternis begleiten." ,,Ihr seid eine gelehrige Schülerin des Credos der Kirche, Athena. Und doch spüre ich den Zweifel in euch. Doch wisst, dass aller Zweifel beseitigt sein wird, wenn Ihr erst dem Gott gegenübertreten werdet. Dann werdet ihr sehen, dass alles, was geschieht und geschehen ist, einen Grund hat.'' Mit einem warmen Lächeln verschwand der Priester durch die Tür und ließ Athena in der Gesellschaft der weißen und kalten Statue zurück. Athena erwiderte das Lächeln halbherzig. Sie würde sich von ihren Sünden im Blute der Ketzer und Häretiker reinwaschen. Sie musste. Sie war es ihrer Familie schuldig. Sie musste nur ihre Zeit hier überstehen, um dann wieder an eine der vielen Fronten verlegt zu werden.<br />
<br />
Spurian hatte schlecht geschlafen. Auf dem Weg nach Hause war ihm gewesen, als ob sich die Schatten bewegen würden. Er hatte den Gedanken schnell verdrängt, denn er war nun einmal nicht mehr der jüngste Adept und der Schlafentzug der letzten Wochen machte sich nun wohl bemerkbar. Jedes Jahr um diese Zeit war es das selbe: Arbeit über den regulären Dienstbetrieb von 14 Stunden hinaus, danach der weite Weg zu seinem Hab-Block und dazwischen die Messen und Liturgiefeiern. Vielleicht sollte er doch langsam den Antrag auf Nutzung der Beförderungsmittel stellen? Nein. Der Weg des Imperators wurde seit Jahren durch Leid bestimmt. Wie konnte er je vor seinen Gott treten und dann sagen, dass er des Weges überdrüssig geworden wäre? Nein, Spurian würde wie immer auch in Zukunft seinen Weg gehen. Vorbei an den alten, grauen Industriekomplexen, durch den Park, dessen Wege sich durch geborstene Steine und wucherndes Unkraut in tückische Fallen verwandelt hatten bis hin zu dem Moloch, der eigentlich das große Komplexgebäude des Adeptus Ministratum war, wo er im 27. Stockwerk seinen Arbeitsplatz hatte. Langsamen Schrittes ging der alte Adept die mit Abfall verdreckten Wege entlang. Doch die Erinnerungen der letzten Nacht blieben wie zäher Leim in seinen Gedanken hängen. Er hatte sich eingebildet flüsternde Stimmen gehört zu haben, einmal sogar Schreie. Entnervt schüttelte er den Kopf. Der Jahrestag der Befreiung nahte, und es gab noch viel zu tun.<br />
<br />
Pontifex Urba Juri Norod setzte sein Monokel ein und sah die vor ihm knienden Ministranten verächtlich an. Sein aufgedunsener Leib zitterte vor wütender Erregung, als er sie der Reihe nach ansah, allesamt stattlich gebaut und in den weißen und schwarzen Roben der Ekklesiarchie gekleidet. Seine dünne Stimme, die immer am Rande des Überschlagens zu sein schien, ließ die Ministranten zucken, als würde eine Peitsche auf sie herab geschwungen. ,,Was soll das bedeuten, es ist zu Unregelmäßigkeiten gekommen?" Norod stand auf, eine groteske Figur mit dünnen Armen und Beinen enthüllend, deren Masse kaum länger als einige Minuten ohne die Suspensorfelder seines Sessels gehalten werden konnte. ,,In seiner Heiligkeit Namen, was für Ereignisse sollen das gewesen sein?" Ein Ministrant blickte auf, ein Lektor noch dem Schnitt seiner Robe zu urteilen. Mit zitternder Stimme antworte er: ,,Der Imperator sei mein Zeuge, in den vergangenen Nächten vernahmen wir Stimmen, die unheilige Worte murmelten und..." seine Stimme erstarb, als er den eisigen Blick des Pontifex auf sich ruhen sah. Tödlich Kälte hatte sich in die Worte gelegt, die sich aus dem mit mehr als einem Doppelkinn gezierten Gesicht des Ekklesiarchen formten. ,,Ihr habt also unheilige Worte gehört, Lektor? Ihr wollt mir sagen, dass ihr Worte vernehmen konntet, nur ihr und eure Bruderschaft? Und sonst niemand? Ihr unterstellt mir, dass ich nicht weiß, was innerhalb dieser Mauern vorgeht? Oder seid ihr es vielleicht allein, zu dem diese Stimmen sprechen?" ,,Nein, eure Exzellenz!" beeilte sich der Liktor mit panischer Stimme zu erwidern. ,,Es war sicher nur der Wind. Verzeiht, dass wir euch belästigt...." ,,Die Stimmen waren da! Ich bin nicht verrückt! Libitina hat sie gesagt. Die Stimme. Sie kommt!" Der Schrei des gehetzt aussehenden Ministranten zur linke des Lektors drang in den Raum mit der Macht einer Explosion. Während die anderen Ministranten um den Liktor leichenblass wurden, verfärbte sich das Gesicht des fettleibigen Pontifex Urba puterrot. ,,Schweigt, Armseeliger! Lektor, ihr habt genug meiner Zeit gestohlen. Ihr werdet Buße tun, eure gesamte Bruderschaft, dafür, dass ihr ketzerische Gedanken hegtet. Dieser aber" und damit zeigte er mit einem Finger auf den Ministranten mit den blutunterlaufenen Augen, der sich nicht hatte beherrschen können, ,,wird sich für den Rest der Zeit bis zum großen Fest den Flagellanten und Geißlern anschließen. Verschwindet! Sofort!" Überstürzt verließen die Tempeldiener den opulenten Raum des höchsten Ekklesiarchen und ließen Norod allein zurück, der sich erschöpft in seinen Sessel sinken ließ und dann begann, sich von zwei Knaben gefüllte Pasteten reichen zu lassen. Seine Gedanken verweilten noch einen Moment bei dem armen Teufel, der sich nun in der Obhut von Tannhäuser wiederfinden würde. Bei dem Gedanken daran, dass der Mann von diesem Zeloten und dem Schmerz geläutert und nie wieder solche Dinge sagen würde, glitt ein seliges, selbstzufriedenes Lächeln über das feiste Gesicht des Pontifex.<br />
<br />
Der Raumhafen der Hauptstadt Renovatio schmiegte sich auf einem Plateau an die in der Dämmerung nebelumhüllten Berge, auf denen die Klosterfestung der Ekklesiarchie beheimatet war. Wie auf allen Welten des Imperiums waren auch hier die Bildnisse und Schreine zu Ehren der Heiligen des Imperiums omnipräsent. Ob nun in Form von kleinen Gebetsnischen, Kapellen oder aber opulenten Statuen - überall fand man die offen zur Schau gestellte Hingabe an den Imperator und seinen Kult. Unzählige Pilger und Prediger bevölkerten die Straßen der Hauptstadt und strömten vom Raumhafen aus in Richtung der altehrwürdigen, verwitterten Kathedralen. Endlose Reihen von gemurmelten Gebeten und monotonen Lobpreisungen vermischten sich mit den Crescendi der ekklesiarchischen Hymnen, die von Lautsprechern auf nahezu jedem Gebäude erschallten. Inmitten dieses geordneten Chaos lag die "Sturmbote", ein wenn auch altes, so doch aber schnelles und zuverlässiges Schiff mit Warpantrieb und auffälligen Modifikationen, und wartete auf ihren Kapitän. Horatio Gerhard, Freihändler, Abenteurer und Vertrauter der Ekklesiarchie würde jeden Moment von seinem Besuch in der Klosterfestung zurückerwartet. Sein Pilot, eine junge blonde Frau, kniff die Augen zusammen. Sicher, ihr Arbeitgeber war ein frommer Mann und ein angesehener Freihändler dazu, aber das hieß nicht, dass sie einer Meinung mit ihm sein musste. Imperator, dieser Planet stank. Angewidert rümpfte sie die Nase und schüttelte den Kopf, als eine Gruppe von Zeloten an ihr vorbeizog, die sich selbst mit neunschwänzigen Katzen auf den Rücken schlug. Der Geruch nach Blut, altem Schweiß und Krankheit, den ihre mit schwärenden Wunden bedeckten Körper verströmten, füllte ihre