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		<title><![CDATA[Koron III - Gefängniskolonie "Egir Septimus"]]></title>
		<link>https://koron3.de/</link>
		<description><![CDATA[Koron III - https://koron3.de]]></description>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 04:51:14 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Kommandodecks, Habitatio Praefectus, Obere Ebenen]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=373</link>
			<pubDate>Fri, 13 Feb 2009 17:31:20 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=18"></a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[Oberstleutnant Tybalt Valdred Drauwulf kochte vor Wut. Nach außen hin explizierte nicht ein Merkmal auf sein aufgewühltes Gemüt hin und er gab sich wie eh und je ruhig und besonnen, doch wer ihn näher kannte, mit ihm das zarte Band intimen oder kameradschaftlicher Freundschaft teilte, der vermochte den schwelenden Brand in seinen stechend blauen Augen zu erkennen, der Freunde und Bekannte, aber auch niedere Befehlsempfänger, Abstand und Achtsamkeit gelehrt hatte. Jenes hintergründige, gehaltvolle Funkeln mahnte sie das ihr kommandierender Offizier nicht bei idealster Laune war und es ihrer Gesundheit oder Dienstakte abträglich gegenüber wäre ihn in solchen „Phasen“ irgendwie zu stören oder anderweitig auch nur in seinem Umfeld zu sein. Eben aus diesem Anlass heraus war es auch nicht ausnehmend absonderlich das Bystran Nicabre, Oberfähnrich und ausgewählter Adjutant, des „Reißers von Terra“ sich am liebsten in sein Quartier zurückgezogen und Schadensberichte oder anderweitige Inspektionen vorgenommen hätte, statt nun mit seinem Vorgesetzten in denselben Gemächern zu verweilen. Er konnte nicht umhin zu behaupten wie stolz er war, die außerordentliche Ehre auf sich zu wissen, der persönliche Adjunkt des Befehlshabers von Beta Septimus geworden zu sein, er mochte die Vorzüge und Rechte die diese Anstellung mit sich brachte, hin du wieder selbst denen auf die Finger klopfen zu können, die Rangmäßig über ihm standen oder wesentlich diensterfahrener waren als er und sich stets altklug gaben und ihn belächelten. Bei jenen Gegebenheiten musste er nur einen Namen in den Mund nehmen (in den überwiegenden Fällen war dies nicht einmal vonnöten) und er war plötzlich der wichtigste Mann im Raum, der alle nach seiner Pfeife tanzen lassen konnte. <br />
<br />
Wie gesagt das waren die Privilegien seines Amtes, aber da existierten natürlich auch Abstriche. Eine dieser Schmälerungen waren die temporär auftretenden Stimmungsschwankungen seines Kommandeurs, die vielfach absolut unangekündigt zutage gefördert wurden und auf einer Skala zwischen 3-7 zu messen waren (ja, Bystran hatte ein eigenes Richtmaß für die Unausgeglichenheit des Oberstleutnants erfunden), dies wurde hervorgerufen durch kleinlichere Nebensachen wie Verletzungen der Dienstvorschriften, Arbeiterausfälle durch Stolleneinbrüche oder versalzenen Kantineneintopf, schlampige Reporte der Schichtleiter oder Ausfälle auf technischen Niveau, dem entgegen traten aber auch Ausnahmeerscheinungen auf, die sein inneres Gefüge bisweilen völlig überreizte und ihn wahrlich unausstehlich werden ließen. Heute war so ein Tag, das konnte Bystran eindeutig beurteilen. Doch das Barometer schlug dieses Mal vermutlich nicht nur vollends aus, denn selbst eine 10 erschien dem Unteroffizier als zu gering um den Zorn und die Frustration, die Valdred Drauwulf Aura versprühte abzugrenzen, sondern bammelte irgendwo jenseits allem messbaren. Für ihn - wie auch allen anderen Dingen die sich mit ihm im Zimmer befanden - war dies kein gutes Zeichen. <br />
<br />
Behutsam, ohne den zielstrebigen Schritt des Höherstehenden zu kreuzen der auf die Kühleinheit zuhielt, sich aus einem daneben montierten Schrank ein Glas schnappte, jenes auf die sanft bläulich erleuchtete Theke vor sich stellte und es mit einer blutroten Flüssigkeit füllte, platzierte sich der Assistent bei den elliptisch angeordneten Polstersitzen, die die Stirnseite des Raumes in Anspruch nahmen, von wo aus man einen wundervollen Blick auf den grauen Ozean inklusive sich Dunkel verfärbenden Himmel hatte. Als wollte er nicht mehr sein als ein anderweitiges dekoratives Mobiliar, legte er die Hände hinter seinem Rücken übereinander und wartete stumm ab. Wie sich in der Ferne am Horizont eine Unwetterwolke zusammenbraute, hoffte auch er darauf dass die Ruhe vor dem Sturm ihn vor einer plötzlichen Gewaltenentfesselung am ehesten beschützte.<br />
<br />
Tybalt nahm einen kräftigen Schluck von dem Eingeschenkten. Leerte das Glas in einem Zug, ließ das Gekostete langsam die Kehle hinab gleiten, genoss Augenblick und Geschmack, um dann nachzugießen und mit dem aufgefüllten zu ihm ans Aussichtsfenster zu treten. Die Konsumierung des Alkohols hatte Wirkung, ein Teil seiner Anspannung fiel von ihm ab wie schwerfälliger Schnee von einem kahlen, wieder erwachenden, kräfteschöpfenden Baum.<br />
„<span style="color: crimson;" class="mycode_color">Direktor Retamier ist gelinde ausgedrückt außer sich vor Entrüstung und Enttäuschung über das ausnahmslose Versagen meines Kommandos. Er droht mir mit Strafversetzung und disziplinarischen Maßnahmen.</span>“ verließ es plötzlich ruhig und bestimmt seinen Mund während er hinausblickte, das Spiel der Wellen und die dichte Wolkendecke betrachtete.<br />
<br />
Bystran Nicabre räusperte sich und legte Bestürzung in seine Tonlage, die er partiell sogar verspürte. Er fürchtete um seinen Posten. <br />
„<span style="color: royalblue;" class="mycode_color">Das sind erschreckende Neuigkeiten. Geradezu katastrophal für sie Herr Oberstleutnant. Beim goldenen Thron und den Allerheiligsten, das werden sie doch nicht einfach so hinnehmen wollen? Der Lord Protector hat doch, mit Verlaub, nicht die kärglichste Kenntnis davon wie schwer und heikel es ist, ein Hochsicherheitsgefängnis wie dieses zu führen. Sie haben sich seit Amtsantritt vor neun Jahren nicht ein Lapsus erlaubt, sondern immer vorbildlich nach den Kodizes des Imperiums gehandelt. Sie waren es der aus diesem…, verzeihen sie die Ausdrucksweise, jämmerlichen Dreckloch wieder einen ernst zu nehmenden Außenposten geschaffen hat. Der Abbau der Erze hat sich in den letzten Zyklen permanent konstant gesteigert, woraus der Direktor gewiss Profit geschlagen hat, hinzu kommt noch das die Quote der statistischen Revolten für solche Anlagen ebenfalls unter den Durchschnitt gefallen ist… die derzeitige Situation außer Acht gelassen. All dies kann er doch nicht einfach so von seinem Tisch fegen und sie für eine einzige… Missetat, von Kriminellen begangen, derart zur Rechenschaft ziehen und versetzen lassen!</span>"<br />
<br />
<span style="font-size: 1pt;" class="mycode_size">(Fortsetzung folgt)</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Oberstleutnant Tybalt Valdred Drauwulf kochte vor Wut. Nach außen hin explizierte nicht ein Merkmal auf sein aufgewühltes Gemüt hin und er gab sich wie eh und je ruhig und besonnen, doch wer ihn näher kannte, mit ihm das zarte Band intimen oder kameradschaftlicher Freundschaft teilte, der vermochte den schwelenden Brand in seinen stechend blauen Augen zu erkennen, der Freunde und Bekannte, aber auch niedere Befehlsempfänger, Abstand und Achtsamkeit gelehrt hatte. Jenes hintergründige, gehaltvolle Funkeln mahnte sie das ihr kommandierender Offizier nicht bei idealster Laune war und es ihrer Gesundheit oder Dienstakte abträglich gegenüber wäre ihn in solchen „Phasen“ irgendwie zu stören oder anderweitig auch nur in seinem Umfeld zu sein. Eben aus diesem Anlass heraus war es auch nicht ausnehmend absonderlich das Bystran Nicabre, Oberfähnrich und ausgewählter Adjutant, des „Reißers von Terra“ sich am liebsten in sein Quartier zurückgezogen und Schadensberichte oder anderweitige Inspektionen vorgenommen hätte, statt nun mit seinem Vorgesetzten in denselben Gemächern zu verweilen. Er konnte nicht umhin zu behaupten wie stolz er war, die außerordentliche Ehre auf sich zu wissen, der persönliche Adjunkt des Befehlshabers von Beta Septimus geworden zu sein, er mochte die Vorzüge und Rechte die diese Anstellung mit sich brachte, hin du wieder selbst denen auf die Finger klopfen zu können, die Rangmäßig über ihm standen oder wesentlich diensterfahrener waren als er und sich stets altklug gaben und ihn belächelten. Bei jenen Gegebenheiten musste er nur einen Namen in den Mund nehmen (in den überwiegenden Fällen war dies nicht einmal vonnöten) und er war plötzlich der wichtigste Mann im Raum, der alle nach seiner Pfeife tanzen lassen konnte. <br />
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Wie gesagt das waren die Privilegien seines Amtes, aber da existierten natürlich auch Abstriche. Eine dieser Schmälerungen waren die temporär auftretenden Stimmungsschwankungen seines Kommandeurs, die vielfach absolut unangekündigt zutage gefördert wurden und auf einer Skala zwischen 3-7 zu messen waren (ja, Bystran hatte ein eigenes Richtmaß für die Unausgeglichenheit des Oberstleutnants erfunden), dies wurde hervorgerufen durch kleinlichere Nebensachen wie Verletzungen der Dienstvorschriften, Arbeiterausfälle durch Stolleneinbrüche oder versalzenen Kantineneintopf, schlampige Reporte der Schichtleiter oder Ausfälle auf technischen Niveau, dem entgegen traten aber auch Ausnahmeerscheinungen auf, die sein inneres Gefüge bisweilen völlig überreizte und ihn wahrlich unausstehlich werden ließen. Heute war so ein Tag, das konnte Bystran eindeutig beurteilen. Doch das Barometer schlug dieses Mal vermutlich nicht nur vollends aus, denn selbst eine 10 erschien dem Unteroffizier als zu gering um den Zorn und die Frustration, die Valdred Drauwulf Aura versprühte abzugrenzen, sondern bammelte irgendwo jenseits allem messbaren. Für ihn - wie auch allen anderen Dingen die sich mit ihm im Zimmer befanden - war dies kein gutes Zeichen. <br />
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Behutsam, ohne den zielstrebigen Schritt des Höherstehenden zu kreuzen der auf die Kühleinheit zuhielt, sich aus einem daneben montierten Schrank ein Glas schnappte, jenes auf die sanft bläulich erleuchtete Theke vor sich stellte und es mit einer blutroten Flüssigkeit füllte, platzierte sich der Assistent bei den elliptisch angeordneten Polstersitzen, die die Stirnseite des Raumes in Anspruch nahmen, von wo aus man einen wundervollen Blick auf den grauen Ozean inklusive sich Dunkel verfärbenden Himmel hatte. Als wollte er nicht mehr sein als ein anderweitiges dekoratives Mobiliar, legte er die Hände hinter seinem Rücken übereinander und wartete stumm ab. Wie sich in der Ferne am Horizont eine Unwetterwolke zusammenbraute, hoffte auch er darauf dass die Ruhe vor dem Sturm ihn vor einer plötzlichen Gewaltenentfesselung am ehesten beschützte.<br />
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Tybalt nahm einen kräftigen Schluck von dem Eingeschenkten. Leerte das Glas in einem Zug, ließ das Gekostete langsam die Kehle hinab gleiten, genoss Augenblick und Geschmack, um dann nachzugießen und mit dem aufgefüllten zu ihm ans Aussichtsfenster zu treten. Die Konsumierung des Alkohols hatte Wirkung, ein Teil seiner Anspannung fiel von ihm ab wie schwerfälliger Schnee von einem kahlen, wieder erwachenden, kräfteschöpfenden Baum.<br />
„<span style="color: crimson;" class="mycode_color">Direktor Retamier ist gelinde ausgedrückt außer sich vor Entrüstung und Enttäuschung über das ausnahmslose Versagen meines Kommandos. Er droht mir mit Strafversetzung und disziplinarischen Maßnahmen.</span>“ verließ es plötzlich ruhig und bestimmt seinen Mund während er hinausblickte, das Spiel der Wellen und die dichte Wolkendecke betrachtete.<br />
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Bystran Nicabre räusperte sich und legte Bestürzung in seine Tonlage, die er partiell sogar verspürte. Er fürchtete um seinen Posten. <br />
„<span style="color: royalblue;" class="mycode_color">Das sind erschreckende Neuigkeiten. Geradezu katastrophal für sie Herr Oberstleutnant. Beim goldenen Thron und den Allerheiligsten, das werden sie doch nicht einfach so hinnehmen wollen? Der Lord Protector hat doch, mit Verlaub, nicht die kärglichste Kenntnis davon wie schwer und heikel es ist, ein Hochsicherheitsgefängnis wie dieses zu führen. Sie haben sich seit Amtsantritt vor neun Jahren nicht ein Lapsus erlaubt, sondern immer vorbildlich nach den Kodizes des Imperiums gehandelt. Sie waren es der aus diesem…, verzeihen sie die Ausdrucksweise, jämmerlichen Dreckloch wieder einen ernst zu nehmenden Außenposten geschaffen hat. Der Abbau der Erze hat sich in den letzten Zyklen permanent konstant gesteigert, woraus der Direktor gewiss Profit geschlagen hat, hinzu kommt noch das die Quote der statistischen Revolten für solche Anlagen ebenfalls unter den Durchschnitt gefallen ist… die derzeitige Situation außer Acht gelassen. All dies kann er doch nicht einfach so von seinem Tisch fegen und sie für eine einzige… Missetat, von Kriminellen begangen, derart zur Rechenschaft ziehen und versetzen lassen!</span>"<br />
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<span style="font-size: 1pt;" class="mycode_size">(Fortsetzung folgt)</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der „Besucherhangar“]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=150</link>
			<pubDate>Sun, 07 Sep 2008 17:42:17 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=4"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=150</guid>
			<description><![CDATA[Die große Landefläche wurde von den Alarmsirenen beschallt, acht Wachtürme umgaben den Platz, während zwei Techniker zusammen mit zwei Wärtern das Shuttle von einem gewissen „Certas“ zu  Start vorbereiteten. Gespräche waren fast unmöglich in Anbetracht Geräuschkulisse, vermutlich wäre selbst ein Schuss untergegangen. Die Besatzungen der Türme achteten mehr auf den Horizont, wie sollte jemand aus dem Inneren entfliehen, ohne Hilfe von außen? An der Westseite des Platzes war der eigentliche Hangar, mit dem Werkzeugraum an dem der vergessene Lüftungsschacht endete, an der Ostseite endete die Nottreppe auf der sich Lansing derzeit befand.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Die große Landefläche wurde von den Alarmsirenen beschallt, acht Wachtürme umgaben den Platz, während zwei Techniker zusammen mit zwei Wärtern das Shuttle von einem gewissen „Certas“ zu  Start vorbereiteten. Gespräche waren fast unmöglich in Anbetracht Geräuschkulisse, vermutlich wäre selbst ein Schuss untergegangen. Die Besatzungen der Türme achteten mehr auf den Horizont, wie sollte jemand aus dem Inneren entfliehen, ohne Hilfe von außen? An der Westseite des Platzes war der eigentliche Hangar, mit dem Werkzeugraum an dem der vergessene Lüftungsschacht endete, an der Ostseite endete die Nottreppe auf der sich Lansing derzeit befand.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Catonium oder „Die Tiefe“, Schachtsystem, Ressourcengewinnung]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=143</link>
			<pubDate>Tue, 02 Sep 2008 14:53:11 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=18"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=143</guid>
			<description><![CDATA[von --&gt; <a href="http://www.board-4you.de/v63/boards/226/thread.php?sid=&amp;postid=596#post596" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Häftlingstrakt, Disciplina Custodia, Untere Ebenen</a> <br />
<br />
Eigentlich war es nach ihrem Stilgefühl viel zu früh um dem unerträglichen Jaulen des Weckrufes schon nachzugeben und sich aus der süßen- wenn auch kaum vorhanden gewesenen – Umarmung des Schlafes zu räkeln, aber was tat man nicht alles für die Pflicht. Zumindest für die eigens auferlegte. Nach der ereignisreichen Nacht mit all ihren Zwischenfällen, die sie erfolgreich von einer längeren Ruheperiode abgehalten hatte, war sie nur noch äußerst schwerlich zurück in den entspannenden Schlummer gefallen. Zwar hatte sie weniger die potenzielle Möglichkeit befürchtet dass ein weiterer Widerling sie aufsuchen könnte, dennoch war die Beunruhigung dessen durchaus da, ebenso das sie jemand auf ihrem nächtlichen Rundgang hatte beobachten können und nun eine Entschädigung für sein Schweigen oder gleichartiges von ihr einforderte. Aber entgegen ihren inneren Besorgnissen ergab sich nichts von dem und so kam sie in die Nutznießung von einigen erholsamen, wenn auch extrem kurzen Stunden. Ob der Besuch bei Sarg Früchte tragen würde, vermochte Ayris noch nicht ausbedingen zu können, zu viele Eventualitäten spukten ihr dafür im Geiste herum.<br />
Auf den ersten Eindruck hin schien sie der vernarbten Gardisten trauen zu können, obwohl Vertrauen ein zu großes Wort für ihre Art der Beziehung vermeintlich war, einander nützlich sein traf es wohl es besser. Die Andere hatte sich nicht gerade einer Informationsflut hingegeben und Ayris erläutert was man von ihr erwartete, stattdessen wurde sie noch auf knapper Flamme gehalten und sollte erst in den Minen zu ihren Antworten kommen. Ausgerechnet die Minen. Karrte man sie also noch tiefer in den Magen dieses verdammten Planeten. Nicht gerade das Plätzchen was sie sich insgeheim erhofft hatte, noch ferner von der Oberfläche zu sein als ohnedies bereits, allerdings was durfte sie sich in ihrer Lage schon erhoffen? Realistisch gesehen, weniger als nichts. Weswegen sich also beschweren? Sie hatte darum gebeten, nun musste sie die vorgesetzte Suppe auch auslöffeln.<br />
<br />