Nase und vermischte sich dort mit den Aromen von weiteren ungewaschenen Leibern, Unrat und Weihrauch. Schnell ließ diese Mischung aus der bloßen Verachtung blanke Übelkeit werden. Schlimmer als das waren die fanatischen, in religiöser Ekstase geröteten Gesichter der Flagellanten. Wie jemand ein solches Leben führen konnte, entzog sich ihrem Verständnis. Sie war gläubig, das war nicht das Problem, aber das hier... nein. Nein, sie glaubte einfach nicht, dass der Imperator ihr diesen Weg vorgezeichnet hatte. Die Pilotin wandte sich ab und blickte auf die Stadt, die wie ein grauer Leviathan am Rande des Berges hockte. Spitzen von Gebäuden ragten wie aufgerichtete Stacheln aus ihr hervor und reckten sich drohend gen Himmel, während die Gebäude vor dem Farbenspiel der untergehenden Sonne im Grauschwarz der Schatten verschwammen. Dann verstummten die Lautsprecher einen Moment und eine nur durch die gemurmelten Gebet untermalte Stille senkte sich für einige Sekunden über den Raumhafen, bevor die Hymnen der Ekklesiarchie durch das Läuten der archaischen Bronzeglocken ersetzt wurden, die die Bevölkerung in die vielen Tempel der Stadt zum gemeinsamen Gebet riefen. Trotzdem versiegten die Ströme auf den mit Unrat gesäumten Straßen von Renovatio nicht. Stereotyp floss der Strom der Pilger und Prediger weiter, hin zu den Tempeln oder zurück zum Raumhafen. Asketisch ausgemergelte Körper drängelten und trampelten, manche fielen, aber nie hörte der Strom auf. Noch einmal schüttelte die Pilotin den Kopf und stieg dann wieder ins Innere ihres Raumschiffes, um bei verschlossener Luke und eingeschalteter Luftumwälzanlage auf ihren Kapitän zu warten. Die Stadt stank.<br />
<br />
Mit einem Lächeln und einer tiefen Verbeugung verabschiedete sich Horatio Gerhard von Pontifex Norod, was dieser mit einem angedeuteten Nicken quittierte, dass allerdings durch seine Kinnmasse nach wenigen Millimetern gebremst wurde. Gerhard drehte sich fast militärisch auf den Fersen und verließ dann den Raum, um sich wieder auf sein Schiff zu begeben. Er war ein frommer Mann, aber seine Geschäfte warteten und er hatte immerhin Aufträge zu erfüllen. Gemessenen Schrittes ging er den ausladend geschmückten und mit Basalt ausgelegten Säulengang entlang, der ihn zum Haupttor des Klosters führen würde. Schwestern des Ordo Militaris standen regungslos an beiden Seiten der Tür und hielten Wache, unbeweglich, wie Felsen. Ihre absolute Hingabe war bewundernswert. Wie Statuen, entrückt und gefühlslos, standen sie als krasser Gegensatz vor der ausschweifend geschmückten Tür zum Dienstraum des Pontifex'. Der Rest der wenigen Kriegerinnen war nicht zu sehen gewesen - bis jetzt. Mit langen, hallenden Schritten sah er Celestia Elohim Athena auf sich zukommen, das Gesicht eine Maske aus kaum verhohlener Erregung. "Ave Imperator, Schwester Elohim", rief ihr Gerhard zu, als sie nur noch wenige Meter von ihm entfernt war. "Ave Imperator, Kapitän" antwortete die Schwester und formte mit ihren Händen das Zeichen des Aquila vor der Brust. Während Gerhard noch die Geste erwiderte, fuhr sie fort: "Es ist lange her, dass Ihr hier wart. Sagt, was bringt Ihr an Neuigkeiten?" Gerhard sah sie an und nickte dann. "Schwester, die Dinge stehen nicht gut. Torghast V ist gefallen, wenn auch niemand weiß, wie das geschehen konnte. In den äußeren Marken haben sich Kulte gebildet und Aufstände gegen den Goldenen Thron nehmen zu. Noch haben die planetaren Verteidigungskräfte alles unter Kontrolle, aber ihr solltet wachsam sein." Er blickte an der Celestia vorbei auf die untergehende Sonne und fuhr dann fort: "Noch sind die Konflikte einige Systeme entfernt, aber wer weiß? Wachsamkeit und Glaube haben nie geschadet, Schwester. Der Imperator beschützt - aber man sollte sich auch beschützen lassen."<br />
Athena blickte wenig erbaut, vielmehr enttäuscht. "Ihr habt Recht, Kapitän. Ich werde an eure Worte denken, wenn ich wieder bei meinen Schwestern bin. Wir sind alle Werkzeuge des Imperators. In seinem Namen." Mit einem kurzen, abgehackten Nicken verabschiedete sie sich und verschwand in Richtung einer kleinen Kapelle. Gerhard schüttelte den Kopf. Er hatte die Launen der Kriegerinnen noch nie nachvollziehen können. Langsam verließ er durch die hohe Tür die Klosterfestung und trat in die gepflegten Lustgärten vor der Symbiose aus Festung und Kloster. Steinerne, regungslose Abbildungen der Essenz des imperialen Glaubens säumten die gepflasterte Straße, die am Fuße des Berges in das schmutzige Grau der Bauten Renovatios mündete, hinter der nun die Sonne verschwunden war, um am nächsten Morgen hinter der Klosterfestung wieder aufzutauchen. Seufzend machte sich der Freihändler auf den Weg, um den Abstieg hin zur Stadt und zu seinem Schiff hinter sich zu bringen, während die Schatten der Nacht aus der Stadt zum Berg hinauf krochen und den Planeten in Dunkelheit hüllten.<br />
<br />
Schemen schlichen auf den Berg, kaum zu erkennen unter ihren langen Kapuzenmänteln, verborgen in den Schatten der heruntergekommenen Gebäuden. Leises Scharren war zu hören, als ihre Füße über den mit dem Dreck von tausenden Pilgern bedeckten Boden schleiften. Langsam huschend bewegten sie sich auf ihr Ziel zu, das sich majestätisch erhaben und abweisend zugleich erhob. Kleine Lichter, nur Funken in der Dunkelheit, flackerten auf den Zinnen und Erkern der Festung des Glaubens und klammerten sich an ihre Existenz. Niemand ahnte, was sich in dieser Nacht auf die Festung zubewegte, keiner sah die Schemen, die sich in den Schatten der einstmals ruhmvollen Stadt sammelten. Zuerst vereinzelt, dann in Gruppen fanden sie sich zusammen, kaum sprechend, selten flüsternd, mit brennenden Augen und gierigen Gedanken. Zerfallene Gebäude und Statuen ließen sie zurück auf ihrem Weg, um ihre Träume wahr werden zu lassen. Ihr Meister würde sie erwarten und ihnen den Weg in eine glorreiche Zukunft weisen. Athenaios würde wieder in einstigem Glanz erstrahlen, das Leben würde in die Städte zurückkehren und der Ruhm alter Tage erneuert werden. So hatte es der Prophet vorhergesehen. Das Siegel würde gebrochen werden.<br />
<br />
In einer kleinen Gebetsnische kniete Athena noch lange, nachdem sie mit dem Freihändler geredet hatte und dachte daran, dass Kriege tobten, dass Ruhm errungen und Feinde des Imperators vernichtet wurden. Tief in sich selbst versunken bemerkte sie nicht, dass sie nicht mehr allein war. Minuten vergingen, bevor sie das gleichmäßige Atmen einer anderen Person wahrnahm. Aestua, die jüngste Schwester in ihrem Trupp aus fünf Celestias, stand in einem respektvollen Abstand hinter ihr, Kopf gesenkt und vollkommen still, um abzuwarten, bis sich ihre Schwester Elohim ihr zuwandte. Langsam und gemessen stand Athena auf und betrachtete die junge Kriegerin. Ihre weiße Rüstung wies keinen Makel auf und war in tadellosem Zustand, die langen, dunklen Haare waren hinter dem Kopf mit einem dünnen Band zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und ihre Hände hatte sie vor dem Bauch andächtig gefaltet. Athena mochte sie. Sie erinnerte sich, wie stolz sie damals war, als sie in die Ränge der Celestias aufgenommen wurde. Wie alle Schwestern des Adeptus Sororitas war es für sie die größte Ehre gewesen, die sie sich hatte vorstellen können. Doch das Privileg war auch eine Bürde, denn nur die reinsten, die stärksten und die im Glauben unbeugsamsten konnten und durften sich Celestia nennen. Sie waren die Flamme in der Dunkelheit des Universums, wenn alle anderen Lichter verloschen. Sie waren das Beispiel, die Elite, Inspiration und Hoffnung auf dem Schlachtfeld und während der Gebete. Diese Bürde lag schwer auf ihren Schultern, damals wie heute.<br />