Noch leicht in den dämmrigen Nachhall des Schlafes gefangen, trottete Ayris zur Tür ihrer sparsamen Unterkunft, deren Magnetverrieglung nach wie vor außer Kraft war, lauschte dem schlurfenden und fast einheitlichen Tritt der Aber dutzenden von Arbeitern die an ihrer Zelle vorbeimarschierten, welche das beständiges Gesäusel von Morgengemurmel umfing und gliederte sich schließlich zwischen einer Gruppe älterer und von der Knochenarbeit geprägte Schürfer ein. Umsichtig hielt sie den Kopf gesenkt um niemanden unnötigerweise auf sich aufmerksam zu machen, trotzdem konnte sie sich zu ihrem Bedauern nicht gänzlich vor den Blicken anderer verbergen, sodass sie während ihres Marsches doch das eine oder andere brennende Augenmerk auf sich spürte. Immer wieder kam ihr der bildhafte Vergleich von einer Maus in einer Grube voller Schakale in den Sinn. Nun gut, mit einer Maus wollte sie sich nicht unbedingt auf das gleiche Treppchen stellen aber ihr fiel in der Frühe nichts Poetischeres ein. Den abgehärmten Gesichtern die sie umringten war deutlich auszusehen was in ihren Trägern vor sich ging. Tag aus Tag ein, waren sie an diesen Ort gekettet, es lagen zwar keine eisernen Banden um ihre Gelenke und sie konnten sich in den Stollen frei bewegen und sogar ihr Umfeld bestimmen, beides in beschränkten Maße, aber dennoch hatte sie dieser Ort gebrochen. Es gab kein Entkommen. Keine Aussicht auf eine Steigerung des Wohlbefindens, es sei den man konnte sich über jemanden anderen erheben der schwächer war als man selbst. Die Mehrung des Leids anderer, war womöglich das einzigste was die meisten hier als Emotionsschub oder sowas wie Glück empfinden ließen. Innerlich schauderte Ayris vor jenen Mienen, solange sie sich noch im mehr oder minder überwachten Trakt befanden, würde noch keiner einen Unverfrorenheit begehen, aber wenn sie erst einmal dort unten wären… sie verdrängte den Gedanken.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Sei nicht so ein elender Feigling Grover, demnächst fängst du noch an mit den Zähnen zu klappern oder heulend in einer Ecke zu sitzen und dich darüber zu beklagen warum das Universum so schlecht ist. Kehr mal endlich die harte Schale raus, sonst kannst du denen gleich alle eine Einladung in die Hand drücken.</span><br />
<br />
Schweigend folgte sie der Prozession, die sich langsam durch den gesamten Komplex schlängelte wie ein vielköpfiges Ungeheuer. Irgendwann stromerten sie auch an der Zelle des ominösen Psychos vorbei, aber die Azazernerin mied den Blickkontakt. Wollte sie nur geschwind hinter sich lassen und schalt sie im nächsten Augenblick dafür überhaupt nur daran zu denken. Gebündelte Gedankenstränge waren ein Signalfeuer für Psi-Sensitive. Aber nichts geschah, die beinahe schon erwartete Stimme in ihrem Kopf blieb aus. Immerhin für diesen Segen dankbar, seufzte sie leise und starrte weiter auf den breiten Rücken ihres Vordermanns. Nicht mehr allzu lange danach passierten sie Sargs „Kabine“. Die Ex-Soldatin lehnte bereits wartend im Türrahmen und paffte einen ihrer Glimmstängel, frei nach dem Motto was die Front nicht schafft, bewerkstelligen später die Drogen. Als sie Ayris im Trott der Kolonne erspähte, reihte sie sich flugs an ihre Seite ein und fing ohne Umschweife an ihr etwas über die Gegebenheiten in den Schächten zu erzählen. Mit geradlinigen ungenierten Sätzen schilderte sie der ursprünglichen Kombüsengehilfin wie hoch die Überlebenschancen in den Minen stünden, auf wie vielen Wegen man in das Licht des Imperators eingehen könnte, welchen derzeitigen Kurs die Wetteinsätze bezüglich Neulinge und ihre Stehvermögen inne hatten, oder wie man mit den unzureichenden, bruchgefährdeten Werkzeugen hantieren müsse um sich nicht selbst, sondern das Gestein zu bearbeiten.<br />
<br />
Ayris hörte dem nur mit halbem Ohr zu, obwohl sich zweifelsfrei wichtige Informationen darunter befanden. Trotz und alledem hatte sie nicht vor sich einschüchtern zu lassen. Viel mehr wollte sie endlich erfahren was sie denn nun in der Grube für Sarg ausführen sollte. Aber jene ließ sich Zeit mit ihren Erklärungen, schließlich erreichten sie einen Fahrstuhlkäfig titanischen Fassungsvermögens. Eine Kontrollmannschaft von vier Soldaten in kompletter Montur und schwer bewaffnet, überwachten das Verfahren das „Abseilens“. Sie zwängten fünfzig Seelen in den Aufzug und schlossen dann scheppernd die dichte Maschendrahttür. Ein autonomer Betrieb schaltete die Blinklichter im Inneren des Käfigs daraufhin von Grün auf Rot, läutete eine 5-sekündige synthetische Warnung, ehe es dann einmal kurz rumpelte als die Motorik ansprang und die übergroße Transportkapsel in die unauslotbare Tiefe schoss. An Stahlseilen und Verstrebungen raste der Käfig quietschend und jaulend hinab, dem Schlund der Hölle entgegen, wie es Ayris vorkam. Bleiche Lampenringe huschten in rhythmischen Abständen an den verschmutzten Schutzfenstern vorbei und gaben eine gewisse Ahnung von der Unergründlichkeit preis der sie entgegen fielen. Sie hatte beinahe das Gefühl jeden Moment abzuheben, so schnell ging es abwärts und war froh das Frühstück verpasst zu haben, ansonsten hätte sie es vermutlich nicht länger bei sich behalten können. Aber das wäre bei dem Gestank der sich hier auf engsten Raum von eingepferchten ungewaschenen Leibern zusammenbraute wohl kaum des Aufhebens wert gewesen.<br />
<br />
Sarg beendete ihre Plauderstunde auch innerhalb des Rasant-Transportes nicht, erst als der Fahrstuhl sich seiner Zielebene annäherte und ziemlich abrupt zum Stillstand kam, unterbrach sie sich kurz um mit einer ihrer Hände nach einer Haltestange zu greifen um nicht wie Ayris gegen die benachbarten Personen zu stolpern oder von anderen Schwankenden halb zerquetscht zu werden. Sich kaum der erdrückenden Körper errettet, wurde auch schon ein paar Sekunden darauf im vorderen Teil des Lifts die Tür aufgeschoben und die eingesperrte Horde Sträflinge hinausgelassen. Brummelnd und fluchend verstreute sich ihre Gruppe in eine riesigen Kaverne die sich über etliche Rangstufen in die Höhe schraubte, der nackte Fels der Höhle war löchrig wie ein gidonischer Käse und Arbeiter schwirrten gleich Termiten in ihrem Königsbau umher.<br />
Provisorische Gerüste zur Stabilisierung von Hängen oder zum Erreichen besonders steiler oder anderweitig gefährlicher Kluften hafteten überall wie künstliche Gerippe an dem dunklen Gestein. Ein komplexes oder eher verwinkelt willkürliches Netz aus grellen Scheinwerfern am Boden der Flachheit, sowie entlang der schroffen Wände der Grotte sorgten für ausreichende Beleuchtung. Vereinzelt standen brummende Energiegeneratoren, die wie matte schiefergraue Klötze wirkten, zwischen den Stalagmiten und sonstigen Felsauswüschen und speisten die Lichtquellen und wenigen elektronischen Hilfsmittel mit Strom. Akustisch vernahm Ayris die übliche Bandbreite eines Abbaustollens; hämmern, hacken, bohren, das Geräusch splitternden Steins, das entfernte Poltern von Gerätschaften die sich aus einer Verankerung gelöst hatten oder das Brüllen von Anweisungen. Nach letztem (den Anweisungen) verzehrte sie sich immer mehr, aber Sarg spannte sie weiterhin auf die Folter. Und das noch bis nach dem Mittagslunch. Weder die Handvoll Soldaten noch die amtierenden Aufseher achteten sonderlich auf sie, noch trieben sie sie zur Arbeit an, solange sie an der Seite von Sarg weilte und sich von ihr das ein oder andere erzählen ließ. Wahrscheinlich aus dem Grunde weil ihre neue Mentorin dieselbe Position ausübte wie die anderen Inspektoren. Wie dem auch sein mochte, jedenfalls machte einer ihrer Adlaten Sarg nach Einnahme des Mittagsbuffets eine knappe Aufwartung, indem er ihr nur eine minimalitische mündliche Botschaft überbrachte, die jedoch Wunder und bewirkte und einen Auslöser aktivierte.<br />
<br />
Mit Ayris im Schlepptau betrat Sarg einen der Schächte und führte sie durch eine verwirrende Anzahl verschiedenster Tunnel und Durchbrüche, erklärte dabei immer wieder woran man sich anhand von Bagatellen und Banalem in den verzweigten Gängen zurechtfinden konnte. Nur Hirngeschädigte verliefen sich hier, jeder andere mit ein bisschen Verstandsmasse und natürlichem Orientierungssinn fand seinen Pfad zurück zur „Oberfläche“. Doch jenes war nur das Vorgerede, alsbald kam Sarg zu den wirklich wichtigen Dingen und ließ endlich den Lakaati aus dem Sack. Ayris horchte ihr zum ersten Mal mit voller Aufmerksamkeit und war aufrichtig verblüfft von der Tragweite und der außerordentlichen Brisanz des Vorhabens. Sie hatte zunächst mit etwas lakaienhafterem gerechnet, etwa einen Dienstbotenauftrag auszuführen oder für Sarg irgendwelche Sachen von unten nach oben zu schmuggeln, aber nicht gleich ein Promethiumlager in die Luft zu jagen. Ihre Verwunderung war Sarg selbstverständlich nicht entgangen, aber die braunhaarige Gardistin erkundigte sich nicht wiederholt nach ihrer Loyalität oder ob ihr doch das nötige Zeug dazu fehlen würde, so etwas durchzuziehen, wie als hätte sie alles erforderliche gesagt was es sagen gab, wandte sie sich hieraufhin um und ließ die Widerständlerin von einst mit sich und ihren rauschenden Gedanken allein. Ayris setzte dazu an ihr noch etwas hinterherzurufen, sie aufzuhalten, nach noch mehr Details zu fragen, schloss dann aber unverrichteter Dinge wieder den Mund.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Was soll’s, warum herumzappeln und zaudern? Das ist es doch was du wolltest oder etwa nicht? Das ist etwas was du kannst. Eine klare Linie bis zum Ziel und dann…boom! Ganz leicht… natürlich könnte ich dabei Hopps gehen, immerhin muss ich zünden und nicht sie, aber… ach, egal. Einfach erledigen und schauen was passiert. Viel schlimmer kann es sowieso nicht mehr für dich werden.</span> <br />
<br />