"Schwester, wie kann ich dir helfen?" fragte sie, als sie merkte, dass sie die andere Sororita anstarrte. Aestua blickte auf und ihre dunkelblauen Augen strahlten die absolute Sicherheit aus, die eine jede Celestia stets wie einen Schild um sich trug. "Verzeiht, Schwester Elohim, dass ich euch während eurer Meditation unterbreche, aber Konfessor Tannhäuser bittet euch, zu ihm zu kommen." Athena schluckte. Sicher, die Ekklesiarchie war nicht berühmt dafür, besonders feinfühlig zu sein, aber Tannhäuser war einzigartig. Verschlossen, alt, wortkarg, abweisend. Pontifex Norod hatte ihm die Wacht über die Flagellanten und Geißler übertragen, als er sich vor etlichen Jahren entschloss, auf Athenaios zu bleiben. Kaum jemand hatte die Entscheidung in Frage gestellt, da sich niemand für die armen Seelen verantwortlich gefühlt hatte. Tannhäuser machte keine Probleme und fiel nicht auf - tatsächlich hatte ihn in all der Zeit, die er nun in der Kathedrale auf dem Berg verbracht hatte, niemand wirklich beachtet. Athena selbst hatte seit ihrer Ankunft kaum mehr als zehn Wörter mit ihm gewechselt, denn Tannhäuser hielt sich in der Regel in den Katakomben der Festung auf, wo er eben jene Flagellanten und Geißler hinbringen ließ, die vor Schwäche auf den Stufen der Altäre und Kathedralen in der Stadt zusammenbrachen. Niemand konnte genau sagen, wie viele dieser halb Wahnsinnigen dort unten in den verlassenen Kellergewölben lagen, aber jetzt, kurz vor dem Fest der Erlösung, dem Jahrestag der Befreiung, waren es immer Dutzende von Fanatikern, die Zuflucht im Schmerz suchten. Athena konnte nur raten, wie viele dieser Gläubigen sich nun in der Obhut dieses Mannes befanden. Mit einem letzten Blick in die dunkle Gebetsnische entließ sie die junge Celestia mit einem Nicken und machte sich auf, um Konfessor Tannhäuser aufzusuchen.<br />
<br />
Spurian sah die Schatten - und diesmal konnte er sie nicht durch ein einfaches Kopfschütteln leugnen. Er sah ihre Körper, roch den süßlichen, moschusartigen, Geruch, der von ihnen aufstieg und wollte sich angewidert abwenden. Es ging nicht. Morbide Faszination ließ seine Blicke immer und immer wieder über die Gestalten wandern, die in dunklen Schatten an ihm vorbeigingen. Einige waren Mutanten, das konnte Spurian deutlich erkennen, auch wenn er nur die Umrisse unter den dunklen Roben wahrnehmen konnte. Der alte Adept ging in Gedanken jedes Gebet durch, dass er seit seiner Geburt gelernt hatte und hoffte, dass diese Unreinheit ihn unbehelligt lassen werde. Als er die Psalmen der Lucretia in seinem Kopf abzuspulen begann, stellte er fest, dass er sich nicht mehr auf dem Weg zu seinem Hab-Block befand. Er passierte vielmehr gerade das Büßertor, ein altes, halb verfallenes Bauwerk, wo einstmals die Geißler ihre Ergebenheit gezeigt hatten. Es lag aber zu weit außerhalb des Zentrums und der neuen Tempel, und so hatte es seit Jahrzehnten kaum noch jemanden interessiert. Spurian sah neben dem alten Bauwerk die Hospize in noch schlechterem Zustand. Seit das Zentrum der Stadt sich verlagert hatte, waren zunächst die Wohltäter verschwunden, die noch an mit Grünspan übersäten Bronze- und Kupferplatten zu lesen waren. Spurian lief weiter. Er wusste nicht wohin und wurde einfach mitgerissen, ein Opfer seiner Neugier. Schmerzen durchzuckten seinen alten Körper, der nach der eigentlich nun anstehenden Ruhepause verlangte. Aber Spurian ging weiter, den seltsamen Gestalten folgend, die Neues versprachen, Veränderung. Wolken verdeckten die zwei Monde von Athenaios III, Modestia und Fidelitas, sodass nur das graue Schwarz der Nacht selber blieb, als sie auf den Berg Cardo zuliefen an dessen Hang das Kloster der Ekklesiarchie beheimatet war. "Arx Tennebrae" hauchte Spurian den Namen voller Ehrfurcht, bevor er seinen müden Körper zwang weiterzugehen, ohne auch nur einen Gedanken daran verschwenden zu können zu fliehen. Ein kleiner Teil von ihm rebellierte bei jedem Schritt, schrie Warnungen hinaus, doch Spurian konnte nicht auf sie hören. Zu stark war die Faszination, zu stark die Neugier.<br />
<br />
In den Katakomben angekommen empfing sie die hagere, fast ausgemergelte Gestalt des Konfessors, der sich auf einen langen hölzernen Stab stützte. "Willkommen, Schwester Elohim." Tannhäusers Stimme war ein heiseres Kratzen, fast wie Stein, über den ein Messer gezogen wird. "Willkommen in der Unterwelt der Arx Tennebrae!" Athena blickte in das runzlige, uralte Gesicht des Konfessors. Zwei dunkle Augen blickten scharfsinnig unter buschigen Augenbrauen hervor. Der komplett kahle Kopf war von Tätowierungen übersät, von denen die Schwester nur die Hälfte der Symbole zweifelsfrei dem Imperatorkult zuordnen konnte. "Ihr wolltet mich sprechen, Konfessor?" erwiderte sie schnell und steif. Ihr Unwohlsein in den dunklen Gewölben war offensichtlich. "Folgt mir, Schwester." Ohne ein weiteres Wort oder eine Antwort abzuwarten drehte sich Tannhäuser um und begann, schwer auf seinen Stab gestützt, langsam tiefer in die Katakomben vorzudringen.<br />
Lichtkugeln spendeten eben genug Helligkeit, um die Umrisse der gigantischen Kelleranlage zu erahnen. Die Luft war feucht und stickig, schwanger mit dem Geruch von Menschenleibern und Wunden. Überall sah sie Büßer in verschiedenen Zuständen. Einige von ihnen waren wenig mehr als sabbernde Wahnsinnige, die Masse aber schien in Gebete vertieft zu sein. Athena konnte sie nicht zählen, aber es waren hunderte, wenn nicht tausende, die ihren Weg hierherunter gefunden hatten. Kaum jemand nahm Notiz von der Schwester, die in ihrer weißen Rüstung mit dem Bolter im Seitenholster hier völlig deplatziert wirkte - ganz im Gegensatz zu dem vorausgehenden Konfessor: ihm schien tatsächlich eine Art Ergebenheit erwiesen zu werden, die sonst nur dem Imperator vorbehalten war. Nachdenklich runzelte Athena die Stirn. Was sollte sie hier? Tannhäuser führte sie langsam zu einer Zelle, in der neben einem grob gezimmerten Bett mit einer Matratze und dünnen Laken nur ein Tisch und zwei Stühle standen, die ebenfalls kaum mehr als mit gutem Willen und wenig Geschick zusammengewerkelte Bohlen waren. Der alte Konfessor deutete mit einer Hand auf einen der Stühle und setzte sich dann mit einem unbewussten Stöhnen auf den anderen. Athena schüttelte energisch den Kopf. Abgesehen davon, dass sie sich nicht sicher war, ob der Stuhl dem Gewicht ihrer Servorüstung gewachsen war, wollte sie nicht sitzen. Je eher sie diesen Ort wieder verlassen konnte, umso besser. Tannhäuser lächelte sie an. Verstört blickte Athena in seine Augen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gedicht]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=925</link>