<span style="font-size: 1pt;" class="mycode_size">(wird noch fortgesetzt)</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[von --&gt; <a href="http://www.board-4you.de/v63/boards/226/thread.php?sid=&amp;postid=596#post596" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Häftlingstrakt, Disciplina Custodia, Untere Ebenen</a> <br />
<br />
Eigentlich war es nach ihrem Stilgefühl viel zu früh um dem unerträglichen Jaulen des Weckrufes schon nachzugeben und sich aus der süßen- wenn auch kaum vorhanden gewesenen – Umarmung des Schlafes zu räkeln, aber was tat man nicht alles für die Pflicht. Zumindest für die eigens auferlegte. Nach der ereignisreichen Nacht mit all ihren Zwischenfällen, die sie erfolgreich von einer längeren Ruheperiode abgehalten hatte, war sie nur noch äußerst schwerlich zurück in den entspannenden Schlummer gefallen. Zwar hatte sie weniger die potenzielle Möglichkeit befürchtet dass ein weiterer Widerling sie aufsuchen könnte, dennoch war die Beunruhigung dessen durchaus da, ebenso das sie jemand auf ihrem nächtlichen Rundgang hatte beobachten können und nun eine Entschädigung für sein Schweigen oder gleichartiges von ihr einforderte. Aber entgegen ihren inneren Besorgnissen ergab sich nichts von dem und so kam sie in die Nutznießung von einigen erholsamen, wenn auch extrem kurzen Stunden. Ob der Besuch bei Sarg Früchte tragen würde, vermochte Ayris noch nicht ausbedingen zu können, zu viele Eventualitäten spukten ihr dafür im Geiste herum.<br />
Auf den ersten Eindruck hin schien sie der vernarbten Gardisten trauen zu können, obwohl Vertrauen ein zu großes Wort für ihre Art der Beziehung vermeintlich war, einander nützlich sein traf es wohl es besser. Die Andere hatte sich nicht gerade einer Informationsflut hingegeben und Ayris erläutert was man von ihr erwartete, stattdessen wurde sie noch auf knapper Flamme gehalten und sollte erst in den Minen zu ihren Antworten kommen. Ausgerechnet die Minen. Karrte man sie also noch tiefer in den Magen dieses verdammten Planeten. Nicht gerade das Plätzchen was sie sich insgeheim erhofft hatte, noch ferner von der Oberfläche zu sein als ohnedies bereits, allerdings was durfte sie sich in ihrer Lage schon erhoffen? Realistisch gesehen, weniger als nichts. Weswegen sich also beschweren? Sie hatte darum gebeten, nun musste sie die vorgesetzte Suppe auch auslöffeln.<br />
<br />
Noch leicht in den dämmrigen Nachhall des Schlafes gefangen, trottete Ayris zur Tür ihrer sparsamen Unterkunft, deren Magnetverrieglung nach wie vor außer Kraft war, lauschte dem schlurfenden und fast einheitlichen Tritt der Aber dutzenden von Arbeitern die an ihrer Zelle vorbeimarschierten, welche das beständiges Gesäusel von Morgengemurmel umfing und gliederte sich schließlich zwischen einer Gruppe älterer und von der Knochenarbeit geprägte Schürfer ein. Umsichtig hielt sie den Kopf gesenkt um niemanden unnötigerweise auf sich aufmerksam zu machen, trotzdem konnte sie sich zu ihrem Bedauern nicht gänzlich vor den Blicken anderer verbergen, sodass sie während ihres Marsches doch das eine oder andere brennende Augenmerk auf sich spürte. Immer wieder kam ihr der bildhafte Vergleich von einer Maus in einer Grube voller Schakale in den Sinn. Nun gut, mit einer Maus wollte sie sich nicht unbedingt auf das gleiche Treppchen stellen aber ihr fiel in der Frühe nichts Poetischeres ein. Den abgehärmten Gesichtern die sie umringten war deutlich auszusehen was in ihren Trägern vor sich ging. Tag aus Tag ein, waren sie an diesen Ort gekettet, es lagen zwar keine eisernen Banden um ihre Gelenke und sie konnten sich in den Stollen frei bewegen und sogar ihr Umfeld bestimmen, beides in beschränkten Maße, aber dennoch hatte sie dieser Ort gebrochen. Es gab kein Entkommen. Keine Aussicht auf eine Steigerung des Wohlbefindens, es sei den man konnte sich über jemanden anderen erheben der schwächer war als man selbst. Die Mehrung des Leids anderer, war womöglich das einzigste was die meisten hier als Emotionsschub oder sowas wie Glück empfinden ließen. Innerlich schauderte Ayris vor jenen Mienen, solange sie sich noch im mehr oder minder überwachten Trakt befanden, würde noch keiner einen Unverfrorenheit begehen, aber wenn sie erst einmal dort unten wären… sie verdrängte den Gedanken.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Sei nicht so ein elender Feigling Grover, demnächst fängst du noch an mit den Zähnen zu klappern oder heulend in einer Ecke zu sitzen und dich darüber zu beklagen warum das Universum so schlecht ist. Kehr mal endlich die harte Schale raus, sonst kannst du denen gleich alle eine Einladung in die Hand drücken.</span><br />
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Schweigend folgte sie der Prozession, die sich langsam durch den gesamten Komplex schlängelte wie ein vielköpfiges Ungeheuer. Irgendwann stromerten sie auch an der Zelle des ominösen Psychos vorbei, aber die Azazernerin mied den Blickkontakt. Wollte sie nur geschwind hinter sich lassen und schalt sie im nächsten Augenblick dafür überhaupt nur daran zu denken. Gebündelte Gedankenstränge waren ein Signalfeuer für Psi-Sensitive. Aber nichts geschah, die beinahe schon erwartete Stimme in ihrem Kopf blieb aus. Immerhin für diesen Segen dankbar, seufzte sie leise und starrte weiter auf den breiten Rücken ihres Vordermanns. Nicht mehr allzu lange danach passierten sie Sargs „Kabine“. Die Ex-Soldatin lehnte bereits wartend im Türrahmen und paffte einen ihrer Glimmstängel, frei nach dem Motto was die Front nicht schafft, bewerkstelligen später die Drogen. Als sie Ayris im Trott der Kolonne erspähte, reihte sie sich flugs an ihre Seite ein und fing ohne Umschweife an ihr etwas über die Gegebenheiten in den Schächten zu erzählen. Mit geradlinigen ungenierten Sätzen schilderte sie der ursprünglichen Kombüsengehilfin wie hoch die Überlebenschancen in den Minen stünden, auf wie vielen Wegen man in das Licht des Imperators eingehen könnte, welchen derzeitigen Kurs die Wetteinsätze bezüglich Neulinge und ihre Stehvermögen inne hatten, oder wie man mit den unzureichenden, bruchgefährdeten Werkzeugen hantieren müsse um sich nicht selbst, sondern das Gestein zu bearbeiten.<br />
<br />
Ayris hörte dem nur mit halbem Ohr zu, obwohl sich zweifelsfrei wichtige Informationen darunter befanden. Trotz und alledem hatte sie nicht vor sich einschüchtern zu lassen. Viel mehr wollte sie endlich erfahren was sie denn nun in der Grube für Sarg ausführen sollte. Aber jene ließ sich Zeit mit ihren Erklärungen, schließlich erreichten sie einen Fahrstuhlkäfig titanischen Fassungsvermögens. Eine Kontrollmannschaft von vier Soldaten in kompletter Montur und schwer bewaffnet, überwachten das Verfahren das „Abseilens“. Sie zwängten fünfzig Seelen in den Aufzug und schlossen dann scheppernd die dichte Maschendrahttür. Ein autonomer Betrieb schaltete die Blinklichter im Inneren des Käfigs daraufhin von Grün auf Rot, läutete eine 5-sekündige synthetische Warnung, ehe es dann einmal kurz rumpelte als die Motorik ansprang und die übergroße Transportkapsel in die unauslotbare Tiefe schoss. An Stahlseilen und Verstrebungen raste der Käfig quietschend und jaulend hinab, dem Schlund der Hölle entgegen, wie es Ayris vorkam. Bleiche Lampenringe huschten in rhythmischen Abständen an den verschmutzten Schutzfenstern vorbei und gaben eine gewisse Ahnung von der Unergründlichkeit preis der sie entgegen fielen. Sie hatte beinahe das Gefühl jeden Moment abzuheben, so schnell ging es abwärts und war froh das Frühstück verpasst zu haben, ansonsten hätte sie es vermutlich nicht länger bei sich behalten können. Aber das wäre bei dem Gestank der sich hier auf engsten Raum von eingepferchten ungewaschenen Leibern zusammenbraute wohl kaum des Aufhebens wert gewesen.<br />
<br />
Sarg beendete ihre Plauderstunde auch innerhalb des Rasant-Transportes nicht, erst als der Fahrstuhl sich seiner Zielebene annäherte und ziemlich abrupt zum Stillstand kam, unterbrach sie sich kurz um mit einer ihrer Hände nach einer Haltestange zu greifen um nicht wie Ayris gegen die benachbarten Personen zu stolpern oder von anderen Schwankenden halb zerquetscht zu werden. Sich kaum der erdrückenden Körper errettet, wurde auch schon ein paar Sekunden darauf im vorderen Teil des Lifts die Tür aufgeschoben und die eingesperrte Horde Sträflinge hinausgelassen. Brummelnd und fluchend verstreute sich ihre Gruppe in eine riesigen Kaverne die sich über etliche Rangstufen in die Höhe schraubte, der nackte Fels der Höhle war löchrig wie ein gidonischer Käse und Arbeiter schwirrten gleich Termiten in ihrem Königsbau umher.<br />