			<pubDate>Wed, 23 Jan 2013 15:10:20 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=61"></a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<img src="http://i.imagebanana.com/img/kxce7s04/Gedicht.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: Gedicht.jpg]" class="mycode_img" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://i.imagebanana.com/img/kxce7s04/Gedicht.jpg" loading="lazy"  alt="[Bild: Gedicht.jpg]" class="mycode_img" />]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The Edge of Darkness]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=831</link>
			<pubDate>Sun, 25 Mar 2012 09:19:35 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=230"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=831</guid>
			<description><![CDATA[In einem anderen Forum habe ich selbst ein 40k-RPG geleitet, welches aber irgendwann leider gestorben ist, obwohl die Gruppe sehr gut gearbeitet hat. Bin gerade dabei, dass Gespielte in eine korrigierte Form zu bringen, sodass man es besser lesen kann. Werde es Stück für Stück hier reinstellen und hoffen, dass es für einen kleinen Zeitvertreib reichen wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[In einem anderen Forum habe ich selbst ein 40k-RPG geleitet, welches aber irgendwann leider gestorben ist, obwohl die Gruppe sehr gut gearbeitet hat. Bin gerade dabei, dass Gespielte in eine korrigierte Form zu bringen, sodass man es besser lesen kann. Werde es Stück für Stück hier reinstellen und hoffen, dass es für einen kleinen Zeitvertreib reichen wird.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gedicht Die Stadtmauer]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=818</link>
			<pubDate>Wed, 07 Mar 2012 19:11:15 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=61"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=818</guid>
			<description><![CDATA[Die Stadtmauer<br />
Eine Grenze ohne Ende,<br />
eine Liebe ohne Glück.<br />
Kalte Steine, graue Wende,<br />
ja der Mensch sieht nie zurück.<br />
Aschewolken am Horizonte,<br />
sterbendes Volk am Wegesrand.<br />
Plötzlich nur noch ungewohnte,<br />
Gräber steh’n am weißen Strand.<br />
Niemand sieht und jeder schaut,<br />
auf die Mauer breit und grau.<br />
Jeder blind doch niemals taub,<br />
für unsre Stimmen alt und rau.<br />
Diese Mauer trägt die Toten,<br />
über Wolken, übers Licht.<br />
Wenig erlaubt und viel verboten,<br />
bis man einst über die Wende spricht…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Stadtmauer<br />
Eine Grenze ohne Ende,<br />
eine Liebe ohne Glück.<br />
Kalte Steine, graue Wende,<br />
ja der Mensch sieht nie zurück.<br />
Aschewolken am Horizonte,<br />
sterbendes Volk am Wegesrand.<br />
Plötzlich nur noch ungewohnte,<br />
Gräber steh’n am weißen Strand.<br />
Niemand sieht und jeder schaut,<br />
auf die Mauer breit und grau.<br />
Jeder blind doch niemals taub,<br />
für unsre Stimmen alt und rau.<br />
Diese Mauer trägt die Toten,<br />
über Wolken, übers Licht.<br />
Wenig erlaubt und viel verboten,<br />
bis man einst über die Wende spricht…]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Kommentare, Meinungen usw.]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=814</link>
			<pubDate>Thu, 01 Mar 2012 10:35:25 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=37"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=814</guid>
			<description><![CDATA[<a href="http://www.board-4you.de/v63/boards/226/thread.php?threadid=887&amp;sid=" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Gegensätze - Zwischen Schwarz und Weiß</a><br />
<br />
Hallo Estelle,<br />
<br />
verzeih mir, wollte bereits früher schon etwas dazu schreiben, aber wie so oft - aus den Augen aus dem Sinn  <img src="https://koron3.de/images/smilies/rolleyes.png" alt="Rolleyes" title="Rolleyes" class="smilie smilie_6" /><br />
Ich habe das mal hier hin verlagert, wollte deine Kurzgeschichte nicht stören. Finde die wirklich gut geschrieben, der Schreibstil gefällt mir gut. Wird es in Zukunft noch mehr davon zu lesen geben? Vielleicht magst ja auch deinen Charakter wieder reaktivieren, der dunkle Prinz sucht immer nach Individuen denen es nach Schmerz und Lust steht  <img src="https://koron3.de/images/smilies/wink.png" alt="Wink" title="Wink" class="smilie smilie_2" /><br />
<br />
Grüße<br />
Priest]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<a href="http://www.board-4you.de/v63/boards/226/thread.php?threadid=887&amp;sid=" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Gegensätze - Zwischen Schwarz und Weiß</a><br />
<br />
Hallo Estelle,<br />
<br />
verzeih mir, wollte bereits früher schon etwas dazu schreiben, aber wie so oft - aus den Augen aus dem Sinn  <img src="https://koron3.de/images/smilies/rolleyes.png" alt="Rolleyes" title="Rolleyes" class="smilie smilie_6" /><br />
Ich habe das mal hier hin verlagert, wollte deine Kurzgeschichte nicht stören. Finde die wirklich gut geschrieben, der Schreibstil gefällt mir gut. Wird es in Zukunft noch mehr davon zu lesen geben? Vielleicht magst ja auch deinen Charakter wieder reaktivieren, der dunkle Prinz sucht immer nach Individuen denen es nach Schmerz und Lust steht  <img src="https://koron3.de/images/smilies/wink.png" alt="Wink" title="Wink" class="smilie smilie_2" /><br />
<br />
Grüße<br />
Priest]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Kurzgeschichte Gegensätze- Zwischen Schwarz und Weiß Teil 1]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=803</link>
			<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 10:45:11 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=61"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=803</guid>
			<description><![CDATA[9. April 2009<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Tagebucheintrag Nummer 1</span><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gegensätze- Zwischen Schwarz und Weiß</span><br />
<br />
Ich hasse es, hasse jeden Augenblick zu leben. Jeder Atemzug kommt dem quälenden Verlangen näher das Messer ins Fleisch zu rammen. Rot ist eine so schöne Farbe. Und dann würden die Schmerzen vergessen sein, alles hätte ein Ende. Denn so oder so, vermissen würde mich keiner. Schließlich bin ich ein nicht geliebtes Wesen. Was hält mich dann noch hier? Der Wille. In mir schlummert nämlich eine Kämpferin. Ich seufze schwer, lege die silberne Klinge aus der Hand.<br />
„Halte einfach noch eine Weile durch.“<br />
    	-Stille-<br />