Provisorische Gerüste zur Stabilisierung von Hängen oder zum Erreichen besonders steiler oder anderweitig gefährlicher Kluften hafteten überall wie künstliche Gerippe an dem dunklen Gestein. Ein komplexes oder eher verwinkelt willkürliches Netz aus grellen Scheinwerfern am Boden der Flachheit, sowie entlang der schroffen Wände der Grotte sorgten für ausreichende Beleuchtung. Vereinzelt standen brummende Energiegeneratoren, die wie matte schiefergraue Klötze wirkten, zwischen den Stalagmiten und sonstigen Felsauswüschen und speisten die Lichtquellen und wenigen elektronischen Hilfsmittel mit Strom. Akustisch vernahm Ayris die übliche Bandbreite eines Abbaustollens; hämmern, hacken, bohren, das Geräusch splitternden Steins, das entfernte Poltern von Gerätschaften die sich aus einer Verankerung gelöst hatten oder das Brüllen von Anweisungen. Nach letztem (den Anweisungen) verzehrte sie sich immer mehr, aber Sarg spannte sie weiterhin auf die Folter. Und das noch bis nach dem Mittagslunch. Weder die Handvoll Soldaten noch die amtierenden Aufseher achteten sonderlich auf sie, noch trieben sie sie zur Arbeit an, solange sie an der Seite von Sarg weilte und sich von ihr das ein oder andere erzählen ließ. Wahrscheinlich aus dem Grunde weil ihre neue Mentorin dieselbe Position ausübte wie die anderen Inspektoren. Wie dem auch sein mochte, jedenfalls machte einer ihrer Adlaten Sarg nach Einnahme des Mittagsbuffets eine knappe Aufwartung, indem er ihr nur eine minimalitische mündliche Botschaft überbrachte, die jedoch Wunder und bewirkte und einen Auslöser aktivierte.<br />
<br />
Mit Ayris im Schlepptau betrat Sarg einen der Schächte und führte sie durch eine verwirrende Anzahl verschiedenster Tunnel und Durchbrüche, erklärte dabei immer wieder woran man sich anhand von Bagatellen und Banalem in den verzweigten Gängen zurechtfinden konnte. Nur Hirngeschädigte verliefen sich hier, jeder andere mit ein bisschen Verstandsmasse und natürlichem Orientierungssinn fand seinen Pfad zurück zur „Oberfläche“. Doch jenes war nur das Vorgerede, alsbald kam Sarg zu den wirklich wichtigen Dingen und ließ endlich den Lakaati aus dem Sack. Ayris horchte ihr zum ersten Mal mit voller Aufmerksamkeit und war aufrichtig verblüfft von der Tragweite und der außerordentlichen Brisanz des Vorhabens. Sie hatte zunächst mit etwas lakaienhafterem gerechnet, etwa einen Dienstbotenauftrag auszuführen oder für Sarg irgendwelche Sachen von unten nach oben zu schmuggeln, aber nicht gleich ein Promethiumlager in die Luft zu jagen. Ihre Verwunderung war Sarg selbstverständlich nicht entgangen, aber die braunhaarige Gardistin erkundigte sich nicht wiederholt nach ihrer Loyalität oder ob ihr doch das nötige Zeug dazu fehlen würde, so etwas durchzuziehen, wie als hätte sie alles erforderliche gesagt was es sagen gab, wandte sie sich hieraufhin um und ließ die Widerständlerin von einst mit sich und ihren rauschenden Gedanken allein. Ayris setzte dazu an ihr noch etwas hinterherzurufen, sie aufzuhalten, nach noch mehr Details zu fragen, schloss dann aber unverrichteter Dinge wieder den Mund.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Was soll’s, warum herumzappeln und zaudern? Das ist es doch was du wolltest oder etwa nicht? Das ist etwas was du kannst. Eine klare Linie bis zum Ziel und dann…boom! Ganz leicht… natürlich könnte ich dabei Hopps gehen, immerhin muss ich zünden und nicht sie, aber… ach, egal. Einfach erledigen und schauen was passiert. Viel schlimmer kann es sowieso nicht mehr für dich werden.</span> <br />
<br />
<span style="font-size: 1pt;" class="mycode_size">(wird noch fortgesetzt)</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Häftlingstrakt, Disciplina Custodia, Untere Ebenen (Ü18)]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=98</link>
			<pubDate>Sun, 03 Aug 2008 23:17:09 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=18"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=98</guid>
			<description><![CDATA[von --&gt; <a href="http://www.board-4you.de/v63/boards/226/thread.php?threadid=90&amp;sid=" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Kombüse der Schürfstation Beta Sept., Erholungsebene</a><br />
<br />
Miguel Sanguiro liebte Troika Happen. Er mochte sie vor allem deswegen so weil es so verdammt schwierig war sie auf einem vom Gott-Imperator vergessenen Planenten wie diesem, auf dem er nun schon seit dreizehn – ausgerechnet „die“ verfluchten dreizehn – Jahre festsaß, überhaupt erst zu bekommen. Früher auf Omaraga V, seiner innig und höchst geschätzten Heimatwelt, nach deren milden Klima er sich arg sehnte, obwohl er es nie irgendeinem seiner jetztigen Kameraden anvertraut hätte (sie hätten nur über ihn gelacht und ihn fortan wegen seiner sentimentalen Seite aufgezogen) hatte er die köstliche Süßigkeit überall kaufen können, dort hatte es sie sogar in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und in Packungen verschiedenster Größenordnung gegeben. Schon als blutiger Neuanfänger im glorreichen Feldzug Terras auf dem Kasernengelände und später als Gefreiter bei ersten Kampfeinsätzen gegen die rückständigen Extremisten der Bewohner des Südpols hatte er es sich stets zur Prämisse gemacht immer einen gewissen Vorrat an Troika Happen dabeizuhaben. <br />
<br />
Andere kauten in Stresssituationen Kaugummi, Tabak oder rauchten wie die Schlote obgleich ihnen die gegnerischen Kugeln um die Ohren flogen, da man das Glimmen der Kippe von weither sehen konnte, aber er lebte stilvoller und nicht so gefährlich, er genoss nur Troika. Und Troika war gut für den Körper. So stand es zumindest auf den Slogans des Produktherstellers. In der Tat konnte sich Miguel ein Leben ohne Troika gar nicht mehr vorstellen. Die geschmackliche Leckerei hatte sich förmlich in seine Zunge eingebrannt und sein Gaumen verlangte immerzu nach mehr, was besonders schlimm war, wenn er tatsächlich einmal seinen ganzen Bestand aufgebraucht hatte. Einmal hatte Danton ihm eine seiner liegen gelassenen Tüten leergefuttert - <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">der blöde Arsch, wie konnte man nur so geistesgestört sein um auf so einen Gedanken zu kommen? Man vergreift sich nicht an Sachen die anderen gehören, niemand vergreift sich an meinen Troikas!</span> -, als er gerade seinen Rundgang durch den Flügel hatte erledigen müssen, das hatte er anschließend schwer bereut. Miguel hatte ihm für seine Verfressenheit die Nase eingeschlagen und ihm zwei Rippen gebrochen. War vielleicht nicht das klügste gewesen was er je getan hatte, aber Strafe musste sein. Die hatte er auch selbst erhalten, für seine „Überreaktion“. Die Narben auf seinem Rücken waren ein Signum das ihn daran erinnern sollte nicht noch einmal wegen solch einer Lappalie auszurasten, sonst würde er in die Stollen versetzt werden. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Sollen sie doch machen, viel tiefer als das hier geht’s sowieso nicht mehr.</span> Der Zellenblock befand sich ohnehin bereits am unterirdischsten Punkt der Anlage.<br />
<br />
Er knurrte mürrisch in Reminiszenz auf diesen Tag. Am liebsten hätte er ihn aus seinem Gedächtnis gestrichen, ungefähr genauso gern wie die letzten dreizehn verteufelten verschwendeten Jahre. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Für den Imperator und das Wohl Terras! Das ich nicht lache, hab’ nicht einmal die Ehre gehabt hinter so einer beschissenen Standarte hinaus aufs Schlachtfeld zu stürmen und elende Grünköppe oder Tausendfüßler niederzumähen… nein, Soldat Sanguiro sie erwartet eine äußerst gewichtige Position auf dem Dreckball Nr. Zehntausendzwölf wo sie dazu angehalten werden den Rest ihres Lebens auf den miesesten Abschaum der Galaxie ein Auge werfen zu dürfen… verfickt, dir bürokratisches Arschloch möcht’ ich mal was an den Giebel werfen… und zwar nich’ nur nen Auge…</span><br />
Wütend schob er seine Hand in die knisternde Verpackung die vor ihm auf dem fest montierten Metalltisch des Wachkontrollraum lag, ballte seine Finger darin zur Faust um möglichst viele der rundlichen von Farbstoff gefärbten Kügelchen zu fangen und schüttete sich dann alles in die Mundhöhle. Lustig knuspernd zerbarsten die Troikas zwischen seinen Zähnen, als diese ihr Mahlwerk begannen und überschütteten seinen Gaumen mit den dringend bedürftigen Stoffen der chemischen Geschmacksverstärker- und Zusätze, über die man sich besser keinerlei Gedanken machte und das tat Miguel schon lange nicht mehr.<br />
<br />
Er wurde immer ungehalten wenn er an dieses Begebnis zurückdachte. Danton war daraufhin versetzt worden, diente jetzt unter Korporal Dennigton oder Demmigham oder wie immer der Kerl heißen mochte. Hatte auf jeden Fall mehr Glück gehabt im Gegensatz zu ihm. Irgendwie zog er immer die A-Karte. Auf Dauer war das echt zermürbend für einen der eigentlich ein guter Kerl war – und dafür hielt sich Miguel durchaus – für einen der mit ordentlichen Motiven und Ehrgeiz zur Armee gegangen war. Bisher hatte er dafür nur einen Arschtritt auf den nächsten erhalten. Sein Blick ging auf sinnleere Suche während er so darüber sinnierte was in seinem Leben alles falsch gelaufen war. Er streifte durch die spartanisch eingerichtete kubusartige Räumlichkeit, welche bis auf die Wand an dem der Tisch stand an dem er saß und einem Spind nichts weiter war, als die noch über zweieinhalb Wände verlaufende vorgewölbte Schaltkonsole der Haftzellenüberwachung und darüber befestigte Bildschirme die bläulichgrau das Geschehen im Innern der Arreste aufzeigten. Miguel hätte die Augen schließen können und aus dem Kopf heraus den Raum in jeder Einzelheit beschreiben können. Er hasste seinen Arbeitsplatz. Nie veränderte sich etwas. Ihm war sterbenslangweilig.<br />