    	Wie typisch. Niemand zu Hause. Die Wände um mich herum schwarze Schatten, erdrückend. Mein Herz pulsiert, die grauen Iriden richten sich auf die Kommode. Bilder von Menschen die ich gekannt habe. Lächelnde, bleiche Schemen. In einem silbernen Rahmen steckt das Bild meiner Schwester. In weißen Tüll gehüllt, ihr Zahnpasta-Lächeln lässt mich würgen. Mein eigenes, dunkles Bild spiegelt sich im Glas wieder. So gegensätzlich. Niemand würde uns glauben das wir Schwestern seien, geschweige denn Zwillinge. Der Grund liegt darin das ich „denken“ kann. Ihre rosarote Barbiewelt besteht nur aus zuckerwattenweichen Traumgespinsten. Sie wird beschützt, geliebt, geachtet. Ich bin nur der Schatten, das Unrecht auf dieser Welt leben zu dürfen. Tränen schießen mir in die Augen, schwarze Perlen die bleiche Wangen verunreinigen. Ein Schrei erhebt sich, kreischt wie ein Raubvogel, greift die Wände an, drängt das Schwarz zurück nur damit es mit aller Kraft erneut zuschlagen kann. Ich kann nicht mehr, meine mobilisierten Kräfte schrumpfen auf ein Minimum zusammen. Die süße, scharfe Stimme der Klinge singt in meinen Ohren. Ihr Flehen mir Erlösung zu schenken wird immer größer, bedeutsamer. Sie hasst mich nicht, sie will mir nur helfen. Ein winziges, kaum sichtbares Lächeln umspielt meine Lippen. Doch vielleicht bin nicht ich das Problem. Ein prüfender Blick zurück auf das Bild meiner Schwester. Mit einem Finger fahre ich über die dünne Staubschicht. Winzige Flocken erfüllen die Luft.<br />
    	„Vielleicht bist du ja das Problem.“<br />
    	Zum ersten Mal in meinem Leben denke ich darüber nach wie es wäre ein Einzelkind zu sein, eine eigenständige Person. Kein Abklatsch. Und mit diesem Glücksgefühl lege ich mich schlafen, schließe die Augen und Tränen der Freude rollen über meine Wangen. Ja, bald werde ich glücklich sein.  <br />
<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Tagebucheintrag Nummer 2</span><br />
<br />
Ich habe seid einer Weile nichts Brauchbares mehr aufs Papier gebracht. Das schiebe ich meinen Gefühlen in die Schuhe. Sie zerren an meiner zerrütteten Persönlichkeit, an dem letzten Rest Mensch. Versteht mich nicht falsch, natürlich bin ich mir meiner Existenz durchaus bewusst, dennoch leide ich darunter. Und jetzt, wo ich den Grund für meinen –Absturz- kenne, möchte ich es beenden. Meine Schwester schläft, ihr blondes, lockiges Haar umspielt sicherlich ihre zarten Konturen. Wie würde sie sich wohl fühlen ohne ihr geliebtes Haar aufzuwachen. Ich lächele, lächele die Schere zu meinen Füßen an. Ihre Gegenwart spendet den Trost den ich nie erlebt habe. Krampfhaft schlägt mein Herz in meiner Brust, ein einsamer Wanderer auf der Suche nach Erlösung. Zielsicher greife ich nach der silbernen Waffe. Wiege den Gegenstand in meinen Händen und fasse einen ersten, handfesten Entschluss. <br />
„Etwas muss geschehen.“<br />
Meine Stimme klingt rau, weit entfernt von meiner damaligen Stimme. Als wäre ich jemand anderes. Eine Wiederholung von Gefühlen. Ich schlucke den Schmerz herunter, schleiche sacht auf die Tür zu. Meine Eltern schlafen. Eingehüllt in Träume die nichts mit der Zerstörung der Welt oder Vergewaltigungen von Kindern zu tun haben. Nein, sie haben nicht solche Träume. Nur schlechte Menschen. Bin ich schlecht? Bedeutet es unweigerlich seine Familie zu hassen dass man ein schlechter Mensch ist? Ich hasse sie! Aber nur weil sie meine Schwester mir vorziehen. Noch ein paar Schritte, die Tür ist nur angelehnt, ihr schwacher Atem dringt gedämpft durch die geöffnete Tür. Mein eigener Atem flüchtet aus meinen Lungen.<br />
„Gleich ist es soweit. Nicht mehr lange.“<br />
    	Ich lasse die Schere spielerisch durch die Luft sausen. Ja, ich bin eine Kämpferin. Als ich mich vor das Bett stelle, betrachte ich ihre schlafenden Züge. Sie ist so schön, schöner als alles was ich je gesehen habe. Und deshalb diese harte Konsequenz für ihr Dasein. Ich schnippe mit der Schere, sie schläft weiter. Ich schneide ihre die Locken vom Kopf, sie schläft weiter. Ich schneide und schneide und schneide und spüre wie mit jeder Haarlocke ein Teil meiner Ängste verschwindet. Bald ist sie nicht mehr so schön, bald wird sie weniger geliebt werden als ich. Glücklich darüber schneide ich ihr jede Faser vom Kopf bis nur noch Stummel übrig bleiben. Die Schere werfe ich aus dem Fenster, soll doch das Nachbarskind sie finden.<br />
Und wieder einmal schlafe ich ein, doch diesmal ohne Tränen. Dafür bin ich zu glücklich…<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Tagesbucheintrag Nummer 3</span><br />
<br />
Die Welt ist dunkel. Der Mond spendet Leichenblassgleiches Licht und fällt auf mein Gesicht. Ich spüre wie der Wind an meiner unbedeckten Haut leckt, wie ein zutraulicher Hund.<br />
	Warum hast du das getan? fragt der klägliche Rest Vernunft.<br />
	Ich zucke mit den Schultern, wühle in den Taschen und klaube mir eine Zigarette. Sie schmeckt scheußlich. Dennoch sehe ich dabei zu wie dünne Rauchsäulen in der Nachtluft verschwinden. Sie sehen fast so aus wie die Locken meiner Schwester die nicht mehr da sind. Sie hat es bemerkt, natürlich. Sie weiß dass ich es war, jeder weiß es und doch sagt niemand etwas dazu. Als hätten sie Angst. Kann man Angst vor seiner eigenen Tochter haben? Ich seufze, lächele und seufze wieder. Die Nacht ist kalt, fühlt sich kälter an als es eigentlich ist. Ich spucke auf die Straße, lasse die Zigarette fallen, sie brennt nicht mehr.<br />
	„Hey, du da bleib mal stehen!“.<br />
	Ich drehe mich um. Ein junger Mann kommt auf mich zu, schwarze Kleidung, auffälliger Gesichtsschmuck.<br />
	„Kenne ich dich?“<br />
	„Ich glaube kaum.“<br />
	Meine Stimme verliert sich in seinem Blick. Blaue, Gasflammenaugen. Mein Herz rast wie ein Güterzug durch die Landschaft.<br />
	„Doch ich bin mir ganz sicher.“<br />
	Er ist beharrlich, bohrt mir mit seinem flammenden Blick Löcher in die Brust. Die Luft schmeckt nach Schwefel ich muss würgen.<br />
	„Du warst böse“, sagte er fast schadenfroh. „Sehr sehr böse und du weißt was mit bösen Menschen passiert.“<br />
	„Sie kommen in die Hölle?“ stoße ich hervor. Die Luft fängt an zu brennen, die Nacht gleicht einem glühenden Feuerball. <br />
	„So ist es. Aber so schlimm ist es dort nicht, wir haben viele Möglichkeiten uns zu beschäftigen.“<br />
	Ein geschäftiges Lächeln bedeckt seine vollkommenen Züge. Spitze, weiße Zähne ragen aus seinem Mund. Seine Mundwinkel berühren beinahe die Augen.<br />
	„Für dich habe ich mir schon so einiges ausgedacht.“<br />
	„Du spinnst“, sage ich schlichtweg.<br />
	„Oh, ich bin der Prinz der Lügen, der Leibhaftige, der gefallene Morgenstern. Ich bin die Idee des absoluten Egoismus, oder einfach gesagt der Teufel.“<br />
	Ich würde schreien wenn ich könnte. Ich kann es nicht. Meine Stimmbänder sind mit meiner Zunge verschmolzen, kleben an meinem Gaumen. Sein Lächeln wird breiter, er genießt es mir Angst einzuflößen wie ein langsam wirkendes Gift.<br />
	„Ich biete dir einen Handel an Kate.“<br />
	„Einen Handel?“<br />