<br />
Unvermittelt blieben seine gelangweilten, halb geschlossenen Augen an einem der Monitore hängen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Was’n das? Neuzugang? Und das bemerke ich erst jetzt?</span>  Er konnte beinahe nicht glauben was er sah. Sich weiterhin die bunten „Erbsen“ in den Rachen schaufelnd erhob er sich vom Stuhl und ging zum Flachbildschirm - von hololitischen Projektionpanels konnte man hier draußen oder hier unten nur träumen - hinüber um es genauer in Augenschein zu nehmen. Mit jedem Schritt weiteten sich seine Pupillen mehr. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Tatsache, ne’ Schnalle.</span> Miguel konnte sein Füllhorn kaum fassen. Gerade eben noch war seine Laune im finstersten Keller gewesen und nun das. Irgendwo über ihm musste jemand den Kuchen der Gerechtigkeit angeschnitten haben und ein Krümel davon war im direkt in den Schoss gefallen. Sprichwörtlich. Aufgeregt betätigte er den Pegel der Zoomfunktion und balancierte die Detailschärfe der Kamera aus. Der Bildausschnitt der jeweiligen Zelle verengte sich und holte den Winkel der Kammer heran in der die Pritsche und nicht unweit davon die kleine Hygieneeinheit festgemacht war. Doch der spärliche Einrichtung galt weniger seine gebannte Aufmerksamkeit, diese oblag vielmehr dem weiblichen Geschöpf das davor – scheinbar frustriert – auf und ab schritt und sich gelegentlich verdrießt durch die dunklen Haare fuhr. Der Soldat mit der grobporigen Haut rieb sich mit einer Hand über das Kinn an dem schon wieder die ersten Bartstoppeln sprossen und begutachtete das Bild als übe es einen magischen Anziehung auf ihn aus. In gewisser Weise stimmte das sogar, angezogen fühlte sich Miguel sehr von dem was sich ihm dort so offen und unverfangen präsentierte. Mit den Fingern der Linken zog er die Konturen der Strafgefangenen auf dem Bildschirm nach und spürte wie sich in seinem Genitalbereich etwas regte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Mann, ist die heiß… so was Wohlproportioniertes hatte ich ja schon seit Ewigkeiten nich’ mehr im meinem Gehege… das wird ne spitzenmäßige Nacht, irre… und ich habe immer noch Troikas…</span><br />
<br />
Eine letzte Fortsetzung folgt noch]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[von --&gt; <a href="http://www.board-4you.de/v63/boards/226/thread.php?threadid=90&amp;sid=" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Kombüse der Schürfstation Beta Sept., Erholungsebene</a><br />
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Miguel Sanguiro liebte Troika Happen. Er mochte sie vor allem deswegen so weil es so verdammt schwierig war sie auf einem vom Gott-Imperator vergessenen Planenten wie diesem, auf dem er nun schon seit dreizehn – ausgerechnet „die“ verfluchten dreizehn – Jahre festsaß, überhaupt erst zu bekommen. Früher auf Omaraga V, seiner innig und höchst geschätzten Heimatwelt, nach deren milden Klima er sich arg sehnte, obwohl er es nie irgendeinem seiner jetztigen Kameraden anvertraut hätte (sie hätten nur über ihn gelacht und ihn fortan wegen seiner sentimentalen Seite aufgezogen) hatte er die köstliche Süßigkeit überall kaufen können, dort hatte es sie sogar in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und in Packungen verschiedenster Größenordnung gegeben. Schon als blutiger Neuanfänger im glorreichen Feldzug Terras auf dem Kasernengelände und später als Gefreiter bei ersten Kampfeinsätzen gegen die rückständigen Extremisten der Bewohner des Südpols hatte er es sich stets zur Prämisse gemacht immer einen gewissen Vorrat an Troika Happen dabeizuhaben. <br />
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Andere kauten in Stresssituationen Kaugummi, Tabak oder rauchten wie die Schlote obgleich ihnen die gegnerischen Kugeln um die Ohren flogen, da man das Glimmen der Kippe von weither sehen konnte, aber er lebte stilvoller und nicht so gefährlich, er genoss nur Troika. Und Troika war gut für den Körper. So stand es zumindest auf den Slogans des Produktherstellers. In der Tat konnte sich Miguel ein Leben ohne Troika gar nicht mehr vorstellen. Die geschmackliche Leckerei hatte sich förmlich in seine Zunge eingebrannt und sein Gaumen verlangte immerzu nach mehr, was besonders schlimm war, wenn er tatsächlich einmal seinen ganzen Bestand aufgebraucht hatte. Einmal hatte Danton ihm eine seiner liegen gelassenen Tüten leergefuttert - <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">der blöde Arsch, wie konnte man nur so geistesgestört sein um auf so einen Gedanken zu kommen? Man vergreift sich nicht an Sachen die anderen gehören, niemand vergreift sich an meinen Troikas!</span> -, als er gerade seinen Rundgang durch den Flügel hatte erledigen müssen, das hatte er anschließend schwer bereut. Miguel hatte ihm für seine Verfressenheit die Nase eingeschlagen und ihm zwei Rippen gebrochen. War vielleicht nicht das klügste gewesen was er je getan hatte, aber Strafe musste sein. Die hatte er auch selbst erhalten, für seine „Überreaktion“. Die Narben auf seinem Rücken waren ein Signum das ihn daran erinnern sollte nicht noch einmal wegen solch einer Lappalie auszurasten, sonst würde er in die Stollen versetzt werden. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Sollen sie doch machen, viel tiefer als das hier geht’s sowieso nicht mehr.</span> Der Zellenblock befand sich ohnehin bereits am unterirdischsten Punkt der Anlage.<br />
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Er knurrte mürrisch in Reminiszenz auf diesen Tag. Am liebsten hätte er ihn aus seinem Gedächtnis gestrichen, ungefähr genauso gern wie die letzten dreizehn verteufelten verschwendeten Jahre. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Für den Imperator und das Wohl Terras! Das ich nicht lache, hab’ nicht einmal die Ehre gehabt hinter so einer beschissenen Standarte hinaus aufs Schlachtfeld zu stürmen und elende Grünköppe oder Tausendfüßler niederzumähen… nein, Soldat Sanguiro sie erwartet eine äußerst gewichtige Position auf dem Dreckball Nr. Zehntausendzwölf wo sie dazu angehalten werden den Rest ihres Lebens auf den miesesten Abschaum der Galaxie ein Auge werfen zu dürfen… verfickt, dir bürokratisches Arschloch möcht’ ich mal was an den Giebel werfen… und zwar nich’ nur nen Auge…</span><br />
Wütend schob er seine Hand in die knisternde Verpackung die vor ihm auf dem fest montierten Metalltisch des Wachkontrollraum lag, ballte seine Finger darin zur Faust um möglichst viele der rundlichen von Farbstoff gefärbten Kügelchen zu fangen und schüttete sich dann alles in die Mundhöhle. Lustig knuspernd zerbarsten die Troikas zwischen seinen Zähnen, als diese ihr Mahlwerk begannen und überschütteten seinen Gaumen mit den dringend bedürftigen Stoffen der chemischen Geschmacksverstärker- und Zusätze, über die man sich besser keinerlei Gedanken machte und das tat Miguel schon lange nicht mehr.<br />
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Er wurde immer ungehalten wenn er an dieses Begebnis zurückdachte. Danton war daraufhin versetzt worden, diente jetzt unter Korporal Dennigton oder Demmigham oder wie immer der Kerl heißen mochte. Hatte auf jeden Fall mehr Glück gehabt im Gegensatz zu ihm. Irgendwie zog er immer die A-Karte. Auf Dauer war das echt zermürbend für einen der eigentlich ein guter Kerl war – und dafür hielt sich Miguel durchaus – für einen der mit ordentlichen Motiven und Ehrgeiz zur Armee gegangen war. Bisher hatte er dafür nur einen Arschtritt auf den nächsten erhalten. Sein Blick ging auf sinnleere Suche während er so darüber sinnierte was in seinem Leben alles falsch gelaufen war. Er streifte durch die spartanisch eingerichtete kubusartige Räumlichkeit, welche bis auf die Wand an dem der Tisch stand an dem er saß und einem Spind nichts weiter war, als die noch über zweieinhalb Wände verlaufende vorgewölbte Schaltkonsole der Haftzellenüberwachung und darüber befestigte Bildschirme die bläulichgrau das Geschehen im Innern der Arreste aufzeigten. Miguel hätte die Augen schließen können und aus dem Kopf heraus den Raum in jeder Einzelheit beschreiben können. Er hasste seinen Arbeitsplatz. Nie veränderte sich etwas. Ihm war sterbenslangweilig.<br />
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Unvermittelt blieben seine gelangweilten, halb geschlossenen Augen an einem der Monitore hängen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Was’n das? Neuzugang? Und das bemerke ich erst jetzt?</span>  Er konnte beinahe nicht glauben was er sah. Sich weiterhin die bunten „Erbsen“ in den Rachen schaufelnd erhob er sich vom Stuhl und ging zum Flachbildschirm - von hololitischen Projektionpanels konnte man hier draußen oder hier unten nur träumen - hinüber um es genauer in Augenschein zu nehmen. Mit jedem Schritt weiteten sich seine Pupillen mehr. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Tatsache, ne’ Schnalle.</span> Miguel konnte sein Füllhorn kaum fassen. Gerade eben noch war seine Laune im finstersten Keller gewesen und nun das. Irgendwo über ihm musste jemand den Kuchen der Gerechtigkeit angeschnitten haben und ein Krümel davon war im direkt in den Schoss gefallen. Sprichwörtlich. Aufgeregt betätigte er den Pegel der Zoomfunktion und balancierte die Detailschärfe der Kamera aus. Der Bildausschnitt der jeweiligen Zelle verengte sich und holte den Winkel der Kammer heran in der die Pritsche und nicht unweit davon die kleine Hygieneeinheit festgemacht war. Doch der spärliche Einrichtung galt weniger seine gebannte Aufmerksamkeit, diese oblag vielmehr dem weiblichen Geschöpf das davor – scheinbar frustriert – auf und ab schritt und sich gelegentlich verdrießt durch die dunklen Haare fuhr. Der Soldat mit der grobporigen Haut rieb sich mit einer Hand über das Kinn an dem schon wieder die ersten Bartstoppeln sprossen und begutachtete das Bild als übe es einen magischen Anziehung auf ihn aus. In gewisser Weise stimmte das sogar, angezogen fühlte sich Miguel sehr von dem was sich ihm dort so offen und unverfangen präsentierte. Mit den Fingern der Linken zog er die Konturen der Strafgefangenen auf dem Bildschirm nach und spürte wie sich in seinem Genitalbereich etwas regte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Mann, ist die heiß… so was Wohlproportioniertes hatte ich ja schon seit Ewigkeiten nich’ mehr im meinem Gehege… das wird ne spitzenmäßige Nacht, irre… und ich habe immer noch Troikas…</span><br />
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Eine letzte Fortsetzung folgt noch]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Kombüse der Schürfstation Beta Sept., Erholungsebene (Ü18)]]></title>
			<link>https://koron3.de/showthread.php?tid=87</link>
			<pubDate>Mon, 28 Jul 2008 16:30:21 +0000</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://koron3.de/member.php?action=profile&uid=18"></a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://koron3.de/showthread.php?tid=87</guid>
			<description><![CDATA[Ayris blinzelte das Tränenwasser weg, welches ihr in die Augen stieg nachdem der chemische Prozess von gespaltener Aminosäure und katalytisch fungierenden Alliinase ihre Sehnerven reizte und der Tränenfluss den reizenden Stoff wieder auszuschwemmen gedachte. Für gewöhnlich war sie nicht der Typ der bei jedweder Gelegenheit heulte, genau genommen gehörte schon wirklich eine Menge dazu bis sich eine Grover den Zähren hingab, vor allem wenn man sich besann was ihr schon alles widerfahren war, doch es existierten Ausnahmen. Zu weinen galt gemeinhin - auf einer drittklassigen, verpesteten Welt wie Koron III - als ein Zeichen von Schwäche, wer dies tat war ein Loser und sicherlich bald tot weil er mit den rauen Bedingungen des „Lebens“ die hier diktiert wurde nicht klarkam. Bei jüngeren Neulingen konnte man diesen Entwicklungsgang zur Genügen beobachten. Die meisten von denen überstanden nicht einmal den ersten Monat in den Minen. Viele beendeten es sogar vorzeitig selbst. Nicht bereit dem Elend der Galaxis weiterhin dienlich zu sein und auf den nächsten Stolleneinbruch oder Grubenwurm zu warten der den erlösenden Tod bescherte.<br />
<br />
Doch Ayris zählte nicht mehr zu diesen Verlieren, nicht mehr zu diesen „Frischen“. Ihr Aufenthalt auf der Makropolwelt – die gleichermaßen eine Bergwerkswelt hätte sein können, da sie noch nichts anderes von ihr gesehen hatte - belief sich zwar erst auf knapp sieben Monate, dennoch hatte jene Zeit ausgereicht das sie sich bereits fühlte wie der Großteil der hiesigen Verdammten. Gebraucht und vergessen. Aber noch nicht verbraucht wie sie sich stets dran erinnern musste wenn sie des Nachts schlaflos in ihrer Zellenkoje oder dem weicherem Bett eines anderen lag.<br />
Auch wenn ihre Lage ziemlich hoffnungslos war von diesem Felsbrocken runterzukommen, so war sie doch längst nicht so erbärmlich dran wie die Arbeiter oder manche der anderen Frauen des Küchenpersonals. Sie genoss im Gegensatz zu ihnen ein Mindestmaß an Privilegien und Vorzügen und das verdankte sie nur einem Mann, einem Mann den sie auf ihrem Heimatplaneten wahrscheinlich in formschöne Stücke gesprengt hätte. Aber hier war einer der wichtigen und somit - für sie - richtigen Männer. Einer der Männer, welche etwas zu sagen hatte in der Schürfstation Beta Septimus wie sich dieser Komplex, indem sie alle gefangen gehalten wurden, nach imperialer Bezeichnung nannte. Das sie mit einem Offizier verkehrte, ausgerechnet einem ziemlich hoch gestellten (zumindest hier draußen in der Einöde) hatte ihr oft den Spott und Neid der anderen Insassinnen eingebracht, wann immer es ihnen möglich war ließen sie Ayris ihre Abneigung spüren, auch viele der Arbeiter schimpften sie eine Kolloborateurin und machten ihr das Leben schwer, doch sie alle fürchteten sich vor Bestrafungen, sollte ihr etwas zustoßen und hielten demgemäß einen respektablen Abstand.<br />
<br />
Ayris wusste das sie momentan die Favoritin des Oberstleutnants war und das ihr dies überaus zugute kam, aber zugleich ängstigte sie sich schon vor dem Tag an dem er sie von seiner Bettkante stoßen und eine andere, „frischere“ erwählen würde. Ab diesem Tag an würde sie Freiwild sein und nichts und niemand würde sie mehr vor der Rachsucht und Gehässigkeit der Arbeiter schützen können. Trotz das sie in dem Imperialen nicht mehr als ein Schwein sah, musste sie sich bemühen ihm zu gefallen und ihn immer wieder aufs Neue zu überraschen um nicht seine Gunst zu verspielen. Sie hasste und verachtete sich für diese Unterwürfigkeit und Speichelleckerei selbst, doch… so war nun einmal das Leben auf der Insel ohne Wiederkehr, Egir Septimus.<br />
<br />
Schale um Schale fiel vor ihr in das Kunststoffgefäß. Wie schon zig Mal zuvor an diesem Morgen nahm sie eine weitere Zwiebel in die Hand, schneidete den Wurzelansatz mit einem eher stumpfen, denn scharfen Messer ab und begann die weißen Schichten der Gemüsepflanze abzuziehen. Daher rührten die Tränen, die ihr über die Wangen liefen, dennoch war ihr hin und wieder sechsundzwanzig Stunden lang - denn so lang missten die Standardtage auf Koron III – zum weinen zumute. Zu lachen gab es hier nichts. Aber sie begrüßte die Tränen jedes Mal. Das beißende Gefühl in den Augen und das was sie auslösten, zeigten ihr auf das sie immerhin noch nicht gänzlich zum Zombie geworden war. Ihr Körper war noch zu emotionalen Reaktionen fähig. Zwar waren diese Tendenzen bis auf einen Restbestand zurückgeschraubt worden, aber sie waren noch vorhanden. Es tat gut hin und wieder etwas zu spüren.<br />
<br />
„<span style="color: orangered;" class="mycode_color">Na sie mal einer an, die Grover hat’s her verschlagen. Und das schon zu so früher Stund’. Was ist los mit dir Püppi? Keine Feldmatratze zum schlafen mehr gefunden? Oh, ich vergaß, du erfüllst ja für gewöhnlich den Zweck der Matratze.</span> “ flötete eine schmähsüchtige Stimme durch die Kombüse, die um diese Zeit noch unbesetzt war, da die Frauen die hier für gewöhnlich ihren Dienst verrichteten andernorts wie zum Beispiel der Reinigung eingesetzt wurden.<br />
Ayris kannte diese Stimme gut. Ihrer Besitzerin wünschte sie von Zeit zu Zeit die Uhlrens Pocken an den Hals. „<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Lucinda, schön dich zu sehen. Wir sind uns ja ausgesprochen lange nicht mehr begegnet, auch du hattest wohl in letzter Zeit viel um die Schen… Ohren oder könnte es damit zusammengehangen haben das ich stets einen großen Bogen gemacht habe wenn ich dein stinkendes Odeur gerochen habe?</span>“ Sie bereitete sich nicht Mühe sich der anderen zuzuwenden, ließ sie weiterhin Löcher in ihren Rücken starren und zuckte bloß mit den Achseln. „<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ich weiß nicht recht, irgendwas scheint zu verhindern das die Luft zwischen uns auch nur annährend so etwas wie… rein wird.</span>“<br />
<br />
„<span style="color: orangered;" class="mycode_color">Sind wir heute mit dem forschen Bein aufgestanden und einem selbstbewussten Ausdruck im Gesicht ja?</span> “ Lucinda schritt vom Eingang der Kombüse fort und umrundete langsam dem Raum und die in der Mitte drapierten Heizmodule und metallenen Zubereitungstische.<br />
„<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Kaum</span>“ erwiderte Ayris nur Kurzangebunden und war froh darüber ein Messer in ihre Nähe zu haben. Ein stumpfes zwar, aber auch damit konnte man lästigen Ratten den Garaus machen. Ungetrübt knibbelte sie weiter die Ummantelungen einer Zwiebel ab. Bald darauf hatte die braunhaarige Lucinda sie erreicht, das bleiche Orange ihres Overalls leuchtete wie eine verdorrte Orange an ihrem Augenrand.<br />