	Er nickt. <br />
	„Ja, ein Handel.“<br />
	Und ich spüre wie seine Dunkelheit meinen Körper verschlingt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[9. April 2009<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Tagebucheintrag Nummer 1</span><br />
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Gegensätze- Zwischen Schwarz und Weiß</span><br />
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Ich hasse es, hasse jeden Augenblick zu leben. Jeder Atemzug kommt dem quälenden Verlangen näher das Messer ins Fleisch zu rammen. Rot ist eine so schöne Farbe. Und dann würden die Schmerzen vergessen sein, alles hätte ein Ende. Denn so oder so, vermissen würde mich keiner. Schließlich bin ich ein nicht geliebtes Wesen. Was hält mich dann noch hier? Der Wille. In mir schlummert nämlich eine Kämpferin. Ich seufze schwer, lege die silberne Klinge aus der Hand.<br />
„Halte einfach noch eine Weile durch.“<br />
    	-Stille-<br />
    	Wie typisch. Niemand zu Hause. Die Wände um mich herum schwarze Schatten, erdrückend. Mein Herz pulsiert, die grauen Iriden richten sich auf die Kommode. Bilder von Menschen die ich gekannt habe. Lächelnde, bleiche Schemen. In einem silbernen Rahmen steckt das Bild meiner Schwester. In weißen Tüll gehüllt, ihr Zahnpasta-Lächeln lässt mich würgen. Mein eigenes, dunkles Bild spiegelt sich im Glas wieder. So gegensätzlich. Niemand würde uns glauben das wir Schwestern seien, geschweige denn Zwillinge. Der Grund liegt darin das ich „denken“ kann. Ihre rosarote Barbiewelt besteht nur aus zuckerwattenweichen Traumgespinsten. Sie wird beschützt, geliebt, geachtet. Ich bin nur der Schatten, das Unrecht auf dieser Welt leben zu dürfen. Tränen schießen mir in die Augen, schwarze Perlen die bleiche Wangen verunreinigen. Ein Schrei erhebt sich, kreischt wie ein Raubvogel, greift die Wände an, drängt das Schwarz zurück nur damit es mit aller Kraft erneut zuschlagen kann. Ich kann nicht mehr, meine mobilisierten Kräfte schrumpfen auf ein Minimum zusammen. Die süße, scharfe Stimme der Klinge singt in meinen Ohren. Ihr Flehen mir Erlösung zu schenken wird immer größer, bedeutsamer. Sie hasst mich nicht, sie will mir nur helfen. Ein winziges, kaum sichtbares Lächeln umspielt meine Lippen. Doch vielleicht bin nicht ich das Problem. Ein prüfender Blick zurück auf das Bild meiner Schwester. Mit einem Finger fahre ich über die dünne Staubschicht. Winzige Flocken erfüllen die Luft.<br />
    	„Vielleicht bist du ja das Problem.“<br />
    	Zum ersten Mal in meinem Leben denke ich darüber nach wie es wäre ein Einzelkind zu sein, eine eigenständige Person. Kein Abklatsch. Und mit diesem Glücksgefühl lege ich mich schlafen, schließe die Augen und Tränen der Freude rollen über meine Wangen. Ja, bald werde ich glücklich sein.  <br />
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Tagebucheintrag Nummer 2</span><br />
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Ich habe seid einer Weile nichts Brauchbares mehr aufs Papier gebracht. Das schiebe ich meinen Gefühlen in die Schuhe. Sie zerren an meiner zerrütteten Persönlichkeit, an dem letzten Rest Mensch. Versteht mich nicht falsch, natürlich bin ich mir meiner Existenz durchaus bewusst, dennoch leide ich darunter. Und jetzt, wo ich den Grund für meinen –Absturz- kenne, möchte ich es beenden. Meine Schwester schläft, ihr blondes, lockiges Haar umspielt sicherlich ihre zarten Konturen. Wie würde sie sich wohl fühlen ohne ihr geliebtes Haar aufzuwachen. Ich lächele, lächele die Schere zu meinen Füßen an. Ihre Gegenwart spendet den Trost den ich nie erlebt habe. Krampfhaft schlägt mein Herz in meiner Brust, ein einsamer Wanderer auf der Suche nach Erlösung. Zielsicher greife ich nach der silbernen Waffe. Wiege den Gegenstand in meinen Händen und fasse einen ersten, handfesten Entschluss. <br />
„Etwas muss geschehen.“<br />
Meine Stimme klingt rau, weit entfernt von meiner damaligen Stimme. Als wäre ich jemand anderes. Eine Wiederholung von Gefühlen. Ich schlucke den Schmerz herunter, schleiche sacht auf die Tür zu. Meine Eltern schlafen. Eingehüllt in Träume die nichts mit der Zerstörung der Welt oder Vergewaltigungen von Kindern zu tun haben. Nein, sie haben nicht solche Träume. Nur schlechte Menschen. Bin ich schlecht? Bedeutet es unweigerlich seine Familie zu hassen dass man ein schlechter Mensch ist? Ich hasse sie! Aber nur weil sie meine Schwester mir vorziehen. Noch ein paar Schritte, die Tür ist nur angelehnt, ihr schwacher Atem dringt gedämpft durch die geöffnete Tür. Mein eigener Atem flüchtet aus meinen Lungen.<br />
„Gleich ist es soweit. Nicht mehr lange.“<br />
    	Ich lasse die Schere spielerisch durch die Luft sausen. Ja, ich bin eine Kämpferin. Als ich mich vor das Bett stelle, betrachte ich ihre schlafenden Züge. Sie ist so schön, schöner als alles was ich je gesehen habe. Und deshalb diese harte Konsequenz für ihr Dasein. Ich schnippe mit der Schere, sie schläft weiter. Ich schneide ihre die Locken vom Kopf, sie schläft weiter. Ich schneide und schneide und schneide und spüre wie mit jeder Haarlocke ein Teil meiner Ängste verschwindet. Bald ist sie nicht mehr so schön, bald wird sie weniger geliebt werden als ich. Glücklich darüber schneide ich ihr jede Faser vom Kopf bis nur noch Stummel übrig bleiben. Die Schere werfe ich aus dem Fenster, soll doch das Nachbarskind sie finden.<br />
Und wieder einmal schlafe ich ein, doch diesmal ohne Tränen. Dafür bin ich zu glücklich…<br />
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<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Tagesbucheintrag Nummer 3</span><br />
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Die Welt ist dunkel. Der Mond spendet Leichenblassgleiches Licht und fällt auf mein Gesicht. Ich spüre wie der Wind an meiner unbedeckten Haut leckt, wie ein zutraulicher Hund.<br />
	Warum hast du das getan? fragt der klägliche Rest Vernunft.<br />
	Ich zucke mit den Schultern, wühle in den Taschen und klaube mir eine Zigarette. Sie schmeckt scheußlich. Dennoch sehe ich dabei zu wie dünne Rauchsäulen in der Nachtluft verschwinden. Sie sehen fast so aus wie die Locken meiner Schwester die nicht mehr da sind. Sie hat es bemerkt, natürlich. Sie weiß dass ich es war, jeder weiß es und doch sagt niemand etwas dazu. Als hätten sie Angst. Kann man Angst vor seiner eigenen Tochter haben? Ich seufze, lächele und seufze wieder. Die Nacht ist kalt, fühlt sich kälter an als es eigentlich ist. Ich spucke auf die Straße, lasse die Zigarette fallen, sie brennt nicht mehr.<br />
	„Hey, du da bleib mal stehen!“.<br />
	Ich drehe mich um. Ein junger Mann kommt auf mich zu, schwarze Kleidung, auffälliger Gesichtsschmuck.<br />
	„Kenne ich dich?“<br />
	„Ich glaube kaum.“<br />
	Meine Stimme verliert sich in seinem Blick. Blaue, Gasflammenaugen. Mein Herz rast wie ein Güterzug durch die Landschaft.<br />
	„Doch ich bin mir ganz sicher.“<br />