„<span style="color: orangered;" class="mycode_color">Pff, du hältst dich wohl für ganz schlau und durchtrieben was? Denkst, nur weil du den aalglatten Fisch von Terra fickst, wärst du etwas Besseres als wir was?</span>“ Die übliche Litanei, wie oft hatte sie sich das schon aus verschiedenen Mäulern anhören müssen. Die hämische „Kollegin“ lehnte sich dicht neben sie an die in der Wand justierte Arbeitsplatte und griff nach einer Locke von ihrem schwarzen Haar. Sofort schüttelte Ayris die grapschende Hand fort, als wäre sie ein widriges Insekt. „<span style="color: orangered;" class="mycode_color">Oh, Entschuldigung du Hure. Wollte nur mal fühlen wie weich sie sind. Fühlen sich toll an, ist das Zeug von ihm? Bestimmt, woher sonst solltest du so etwas kriegen. Eine richtige Pflege-Kur…</span>“ Lucinda biss sich auf die Unterlippe und verdrehte verträumt die dunklen Augen. „<span style="color: orangered;" class="mycode_color">Kann mich gar nicht mehr entsinnen wie lange es her ist das ich so was benutzen durfte. Ist es in deiner Zelle oder bei ihm? In deinem Spind? Du könntest mal anfangen zu teilen, würde dir sicherlich ein paar Pluspunkte einbringen die du bitter nötig hättest Schätzchen. Oder willst du dass ich und einige der anderen mal einen kleinen Streifzug unternehmen und dich besuchen kommen?</span>"<br />
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wird noch fortgesetzt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ayris blinzelte das Tränenwasser weg, welches ihr in die Augen stieg nachdem der chemische Prozess von gespaltener Aminosäure und katalytisch fungierenden Alliinase ihre Sehnerven reizte und der Tränenfluss den reizenden Stoff wieder auszuschwemmen gedachte. Für gewöhnlich war sie nicht der Typ der bei jedweder Gelegenheit heulte, genau genommen gehörte schon wirklich eine Menge dazu bis sich eine Grover den Zähren hingab, vor allem wenn man sich besann was ihr schon alles widerfahren war, doch es existierten Ausnahmen. Zu weinen galt gemeinhin - auf einer drittklassigen, verpesteten Welt wie Koron III - als ein Zeichen von Schwäche, wer dies tat war ein Loser und sicherlich bald tot weil er mit den rauen Bedingungen des „Lebens“ die hier diktiert wurde nicht klarkam. Bei jüngeren Neulingen konnte man diesen Entwicklungsgang zur Genügen beobachten. Die meisten von denen überstanden nicht einmal den ersten Monat in den Minen. Viele beendeten es sogar vorzeitig selbst. Nicht bereit dem Elend der Galaxis weiterhin dienlich zu sein und auf den nächsten Stolleneinbruch oder Grubenwurm zu warten der den erlösenden Tod bescherte.<br />
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Doch Ayris zählte nicht mehr zu diesen Verlieren, nicht mehr zu diesen „Frischen“. Ihr Aufenthalt auf der Makropolwelt – die gleichermaßen eine Bergwerkswelt hätte sein können, da sie noch nichts anderes von ihr gesehen hatte - belief sich zwar erst auf knapp sieben Monate, dennoch hatte jene Zeit ausgereicht das sie sich bereits fühlte wie der Großteil der hiesigen Verdammten. Gebraucht und vergessen. Aber noch nicht verbraucht wie sie sich stets dran erinnern musste wenn sie des Nachts schlaflos in ihrer Zellenkoje oder dem weicherem Bett eines anderen lag.<br />
Auch wenn ihre Lage ziemlich hoffnungslos war von diesem Felsbrocken runterzukommen, so war sie doch längst nicht so erbärmlich dran wie die Arbeiter oder manche der anderen Frauen des Küchenpersonals. Sie genoss im Gegensatz zu ihnen ein Mindestmaß an Privilegien und Vorzügen und das verdankte sie nur einem Mann, einem Mann den sie auf ihrem Heimatplaneten wahrscheinlich in formschöne Stücke gesprengt hätte. Aber hier war einer der wichtigen und somit - für sie - richtigen Männer. Einer der Männer, welche etwas zu sagen hatte in der Schürfstation Beta Septimus wie sich dieser Komplex, indem sie alle gefangen gehalten wurden, nach imperialer Bezeichnung nannte. Das sie mit einem Offizier verkehrte, ausgerechnet einem ziemlich hoch gestellten (zumindest hier draußen in der Einöde) hatte ihr oft den Spott und Neid der anderen Insassinnen eingebracht, wann immer es ihnen möglich war ließen sie Ayris ihre Abneigung spüren, auch viele der Arbeiter schimpften sie eine Kolloborateurin und machten ihr das Leben schwer, doch sie alle fürchteten sich vor Bestrafungen, sollte ihr etwas zustoßen und hielten demgemäß einen respektablen Abstand.<br />
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Ayris wusste das sie momentan die Favoritin des Oberstleutnants war und das ihr dies überaus zugute kam, aber zugleich ängstigte sie sich schon vor dem Tag an dem er sie von seiner Bettkante stoßen und eine andere, „frischere“ erwählen würde. Ab diesem Tag an würde sie Freiwild sein und nichts und niemand würde sie mehr vor der Rachsucht und Gehässigkeit der Arbeiter schützen können. Trotz das sie in dem Imperialen nicht mehr als ein Schwein sah, musste sie sich bemühen ihm zu gefallen und ihn immer wieder aufs Neue zu überraschen um nicht seine Gunst zu verspielen. Sie hasste und verachtete sich für diese Unterwürfigkeit und Speichelleckerei selbst, doch… so war nun einmal das Leben auf der Insel ohne Wiederkehr, Egir Septimus.<br />
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Schale um Schale fiel vor ihr in das Kunststoffgefäß. Wie schon zig Mal zuvor an diesem Morgen nahm sie eine weitere Zwiebel in die Hand, schneidete den Wurzelansatz mit einem eher stumpfen, denn scharfen Messer ab und begann die weißen Schichten der Gemüsepflanze abzuziehen. Daher rührten die Tränen, die ihr über die Wangen liefen, dennoch war ihr hin und wieder sechsundzwanzig Stunden lang - denn so lang missten die Standardtage auf Koron III – zum weinen zumute. Zu lachen gab es hier nichts. Aber sie begrüßte die Tränen jedes Mal. Das beißende Gefühl in den Augen und das was sie auslösten, zeigten ihr auf das sie immerhin noch nicht gänzlich zum Zombie geworden war. Ihr Körper war noch zu emotionalen Reaktionen fähig. Zwar waren diese Tendenzen bis auf einen Restbestand zurückgeschraubt worden, aber sie waren noch vorhanden. Es tat gut hin und wieder etwas zu spüren.<br />
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„<span style="color: orangered;" class="mycode_color">Na sie mal einer an, die Grover hat’s her verschlagen. Und das schon zu so früher Stund’. Was ist los mit dir Püppi? Keine Feldmatratze zum schlafen mehr gefunden? Oh, ich vergaß, du erfüllst ja für gewöhnlich den Zweck der Matratze.</span> “ flötete eine schmähsüchtige Stimme durch die Kombüse, die um diese Zeit noch unbesetzt war, da die Frauen die hier für gewöhnlich ihren Dienst verrichteten andernorts wie zum Beispiel der Reinigung eingesetzt wurden.<br />
Ayris kannte diese Stimme gut. Ihrer Besitzerin wünschte sie von Zeit zu Zeit die Uhlrens Pocken an den Hals. „<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Lucinda, schön dich zu sehen. Wir sind uns ja ausgesprochen lange nicht mehr begegnet, auch du hattest wohl in letzter Zeit viel um die Schen… Ohren oder könnte es damit zusammengehangen haben das ich stets einen großen Bogen gemacht habe wenn ich dein stinkendes Odeur gerochen habe?</span>“ Sie bereitete sich nicht Mühe sich der anderen zuzuwenden, ließ sie weiterhin Löcher in ihren Rücken starren und zuckte bloß mit den Achseln. „<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Ich weiß nicht recht, irgendwas scheint zu verhindern das die Luft zwischen uns auch nur annährend so etwas wie… rein wird.</span>“<br />
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„<span style="color: orangered;" class="mycode_color">Sind wir heute mit dem forschen Bein aufgestanden und einem selbstbewussten Ausdruck im Gesicht ja?</span> “ Lucinda schritt vom Eingang der Kombüse fort und umrundete langsam dem Raum und die in der Mitte drapierten Heizmodule und metallenen Zubereitungstische.<br />
„<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Kaum</span>“ erwiderte Ayris nur Kurzangebunden und war froh darüber ein Messer in ihre Nähe zu haben. Ein stumpfes zwar, aber auch damit konnte man lästigen Ratten den Garaus machen. Ungetrübt knibbelte sie weiter die Ummantelungen einer Zwiebel ab. Bald darauf hatte die braunhaarige Lucinda sie erreicht, das bleiche Orange ihres Overalls leuchtete wie eine verdorrte Orange an ihrem Augenrand.<br />
„<span style="color: orangered;" class="mycode_color">Pff, du hältst dich wohl für ganz schlau und durchtrieben was? Denkst, nur weil du den aalglatten Fisch von Terra fickst, wärst du etwas Besseres als wir was?</span>“ Die übliche Litanei, wie oft hatte sie sich das schon aus verschiedenen Mäulern anhören müssen. Die hämische „Kollegin“ lehnte sich dicht neben sie an die in der Wand justierte Arbeitsplatte und griff nach einer Locke von ihrem schwarzen Haar. Sofort schüttelte Ayris die grapschende Hand fort, als wäre sie ein widriges Insekt. „<span style="color: orangered;" class="mycode_color">Oh, Entschuldigung du Hure. Wollte nur mal fühlen wie weich sie sind. Fühlen sich toll an, ist das Zeug von ihm? Bestimmt, woher sonst solltest du so etwas kriegen. Eine richtige Pflege-Kur…</span>“ Lucinda biss sich auf die Unterlippe und verdrehte verträumt die dunklen Augen. „<span style="color: orangered;" class="mycode_color">Kann mich gar nicht mehr entsinnen wie lange es her ist das ich so was benutzen durfte. Ist es in deiner Zelle oder bei ihm? In deinem Spind? Du könntest mal anfangen zu teilen, würde dir sicherlich ein paar Pluspunkte einbringen die du bitter nötig hättest Schätzchen. Oder willst du dass ich und einige der anderen mal einen kleinen Streifzug unternehmen und dich besuchen kommen?</span>"<br />
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