	Er ist beharrlich, bohrt mir mit seinem flammenden Blick Löcher in die Brust. Die Luft schmeckt nach Schwefel ich muss würgen.<br />
	„Du warst böse“, sagte er fast schadenfroh. „Sehr sehr böse und du weißt was mit bösen Menschen passiert.“<br />
	„Sie kommen in die Hölle?“ stoße ich hervor. Die Luft fängt an zu brennen, die Nacht gleicht einem glühenden Feuerball. <br />
	„So ist es. Aber so schlimm ist es dort nicht, wir haben viele Möglichkeiten uns zu beschäftigen.“<br />
	Ein geschäftiges Lächeln bedeckt seine vollkommenen Züge. Spitze, weiße Zähne ragen aus seinem Mund. Seine Mundwinkel berühren beinahe die Augen.<br />
	„Für dich habe ich mir schon so einiges ausgedacht.“<br />
	„Du spinnst“, sage ich schlichtweg.<br />
	„Oh, ich bin der Prinz der Lügen, der Leibhaftige, der gefallene Morgenstern. Ich bin die Idee des absoluten Egoismus, oder einfach gesagt der Teufel.“<br />
	Ich würde schreien wenn ich könnte. Ich kann es nicht. Meine Stimmbänder sind mit meiner Zunge verschmolzen, kleben an meinem Gaumen. Sein Lächeln wird breiter, er genießt es mir Angst einzuflößen wie ein langsam wirkendes Gift.<br />
	„Ich biete dir einen Handel an Kate.“<br />
	„Einen Handel?“<br />
	Er nickt. <br />
	„Ja, ein Handel.“<br />
	Und ich spüre wie seine Dunkelheit meinen Körper verschlingt.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der erste Kontakt]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=678</link>
			<pubDate>Tue, 17 Aug 2010 21:15:38 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=141"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=678</guid>
			<description><![CDATA[Zur Erklärung: Eigentlich ist das keine richtige Geschichte, sondern ein Spielbericht, der aus der Sicht eines der Soldaten erzählt wird.<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Ich wollte nie Truppführer werden…'</span><br />
Langsam erholte sich die Helm-Anzeige und er konnte wieder sehen, doch was er sah gefiel ihm überhaupt nicht, denn in einiger Entfernung konnte er einen Kampfpanzer der Menschen ausmachen wie er sich ihm und seinen Trupp zuwandte und seine den Tod ausspeienden Maschinengewehre ausrichtete.<br />
„Deckung!“ schrie er noch, keine Sekunde zu früh, denn gleich darauf begannen die Schweren Bolter zu schießen. Sofort ließ er sich in den Schlamm fallen, versuchend irgendwo Deckung zu finden und der restliche Trupp tat es ihm gleich, nur waren nicht alle schnell genug. Er sah wie die Statusanzeige seiner beiden Drohnen auf „Zerstört“, die eines seiner Soldaten auf „Tot“ und die eines weiteren Soldaten auf „Keine Antwort“ umschaltete. Als er aufsah wusste er auch warum, denn neben dem tödlich getroffenen und nun tot zu Boden sackenden Soldaten standen nur noch ein paar Beine ohne jeglichen Oberkörper welche nun langsam zur Seite kippten, kleine Teile des Oberkörpers fanden sich knapp 3 Meter weiter hinten, der Großteil fehlte jedoch vollständig.<br />
Vielleicht hätte er noch mehr gefunden hätte ihn nicht eine leise Vorahnung dazu gebracht nach oben zu schauen wo er eine kleine Rauchspur fand welche im hohem Bogen flog und näher kam. Wieder ein Mörsergeschoss? Die Frage beantwortete sich für ihn als neben ihm eine Schlammfontäne hochging und sein Display wieder schwarz wurde.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Ich wollte nie Truppführer werden...'</span><br />
<br />
<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Truppführer! Aber wieso ich? Es gibt doch bestimmt bessere. Und trotzdem hat man mich zum Truppführer gemacht.'</span><br />
Wahrscheinlich dachten die Soldaten seines Trupps dasselbe, denn sie alle schauten ihn an, auf seine Reaktion wartend.<br />
Er spürte wie der Teufelsrochen in dem sie sich befanden abbremste und hörte über das Schiffskomm, dass es eine kleine Komplikation gab. Sofort ging er in den Cockpitbereich.<br />
„Sir? Wir haben nicht-Tau Lebensformen geortet. 25 Objekte, sowohl sie als auch ihre Ausrüstung ist der Datenbank unbekannt.“<br />
„Verstanden. Melden sie dem Hauptquartier dass sie einen Diplomaten der Wasserkaste entsenden mögen und wir bis dahin versuchen werden einen ersten Kontakt herzustellen. Pilot, bringen sie uns langsam und für die sichtbar näher ran, sie sollen uns nicht als Bedrohung sehen.“<br />
Er machte sich wieder auf den Weg zur Passagierkabine. „Was ist passiert?“ hörte er sobald sich die Luke öffnete.<br />
Kurz nachdem er zu ende berichtet hatte läutete die Warn-Sirene des Schiffes auf und von vorne rief jemand „Festhalten!“ Er bekam gerade noch einen Haltegriff zu fassen bevor das Schiff zur Seite kippte. „Die schießen auf uns!“ kam noch ein Ruf von vorne. „Pilot! Sofort landen! Trupp, raus da und Feuer erwidern!“ hörte er sich selber sagen während ihn seine Beine zur Seitenluke trugen.<br />
Schon nach kurzem ging die Luke auf und er sprang raus, dicht gefolgt von den anderen Soldaten und seinen beiden Drohnen. Sofort sah er den Feind, und sofort begann sein erster Kampf. Ab jetzt war es ernst, nicht mehr die Übungssimulation.<br />
Der Panzer schwebte noch ein kleines Stück weiter bevor er endgültig zum Stillstand kam. In einiger Entfernung sah er wie einer der feinde eine Art Rohr hochhob und auf den Teufelsrochen richtete. Sofort gab er den Schussbefehl. Pulsfeuer raste über die Ebene und drei feinde gingen zu Boden.<br />
Er sah wie sich die beiden anderen Trupps auf sie zu bewegten und wie einer von ihnen ein kleineres Rohr hob, auf den rochen richtete und abfeuerte. Kurz vor dem Rochen explodierte die Ladung im Boden. Wenn dieses kleine Rohr so eine Explosion erzeugt, was macht dann das große Rohr?<br />
Als er wieder auf den Feind mit dem großen Rohr schaute konnte er sehen wie eine Rakete aus dem Rohr mit Kurs Richtung Panzer flog, allerdings knapp darüber hinweg flog.<br />
Die Sensoren seines Helmes verrieten ihm, dass eine kleine Gruppe Feinde weiter auf den Rochen zustürmten. Der Rochen richtete seine Waffen auf den kleinen Trupp und vernichtete ihn vollständig. Sein gesamtes Team feuerte noch einmal auf den weiter hinten gebliebenen Trupp und fünf weitere gingen zu Boden. Die beiden verbliebenen feinde suchten ihr Glück lieber in der Flucht als dass sie weiter stehen blieben.<br />
In diesem Moment hörte er eigenartige Geräusche welcher er allerdings sehr rasch den feindlichen Waffen zuordnen konnte. Sofort ging sein Trupp in Deckung hinter dem Rochen. Er sah wie großkalibrige Geschosse und Laserstrahlen an dem Transporter vorbeigingen, ziemlich genau dort wo er selbst noch kurz zuvor stand.<br />
„Sofort einsteigen!“ befahl er seinen Trupp und folgte ihnen sobald alle drinnen waren. „Bringen sie uns zum Feind!“ Rief er nach vorne und spürte gleich darauf wie der Rochen sich in Bewegung setzte. „Sind beim Feind in 5… 4…“ „Bereitmachen!“ rief er seinen Trupp entgegen.<br />
Eine leichte Erschütterung ging durch den Rochen, wahrscheinlich eine Granate. Da ging auch schon wieder die Luke auf und sie alle sprangen raus.<br />
Der Pilot hat recht, wir sind wirklich beim Feind, jedoch etwas zu nah für meinen Geschmack…<br />
Keine 2 Meter vor ihnen standen die gegnerischen Soldaten in Stellung, alle Waffen im Anschlag. Noch während sie vom Transporter absprangen feuerten die Feuerkrieger und der Panzer ihre Waffen ab. Als sich der Staub verzogen hat stand keiner der Feinde mehr.<br />
„Gibt es verwundete? Nein? Gut so. Bereitmachen für möglichen weiteren Feindkontakt. Sammelt ein Paar ihrer Waffen ein damit man sie später untersuchen kann. Pilot, bereithalten für Abflug. Sobald der Diplomat hier ist sammeln wir die beiden flüchtigen ein, behaltet sie bis dahin am Scanner im Auge. Wir wollen die doch nicht verlieren.“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Zur Erklärung: Eigentlich ist das keine richtige Geschichte, sondern ein Spielbericht, der aus der Sicht eines der Soldaten erzählt wird.<br />
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<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Ich wollte nie Truppführer werden…'</span><br />
Langsam erholte sich die Helm-Anzeige und er konnte wieder sehen, doch was er sah gefiel ihm überhaupt nicht, denn in einiger Entfernung konnte er einen Kampfpanzer der Menschen ausmachen wie er sich ihm und seinen Trupp zuwandte und seine den Tod ausspeienden Maschinengewehre ausrichtete.<br />
„Deckung!“ schrie er noch, keine Sekunde zu früh, denn gleich darauf begannen die Schweren Bolter zu schießen. Sofort ließ er sich in den Schlamm fallen, versuchend irgendwo Deckung zu finden und der restliche Trupp tat es ihm gleich, nur waren nicht alle schnell genug. Er sah wie die Statusanzeige seiner beiden Drohnen auf „Zerstört“, die eines seiner Soldaten auf „Tot“ und die eines weiteren Soldaten auf „Keine Antwort“ umschaltete. Als er aufsah wusste er auch warum, denn neben dem tödlich getroffenen und nun tot zu Boden sackenden Soldaten standen nur noch ein paar Beine ohne jeglichen Oberkörper welche nun langsam zur Seite kippten, kleine Teile des Oberkörpers fanden sich knapp 3 Meter weiter hinten, der Großteil fehlte jedoch vollständig.<br />
Vielleicht hätte er noch mehr gefunden hätte ihn nicht eine leise Vorahnung dazu gebracht nach oben zu schauen wo er eine kleine Rauchspur fand welche im hohem Bogen flog und näher kam. Wieder ein Mörsergeschoss? Die Frage beantwortete sich für ihn als neben ihm eine Schlammfontäne hochging und sein Display wieder schwarz wurde.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Ich wollte nie Truppführer werden...'</span><br />
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<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Truppführer! Aber wieso ich? Es gibt doch bestimmt bessere. Und trotzdem hat man mich zum Truppführer gemacht.'</span><br />
Wahrscheinlich dachten die Soldaten seines Trupps dasselbe, denn sie alle schauten ihn an, auf seine Reaktion wartend.<br />
Er spürte wie der Teufelsrochen in dem sie sich befanden abbremste und hörte über das Schiffskomm, dass es eine kleine Komplikation gab. Sofort ging er in den Cockpitbereich.<br />
„Sir? Wir haben nicht-Tau Lebensformen geortet. 25 Objekte, sowohl sie als auch ihre Ausrüstung ist der Datenbank unbekannt.“<br />
„Verstanden. Melden sie dem Hauptquartier dass sie einen Diplomaten der Wasserkaste entsenden mögen und wir bis dahin versuchen werden einen ersten Kontakt herzustellen. Pilot, bringen sie uns langsam und für die sichtbar näher ran, sie sollen uns nicht als Bedrohung sehen.“<br />
Er machte sich wieder auf den Weg zur Passagierkabine. „Was ist passiert?“ hörte er sobald sich die Luke öffnete.<br />
Kurz nachdem er zu ende berichtet hatte läutete die Warn-Sirene des Schiffes auf und von vorne rief jemand „Festhalten!“ Er bekam gerade noch einen Haltegriff zu fassen bevor das Schiff zur Seite kippte. „Die schießen auf uns!“ kam noch ein Ruf von vorne. „Pilot! Sofort landen! Trupp, raus da und Feuer erwidern!“ hörte er sich selber sagen während ihn seine Beine zur Seitenluke trugen.<br />
Schon nach kurzem ging die Luke auf und er sprang raus, dicht gefolgt von den anderen Soldaten und seinen beiden Drohnen. Sofort sah er den Feind, und sofort begann sein erster Kampf. Ab jetzt war es ernst, nicht mehr die Übungssimulation.<br />
Der Panzer schwebte noch ein kleines Stück weiter bevor er endgültig zum Stillstand kam. In einiger Entfernung sah er wie einer der feinde eine Art Rohr hochhob und auf den Teufelsrochen richtete. Sofort gab er den Schussbefehl. Pulsfeuer raste über die Ebene und drei feinde gingen zu Boden.<br />
Er sah wie sich die beiden anderen Trupps auf sie zu bewegten und wie einer von ihnen ein kleineres Rohr hob, auf den rochen richtete und abfeuerte. Kurz vor dem Rochen explodierte die Ladung im Boden. Wenn dieses kleine Rohr so eine Explosion erzeugt, was macht dann das große Rohr?<br />
Als er wieder auf den Feind mit dem großen Rohr schaute konnte er sehen wie eine Rakete aus dem Rohr mit Kurs Richtung Panzer flog, allerdings knapp darüber hinweg flog.<br />
Die Sensoren seines Helmes verrieten ihm, dass eine kleine Gruppe Feinde weiter auf den Rochen zustürmten. Der Rochen richtete seine Waffen auf den kleinen Trupp und vernichtete ihn vollständig. Sein gesamtes Team feuerte noch einmal auf den weiter hinten gebliebenen Trupp und fünf weitere gingen zu Boden. Die beiden verbliebenen feinde suchten ihr Glück lieber in der Flucht als dass sie weiter stehen blieben.<br />
In diesem Moment hörte er eigenartige Geräusche welcher er allerdings sehr rasch den feindlichen Waffen zuordnen konnte. Sofort ging sein Trupp in Deckung hinter dem Rochen. Er sah wie großkalibrige Geschosse und Laserstrahlen an dem Transporter vorbeigingen, ziemlich genau dort wo er selbst noch kurz zuvor stand.<br />
„Sofort einsteigen!“ befahl er seinen Trupp und folgte ihnen sobald alle drinnen waren. „Bringen sie uns zum Feind!“ Rief er nach vorne und spürte gleich darauf wie der Rochen sich in Bewegung setzte. „Sind beim Feind in 5… 4…“ „Bereitmachen!“ rief er seinen Trupp entgegen.<br />
Eine leichte Erschütterung ging durch den Rochen, wahrscheinlich eine Granate. Da ging auch schon wieder die Luke auf und sie alle sprangen raus.<br />
Der Pilot hat recht, wir sind wirklich beim Feind, jedoch etwas zu nah für meinen Geschmack…<br />
Keine 2 Meter vor ihnen standen die gegnerischen Soldaten in Stellung, alle Waffen im Anschlag. Noch während sie vom Transporter absprangen feuerten die Feuerkrieger und der Panzer ihre Waffen ab. Als sich der Staub verzogen hat stand keiner der Feinde mehr.<br />
„Gibt es verwundete? Nein? Gut so. Bereitmachen für möglichen weiteren Feindkontakt. Sammelt ein Paar ihrer Waffen ein damit man sie später untersuchen kann. Pilot, bereithalten für Abflug. Sobald der Diplomat hier ist sammeln wir die beiden flüchtigen ein, behaltet sie bis dahin am Scanner im Auge. Wir wollen die doch nicht verlieren.“]]></content:encoded>
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